Focusrite RedNet

RedNet1-5_front_STACKAuf in die Zukunft

Audio-Interfaces findet man heute in Hülle und Fülle auf dem Markt. Während die meisten Audio-Interfaces via Firewire oder USB mit den angeschlossenen Rechnern kommunizieren, hat sich Focusrite mit der RedNet-Serie für einen neuen Weg entschieden: Sämtliche Interfaces im RedNet-System werden über ein Ethernet-Netzwerk eingebunden, d.h. die gesamte Kommunikation zwischen Computer und den RedNet-Interfaces erfolgt jeweils über ein einziges Netzwerk-Kabel. Darüber hinaus bietet das neue Focusrite-Konzept weitere vielversprechende Features. Was es noch so leistet, soll unser Artikel zeigen.

RedNet-Konzept

Die neue Focusrite Flaggschiff-Serie basiert auf dem bekannten Dante Ethernet Audio-Netzwerk-System der australischen Firma Audinate.
RedNet ist das erste System, welches die Dante-Technologie für netzwerkfähige Audio-Interfaces nutzt. Dante ermöglicht bis zu 512 I/O-Kanäle bei einer Samplingrate von 48 kHz.

Das Dante-System hat sich bereits bei vielen Anwendungen im Live-Bereich etabliert. So verwenden bereits einige Digital-Mischpulte, digitale Stageboxen und digitale Multicores die Audinate-Technologie. Eine überzeugende Performance im Live-Betrieb bedeutet jedoch nicht automatisch eine überzeugende Performance im Studio-Alltag – hier herrschen völlig andere Gesetze. So spielt im Studio gerade der Faktor Latenz eine große Rolle. Ist die Latenz zu groß, so kann dieses Phänomen schnell zum K.O.-Kriterium werden. Umso mehr sollte man Focusrites mutigem Vorstoß, die Dante-Technologie ins Tonstudio zu holen, großen Respekt zollen. Seit der ersten Ankündigung des RedNet-Systems sind mehr als zwei Jahre vergangen, was auf die enorme Komplexität des Konzeptes hindeutet - schließlich ist Focusrite kein „Anfänger“.


Die junge Familie im Überblick

Zur RedNet-Familie zählen aktuell sechs verschiedene Interfaces sowie die RedNet-PCIe-Karte.
Jedes RedNet-Interface mit analogen Eingängen, wie z.B. RedNet 1, RedNet 2 und RedNet 4, verfügt über einen Dynamikumfang von 119 dB und arbeitet mit einer Bittiefe von 24 Bit und Samplingraten von bis zu 192 kHz.

Möchte man ein RedNet-System installieren, so gibt es verschiedene Möglichkeiten:


RedNet für ASIO- und Core-Audio

Bei Anwendungen, für die eine geringe Latenz notwendig ist, sollte man das Focusrite-System möglichst mit der RedNet PCIe-Karte betreiben. Mit der Karte, die wie eine Art Audio-Interface-Karte für ASIO- und Core-Audio-Anwendungen arbeitet, liegt die Latenz des Systems bei ca. 3 ms vom analogen Eingang bis zum analogen Ausgang. Das kann sich durchaus sehen lassen.
Die Karte ist sowohl zu Mac- als auch zu Windows-Rechnern kompatibel und wird in einen freien Standard-PCIe-Steckplatz eingesteckt. Die RedNet-Karte liefert bis zu 128 Ein- und Ausgangs-Kanäle. Die Verbindung zwischen RedNet PCIe-Karte und den Interfaces erfolgt über einen GigE-Switch. Es sei erwähnt, dass selbst die Synchronisation der einzelnen Interfaces bei Verwendung einer Masterclock über das Ethernet-Kabel erfolgen kann.
Generell kommt beim RedNet-System die Jet-PLL-Technologie zum Einsatz, die für eine extrem jitter-arme Performance sorgt.


