img Stage Line DSM-480 LAN

imgStageLineDSM480Digitales Lautsprechermanagement-System

Es gehört heute schon fast zum guten Ton, ein PA-System mit einem intelligenten Audio-Processing-System zu betreiben, um die Leistung der Anlage zu optimieren. Mit dem DSM-480 LAN präsentiert img Stage Line einen interessanten Prozessor, der sich sogar via Netzwerk vom Computer aus fernsteuern lässt. Xound hatte Gelegenheit zu einem Test.

 

Konzept
Beim DSM-480 LAN handelt es sich um ein digitales Lautsprechermanagement-System im 19“-Gehäuse (1HE) mit vier Eingängen und acht Ausgängen. Die mit zwei DSPs (DREAM SAM3716) ausgestattete Prozessoreinheit wird zwischen FOH-Mischpult und PA-System geschaltet, um die Performance der PA zu optimieren. Dabei spielt es keine Rolle, ob man mit aktiven Lautsprecher-Systemen arbeitet, oder ob man passive Lautsprecher mit separaten Endstufen verwendet. Als Werkzeuge hat das DSM-480 LAN einen Vielzahl von verschiedenen Equalizern, Filtern, Delays, Kompressoren/Limitern sowie Frequenzweichen-Funktionen an Bord, sodass man sehr drastisch in den Signalweg eingreifen kann. Dazu kommen Signalgeneratoren (Pink Noise und White Noise) sowie eine Routing-Matrix mit einfachen Mixerfunktionen. Somit lässt sich jeder Eingang auf jeden Ausgang routen und im gewünschten Pegel einstellen, was den Einsatz des Prozessors sehr flexibel macht. Selbst wenn die Bedienung direkt am Gerät recht einfach ist, lässt sich der Prozessor über die mitgelieferte PC-Software fernsteuern, was einiges mehr an Bedienkomfort liefert. Die Kommunikation mit dem Computer kann sowohl über USB als auch via RS-485 Datenbus erfolgen, wobei sich bis zu 32 Geräte zu einem größeren Gesamtsystem kaskadieren lassen. Alle Parameter-Setups lassen sich als User-Presets (maximal 24) intern oder auf einer Speicherkarte abspeichern und jederzeit wieder aufrufen.

DSM-480LAN

Die Bedienung des DSM-480 LAN
Trotz der Komplexität des Gerätes kommt das Lautsprechermanagement-System aufgrund der gelungenen Software-Menüführung mit recht wenigen Bedienelementen aus. Das beleuchtete LC-Display (2 x 24 Zeichen) wurde ganz links platziert, gleich rechts daneben finden wir drei Endlosdrehregler zum Anwählen der Menüpunkte und zum Einstellen von Parameterwerten. Die Bestätigung der Auswahl bzw. Eingabe erfolgt durch Druck auf den jeweiligen Reglerknopf. Die drei Endlosdrehregler sind gleichzeitig aktiv und bieten direkten Zugriff auf jeweils eine Parameter-Ebene, d.h. man hat stets drei Parameter unter direkter Kontrolle. Dadurch erspart man sich ein lästiges hin- und herspringen bei der Konfiguration des Systems.
Für das externe Abspeichern der Programmdaten hat man dem DSM-480 LAN einen Kartenslot spendiert, die entsprechende Speicherkarte befindet sich im Lieferumfang. In der rechten Hälfte der Gerätefront finden wir 12 LED-Bargraphs für die vier Eingänge sowie die acht Ausgänge. Die LED-Ketten der Eingänge dienen zur Anzeige der Eingangs-Pegel inkl. Clip-LED. Bei den Bargraphs für die Ausgänge hat man die Wahl zwischen Anzeige der Ausgangspegel oder der Pegelreduzierung durch die interne Limiter-Funktion. Unter jeder der 12 LED-Bargraphs befindet sich ein Taster. Drückt man einen dieser Taster länger als zwei Sekunden, so wird der entsprechende Eingang oder Ausgang stummgeschaltet, wobei die Status-LED rot leuchtet. Das Wiedereinschalten des Kanals erfolgt nach dem gleichen Prinzip.
Drückt man die jeweilige Kanal-Taste nur kurz, so wird der entsprechende Kanal für die Editierung aktiviert - die Status-LED färbt sich blau. Möchte man die Parameter mehrerer Eingangs- bzw. Ausgangs-Kanäle bearbeiten, so lassen sich nacheinander beliebig viele Tasten betätigen. Die folgenden Parameteränderungen wirken sich dann gleichermaßen auf alle aktivierten Kanäle aus.
Um den Edit-Modus für einen Kanal zu verlassen, drückt man einfach die entsprechende Kanal-Taste. Möchte man den Edit-Modus insgesamt verlassen braucht man nur die zuerst angewählte Kanal-Taste erneut zu drücken. Das Handling bei der Editierung ist einfach und trotzdem sehr flexibel, blitzschnell lässt sich zwischen globalen und kanalspezifischen Editierungen hin- und herspringen.
Zuletzt wäre auf der Frontplatte noch eine integrierte USB-Buchse zu nennen, über die sich das DSM-480 LAN von einem angeschlossenen Computer fernbedienen lässt.

