UAD Shadow Hills Mastering Compressor Plug-In

ShadowHillsUADPlugin2Es gibt Studiowerkzeuge, da kommen selbst erfahrene Toningenieure ins Schwärmen. Diesmal beschert uns das Team aus Kalifornien wieder mal einen Leckerbissen – den Shadow Hills Kompressor. Dieser von vielen Toningenieuren wegen seines musikalischen Charakters geschätzte Edelkompressor sticht einem nicht nur durch sein monströses Äußere direkt ins Auge, sondern verwöhnt auch - wie kaum ein anderer Kompressor - die Ohren mit dem druckvollsten und wärmsten Klang seiner Klasse. Ob auch das Plug-In die vielen Klangfarben und den typischen Charakter des Originals einzufangen vermag, soll folgender Test zeigen.

Als Musiker, Toningenieur und Produzent hat man oft die Qual der Wahl zwischen den einzelnen Kompressor-Typen, die es gibt. VCA-Kompressoren reagieren sehr schnell und bieten oft mehr Punch, klingen aber oft etwas härter und aggressiver, was sie eher für Beat orientierte Musik prädestiniert. Röhrenkompressoren klingen dagegen wesentlich weicher und wärmer, geben dem Instrument mehr Bauch, reagieren aber recht behäbig auf das Eingangssignal, so dass das Kontrollieren von Konsonanten bei Gesangsaufnahmen nicht gerade zu ihren Stärken zählen. Was liegt also näher als die Vorteile beider Kompressor-Typen zu kombinieren und deren Nachteile zu kompensieren.

Das Original
ShadowHillsOriginalBevor wir uns näher mit dem eigentlichen Plug-In beschäftigen, möchte ich kurz das Original vorstellen. Der von Peter Reardon entwickelte Shadow Hills Mastering Compressor vereint beide Kompressor-Typen (VCA-Kompressor und optischer Röhrenkompressor) in einem 5 HE großen Gehäuse mit großzügig dimensionierten Drehreglern, Schaltern und zwei beleuchteten VU-Metern. Allein der Anblick dieses High-End Stereokompressors ist ein wahrer Genuss. Alle 17 Drehregler sind gerastert und die Knöpfe bestehen aus Bakelit. Die Beschriftung und Skalierungen auf dem Frontpanel sind eingraviert. Die Stromversorgung erfolgt über ein separates Netzteil in einem 2HE-Gehäuse.
Der Shadow Hills Compressor ist im Stereo- als auch im Dual-Mono-Betrieb nutzbar. Intern arbeiten zwei seriell angeordnete Kompressoren pro Kanal.
An erster Stelle sitzt ein Opto-Kompressor in Röhrentechnik, dem ein Class-A VCA-Kompressor/Limiter mit diskreter Schaltungstechnik nachfolgt. Beide Kompressoren sprechen flexible Ausgangsübertrager an, die zwischen den drei Charakteristiken Nickel, Eisen und Stahl umgeschaltet werden können. Dazu später mehr. Jede der Sektionen verfügt über genügend Verstärkungsleistung, um eine Bandmaschine oder einen A/D-Wandler zu übersteuern, sofern man dies möchte.
An zweiter Stelle sitzt ein diskret aufgebauter Class-A VCA-Kompressor. Hier befinden sich keine IC-Chips oder Elkos im Signalweg. Es gibt folgende sechs Ratio-Einstellungen: 1.2 : 1 / 2 : 1 / 3 : 1 / 4 : 1 / 6 : 1 und 10 : 1.  Die Werte für die Attack-Zeiten betragen: 0.1, 0.5, 1, 5, 10 und 30 Millisekunden und für die Release-Zeiten sind 0.1, 0.25, 0.58, 1.2 Millisekunden und Auto Release wählbar.
Im Side-Chain-Kanal lässt sich ein High-Pass Filter aktivieren, um unerwünschte Pump-Effekte bei basslastigem Material zu vermeiden.

Danach durchläuft das Signal das Transfomer-Switching-Network von Shadow Hills, bei dem aus drei verschiedenen Einstellungen/Charakteristiken gewählt werden kann. Mit dieser Umschaltung hat man die Wahl zwischen einem klaren, einem gefärbten und einem leicht verzerrten, schmutzigen Sound. Die erste Schaltposition ist Nickel, die einer berühmten L.A. Custom Console nachempfunden ist. Diese Einstellung klingt sehr klar und neutral mit einer minimal leichten Betonung zu den höheren Frequenzen hin. Als Zweites folgt Iron, welche den mittleren Frequenzbereich etwas betont und harmonische Verzerrungen dem Signal hinzufügt. Als drittes Steel, welche die tiefen Frequenzen betont und die größte Verzerrung aufweist. Auch diese emulieren die Charakteristiken bekannter Studio-Konsolen.
Sowohl die Opto- als auch die VCA-Kompressionseinheit besitzen jeweils einen echten (Hardwire)-Bypass, der diese bei Bedarf komplett umgeht und so vollständig aus dem Signalweg entfernt. Deaktiviert man beide Kompressor-Sektionen, läuft das Signal nur über die Ein- und Ausgangsübertrager, was sich für eine Klangfärbung ohne Dynamikbeeinflussung anbietet. Zusätzlich ist ein weiterer, globaler (Hardwire)- Bypass für das gesamte Gerät vorhanden.
Um ein unerwünschtes Pumpen bei Anwesenheit tiefer Frequenzen im Musikmaterial zu vermeiden gibt es noch ein schaltbares 90 Hz Sidechain-Filter mit 6 dB pro Oktave.
Die beleuchteten VU-Meter können wahlweise die Gain-Reduktion des Opto-Kompressors, des VCA-Kompressors oder den Ausgangspegel anzeigen. Die sog. "Magic Eye"-Röhre folgt der Ausgangsanzeige und arbeitet wie ein Peak-Meter.