RedNet für Pro Tools

Für alle Pro Tools User dürfte RedNet 5 interessant sein, welches das RedNet-System mit Pro Tools verbindet. In diesem Fall kann ganz auf die RedNet PCIe-Karte verzichtet werden. Unterstützt werden Pro Tools HD,  Pro Tools HD Native sowie HDX-Systeme.


RedNet mit Dante Virtual Soundcard

Gerade für mobile Anwendungen auf einem Laptop dürfte interessant sein, dass das System auch ohne die RedNet PCIe-Karte funktioniert.
Den Job der RedNet PCIe-Karte erledigt beim „abgespeckten“  System die sogenannte Dante Virtual Soundcard (DVS). Diese spezielle Software benötigt allerdings zusätzliche Host-Prozessor-Leistung. Beim Einsatz des Focusrite-Systems ohne RedNet PCIe-Karte opfert man daher die niedrige Latenz des Systems.
Um das kleinste RedNet-System ans Laufen zu bekommen, braucht man lediglich mindestens ein Interface über ein Netzwerkkabel mit dem DAW-Rechner verbinden. Da alle Interfaces nur einen Netzwerk-Port haben, benötigt man ab dem zweiten Interface einen Netzwerk-Switch. Der Switch wird einfach mit einem CAT-6 Kabel an den Rechner angeschlossen, wobei die Kabel bis zu 100 Meter lang sein können.   
Um beim mobilen Einsatz nicht auf die komfortable RedNet-Performance verzichten zu müssen, hat Focusrite für den mobilen Einsatz bereits eine Lösung mit einer speziellen Interface-Karte am Start, jedoch werden z.Zt. noch die Treiber getestet. Sobald das mobile System verfügbar ist, werden wir noch darüber berichten.  


RedNet Control

Die RedNet-Interfaces verfügen über sehr wenige Bedienelemente. Die Bedienung erfolgt in erster Linie über die RedNet Control Software, die auf dem Host-Computer läuft.
Öffnet man die RedNet Control Software, so werden alle Interfaces, die gerade im System eingebunden sind, in einem kleinen rackartigen Fenster angezeigt. Jedes Interface lässt sich nun über einen Computer im Netzwerk konfigurieren, steuern und routen. Die Fernsteuerung ist ganz praktisch, und erlaubt Zugriff auf folgende Funktionen:  

RedNet Master-Clock
Sample-Rate
Gain der Vorverstärker (RedNet 4)
Referenz-Pegel (RedNet 1 und RedNet 2: +18 dBu und + 24 dBu)
Clock-Source (RedNet 3 und RedNet 5)


Dante Controller

Über die Dante Controller Software lassen sich alle Kanäle im Dante-System miteinander verknüpfen. Die Software installiert sich automatisch als Teil der RedNet Control Software und bietet die Möglichkeit, über eine große Matrix jeden Eingang und jeden Ausgang eines im System eingebundenen Interfaces sowie die Kanäle des DAW-Computers beliebig zu routen, d.h. jeder Eingangs-Kanal lässt sich jedem Ausgangskanal zuordnen. Dazu erlaubt die Dante Controller Software die Konfiguration der Clock-Einstellungen sowie die Darstellung von Status-Anzeigen der einzelnen Geräte im Dante-Verbund.

Dante Virtual Soundcard (DVS)

Verwendet man RedNet ohne die RedNet PCIe-Karte und ohne die Pro Tools Anbindung via RedNet 5, so benötigt man die Dante Virtual Soundcard. Die Software übernimmt dabei die Funktion einer Sound-Karte. Die DVS erlaubt z.B. die Einstellung der wichtigsten System-Parameter wie der Samplerate, der Auflösung und der Dante Latenz. Dazu gibt die Software auch Auskunft über den Lizensierungs-Status.

