SPL Crimson Modell 1250

w crimson front printDie „All in One“-Lösung

Was braucht es heute neben einem Computer und Monitor-Lautsprechern für ein kleines Studio Basis-Setup?
Mikro- oder Line-Vorverstärker, A/D- und D/A-Wandler, ggf. auch ein MIDI-Interface, einfache Routing- und Monitor-Möglichkeiten und einen Monitor-Controller. Oder man entscheidet sich gleich für ein SPL Crimson. Xound hatte Gelegenheit, sich das neue SPL Gerät einmal genauer anzuschauen.


Konzept

SPL Crimson kombiniert, vereinfacht gesagt ein 6+6-kanaliges USB 2.0 Audio/MIDI-Interface, Mikro- und Line-Vorverstärker und Monitor-Controller in einem Gerät.
Crimson ist mit zwei Mikrofonvorverstärkern ausgestattet, die diskret aufgebaut sind. D.h. bei den Preamp-Schaltungen kommen keine ICs sondern nur einzelne Transistoren zum Einsatz. Diese diskrete Schaltungstechnik liefert eine wesentlich bessere Performance und wird in der Regel nur bei teureren Geräten verwendet.
Crimson erlaubt den Anschluss von zwei Monitor-Lautsprecher Paaren und zwei Kopfhörern, die sich über die Bedienelemente optimal verwalten und kontrollieren lassen. Crimson ist durch das integrierte USB-Interface in erster Linie für den Anschluss an einen Computer konzipiert. Über einen originalen Apple-Kamera-Adapter lässt sich das USB-Interface sogar mit einem iPad oder iPhone verbinden. Aber auch ganz ohne Rechner leistet Crimson mit seinen Preamps oder als Studio-Schaltzentrale nützliche Dienste.


Der erste Eindruck

Gleich auf Anhieb vermittelt Crimson einen edlen und doch robusten Eindruck. Die Bedienungselemente sind gemäß ihrer Funktionen übersichtlich angeordnet und auch die Haptik überzeugt. Alle Taster und Regler fühlen sich sympathisch an und laden zum „Mitmachen“ ein. Selbst ohne die umfangreiche Crimson-Bedienungsanleitung sollte man schnell mit den Grundfunktionen und dem Handling vertraut sein – Beschriftung und Anordnung der Bedienungselemente sind nahezu selbst erklärend.


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Anschlüsse

Bis auf zwei Klinkenbuchsen für die beiden Instrumenten-Eingänge und zwei Kopfhörer-Buchsen (6.3 mm Stereo-Klinke) auf der vorderen Gehäuseseite finden wir alle Anschlüsse auf der Stirnseite des SPL 1250. Hier findet sich auch die Anschlussbuchse für das mitgelieferte, externe Netzteil.
Wie bei SPL-Geräten üblich, sind die Anschlüsse doppelt beschriftet: normal und auf dem Kopf stehend. Dadurch lassen sich die Aufdrucke auch einfach lesen, wenn man sich von vorne über das Gerät beugt, um die Kabel einzustecken. Leider ist dieses einfache, aber äußerst hilfreiche Konzept noch nicht bei allen Herstellern angekommen.
Die Anordnung der Anschlussbuchsen ist durchdacht, so dass man sich schnell zurechtfindet.
Zunächst finden wir zwei symmetrische Mikrofon-Eingänge, als XLR-Buchsen ausgelegt, gefolgt von vier symmetrischen Line-Eingängen in Form von Klinkenbuchsen.
Es sei erwähnt, das beim Einstecken von Klinkensteckern in die Line-Eingänge 1 und 2 der jeweilige XLR-Mikrofon-Eingang deaktiviert wird.
Ähnlich werden auch die Line-Eingänge 3 und 4 beim Belegen der beiden vorderseitigen Instrumenten-Klinken Buchsen automatisch abgetrennt.
Zum Anschluss von externen Abhörquellen finden wir verschiedene Eingangsbuchsen innerhalb der Sektion „Sources“.