Universal Audio bietet diesen legendären Kompressor nun als von Brainworx entwickeltes Plug-In für die UAD und Apollo Plattform an.

Das Plug-InShadowHillsUADPlugin
Die Installation erfolgt wie immer unproblematisch durch die Installation der neuesten UAD Software und der anschließenden Plug-In Registrierung über die bekannte Universal Audio Registration Software.
Der Aufbau des UAD Shadow Hills Mastering Compressor gleicht dem Original bis ins Detail.
Auch graphisch weiß das Plug-In aufgrund seiner Größe und Liebe zum Detail zu gefallen.
Peter Reardon, Shadow Hills Firmengründer und Entwickler des Originals, hat für dieses Plug-In extra eigene „Custom Presets“ beigesteuert, die eine gute Ausgangsbasis für die Erstellung eigener Presets darstellen.
Klanglich lässt das Plug-In kaum Wünsche offen. Es klingt sehr nah am Original und verleiht jeder Spur – egal ob Einzelspuren, Gruppen oder Stereosumme – einen runderen, satteren aber dennoch punchigen Sound. Vor allem Drum- und Percussion-Loops profitieren enorm von dem bauchigen Charakter. Auch viele anfangs kraftlos wirkende VST-Instrumente klingen durch die Bearbeitung mit dem Shadow Hills satter und setzen sich besser im Mix durch ohne jedoch zu nerven. Nach einigen Stunden des Experimentierens stellte ich fest, dass man vor allem bei der Bearbeitung der Stereosumme schnell zu einem sehr guten Ergebnis gelangt, wenn man zunächst den Opto-Kompressor deaktiviert, dann mit dem VCA-Kompressor der Mischung mehr Punch und Druck verleiht, dann den Opto-Kompressor lediglich zum Anwärmen hinzuschaltet und dabei den Threshold so vorsichtig einstellt, dass der Opto-Kompressor kaum in das klangliche Geschehen eingreift. Anschließend wählt man die Charakteristik der Ausgangsübertrager aus, die einem persönlich gefällt bzw. am besten zu der Mischung passt.

Fazit
Das überaus positive klangliche Ergebnis des Shadow Hills Mastering Compressor sorgt eigentlich schon für einen „Must Have“ Effekt. Wer einen edel klingenden Summenkompressor nicht nur für das Mastering, sondern auch für die Bearbeitung von Gruppen oder zum Aufpolieren von VST-Instrumenten sucht, dem sei der Shadow Hills wärmstens empfohlen. Neben der LA-2A und 1176 Kollection, sowie dem SSL Bus Kompressor, dürfte der Shadow Hills zur Top 5 der Kompressor-Emulationen von Universal Audio zählen.
Universal Audio und Brainworx beweisen hier wieder einmal, wie realistisch man gute Audio Hardware mittlerweile auf Softwarebasis emulieren kann.
Bei mir hat der UAD Shadow Hills Compressor jetzt schon seinen dauerhaften Insert-Platz in der Stereosumme gefunden. Ansonsten kann man Universal Audio und Brainworx zu diesem Plug-In wieder einmal nur gratulieren.

Facts
Exakte Emulation des Shadow Hills Mastering-Kompressors von Peter Reardon
Zwei verschiedene Kompressorstufen (optisch, VCA) pro Kanal
Wählbare Ausgangsübertrager: Nickel, Eisen und Stahl, welche die drei bekanntesten analogen Studio-Konsolen emulieren sollen.
Alle Sektionen per Hardwire-Bypass vollständig aus dem Signalweg entfernbar
Zuschaltbares 90 Hz Sidechain-Filter mit 6 dB pro Oktave, um unerwünschtes Pumpen zu vermeiden
Gerastete Regler für exakte Reproduktion von Einstellungen
Groß beleuchtete VU-Meter wie beim Original
Auch für Bus- und Track-Kompression geeignet
Custom Presets von Shadow Hills Firmengründer und Entwickler Peter Reardon

CPU-Verbrauch bei einer UAD Solo: 5,3 % (Monobetrieb) bzw. 5,7 % (Stereobetrieb)

Preis:  299,00 EUR

Testbericht von Sudad Ghadaban (Piano Schmitz Essen)



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