Die Interfaces

Wie bereits erwähnt stehen zur Zeit sechs verschiedene RedNet Interfaces zur Auswahl, alle im typischen „RedNet-Rot“. Der Look der 19“-Geräte (2HE) wirkt insgesamt sehr edel.  
Die Bandbreite der Interfaces reicht von Geräten mit ausschließlich analogen Ein- und Ausgängen (mit und ohne Mikrofon-Vorverstärkern), über Interfaces mit digitalen I/Os, dem Pro Tools- sowie einem MADI-Interface. Dieses umfangreiche Produkt-Portfolio macht RedNet zu einem äußerst flexiblen System. Entsprechend dem Anwendungsbereich und den gewünschten Features lässt sich somit jedes Setup nach Belieben konfigurieren. Auch eine spätere Auf- oder Umrüstung ist aufgrund des skalierbaren Konzeptes jederzeit ohne großen Aufwand möglich.
Alle Interfaces unterstützen Samplingraten von 44.1, 48, 88.2, 96 und 192 kHz. Je nach Einsatz lassen sich die gewünschten Referenz-Pegel einstellen. 0 dBFS, die digitale Obergrenze, kann somit je nach Setup einem Pegel von +18 dBu oder +24 dBu entsprechen.
Für unseren Test hat uns Focusrite freundlicherweise ein RedNet 1 sowie ein RedNet 4 zur Verfügung gestellt.


RedNet 1

Beim RedNet 1 handelt es sich um ein 8-Kanal A/D-D/A-Interface. Das Interface bietet 8 analoge symmetrische Line Ein- und Ausgänge. Die Audio-Anschlüsse befinden sich auf der Geräte-Rückseite und sind als Standard-Sub-D-Buchsen ausgelegt, die zu den üblichen Pro Tools Kabeln kompatibel sind. Ansonsten wären lediglich die Netzwerk-Buchse sowie die Kaltgeräte-Buchse für die Stromversorgung zu nennen.
Außer dem Netzschalter kommt RedNet 1 ganz ohne Bedienungselemente aus, da alle Parameter über RedNet Control oder die Dante VSC-Karte eingestellt werden. Dafür verfügt RedNet 1 über diverse LED-Elemente zur Anzeige des Netzwerk-Status (verbunden und gelocked), der Samplingrate oder des Pegel-Setups (+18 dBu oder +24 dBu). Dazu bietet RedNet 1 eine einfache Aussteuerungshilfe in Form von 16 LEDs. Pro Kanal bietet das Gerät eine dreifarbige Input-LED sowie eine dreifarbige Output-LED. Durch die abgestufte Farbgebung zwischen grün, gelb und rot lassen sich die Ein- und Ausgangspegel recht gut abschätzen, wenn auch dieses Feature keine echte Aussteuerungsanzeige ersetzt. Aber dafür gibt es ja noch Pegelanzeigen innerhalb der DAW-Software.   


RedNet 2

RedNet 2 ist ähnlich aufgebaut wie RedNet 1, jedoch verfügt der größere Bruder über die doppelte Zahl an Ein- und Ausgängen. Dementsprechend finden wir auch 16 Anzeigen für die Ein- und Ausgangspegel sowie vier der achtkanaligen Sub-D-Buchsen (2x Sub-D In, 2x Sub-D Out). Die restlichen Features entsprechen dem RedNet 1.


RedNet 3

RedNet 3 ist als reines Digital-Interface ausgelegtes und bietet bis zu 32 Ein- und Ausgänge.
RedNet 3 unterstützt verschiedene digitale Audio-Formate wie AES/EBU, S/PDIF und ADAT. Für die 8 AES/EBU-I/Os haben die Focusrite-Ingenieure eine Sub-D-Buchse gewählt, während die S/PDIF-Schnittstelle in Form von Cinch-Buchsen zu finden ist.  
Über die 16 optischen ADAT-Anschlüsse (8 In, 8 Out) hat man sogar die Möglichkeit, 32 digitale Ein- und Ausgangs-Kanäle (mit S-MUX2 sogar bei 96 kHz) zu nutzen.
Über die Wordclock-Anschlüsse (BNC) des RedNet 3 Interfaces kann das gesamte
RedNet-System z.B. über eine Master-Clock synchronisiert werden. Umgekehrt kann auch das RedNet-System via RedNet 3 ein Word Clock Signal an andere Geräte ausgeben.  
Neben den bereits besprochenen Anzeige-Elementen bietet RedNet 3 spezielle Pegel-Anzeigen. Da die digitalen I/Os alle paarweise organisiert sind, wird auch stets ein Pärchen angezeigt. Ebenso gibt das Display Aufschluss über die gewählte Clock-Quelle.


