Workshop Bläser-Recording - Teil 2

ohne_BU4Während wir im ersten Teil unseres Bläser-Recording-Workshops die Eigenheiten der Blasinstrumente beschrieben und die grundsätzlichen Regeln bei der Aufnahme erläutert haben, möchten wir uns an dieser Stelle dem Einsatz verschiedener Mikrofone bei der Aufnahme von Blasinstrumenten widmen.

 

 

Wie bereits im ersten Teil erwähnt, sollte man stets ein wenig mit verschiedenen Mikrofonen experimentieren, denn je nach Instrument und Musiker, je nach Raum aber auch je nach gewünschtem Sound-Ergebnis, bietet sich mal die eine und mal die andere Lösung an. Jedes Mikrofon hat einen eigenen Charakter, und oft kommt man durch das einfache Austauschen des Mikros weiter als durch stundenlanges „Schrauben“ an Equalizern oder sonstigen Klangbearbeitungs-Tools. Es gibt immer wieder Situationen, wo ein ganz bestimmtes Mikrofon perfekt zum Instrument und zum Raum passt, dabei spielt es manchmal keine Rolle, wie teuer das Mikrofon ist. Daher empfiehlt es sich stets, bei der Aufnahme möglichst viele Mikrofon-Typen am Start zu haben. Falls man selbst nicht so viele Mikrofone besitzt, kann man sich ggf. bei befreundeten Musikern oder Studios das eine oder andere Mikro ausleihen. Ein guter Tipp ist sicher auch, den Musiker zu bitten, ein gutes Mikrofon selber mitzubringen -falls er eins besitzt oder Zugriff darauf hat). Denn wenn er schon Studioerfahrung hat, weiß er vielleicht, welches Mikrofon besonders gut zu ihm passt.

Frank__WiesenUm euch zu zeigen, wie extrem unterschiedlich Mikrofone teilweise funktionieren, haben wir Instrumente wie Sopran-Saxophon, Tenor-Saxophon und Trompete jeweils mit mehr als 20 verschiedenen Mikrofonen aufgenommen. Alle Soundfiles könnt ihr HIER abspielen oder downloaden.
An dieser Stelle nochmals vielen Dank an die Musiker Heiner Schmitz (Saxophon) und Frank Wiesen (Trompete).
Die Aufnahme-Sessions für Saxophon und Trompete wurden an verschiedenen Tagen durchgeführt. Da wir alle Mikrofone einsetzen wollten, die uns gerade zur Verfügung standen, variiert die Auswahl der Mikros bei den jeweiligen Sessions.
Damit die einzelnen Takes reproduzierbar sind, spielten die Musiker stets die gleichen musikalischen Parts: einmal etwas ruhiger, zum anderen etwas rhythmischer oder ein wenig funky – von tief bis hoch.

Bevor man mit den Aufnahmen beginnt, sollte man sich ein paar Gedanken über Grundsätzliches machen. Hier zur Erinnerung ein Auszug aus unserem ersten Workshop-Artikel:


Um ein optimales Ergebnis bei der Aufnahme von Instrumenten zu erzielen, sollte man das jeweilige Instrument verstehen:

  • Wie und wo im Instrument wird der Klang erzeugt?
  • Wo sitzt die Hauptenergie des Instrumentes?
  • Welche Nebengeräusche wie z.B. die Klappengeräusche beim Saxophon sind wichtig für die Authentizität, welche Geräusche stören?
  • Wie verteilt sich der Klang des Instrumentes im Raum?
  • Welche Funktion soll das Intrument in dem jeweiligen Song erfüllen?
  • Welcher Stil ist vom Künstler gewünscht?

