Neumann TLM 107

TLM107 bk

Innovation trifft Tradition

Mit dem TLM 107 stellt Neumann das jüngste Mikrofon der TLM-Serie vor. Was leistet das neue TLM 107, wie sind die Soundeigenschaften?
Xound hatte Gelegenheit, das neue Mikrofon im Studio anzutesten.

Seit seiner Gründung im Jahre 1928 gilt die Marke Neumann als Synonym für professionelle Studio-Mikrofone. Für viele professionelle Studios zählt mindestens ein Neumann-Mikrofon zur Grundausstattung.
Früher waren die „Neumänner“ leider nicht für jeden Studio-Betreiber erschwinglich. Oft sprengte die Investition den vorhandenen Budgetrahmen und der Traum vom eigenen „Neumann“ sollte für manches Studio ein Traum bleiben. In den letzten Jahren hat Neumann eine Reihe erschwinglicher Mikrofon-Modelle auf den Markt gebracht – zur Freude vieler Neumann-Fans.

Konzept

TLM107 bkAuch das neue TLM 107 zählt zu den erschwinglicheren Neumann-Mikrofonen, obwohl das Mikro mit einer recht komfortablen Ausstattung daherkommt.
Konzipiert wurde das TLM 107 nicht, um den Vintage- oder Nostalgie-Trend zu bedienen – ganz im Gegenteil. Das TLM 107 stellt ein modernes Studio-Mikrofon mit Referenzcharakter dar und verbindet innovative Technologie mit Tradition. Innovativ ist vor allem das Bedienkonzept des TLM 107, aber dazu später mehr.
Als elektroakustischer Wandler kommt beim TLM 107 eine Doppelgroßmembrankapsel zum Einsatz. Neumann orientiert sich dabei am eigenen D-01 Mikrofon.
Betrieben wird das TLM 107 über 48 Volt Phantompower.
Wie auch bei den anderen TLM-Modellen verfolgen die Neumann-Ingenieure beim TLM 107 ein trafoloses Schaltungskonzept, was eine verfärbungsfreie Übertragung des Sounds gewährleistet. Dazu bietet dieses Konzept eine hohe Aussteuerbarkeit bei geringem Eigenrauschen. Das Mikro ist bis ca. 8 kHz sehr linear, darüber findet man eine, je nach Richtcharakteristik, mehr oder weniger starke Anhebung der Präsenzen, die dem Mikro eine moderne Frische verleihen. Trotz der Höhenanhebung haben es die Neumann-Entwickler geschafft, dass die S-Laute stets moderat und natürlich wirken. Auch der Einsprechkorb des Mikros wurde optimiert, um gegenüber Popplauten gut gerüstet zu sein. Trotzdem empfiehlt sich, vor allem bei geringem Abstand zum Sprecher/Sänger, einen externen Poppschutz zu verwenden.
Das TLM 107 verfügt über fünf umschaltbare Richtcharakteristiken. Zur Auswahl stehen: Kugel, breite Niere, Niere, Hyperniere und Acht. Um mögliche Trittschallgeräusche zu eliminieren, ist das Mikrofon mit einem zuschaltbaren Trittschallfilter ausgestattet. Der User hat sogar die Möglichkeit, zwischen zwei Grenzfrequenzen (40 Hz oder 100 Hz) zu wählen.
Als weiteres Tool finden wir die zweistufige Pad-Funktion, mit der sich die Vordämpfung um -6 dB bzw. um -12 dB einstellen lässt. Mit einem Grenzschalldruckpegel von 141 dB (ohne Vordämpfung) kann das neue Neumann generell schon mit lauten Klangquellen zurechtkommen. Durch die Pad-Funktion kommt man sogar auf Grenzschalldruckpegel von bis zu 153 dB. Damit sollte man stets auf der sicheren Seite sein.
Zum Lieferumfang des TLM 107 zählt neben der Holzschatulle ein Stativgelenk. Optional stehen auch diverse elastische Aufhängungen zur Verfügung. Das Mikro ist in schwarz oder nickel erhältlich.

Erster Eindruck

TLM107  woodenboxNach dem Öffnen der Holzschatulle findet man das TLM 107 inkl. Halterung im Schaumstoff eingebettet. Das Mikrofon ist somit stets gut geschützt. Insgesamt wirkt das TLM 107 edel und gleichzeitig robust. Durch das moderne Gehäusedesign und das innovative Bedienkonzept ist es den Neumann-Entwicklern gelungen, das Mikrofon sehr kompakt zu halten. Das Mikro sollte daher selbst in engen Setups immer einen Platz finden.
Auf den ersten Blick fällt sofort das innovative Bedienkonzept des TLM 107 ins Auge. Mit nur einem Navigationsschalter und diversen LED-Anzeigen auf der Mikrorückseite lassen sich sämtliche Funktionen des Mikros steuern.