RedNet 4

Dieses RedNet-Interface ist achtkanalig ausgelegt und verfügt gegenüber RedNet 1 über 8 Mikrofon-Vorverstärker. Dafür handelt es sich beim RedNet 4 um ein reines Eingangs-Interface. Als Mikrofoneingänge findet man auf der Geräte-Rückseite 8 symmetrische XLR-Buchsen. Möchte man das Interface mit Line-Signale versorgen, so benutzt man die übliche Sub-D-Buchse, ebenfalls auf der Rückseite. Zusätzlich ist RedNet 4 mit zwei Instrumenten –Eingängen (Kanäle 1 und 2) ausgestattet. Die entsprechenden Klinkenbuchsen wurden gleich auf der Frontplatte untergebracht. So kann man einfach die E-Gitarre oder den E-Bass einstecken, und los geht’s mit der Aufnahme.
Um das Setup des RedNet 4 zu verändern,  wählt man zunächst eine der 8 frontseitigen Kanal-Tasten gleich unter dem Aussteuerungs-Display an. Der nun aktive Kanal wird durch eine „Channel“-Anzeige dargestellt. Die Umschaltung der Signalquellen (Mikro-, Line- oder Instrumenten-Eingang) erfolgt nun über den Input-Wahltaster. Ebenso lässt sich individuell für jeden Kanal ein Trittschallfilter sowie die Phantompower aktivieren. Die Eingangsempfindlichkeit wird schließlich über einen Drehregler in 1 dB Schritten eingestellt. Sämtliche Parameter des RedNet 4 können auch über die RedNet Control Software ferngesteuert werden.


RedNet 5

RedNet 5 wurde als Brücke zwischen ProTools und dem RedNet-System konzipiert.
Jedes RedNet 5 kann bis zu 32 Ein- und 32 Ausgänge zwischen dem RedNet-Netzwerk und einem Pro Tools HD-System handeln. Bei den HDX-Systemen können sogar bis zu sechs Einheiten angeschlossen werden. Solch ein Setup liefert 192 Kanäle bei 96 kHz oder 96 Kanäle bei 192 kHz. Die RedNet Ein- und Ausgänge können direkt vom Pro Tools Routing angesprochen werden. Das RedNet-System ist in Verbindung mit RedNet 5 voll kompatibel zu bereits bestehenden ProTools Sessions, was den Umstieg deutlich vereinfacht. Als Anschlüsse bietet RedNet 5 neben dem Ethernet-Port die üblichen ProTools-HD Buchsen (Primary & Expansion) sowie vier Sync- bzw. Wordclock-Anschlüssen in Form von BNC-Buchsen.


RedNet 6

RedNet 6 widmet sich speziell dem MADI-Protokoll, welches bei großen Broadcast oder Studio-Konsolen, aber auch bei vielen digitalen Live-Pulten verwendet wird. Dabei kann RedNet 6 sowohl mit optischen, als auch mit koaxialen Interfaces kommunizieren. RedNet 6 unterstützt bis zu 64 I/O-Kanäle Digital-Audio bei Sample-Raten bis 48 kHz (32 Kanäle bei 96 kHz und 16 Kanäle bei 192 kHz). Neben der MADI-Varispeed erlaubt das System auch den gleichzeitigen Betrieb verschiedener Samplingraten.


