Ein Song entsteht

Das auffälligste Merkmal von Live ist die sogenannte Session View (siehe Abbildung 1). Hier sind die Spuren nicht wie bei einem „normalen“ Sequencer horizontal angeordnet, sondern ähnlich wie bei einem Mischpult vertikal, wobei im oberen Teil des Bildschirms Audio und Mididaten als „Clips“ oder auch Loops eingefügt werden. Man kann entweder per Drag’n Drop oder direkt mit einer Aufnahme arbeiten. Hier beginnt der kreative Teil meiner Arbeit: Hie kann ich Gitarrenriffs einspielen, die automatisch songsynchron weiterlaufen, weitere Overdubs hinzufügen, Schlagzeug mittels Plugins über einen Padcontroller einklöppeln, Synths mit einem MIDI-Keyboard einspielen und erste Automationen (z.B. FX-Sends oder Mixer-Automationen) in die Clips schreiben.

Meist arbeite ich hier zuerst verschiedene Parts auf, von denen ich denke, dass sie gut zusammen passen. Dies überprüfe ich, indem ich auf der Masterspur ganze „Zeilen“ von Clips (die bei meiner Vorgehensweise Songparts entsprechen) synchron starte und miteinander abgleiche. Oft trennt sich dabei die Spreu vom Weizen und ich merke schnell, welche Parts harmonieren und welche nicht. Das Schöne hierbei ist, dass man sogar Clips unterschiedlicher Länge miteinander kombinieren kann. Dadurch kann man sich nach ein paar Loopdurchläufen von den entstandenen Zufallsmustern inspirieren lassen. Das „Livespielen“ von diesen Songabschnitten mach ich mit meiner APC40, einem perfekt auf Ableton Live abgestimmten Hardwarecontroller (siehe unten). So kann ich in Echtzeit z.B. zwischen einem möglichen Strophenpart und einem Hookpart hin- und herschalten und auf diese Weise checken, wie sich das Endergebnis ungefähr anhören wird. Am Beispiel unseres Workshopsongs „From Darkness“ war der Strophenpart das charakteristische „gedengelte“ Gitarrenriff und die Hook eine Akkordfolge aus zwei Akkorden. So habe ich also ein vorläufiges Arrangement kreiert. Parallel dazu haben wir auf einer MIDI-Spur die ersten Synth-Ideen aufgenommen. Bei „From Darkness“ ist dies der Synth, den man ganz am Anfang des Songs hört. Er besteht aus einem bereits in Ableton Live vorhandenen Rack-Preset, welches ich passend zum Song modifiziert habe.