Dazu gehören:
·    ein Stereo-Mini-Klinkeneingang zum Anschluss von mp3-Playern, Smartphones o.ä.
·    zwei symmetrische Klinkeneingänge
·    sowie zwei Cinch-Eingänge

Oft liefern einige Zuspielgeräte keinen professionellen Pegel, so dass man beim Abhören dieser Quellen stets die gesamte Abhörlautstärke hochdrehen muss.
Über einen 4-fach Mikroschalter („Mäuseklavier“) auf der Gehäuse-Unterseite lässt sich wählen, ob der Cinch-Buchsen- oder der Mini-Klinken-Eingang verstärkt werden soll oder nicht. Ist dieses Feature aktiviert, so werden die meist mit –10dBV an der Cinchbuchse anliegenden Signale auf den professionellen Pegel von 0 dBu angehoben. Die Signale der Miniklinkenbuchse werden um insgesamt 15 dB verstärkt.
Um die Haupt-Monitor-Lautsprecher „Speaker A“ anzuschließen bietet Crimson zwei symmetrische XLR-Ausgänge für rechts und links. Die „Speaker B“-Ausgänge (R und L) sind als symmetrische Klinkenbuchsen konzipiert. Als Besonderheit verfügen die „Speaker B“-Ausgänge über zwei kleine Trimm-Potis, mit denen sich die Ausgangspegel individuell justieren lassen. Auf diese Weise lassen sich auch Monitor-Lautsprecher ohne eigene Trimm-Möglichkeit optimal kalibrieren.
Als digitale Anschlüsse verfügt Crimson neben den MIDI-Buchsen „In“ und „Out“ über eine S/PDIF-Schnittstelle mit koaxialen In und Out-Buchsen (Cinch). Die USB-Buchse dient zum Anschluss des Computers. Außer den vier analogen Kanälen vom Interface zum Computer plus die beiden S/PDIF-Kanäle bietet das integrierte USB-Interface auch gleich vier DAW-Return Kanäle.


Bedienungselemente

w crimson sideview printDie Crimson Bedienungselemente sind in verschiedene Sektionen unterteilt. Im linken Drittel der Controlleroberfläche befinden sich die Bedienungselemente für die Eingangs-Sektion, rechts dagegen befinden sich alle Monitor- und Abhör-Regler, in der Mitte finden wir schließlich diverse Pegel- und Status-LEDs, sämtliche Eingangs- und Ausgangswahlschalter sowie diverse Funktionstasten.


Eingangs-Sektion

Die Crimson Eingangs-Sektion bietet zu oberst für jeden Mikro-Eingangskanal einen Schalter zum Einschalten der 48 V Phantompower sowie einen Schalter zur Aktivierung der integrierten Hochpassfilter. Dieses Filter eliminiert tieffrequente Störgeräusche wie z.B. Trittschallgeräusche oder Körperschall-Übertragung vom Mikrostativ. Das Hochpassfilter greift bei Frequenzen unter 75 Hz ein und arbeitet mit einer moderaten Flankensteilheit von 6dB/Oktave.
Gleich darunter befinden sich die Gain-Regler für die beiden Mikrofon-Vorverstärker (Kanal 1 und 2), regelbar ist die Eingangsempfindlichkeit im Bereich zwischen +7 und +60 dB, sowie die Gain-Regler für die Instrumenten-Eingänge (3 und 4). Der regelbare Bereich liegt hier zwischen –6dB und +31dB, so dass sich auch aktive Gitarren oder Bässe mit hohem Ausgangspegel ohne Probleme anschließen lassen.


