Shure KSM42 und KSM44A

Neues Duo

Eigentlich könnte sich der US-Hersteller Shure getrost zurücklehnen, denn nach wie vor sind die Shure-Klassiker wie SM 57 und SM 58 weltweit noch immer die Topseller unter den Mikrofonen. Kaum ein anderes technisches Produkt im MI-Bereich hat sich über solch einen langen Zeitraum so extrem gut gehalten. Und doch ruhen sich die Shure-Entwickler nicht auf ihren Lorbeeren aus, sondern liefern ständig neue Produkte nach. Mit den beiden Mikros KSM42 und KSM44A, dem Nachfolger des KSM44, liefert Shure nun zwei neue Großmembran-Mikrofone in den Farben Champagner und Silber. Xound hatte die beiden Mikros im Test.

 

KSM44A

Beim KSM44A handelt es sich um ein Kondensator-Mikrofon mit einer  extern polarisierten 25-mm-Doppelmembran.

Durch die ultradünne (2,5 µm), vergoldete (24 Karat) Mylar-Doppelmembran schafft das Mikro einen erstaunlich linearen Frequenzgang von 20 bis 20.000 Hz. Ebenso ist das KSM44A für hohe Schalldruckpegel geeignet. Im Betrieb mit Kugelcharakteristik liegt der maximale Schalldruck bei 140 dB.

Als weiteres Merkmal für die edle Verarbeitung nennt Shure neben den hochwertigen Komponenten die vergoldeten internen und externen Verbindungen.

Das Mikro macht auf Anhieb einen professionellen Eindruck. Zum Lieferumfang zählen neben einem Samt-Schutzbeutel eine Spinne und ein hochwertiger Alukoffer.

Das KSM44A verfügt intern über einem dreistufigen Pop-Schutzgrill. Dieser Pop-Filter funktioniert schon sehr gut, wer trotzdem auf Nummer sicher gehen möchte, hat natürlich die Möglichkeit, zusätzlich einen externen Pop-Schutz dazu zu nehmen. Dazu wurde das Mikrofon mit internem Erschütterungsabsorber und einem Rumpelfilter ausgestattet, der mechanische Vibrationen unter 17 Hz eliminiert.

Für die Verstärkung des Signals kommt beim KSM44A Shures Prethos-Technologie zum Einsatz. Der trafolose Class A-Vorverstärker liefert eine extreme Transparenz, ein schnelles Einschwingverhalten und minimiert den Klirrfaktor und das Eigenrauschen (nur 4 dB).
Insgesamt bietet das neue Mikro drei verschiedene Richtcharakteristiken, Niere, Kugel und Acht, die sich über einen kleinen Schalter auf der Mikro-Vorderseite einstellen lassen. Auf der Mikro-Rückseite stehen zwei weitere Schalter zur Verfügung: Mit dem dreistufigen Schalter lässt sich bei Bedarf ein Trittschallfilter aktivieren. Neben der „Off“-Position stehen zwei verschiedene Filter-Modi zur Auswahl (-6 dB/Oktave unterhalb von 115 Hz oder -18 dB/Oktave unterhalb von 80 Hz). Damit dürfte man bei der Unterdrückung von Störgeräuschen flexibel genug sein. Schließlich wäre noch der Pad-Schalter zu nennen, mit dem sich der Pegel bei lauten Signalen direkt nach der Kapsel um 15 dB dämpfen lässt.

Gespeist wird das KSM44A durch 48 Volt Phantomspannung, wobei das Mikro auch durchaus mit niedrigeren Spannungen funktioniert. In diesem Fall muss man jedoch leichte Beeinträchtigungen in der Performance in Kauf nehmen, was aber bei vielen mobilen Anwendungen vertretbar ist.