Bedienung

Das neue Bedienkonzept mag ja nicht unbedingt Jedermanns Sache sein – mir gefällt es!
Der Navigationsschalter des TLM 107 erinnert ein wenig an einen Minijoystick, wie man ihn schon mal bei Laptop-Tastaturen findet. Tatsächlich lässt sich dieser Navigationsschalter horizontal wie vertikal bewegen. Einstellbar ist nicht nur die Richtcharakteristik, auch die Pad- und Trittschalfilter-Settings erfolgen über diesen Navigationsschalter.
TLM107 close upNachdem die Phantompower angelegt ist, zeigen die LED-Anzeigen ca. 15 Sekunden lang die aktuell aktiven Einstellungen. Danach erlischt die Anzeige. Möchte man die Anzeige wieder aktivieren oder Parameter einstellen, so drückt man in der Mitte auf den Navigationsschalter. Durch Bewegen des Schalters nach oben und unten lässt sich nun die Richtcharakteristik des Mikros umschalten. Gleich unter dem Schalter finden wir einen verchromten Ring, der die grafischen Symbole der verschiedenen Richtcharakteristiken zeigt. Je nach Einstellung leuchtet immer eines der Grafik-Symbole.
Bewegt man den Navigationsschalter nach rechts, so lässt sich das o.g. Hochpassfilter aktivieren. Neben der Position „Off“ stehen 40 Hz und 60 Hz zur Auswahl. Um die Vordämpfung einzustellen bewegt man den Navigationsschalter nach links, einstellbar sind neben 0 dB (Off) die Werte -6 dB oder -12 dB. Die Einstellungen werden durch entsprechende Status-LEDs repräsentiert.

Praxis und Sound

Beim Einsatz des TLM 107 bemerkt man sehr schnell, dass das TLM 107 mit seinen vielen Richtcharakteristiken, Hochpass- und Pad-Features eine enorme Flexibilität besitzt, und somit vielen Anwendungsbereichen gerecht wird. Gerade für Studios mit nicht perfekten Aufnahmeräumen sind die vielen Richtcharakteristiken extrem nützlich, da sich die Perspektive der Aufnahme recht genau kontrollieren lässt. So kann auch die gewünschte Balance zwischen Direktsignal der Klangquelle und dem Raumanteil sehr fein abgestimmt werden.
Für unseren Test haben wir mit dem TLM 107 verschiedene Stimmen, Akustik-Gitarren und Perkussions-Instrumente aufgenommen. Generell klingt das Mikro sehr sauber und offen. Die Höhen sind aufgrund der o.g. Höhenanhebung sehr präsent, ohne jedoch scharf zu wirken. Trotz der Präsenzanhebung wirkt das TLM 107 insgesamt sehr natürlich mit einer Portion sympathischer Wärme. Der Sound wirkt sehr modern und vermittelt doch einen ganz persönlichen Charme.
Im direkten Vergleich zum TLM 49 klingt das TLM 107 etwas tougher und knackiger.
Obwohl das Mikro in den Höhen sehr präsent ist, hat Neumann die S-Laute recht gut in den Griff bekommen.
Dank des hohen Grenzschalldruckpegel von bis zu 153 dB (inkl. –12 dB Pad) lässt sich das Mikrofon auch hervorragend zur Abnahme lauter Instrumente wie Drums oder Gitarren-Amps verwenden.
Auch die Dimensionierung des Trittschallfilters erweist sich in der Praxis mehr als gelungen. Um Trittschallgeräusche zu unterdrücken lässt sich der 60 Hz Hochpass sogar noch bei Instrumenten oder Männerstimmen mit tiefen Frequenzen einsetzen, ohne dass der Sound zu dünn wirkt.
Die Bedienung über den innovativen Navigationsschalter überzeugt ebenfalls in der Praxis. Die Einstellungen lassen sich blitzschnell realisieren. Wahrscheinlich wird dieses Schaltkonzept auch langfristig robuster als die herkömmlichen Lösungen sein, da man weniger Verschleißteile als bei der Bauart mit analogen Schaltern hat.
Praktisch ist auch, dass der Navigationsschalter auf der Rückseite des Mikros angebracht ist. So braucht der Toningenieur beim Umschalten nicht vor dem Gesicht des Sängers zu agieren.

Fazit

Mit dem TLM 107 verfolgt Neumann einen konsequent modernen Weg, der den modernen Hörgewohnheiten – vieles klingt heute präsenter, frischer und knackiger – mehr als gerecht wird. Trotzdem brauch man beim TLM 107 nicht auf die angenehme Wärme zu verzichten, die man von einigen Vintage-Mikros kennt. Das Mikrofon hat einen ganz eigenen Charme und könnte sich in puncto Sound zu einer neuen Referenz entwickeln.
Berücksichtigt man die komfortablen Features, so erscheint der Preis von ca. 1.442 EUR für dieses „echte“ Neumann-Mikro als fair.


Facts
      • TLM107akustische Arbeitsweise: Druckgradientenempfänger
      • Richtcharakteristik: Kugel, breite Niere, Niere, Hyperniere, Acht
      • Übertragungsbereich: 20 Hz bis 20 kHz
      • Nennimpedanz: 50 Ohm
      • Nennlastimpedanz: 1000 Ohm
      • Feldübertragungsfaktor: 11mV/Pa
      • Geräuschpegelabstand: 72 dB
      • Geräuschpegelabstand, A-bewertet: 84 dB
      • Ersatzgeräuschpegel, CCIR: 22dB
      • Ersatzgeräuschpegel, A-bewertet: 10dB-A
      • Grenzschalldruckpegel ( k < 0,5 %.): 141 dB
      •           mit Vordämpfung –6 dB: 147 dB
      •           mit Vordämpfung –12 dB: 153 dB
      • Max. Ausgangsspannung ( k < 0,5 %.): 10 dBu
      • Stromversorgung: 48 Volt Phantomspannung
      • Anschluss: XLR symmetrisch
      • Gewicht: 445 g
      • Abmessungen: Ø 64 x 145 mm

94dB SPL entsprechen 1Pa=10 µbar
0 dB entspr. 20 µPa

Diagramme

UVP*: 1.442 EUR

www.neumann.com

Autor: Hagü Schmitz


Add this page to your favorite Social Bookmarking websites
 
Kommentare (0)add comment

Kommentar schreiben
kleiner | groesser

busy