Anzeige-Elemente

Die o.g. LED-Anzeigen in der oberen Mitte des Controllers sind in vier Funktionsgruppen aufgeteilt. Jeder der vier Interface-Kanäle verfügt dabei über eine eigene „LED-Ampel“, die die aktuellen Pegelverhältnisse des jeweiligen Kanals darstellt. Leuchtet eine der LEDs grün, so liegt ein Signal im Bereich von mindestens –42dB an. Eine gelbe LED repräsentiert einen Pegel von -6dB und die rote LED signalisiert die Übersteuerung des internen A/D-Wandlers.
Trotz des einfachen Konzeptes liefern die vier LED-Ampeln stets einen Überblick über die internen Pegelverhältnisse. Ansonsten wären noch drei Status-LEDs zur Anzeige der Stromversorgung, der MIDI-Aktivitäten oder zur Kontrolle der korrekten Verbindung zwischen Interface und Rechner zu nennen.


Auswahl-Schalter

Unter den LED-Elementen findet man alle Auswahlschalter, die Crimson zu bieten hat, in drei Reihen organisiert. Die erste Schalterreihe ist den analogen Ein- und Ausgängen sowie den DAW Returns gewidmet. Dabei lässt sich wählen, welches Signal man abhören möchte. Ist der Schalter „1|2“ aktiviert, so hört man die Mikrofon- oder Line-Eingänge 1 und 2. Wird der Schalter „3|4“ gedrückt, so hört man die Instrumenten- bzw. Line-Eingänge ab. Falls man nur eine Mono-Spur aufnehmen möchte, lässt sich das Signal mittels der „Mono“-Taste in die Mitte routen.
Wie bereits erwähnt, erlaubt Crimson die Wiedergabe von bis zu vier Return-Kanälen, aus der DAW kommend. Welches Kanalpaar (1/2 oder 3/4) man nun hören möchte, lässt sich über die beiden DAW-Return-Schalter bestimmen.
Die nächste Schalterreihe dient zur Auswahl der oben beschriebenen Abhörquellen wie den Stereo-Mini-Klinkeneingang, den zwei symmetrischen Klinken- sowie den beiden Cinch-Eingängen. Auch für den S/PDIF-Eingang ist ein eigener Schalter reserviert.
Die letzte Schaltergruppe wird mit „Speakers|Mode“ bezeichnet und bietet einen Wahlschalter, mit dem sich zwischen Studio-Monitor A oder Monitor B umschalten lässt. Über die „DIM“-Taste kann die Anhörlautstärke um 20 dB abgesenkt werden. Einen Mono-Schalter für den Lautsprecher-Signalweg bietet Crimson nicht.


Artist Mode

Ist die Taste „Artist Mode“ gedrückt, kann ein externer Kopfhörerverstärker an den „Speaker B“-Ausgang angeschlossen werden. Im Artist Mode lassen sich die Mikro- und Line-Eingänge latenzfrei abhören. Ebenso lassen sich die DAW-Kanäle oder alle anderen Source-Eingänge abhören. Im Artist Mode fungiert die Quellenauswahl-Taste für die o.g. Klinken-Eingänge als Talkback-Taste. Schließt man an den linken Source-Klinkeneingang ein verstärktes Mikrofonsignal an, so hat man die Möglichkeit mit dem Künstler im Aufnahmeraum über Phones 2, bzw. den Speaker B-Weg zu sprechen - ein wenig umständlich, vor allem verliert man dabei einen Stereo-Eingang. Ein eingebautes kleines Talkback Mikro wäre hier sicher sinnvoller gewesen.


Abhör-Regler

Zur Kontrolle der Kopfhörer- und Monitor-Lautstärken verfügt Crimson über verschiedene Lautstärkeregler. Crimson ist mit zwei unabhängigen Kopfhörerverstärkern ausgestattet. Im Artist Mode liefert Phones 1 das Return-Signal der DAW (1 und 2) und bei Phones 2 liegt der Monitor-Sound für den Künstler inkl. des o.g. Talkbacksignals an. Mit dem Regler „Monitor Mix“ lässt sich nun die Balance zwischen den direkten analogen Mikro-, Instrumenten- oder Line-Eingängen und den DAW- oder Source-Signalen einstellen. Man sollte allerdings darauf achten, dass das aufzunehmende Signal nicht im DAW-Return enthalten ist, da man das Signal ansonsten doppelt hören würde – einmal direkt und einmal mit Latenz durch den Umweg über die DAW.
Schließlich wäre noch der große Reglerknopf zum Einstellen der Hauptmonitor-Lautstärke zu nennen.