Facts KSM44A
-    Kapseltyp: Doppelmembrankondensator, extern polarisiert
-    Richtcharakteristik: Niere, Kugelcharakteristik, Achtercharakteristik
-    Frequenzgang: 20 bis 20.000 Hz
-    Ausgangsimpedanz: 50 Ohm
-    Dämpfungsschalter: 15 dB
-    LowCut-Filterschalter: Linear, -6 dB/Oktave unterhalb 115 Hz oder -18 dB/Oktave unterhalb 80 Hz 
-    Versorgungsspannungen: 11–52 V DC Phantomspeisung (IEC-61938) 5.8 mA, Maximum
-    Gleichtaktunterdrückung (10 bis 100,000 Hz) : ≥50 dB
-    Polarität: Positiver Druck an der Membran erzeugt positive Spannung an Pin 2 in Bezug auf Pin 3
-    Nettogewicht: 492 g
-    Anschluss: Dreipoliger (XLR)-Audiostecker, symmetrisch
-    Empfindlichkeit: Cardioid -31 dBV/Pa; Omnidirectional: -37 dBV/Pa; Bidirectional: -36 dBV/Pa / Cardioid 29,8 mV/Pa; Omnidirectional: 14,8 mV/Pa; Bidirectional: 16,8 mV/Pa
-    Eigenrauschen: Cardioid: 4 dB(A),  Omnidirectional: 6 Sie können immer nur 1 dB(A),  Bidirectional: 7,5 dB(A)
-    Max. Schalldruck: Cardioid: Pad off: 134 dB, Pad on: 150 dB; Omnidirectional: Pad off: 140 dB, Pad on: 152 dB; Bidirectional: Pad off: 139 dB, Pad on: 151 dB

Lieferumfang KSM44A:
-    Elastischer ShureLock-Erschütterungsabsorber, Samt-Schutzbeutel, Aluminium-Tragekoffer,         ShureLock-Schraubadapter

KSM44A *UVP: 1.069,81 Euro

 

KSM42

Das KSM42 Großmembran-Kondensatormikrofon ist wie der „große Bruder“ mit einer ultradünnen (2,5 µm), vergoldeten (24 Karat) Mylar-Doppelmembran ausgestattet, jedoch verfügt die Frontmembran lediglich über einen Durchmesser von 1 cm.
Im Gegensatz zum KSM44A bietet das Mikro keine Umschaltmöglichkeit der Richtcharakteristik. Um den meisten Anwendungen gerecht zu werden, haben die Shure-Entwickler das KSM42 mit fester Nierencharakteristik ausgestattet. Allerdings ist der „Sweet Spot“ etwas breiter ausgelegt, so dass ein Sänger sich vor dem Mikro ein wenig bewegen kann, ohne dass sich der Sound verändert. Dazu zeigt das KSM42 einen leichten Nahbesprechungseffekt, der sich jedoch durch Variieren des Abstandes leicht kontrollieren lässt.
Zum Schutz vor Störgeräuschen ist auch das preiswertere KSM42 mit einem Erschütterungsabsorber sowie mit einem dreilagigen Pop-Schutzgrill ausgestattet, und auch die „Prethos Advanced Preamplifier Technology“, Shures neuer Meilenstein in der Verstärkerschaltungstechnologie, kommt zum Einsatz.
Das KSM42 kommt ohne Pad-Funktion und Trittschall-Filter daher, doch durch die interne Bassabsenkung und den maximalen Schalldruck von fast 140 dB dürfte man, zumindest bei Vocal-Aufnahmen, stets im grünen Bereich sein.
Zum Lieferumfang des KSM42 zählt neben der Samt-Tasche, einer Spinne und dem Alu-Case ein Pop-Schutz, der sich einfach über die integrierten Magneten an die Mikrofonspinne „andocken“ lässt.