Praxis

Bei unserem Praxis-Test kamen die Interfaces RedNet 1 und RedNet 4 in Verbindung mit verschiedenen MacBook Pros und einem GigE-Switch zum Einsatz.
Die Installation der Hard- und Software war eigentlich kinderleicht, bis es an die Registrierung der Dante-Lizenzen ging. Jedes RedNet Gerät wird immer mit einer Dante-Lizenz ausgeliefert. Diese Lizenz benötigt man, um Dante nutzen zu können.
Normalerweise kostet eine Dante–Lizenz fast 150 USD. Zur Zeit bietet Audinate die Lizenz zum Spezialpreis von ca. 30 USD an.
Zunächst sucht man zwischen Focusrite- und Dante-Webseiten, bis man die entsprechenden Links gefunden hat – hier sollte man den User definitiv besser unterstützen. Als ich dann die mitgelieferten Lizenz-Codes bei der Dante-Registrierung eingeben wollte, ignorierte das System meine Eingaben. Nach endlos vielen Versuchen war ich schließlich so genervt, dass ich mir einfach eine 14 Tage Demo-Lizenz installiert habe – das hat funktioniert.
Im Rahmen unseres Tests wollten wir ebenfalls herausfinden, wie die Test-Interfaces klingen. Zu diesem Zweck haben wir verschiedene Instrumente wie Akustik-Gitarre oder Percussion mit einem ProTools HD192  (dem Standard im Profi-Studio) und den beiden RedNet Interfaces parallel aufgenommen. Das Mikro- oder Line-Signal wurde dabei verlustfrei gesplittet. Beim direkten Hörvergleich fiel auf, dass das RedNet 1 dem HD 192 erwartungsgemäß klanglich doch sehr ähnlich ist. Bei den klanglichen Unterschieden sprechen wir wirklich von Nuancen. Beim RedNet 4 fiel auf, dass die Aufnahmen etwas anders klingen, wenn man die internen Mikro-Preamps benutzt. Die RedNet 4 Preamps verstärken ein wenig die Mittenpräsenz, die Line-Eingänge dagegen klingen neutraler, wie beim RedNet1.  
Während unseres Tests lief das RedNet-System einwandfrei. Beeindruckend ist, dass man im laufenden Play-Betrieb einfach ein Netzwerkkabel bei den Interfaces abziehen kann, ohne dass das gesamte System abstürzt. Die DAW-Software läuft ohne Probleme weiter. Es wird lediglich in der RedNet Control Software angezeigt, dass das abgezogene Interface deaktiviert ist.
Steckt man das Interface wieder ein, so dauert es wenige Sekunden, und alles ist wieder am Start – und das alles im laufenden Betrieb. Das ist wirklich beeindruckend.
Da wir bei unserem Test auf die RedNet PCIe-Karte verzichtet und den Switch direkt mit dem MacBook Pro verbunden haben, konnten wir die niedrige Latenz des Systems nicht genießen, doch wie mir de Profis Uli Helm (Glasperlenspiel) und Jörg Burger (Kompakt) bestätigen konnten, liefert das RedNet-System mit der PCIe-Karte eine mehr als überzeugende Performance mit extrem niedriger Latenz. Im Vergleich mit einem RME UFX stellte Jörg Burger sogar fest, dass eine große Session über  RedNet bei 44.1 Khz mit 64 Samples Latenz etwa 25% weniger DSP-Last in Anspruch nimmt als das RME-Konzept.  
Bei unserem Test ohne RedNet PCIe-Karte mussten wir sowohl in Logic Pro als auch in ProTools die Buffer-Size je nach Session zwischen  256 und 512 Samples einstellen, was einer Latenz von 14 bis 25 ms entspricht. Das ist definitiv zu viel für Studio-Aufnahmen, bei denen man ein direktes Monitoring benötigt. Bei Live-Recordings ohne direktes Monitoring lässt sich das mobile RedNet-Setup allerdings sehr komfortabel einsetzen.