Praxis

Die Nutzung des USB-Interfaces erfordert eine Treiber-Installation. Die aktuellen Treiber lassen sich von der SPL-Webseite downloaden. Die Installation ist recht einfach, schon nach wenigen Minuten kann man loslegen.
Das Handling ist sympathisch übersichtlich, lediglich die Talkback-Funktion erscheint vor dem Hintergrund des ansonsten sehr gelungenen Konzeptes ein wenig umständlich.
Gleich bei den ersten Hörtests fiel auf, dass Crimson für ein Gerät dieser Preisklasse schon extrem gut klingt. Gerade die analoge Sektion überzeugt mit seiner klaren und präsenten Soundperformance und der großen Dynamik. Auch das integrierte USB-Interface leistet gute Dienste, klanglich vergleichbar mit den vielen USB-Interfaces im mittleren Preisegment. Für diejenigen, die auf High-Class Wandler zurückgreifen möchten, macht Crimson aufgrund der Preamps und der komfortablen Monitor- und Abhör-Funktionen trotzdem Sinn.
Wichtig für einen Abhör-Controller ist der Gleichlauf der Stereo-Potis, denn wenn sich beim Verändern der Lautstärke das Monitor-Signal um die Stereo-Mitte verschiebt ist das sehr irritierend. Crimson scheint hier gut gerüstetet zu sein. Unser Testgerät machte hier einen zuverlässigen Job.
Besonders praxisnah erscheint auch die Möglichkeit, die Pegel der Sources-Eingänge anzuheben. Dieses kleine Feature erspart viele lästige Prozesse im Studio-Alltag.


Fazit

Alles in Allem handelt es sich bei Crimson um ein sehr interessantes Gerät, welches viele alltägliche Aufgaben im kleinen oder mittleren Studio übernehmen kann. Mit einem Rechner inkl. DAW-Software, einem Satz Studio-Monitore und Crimson ist das kompakte Studio schon nahezu komplett. Mit diskret aufgebauten Mikrofonvorverstärkern und einer clever konzipierten, analogen Schaltungstechnik bietet Crimson außer jeder Menge Funktionalität
vor allem eine klangliche Performance, die man in der Regel nur von teureren Geräten kennt.

Autor: Hagü Schmitz

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Facts

• Abhör-Controller und 6+6 kanaliges USB-Interface mit 24Bit-Wandler
• Abtastraten: 44.1kHz, 48kHz, 88.2kHz, 96kHz, 176.4kHz, 192kHz
• 2 Original SPL-Mikrofonvorverstärker in diskreter Technik
• 48 V Phantompower zuschaltbar
• 2 Instrumentenvorverstärker mit +22 dBu Übersteuerungsfestigkeit
• 4 symmetrische Line-Eingänge
• 8 Stereo-Abhörkanäle
• Latenzfreies, analoges Abhören in bester Qualität
• Schnelle Ein-Knopf-Abhörmischung
• Individuelles Künstler-Abhörsignal mit Talkback-Vorbereitung
• Integrierte Class 2-Treiber für iPad-Recording/Monitoring (Hot-Plugging ohne Neustarts)
• 2 separate Kopfhörerverstärker
• 2 Stereo-Lautsprecherausgänge
• Auch ohne DAW für Play-Along und Abhören nutzbar
• Pro-Level-Boost für Consumer-Geräte und MP3-Player/Smartphones
• Hi-Speed USB 2.0 (480MBit/s)
• MIDI I/O
• S/P-DIF I/O
• WIN XP, Vista, 7 und 8 (32/64 Bit), MAC OSX ab 10.4, iOS ab 6
• Treiber für MAC OSX Mavericks
• Externes Netzteil
• Abmessungen: 60x330x207 mm
• Gewicht: 2,7 kg

UVP: 549 EUR

Autor: Hagü Schmitz

www.spl.info



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