Royer R-101

Bändchenmikrofone zählen zu den sensibelsten Exoten im Bereich der Mikrofone. Kenner wissen den typischen Bändchen-Sound zu schätzen. Waren die Bändchenmikrofone bisher aufgrund des hohen Anschaffungspreises eher den Studios mit größeren Budgets vorbehalten, so kommt diese Technologie mit dem R-101 in einen für viele bezahlbaren Rahmen.

Beim Royer R-101 handelt es sich um ein passives Mono-Bändchenmikrofon, welches auf Royers patentiertem Offset-Bändchen-Übertrager basiert. Das R-101 wird in Handarbeit in Burbank, Kalifornien hergestellt. Das R-101 stellt eine moderne Weiterentwicklung der Bändchen-Technologie dar und wurde für den Einsatz im Tonstudio und auf der Bühne entwickelt.
Das Mikrofon besitzt viele der von Royer Labs entwickelten und patentierten Eigenschaften, inklusive internem Bändchen-Shock-Mount-
System zum Schutz vor Vibrationen und Erschütterungen und einem mehrlagigen Windschutz gegen Explosivlaute.


Bändchen Technologie

Bereits in den 30er Jahren entwickelte Harry F. Olson, Physiker und Ingenieur, für RCA das erste einsatzfähige Bändchen-Mikrofon. In den 40er und 50er Jahren setzten die amerikanischen Tonstudios und vor allem die Rundfunksender die Bändchen-Mikrofone ein.
Bändchenmikrofone zählen zu den dynamischen Mikrofonen. Beim Bändchen-Mikrofon finden wir dünnes Metall-Bändchen, welches sich zwischen den Polstücken eines Permanent-Magneten befindet. Dieses Metall-Bändchen – meist aus Aluminium - ist gleichzeitig Membran und elektrischer Leiter, d.h. gegenüber einem herkömmlichen dynamischen Mikrofon kann hier auf die Tauchspule verzichtet werden. Durch dieses Prinzip verringert sich die Masse, die bewegt werden muss, und die höheren Frequenzen werden stets klarer und brillanter wiedergegeben als bei herkömmlichen dynamische Mikros. Im Vergleich zu Kondensator-Mikrofonen klingen die Höhen der Bändchen-Mikrofone trotz starker Präsenz jedoch immer weicher und wärmer.
Bändchenmikrofone zeichnen sich in der Regel durch einen extrem linearen Frequenzgang aus,
allerdings ist das Ausgangssignal eines Bändchen-Mikros sehr niedrig. Daher empfehlen sich beim Einsatz von Bändchenmikrofonen sehr gute, rauscharme Vorverstärker.
Die Richtcharakteristik der Bändchenmikrofone ist aufgrund des technischen Prinzips  immer die „Acht“, d.h. das Mikrofon nimmt von vorne und von hinten auf. Gegen Schall, der von der Seite oder oben kommt, ist das Bändchen-Mikro dagegen unempfindlich. Durch die Achtercharakteristik neigen Bändchen-Mikrofone zu relativ starkem Nahbesprechungseffekt, d.h. befindet sich z.B. der Sprecher oder Sänger unmittelbar vor dem Mikrofon, so werden die Bassfrequenzen angehoben.

Da die Bändchen Mikrofone stets sehr empfindlich waren, galten sie für viele eher als exotische Mikrofone. Die Mikros waren besonders empfindlich gegenüber mechanischen Stößen aber auch gegenüber hohem Schalldruck. Ein weiterer „Bändchen-Killer“ kann auch die Phantom-Power sein. Gerade historische Mikrofon-Modelle sind hier u.U. gefährdet.


Patentierte Offset Bändchen Technologie

Das Herzstück aller Royer-Mikrofone ist Royers patentierte Offset-Bändchen Technologie und ein Bändchenelement mit 2,5 Mikrometer und minimaler Masse. Das Neodymium-Magnet-system und der Fluss-Rahmen des Bändchen-Übertragers erzeugen ein sehr starkes Magnetfeld. Dadurch wird die Empfindlichkeit des Mikros erhöht und die magnetische Streustrahlung reduziert.

Der Offset-Bändchen-Übertrager des R-101  positioniert das Bändchen-Element zur Frontseite des Mikrofongehäuses hin. Dies gibt dem Bändchen-Element mehr Raum für Bewegungen im Magnetfeld  und gewährleistet damit den vollen Frequenzgang auch bei hohen Schallpegeln.
Durch das Konzept des Offset-Bändchen-Übertragers klingt das Mikro von hinten heller als von vorne. Mit diesem Feature lässt sich bei der Aufnahme spielen, so dass man stets einen optimalen Sound einfangen kann.


Anwendung und Fazit:

Das R-101 Mikro liefert mit seinem ausgeglichenen Frequenzverlauf und der linearen Phase
einen sehr warmen Klang, der jedoch niemals belegt wirkt. Die Höhen sind sehr präsent und wirken selbst bei obertonreichen Signalquellen sympathisch dezent. Selbst wenn Royer das Mikro für Bass oder Gitarrenaufnahmen vorschlägt – auch hier liefert das R-101 eine exzellente Performance - habe ich das Mikro auch als Overhead-Mikro bei Drum- und bei Gesangs-Aufnahmen eingesetzt und war begeistert. Die Becken des Drum-Kits wirkten sehr seidig, präsent und doch zurückhaltend. Man sollte nur darauf achten, dass man das Mikro nicht durch zu hohe Pegel „überfährt“ – das haben Bändchenmikros nicht gerne. Als Gesangsmikro liefert das R-101 die oben beschriebene Wärme, doch ohne auch nur annähernd einen matten Eindruck zu erwecken. Ganz im Gegenteil, die Höhen und oberen Mitten sind da und vermitteln eine Art „analoges Vintage-Feeling“.
Aufgrund seines attraktiven Preises ist das R-101 nicht nur für die Profis sondern auch für Homestudio- und Liveanwendungen gleichermassen interessant.


Facts:

-    Richtcharakteristik: Acht
-    Frequenzbereich: 30 - 15000 Hz /- 3dB
-    Empfindlichkeit -48dB (re. 1v/pa)
-    max. SPL 135dB bei 30Hz
-    Maße, Gewicht: 200 x 36 mm, 483 g
-    Farbe: Mattschwarz
-    ink. Spinne und Koffer


*UVP: 960 EUR
www.sea-distribution.com



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