Fazit

Mit seinem RedNet-Konzept hat Focusrite eine innovative Plattform auf Basis der Dante-Technologie geschaffen, die für alle Anwendungen interessant sein dürfte, bei denen es zum einen auf professionelle Soundqualität, zum anderen auf möglichst große Flexibilität bei der Konfiguration ankommt. Es macht sicher wenig Sinn, ein RedNet-System mit einem zwei Meter langen Netzwerk-Kabel direkt neben den Rechner zu platzieren, dafür gibt es genügend Alternativen via FireWire oder USB. Wenn es allerdings darum geht, größere Distanzen zwischen System-Komponenten zu überbrücken oder sogar mehrere Studios in einem größeren Komplex miteinander zu vernetzen, so stellt RedNet eine perfekte Wahl dar.
Auch die Möglichkeit, nicht nur mehrere Interfaces, sondern auch mehrere Rechner einzubinden, die wiederum auf alle Interfaces zugreifen können, eröffnet völlig neue Dimensionen. Doch diese neuen Möglichkeiten muss man erst einmal kennenlernen -Pionierarbeit kann halt mühsam sein.
Das RedNet-System ist noch recht jung, und es dürfte auch einen Augenblick dauern, bis genügend Anwender die enorme Flexibilität des Systems ausschöpfen können, doch ich bin mir ganz sicher, dass RedNet in Zukunft bei vielen professionellen Lösungen eine Rolle spielen wird.


Autor: Hagü Schmitz

www.focusrite.de

Facts:

RedNet 1:

•    Dynamikumfang: 119 dB
•    THD Noise (Eingang und Ausgang) <0,001 %
•    JetPLLTM Technologie zur Jitter-Reduzierung während der Wandlung
•    Unterstützte Sample-Raten: 44.1, 48, 88.2, 96, 192 kHz

RedNet 4:

•    8 Focusrite Mikrofon-Vorverstärker
•    2 Instrumenten-Eingänge
•    Dynamikumfang: 119 dB
•    THD Noise (Eingang und Ausgang) <0,001 %
•    Mikrofon-Eingangs-Pegel bis zu 16 dBu
•    Maximaler Mikrofon-Eingangs-Gain: 63 dB
•    JetPLLTM Technologie zur Jitter-Reduzierung während der Wandlung
•    Unterstützte Sample-Raten: 44.1, 48, 88.2, 96, 192 kHz


UVPs:
PCIe-Karte:
RedNet 1:
RedNet 2:
RedNet 3:
RedNet 4:
RedNet 5:
RedNet 6:
1.129 EUR
2.249 EUR
3.369 EUR
1.689 EUR
2.589 EUR
1.689 EUR
2.249 EUR









Uli HelmUli Helm, FOH-Ingenieur bei Glasperlenspiel, über den Einsatz von RedNet

Als im Sommer 2012 Ralf Kohlmeier von Novation/Focusrite an Daniel Grunenberg, Keyboarder, Produzent und musikalischer Kopf der Band Glasperlenspiel, zwecks einer engeren Zusammenarbeit herangetreten ist, ergab sich u.a. auch die Möglichkeit, mittels Focusrites RedNet professionelle Audio-Hardware zur Verwendung von Plugins am FOH-Pult (damals noch Yamaha M7CL) via Dante einzubinden. Als sich die Band im Januar 2013 dazu entschied, die neue CL-Serie von Yamaha für FOH und Monitoring anzuschaffen, deren Protokoll ebenfalls auf Dante beruht, bekam die Nutzung von RedNet im Verbund eine neue Dimension.
Mittlerweile werden je ein RedNet 1 (8x Analog-In/Out) an der Position Keyboard/Bass und ein RedNet 4 (8x Analog-In mit Mikrofonvorverstärker) an der Position Gitarre/Keyboard zur Wandlung dort anliegender Analog-Signale ins Dante Netzwerk genutzt. Die RedNet 1 versorgt zusätzlich über Analog-Outputs das Monitoring (Shaker und Wedge) von Bassist und Keyboarder. So ist es z.B. bei Festivals mit Umbauten möglich, alle Stationen schnell mit jeweils einem Netzwerkkabel komplett wieder ans Netzwerk anzubinden. Vor allem, da die Einheiten in sich verkabelt bleiben können, zeichnet sich das System durch schnellen Auf- und Abbau aus.
Die zweite Aufgabe, die dem RedNet-System zukommt, ist es, eine Brücke zwischen dem Dante-Netzwerk und der analogen Welt zu bauen. Diese Anwendung findet dann statt, wenn aus logistischen Gründen (Festival oder TV) das eigene FOH-Pult nicht genutzt werden kann. So können dann mittels drei RedNet 2 (jeweils 16x Analog-In/Out = 48 Kanäle In/Out) die Dante-Kanäle an jedes beliebige analoge System übergeben werden. Damit ist dann die notwendige Flexibilität im Tour-Betrieb gewährleistet.
Die Praxistauglichkeit für den Live-Betrieb wurde eingehend getestet. Dazu wurde das System kurz stromlos gemacht und auch im laufenden Betreib die Netzwerkverbindung unterbrochen. Beide Szenarien ergeben, dass das System nach kurzer Unterbrechung (5 Sekunden bei erneuter Netzwerkverbindung und 20 Sekunden bei komplettem Stromausfall) mit den letzten Einstellungen weiterspielte. Dies ist bei Festivalsituationen, wo das Material temporär abgekoppelt und verräumt werden muss, absolut im vertretbaren Rahmen.