Testmikros_auf_der_ProduzentencouchSetup
Als Mikrofonvorverstärker haben wir bei allen Mikrofonen (außer beim Soundfield, welches bereits mit eigenen Preamps ausgestattet ist) einen System 9098 EQ „R. Neve by Amek“ eingesetzt, wobei der 40 Hz Trittschallfilter aktiviert wurde. Ansonsten wurden weder EQs noch Kompressoren eingesetzt, um den jeweiligen Mikrofoncharakter nicht zu beeinflussen.
Aus diesem Grund haben wir die Aufnahmen auch völlig „trocken“ ohne jeden Effekt gelassen.
In der Praxis wird man normalerweise, sobald man sich für ein Mikro entschieden hat, auch einen EQ und einen Kompressor dazunehmen und das Instrument beim Abhören mit einem kleinen Hall-Anteil mischen.
Beachtet bitte, dass für den aufnehmenden Musiker, der ja in der Regel mit einem Kopfhörer abhört, der Hall wesentlich lauter erscheint als für Euch, wenn Ihr über Lautsprecher abhört.
Deshalb sollte man mit dem Hallanteil im Kopfhörermix nicht zu großzügig sein. Zudem wird man bei schnellen Passagen eher mit einem trockeneren Sound zurechtkommen, während der Hall bei einem getragenen Sopran-Saxophon auch gerne mal mehr und länger sein darf, um den Künstler in die richtige Stimmung zu versetzen.
Falls ihr die Möglichkeit habt, unsere Testfiles in eine DAW-Software zu importieren, könnt ihr hier ein wenig mit EQ, Kompression und Hall-Effekten experimentieren.
In der Regel wurde der Gain-Regler des Mikro-Preamps während unserer Testaufnahmen nicht verändert. Lediglich bei den leisen Mikrofonen - das waren meist die dynamischen Mikros oder das Bändchen-Mikro - wurde der Pegel um bis zu 18 dB angehoben.
Sicherlich gibt es viele Mikrofone, die für Saxophon- und Trompeten-Aufnahmen geeignet sind. Bei unserer Recording-Session kam eine Auswahl von mehr als 20 Mikrofonen zum Einsatz, wobei - falls variabel - die Nierencharakteristik gewählt wurde.

Hier eine Auflistung der verwendeten Mikros:
AKG C 460 (mit Nierenkapsel), C 414 B
Beyerdynamic MC 930, TG i53c, Tg i57c
Electro-Voice RE 20
Manley Gold Reference
Microtech Gefell UM 70 (Einstellung Niere), M 900, M300
Neumann TLM 103, TLM 102, TLM 49, M149 Jubilee
Rode NT 55 (mit Nierenkapsel), NT 2000
Schoeps CMC 6 mit MK 2 Kapsel
Sennheiser MD 421, e606, MK 4
Shure SM 57, SM 58, SM 7, KSM 353
Violet Design Amethyst, Black Knight
sowie Soundfield MK V

Die Soundfiles des Sound-Field Mikrofonsystems spielt dabei eine gesonderte Rolle. Das Soundfield-System liefert ein sehr authentisches Abbild der originalen akustischen Bedingungen und wird daher auch oft in der Wissenschaft und Entwicklung als Referenz eingesetzt, d.h. die Soundfield-Aufnahmen sollen auch bei unserem Klangvergleich als Referenz dienen: So in etwa klingt das Instrument ohne die üblichen Mikrofon-spezifischen Einflüsse (die ja durchaus gewünscht sein können). An dieser Stelle vielen Dank an die Firma Soundfield für ihren Support.

Martin_am_ProToolsRaumeinfluss und Abstand
Für den eigentlichen Mikrofon-Check haben wir mit dem Soundfield Mikrofonsystem Aufnahmen in verschiedenen Abständen gemacht, so kann man recht gut nachvollziehen, wie wichtig der richtige Abstand zum Instrument ist. Die für uns interessanten Positionen haben wir dann für die Mikro-Testreihe übernommen (siehe Beschreibung der Files www.xound.com).

Bei der Aufnahme von Blasinstrumenten sind größere Räume wesentlich einfacher zu handeln als kleine Räume - in kleinen Räumen hat man meist mit Resonanzen und Reflexionen zu kämpfen. Am besten eignen sich möglichst große Räume, die akustisch optimiert sind, doch in der Regel findet man heute in den meisten Studios eher kleinere Aufnahme-Kabinen. Wir haben daher ganz bewusst, der gängigen Praxis entsprechend, einen kleinen Aufnahmeraum gewählt. Hier muss man ein wenig mit der Ausrichtung des Instrumentes und der Mikros experimentieren, damit die Aufnahme möglichst wenig durch den Raum beeinflusst wird.

Der erste Eindruck
Interessant war beim Mikro-Check auch für uns, wie unterschiedlich die einzelnen Mikrofone doch teilweise klingen, das Ergebnis hängt natürlich stets auch sehr vom Instrument und vom Raum ab. Hier unser spontaner Eindruck:

Interessant war, dass manche Mikros wie z.B. das Electro-Voice RE 20, welches als das klassische Mikrofon oft für Bläser-Aufnahmen verwendet wird, in unserem Fall nicht unbedingt die überzeugendsten Ergebnisse lieferte, währen die preiswerten Shure-Klassiker SM 57 und SM 58 wieder einmal ihrem Ruf als „Universal-Mikros“ gerecht wurden und den Charakter der Instrumente trotz der technisch bedingten frequenzmäßigen Einschränkungen sehr authentisch wiedergeben. Auch das Neumann TLM 103 entpuppte sich bei allen Instrumenten wieder einmal als echter „Allrounder“, lieferte stets eine überzeugende Performance und kann somit durchaus mit seinen „großen Brüdern“ mithalten. Während manche Mikros wie z.B. die Violet Design Modelle beim Saxophon gar nicht „funktionierten“, überzeugten diese Mikros dagegen bei den Trompeten-Aufnahmen. Überraschend gute Ergebnisse lieferte auch das M 900 aus dem Hause Microtech Gefell bei den Trompeten-Aufnahmen.