Anschlüsse
Außer dem beschriebenen USB-Port befinden sich sämtliche Anschlüsse des DSM-480 LAN auf der Geräterückseite. Hier finden wir auch den Netzschalter, die Netzbuchse inkl. Sicherungshalter sowie zwei Groundlift-Schalter – getrennt für Audio- und Computer-Anschlüsse.
Als analoge Audio-Anschlüsse finden wir vier symmetrische XLR-Eingänge sowie wie acht symmetrische XLR-Ausgänge. Dazu kommen zwei separate S/PDIF-Stereo-Eingänge zum direkten Anschluss digitaler Audiosignalquellen. Während die frontseitige USB-Buchse nur für kurze Distanzen zum Computer geeignet ist, verfügt das DSM-480 LAN über drei verschiedene RJ45-Buchsen zur Fernsteuerung über größere Distanzen. So ist man gut gerüstet, ganz gleich ob man an den Computer nur ein Gerät anschließt, oder das Netzwerk-Signal zu weiteren Einheiten durchschleift. Bis zu 32 Geräte lassen sich via Ethernet oder RS-485 vom Computer aus kontrollieren.

DSM-480LAN_R

Menüzugriff und Utilities
Bei der Bedienung unterscheidet man generell zwischen verschiedenen Menü-Typen, je nachdem, ob man die Parameter der Eingangskanäle, der Ausgangskanäle oder System-Parameter bearbeiten möchte. Das Aufrufen des jeweiligen Eingangs- bzw. Ausgangskanal-Menüs erfolgt einfach durch Drücken der entsprechenden Kanal-Taste unterhalb der LED-Kette.
Das Utility-Menü erreicht man dagegen, indem man den Knopf des rechten Endlosdrehreglers drückt. Innerhalb des Utility-Menüs lässt sich z.B. einstellen, ob die Delayzeiten des Prozessors in Millisekunden oder in Metern angezeigt werden sollen. Ebenso lassen sich hier die User-Programme des internen Speichers sowie der Chipkarte speichern, umbenennen, laden und löschen. Auch die Einstellungen der Netzwerk- sowie diverser Sicherheits-Parameter, wie z.B. Sperre der Parameter-Anzeige, Password-Verwaltung u.ä., erfolgt im Rahmen des Utility-Menüs.

Eingangskanal-Menü
In der obersten Ebene dieses Menüs hat man zunächst die Möglichkeit, ein Noise Gate ein- oder auszuschalten. Auf dessen Parameter wie Threshold, Attack und Release hat man von hier aus keinen direkten Zugriff, diese sind lediglich über die genannte Remote-Software einstellbar.
Die nächste Menü-Ebene dient zur Auswahl der Eingangsquelle, analog oder digital. Für Messzwecke lässt sich hier auch ein Rauschgenerator (Pink oder White Noise) anwählen.
Die folgende Ebene erlaubt die Einstellung des Eingangspegels eines Kanals, einstellbar zwischen – und + 18 dB. Danach folgt die Delay-Sektion. Hier kann jedes Eingangssignal bis zu 848 ms verzögert werden, wobei die Eingabe in ca. 0,02 ms-Schritten fein genug aufgelöst ist.
Als nächstes folgt die EQ-Sektion. Das DSM-480 LAN verfügt an dieser Stelle über fünf separate EQs pro Eingangs-Kanal. Für jeden EQ lässt sich nun individuell ein Filtertyp auswählen, wobei insgesamt 17 Filtertypen von diversen Hoch-/Tiefpass-Filtern, über Notch- oder Bandpass-Filter bis hin zu verschiedenen EQs mit Glocken-Kurven oder Kuhschwanzcharakteristik zur Verfügung stehen. Die EQs sind je nach Filtertyp einstellbar in Frequenz (meist 20 bis 20 kHz), Güte (bei Glockenkurven zwischen 0,3 und 20) sowie im Cut- oder Boost-Pegel (-15 dB bis +15 dB).