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Kommentare (4)add comment

J.Burger said:

0
...
Hallo Frank,
ich habe nicht gesagt, man solle sich von seinem bestehenden HD-System trennen, wenn man damit zufrieden ist :-)!

Aber eine Rednet-Lösung.z.B. mit dem erwähnten Rednet 2 + Dante-Karte (16x I/O) ist für Studios, die auf- oder umrüsten möchten eine -auch preislich- interessante Alternative zu den bekannten Systemen.

Bisher lag der Focus - offensichtlich auch bei Focusrite selbst - vor allem auf Live- und aufwändigen Netzwerklösungen, aber man kann eben auch ein kleineres System mit 8 oder 16 I/Os für 3000-4000 Euro einsetzen, das m.E. in Klangqualität und Performance absolut konkurrenzfähig ist.

Ob das dann mit Ethernet, USB, FW oder sonstwie verkabelt wird, ist doch nebensächlich ... eine PCI-Express-Karte + einen 2 HE Rackwandler finde ich doch sehr überschaubar.
Den Lüfter sollte man im Studiobetrieb allerdings abgeschaltet lassen!
Juli 01, 2013

Frank said:

0
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@ J.Burger
Du sagst : " m.E. macht es sehr wohl Sinn, ein RedNet-System mit einem zwei Meter langen Netzwerk-Kabel direkt neben den Rechner zu platzieren - es klingt einfach verdammt gut und ist sehr performant "

Ich weiß nicht, ob es sich lohnt, mich von meinen ProTools HD-Interfaces zu trennen. Diese stehen gleich neben dem Rechner mit den ProTools-Karten, d.h. dafür brauche ich keine Netzwerklösung. Die RedNet Teile sind ja nicht gerade günstig.
Juli 01, 2013

J. Burger said:

0
...
Eine kurze Anmerkung zum zitierten Latenzvergleich:

Ich habe damals in einem spontanen Test ein recht umfangreiches Ableton-Projekt sowohl mit dem RME FF-UC als auch mit Rednet 2 + Dante-Card getestet.
Bei einer Buffer-Size von 64 Samples zeigte das UC 53-55% Auslastung an, die Rednet-Kombination 41-42%.
Ein ausgiebiger aktueller Vergleich mit einer Hammerfall-DSP PCI-Karte ergab bei beiden eine nahezu identische Auslastung, mit ganz leichten Vorteilen für Rednet (1-2% in Ableton).
Beide Systeme schaffen im aktuellen Live 9.04 knapp über 90% Auslastung ohne Aussetzer.

PS: m.E. macht es sehr wohl Sinn, ein RedNet-System mit einem zwei Meter langen Netzwerk-Kabel direkt neben den Rechner zu platzieren - es klingt einfach verdammt gut und ist sehr performant ;-).
Juli 01, 2013

Sebastian said:

0
...
Vielen Dank, Xound!

Habe lange im Internet nach einem brauchbaren Bericht über das Rednet gesucht, endlich gefunden. Wirklich spannendes Gerät. bin gespannt was man damit in der Zukunft realisieren kann.
Juni 30, 2013

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