Doch am besten, ihr macht euch ein eigenes Bild von den Aufnahmen und vergleicht die verschiedenen Files, es lohnt sich!

                                   

Vita Heiner Schmitz (Auszug)Heiner_Schmitz
  • Unterricht in Klavier, Klarinette, Saxophon
  • 2001-2006 Studium von Jazz-Komposition/Arrangement an der Musikhochschule Köln bei Frank Reinshagen und Joachim Ullrich, Abschluss mit Auszeichnung
  • Workshops & Unterricht bei Dave Liebman, Peter Weniger, C. Valk, Greg Badolato, N. Wogram, J. Hollenbeck, P. Heller u.a.
  • Saxophonist bei JAZZKANTINE
  • Arrangeur und Saxophonist der RTL AllStars u.a. für die Fernsehsendungen „Samstag Nacht“ auf RTL, „Happy Friday“, „Gongshow“, „Taratata“, „Ich Tarzan, Du Jane“ (SAT.1) u.a.
  • Big Bands und Orchester: hr-bigband feat. Dave Liebman & Richie Beirach 2009, Bundesjugendjazzorchester 2004, Cologne Contemporary Jazz Orchestra seit 2002, Wednesday Night Bigband seit 2004, DVD-Produktion 2006, Grand Central Orchestra seit 2006, Landesjugendjazzorchester Sachsen-Anhalt 2008, Landesjugendjazzorchester NRW 2001, diverse Schul-, Musikschul- und Musikhochschulbigbands
  • Arrangements/Leitung von Streich- und Symphonieorchestern (Bergische Symphoniker, Jugendorchester Duisburg u.a.)
  • Konzerttourneen mit dem LJJO durch die Türkei und Weißrussland
  • Konzerte u.a. mit: Phil Collins, Joe Cocker, Beverly Knight, Ronan Keating, Zucchero, Ana Johnsson, Jazzkantine, Westlife, Sylvia Droste, Klaus Doldinger, Paul Kuhn, Jess (No Angels), Beginner

www.heinerschmitz.de

 

Vita Frank Wiesen (Auszug)FrankWiesen
  • 1994-1997 Unterricht bei Walter Link (ehem. Lead Trompeter der Big Band der Bundeswehr)
  • 1997 Studium klassischer Trompete bei Rüdiger Baldauf an der Staatl. Hochschule für Musik Köln Abt. Aachen.Nach dem Vordiplom Wechsel  zum Studium Jazz Trompete bei Prof. Andreas Haderer an der Staatl. Hochschule für Musik Köln mit Erlangen des Diploms 2002.
  • Während der Studienzeit Mitglied des Jugend Jazz Orchesters NRW sowie des Bundes Jazz Orchesters (BuJazzO) unter der Leitung von Peter Herbolzheimer
  • Big Bands: Tobias Kremer Big Band, Big Band Convention, Jazz Artist Orchestra Cologne, Aachen Big Band, Tom Gäbel Big Band, TV Total Big Band, Big Band der Bundeswehr, King Of Swing Orchestra, Contemporary Jazz Orchestra Cologne, Grand Central Orchestra Cologne, WDR Rundfunk Orchester
  • Radio- und TV-Produktionen: Das große Klassentreffen (WDR), Wunschbox (VOX), Die Superhitparade (ZDF), Star Duell (RTL) Deutscher Filmpreis (ARD), Top Of The Pops (RTL) sowie Radiosendungen bei WDR, SFB und SWF, Mitglied bei den RTL Samstag Nacht All Stars
  • Musicals: Die Schöne Und Das Biest, Saturday Night Fever, Starlight Express, Sweet Charity, Gaudi, License For Two, Spamalot, Hairspray, Kein Pardon
  • internationalen Konzertreisen nach: China, Israel, Chile, Mexico, Brasilien, Cuba sowie zahlreiche Festivals im europäischen Ausland
  • Konzerte u.a. mit: Gloria Gaynor, Jennifer Rush, Bonnie Tyler, Sir Cliff Richard, Heino, Johnny Logan, Gitte Haenning, Howard Carpendale, Jiggs Whigham, Ack van Rooyen, Manfred Schoof, John Ruocco, Charanga Habanera, Dieter Falk Band, sowie regelmäßige Engagements bei den RTL Samstag Nacht Allstars

www.frankwiesen.com


Autoren: Martin Ernst, Hagü Schmitz



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