Ausgangskanal-Menü
Dieser Menü-Bereich ist weitaus komplexer aufgebaut als die Eingangs-Sektion. Es sei darauf hingewiesen, dass sich jeder Ausgangs-Kanal völlig eigenständig bearbeiten lässt. Ein wenig verwirrend ist zunächst, dass die Reihenfolge der einzelnen Processing-Module innerhalb der Menüstruktur anders ist als im „echten“ Signalfluss.
Als Erstes lässt sich jeder Ausgangskanal innerhalb des Menüs mit einem individuellen Namen bezeichnen. Im nächsten Menüschritt lassen sich unter „Source“ für jeden Ausgangskanal einer oder mehrere beliebige Eingangskanäle zuordnen. Das Ganze fungiert somit wie eine Art kleine Routing-Matrix, wobei sich einzelne Eingangs-Kanäle für jeden Ausgang individuell muten und um 0 bis -30 dB dämpfen lassen. Dieses Dämpfungsglied sitzt schaltungstechnisch vor den Prozessoren für EQs und Kompressor/Limiter und bestimmt dadurch, mit welchem Pegel das Signal ins Processing gehen soll.
Danach durchläuft das Signal Hoch- und Tiefpass-Filterstufen, für die jeweils 17 verschiedene Filtercharakteristiken zur Auswahl stehen. Unter den Filter-Typen finden wir verschiedene Butterworth-Filter (erster bis vierter Ordnung), Linkwitz-Riley-Filter (zweiter, vierter, sechster und achter Ordnung), ein Bessel-Filter (vierter Ordnung) sowie eine große Auswahl an sogenannten Custom-Filtern mit bis zu vier kaskadierten Filtern, einstellbar in Grenzfrequenz und Güte (Flankensteilheit bis zu 48 dB/Oktave).
Als nächstes Modul innerhalb des Signalwegs folgt die so bezeichnete „Klangreglung“, ein Begriff, der weniger verspricht als den User erwartet. Schließlich verbergen sich hinter dieser einfachen Beschreibung sieben (!) unabhängige Equalizer mit 17 verschiedenen EQ-Typen, wie in der Eingangssektion.
Um auch je nach Anwendungsfall die einzelnen Ausgänge z.B. für Delay-Lines im Timing zu trimmen, folgt dem EQ-Modul eine Delaystufe. Wie bei den Eingangskanälen ist hier eine maximale Delayzeit von 848 ms in Schritten von 0,02 ms möglich.
Die Kompressoreinheit des DSM-480 LAN stellt die typischen Parameter wie Threshold, Attack, Release und Ratio (1:1 bis 1:32) bereit, dazu lässt sich die Kompressor-Kennlinie stufenlos zwischen Hard- und Softknee-Charakteristik verändern.
Als weitere Pegelbegrenzung gibt es noch einen Limiter mit den Parametern Attack und Release sowie dem Wert für den gewünschten Maximal-Ausgangspegel.
Zwischen Kompressor- und Limiter-Stufe liegt eine zusätzliche Gain-Reglung (-18 dB bis +18 dB). Damit lässt sich die dynamische Balance von Kompressor und Limiter optimal ausloten.
Zum Schluß finden wir noch einfache Features zur Phasenumkehr (0°/180°) und zum Einstellen der LED-Ketten, je nachdem, ob man den Ausgangspegel oder die Pegelreduzierung durch den Limiter angezeigt haben möchte.

DSM-480LAN_S2DSM-480LAN_S1Remote-Steuerung via Computer
Die Remote-Steuerung des DSM-480 LAN über einen Computer liefert nicht mehr als die o.g. Funktionen, jedoch bietet die mitgelieferte Software eine enorme Verbesserung in puncto Bedienung. Spätestens dann, wenn man dem DSM-480LAN_S3Programm oder dem Ausgang einen Namen zuordnet, ist die Eingabe über den Drehregler nicht zu vergleichen mit dem Komfort der Computertastatur. Aber auch die grafische Darstellung der Routings, EQ- und Dynamik-Kurven sowie die Darstellung des gesamten Setups in einem Übersichtsfenster vereinfachen die Konfiguration noch so komplexer Setups, wie man anhand der abgebildeten Screenshots erkennen kann. Dazu kommt, dass sich via Computer-Software auch ohne Weiteres Parameter-Einstellungen kopieren lassen, was direkt am Gerät nicht möglich ist.