Anwendung und Sound

Während Shure das KSM44A als universelleres Kondensator-Mikro konzipiert hat, zielt das KSM42 dagegen etwas spezieller in die Richtung „professionelle Gesangsaufnahmen“.
Trotzdem sind beide Mikrofone sehr universell einsetzbar.
Beim Test habe ich beide Mikros bei der Aufnahme von Vocals, Akustik-Gitarren, E-Gitarren und als Drum-Overheads eingesetzt. Bei extrem lauten Signalen wie den Drums kann das KSM42 aufgrund der fehlenden Pad-Funktion zur Pegeldämpfung schon mal an die Belastungsgrenzen kommen, obwohl die angegebenen 139 dB generell schon sehr laut sein können.
Beide Mikros klangen beim Test offen und transparent. Die Kugelcharakteristik des KSM44A liefert einen etwas wärmeren, aber auch schlanken Sound, die Niere wirkt dagegen knackiger und direkter. Die Höhen wirken sehr präsent, jedoch angenehm seidig. 
Das KSM42 klingt trotz Nierencharakteristik weicher, etwas indirekter und ähnelt in Bezug auf den Klang eher der Kugel des KSM44A-Mikros.
Während die KSM44A-Niere vor allem bei den Akustik-Gitarren und Vocal-Aufnahmen ohne Trittschallfilter sehr fett wirkte, macht der Sound des kleineren Bruders hier einen etwas schlankeren Eindruck. Wem die KSM44A-Niere zu fett klingt, der kann den Sound über die beiden Trittschallfilter-Varianten sehr unterschiedlich ausdünnen.
Möchte man den KSM42 Sound bei Vocal-Aufnahmen dagegen etwas dicker haben, so lässt sich durch den Nachbesprechungseffekt ein wenig mit dem Abstand zum Mikro spielen, wenn auch das KSM42 niemals den „fetten“ Sound der KSM44A-Niere erreicht.
Die KSM44A-Acht sollte das Klangbild eigentlich vorne und hinten symmetrische einfangen. Beim Test hatte ich jedoch den Eindruck, als ob die Vorderseite etwas bassiger wirkt als die Rückseite. Hier sollte man bei der Verwendung der KSM44A-Acht ggf. ein wenig experimentieren, um die optimale Mikro-Position zu finden.


Fazit

Mit den beiden Modellen KSM42 und KSM44A erweitert Shure sein Produkt-Portfolio im Bereich der Großmembran-Mikrofone. Die beiden Mikros sind nicht nur für den Studio-Einsatz geeignet, aufgrund der robusten Konstruktion lassen sich beide Mikros auch ohne Probleme auf der Bühne (z.B. bei Live-Recordings oder anspruchsvollen Beschallungen) verwenden.
Mit einem Preis von ca. 832 EUR (KSM42) bzw. 1.070 EUR  (KSM44A) liegen diese Mikros weit über dem Preis der China-Goßmembran-Mikros, allerdings bekommt man mit den neuen KSM-Modellen sinnvolle Werkzeuge mit professionellem Charakter.

Facts KSM42
-    Wandlertyp: Kondensator (extern polarisiert)
-    Richtcharakteristik:  Niere
-    Frequenzgang: 60 bis 20.000Hz
-    Ausgangsimpedanz: 147 Ohm
-    Versorgungsspannungen: 11 bis 52 V DC Phantom, 6 mA
-    Gleichtaktunterdrückung (mindestens 10 Hz bis 100 kHz): > 60 dB
-    Polarität: Positiver Druck an der Membran erzeugt positive Spannung an Pin 2 in Bezug auf Pin 3
-    Gewicht: 494 g
-    Anschluss: Dreipoliger (XLR) -Audiostecker, symmetrisch
-    Empfindlichkeit: -37 dBV/Pa dBV/Pa / 14,1 mV/Pa
-    Eigenrauschen: 8,5 dB
-    Max. Schalldruck: 139 dB

Lieferumfang KSM42:
-    Elastischer ShureLock-Erschütterungsabsorber, Magnetischer Popper Stopper Windschutz, Samt-Schutzbeutel, Aluminium-Tragekoffer, Ersatz Gummiband für Mikrofonspinne

KSM42 *UVP: 831,81 Euro

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