Anwendung und Fazit
Für unseren Test haben wir das DSM-480 LAN mit zwei verschiedenen Setups eingesetzt. Dabei kamen stets 2-Weg-Systeme, mal aktiv, mal passiv mit separaten Endstufen, plus einem aktiven Subwoofer zum Einsatz. Da das DSM-480 LAN als digitaler Audioprozessor funktioniert, müssen die analogen Signale an den Eingängen durch A/D-Wandler digitalisiert werden. An den Ausgängen wiederum erfolgt die Wandlung vom digitalen zum analogen Medium. Die Wandler stellen erfahrungsgemäß stets das klangliche Nadelöhr solcher Prozessoren dar. Um herauszufinden, wie sich das DSM-480 LAN hier verhält, haben wir zunächst eine Art „Durchgangstest“ mit neutralen Einstellungen (alle Filter, Pegelregler und Dynamiksektionen aus) getestet und mit der direkten Verkabelung verglichen, wobei definitiv kein nennenswerter Unterschied festzustellen war.
Danach ging´s ans Eingemachte. Ich muss gestehen, es ist durchaus verführerisch, wenn man so viele hochwirksame Tools zur Verfügung hat, doch man sollte sich auf das beschränken, was wirklich notwendig ist.
Bei unserem Praxis-Einsatz setzten wir die Hoch- und Tiefpass-Filter in der Funktion einer aktiven Frequenzweiche ein, um die Topteile vom Subwoofer zu trennen, haben alle Lautsprecher-Komponenten mit den internen Filtern frequenzmäßig getrimmt und die Kompressor-Funktionen so eingestellt, dass die Lautsprecher auch beim Aufdrehen der Lautstärke noch sympathisch mitmachten. Der Limiter wurde als eine Art Notbremse eingesetzt, bevor die Begrenzer in den Endstufen aktiv wurden.
Die gesamte Performance wurde deutlich verbessert und lieferte ein weitaus transparenteres Gesamt-Klangbild, welches sich auch bei extremen Dynamik-Veränderungen relativ konstant verhielt. Das Ergebnis war verblüffend.
Bei unserem Test mit einem kleinen PA System wurde deutlich, dass das clevere DSM-480 LAN enorme Processing-Reserven an Bord hat, die sich durch die offene Architektur mit vier Eingängen und acht Ausgängen auch sehr flexibel einsetzen lassen. Und falls man bei größeren PA-Systemen doch mehr Kanäle benötigt, so lassen sich weitere Geräte kaskadieren. Die Investition wird sich definitiv lohnen.    

Autor: Hagü Schmitz

Preis: 1.279 EUR (UVP)

www.imgstageline.com

Facts
•    Digitales Lautsprechermanagement-System
•    4 Ein- und 8 Ausgänge (XLR, symmetrisch)
•    2 x S/PDIF-Digitaleingang, stereo
•    DSPs: 2 x DREAM SAM3716, 24 bit (data) x 96 bit (coeff.)
•    Dynamikumfang > 110 dB
•    Routing-Matrix, Routing der Eingänge auf beliebige Ausgänge
•    Integrierter Signalgenerator (Pink Noise und White Noise)
•    12 VU-Meter, wahlweise für Pegel- oder Limiter-Anzeige
•    24 Benutzer-Presets speicherbar
•    Flash-Card zum Lesen und Speichern von Presets
•    Remote via USB, RS-485 oder TCP/IP-LAN
•    Grafische Benutzeroberfläche, PC-Editor-Software (bis zu 32 DSM-480LAN verwaltbar)

Funktionen pro Eingangskanal:
•    Gain
•    Noise Gate
•    5 parametrische Equalizer mit 17 Filtertypen
•    Delay maximal 849 ms, umschaltbar zwischen Zeit (ms) und Entfernung (m)

Funktionen pro Ausgangskanal:
•    Frequenzweiche mit individuell erstellbaren Filtertypen von 6-48 dB/Okt
•    inkl. Butterworth-, Linkwitz-Riley- und Besselfilter 
•    7 parametrische EQs
•    17 Filtertypen pro Equalizer
•    Routing-Matrix mit Mix-Möglichkeiten
•    Peak-Limiter und RMS-Kompressor mit Ratio bis 32:1 Soft/Hard-Knee-Charakter  einstellbar
•    Peak-Limiter und RMS-Compressor
•    Delay maximal 849 ms, umschaltbar zwischen Zeit (ms) und Entfernung (m)
•    schaltbare Phasenumkehr

Technische Daten:
•    Frequenzbereich: 20-20000 Hz
•    Störabstand: > 110 dB
•    Klirrfaktor: < 0,005 %
•    Abmessungen:  19,  1 HE
•    Gewicht: 2,5 kg

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