beyerdynamic Touring Gear

beyerdynamicTeil 2: Die Instrumenten-Fraktion

In der letzten Ausgabe Xound vier|11 stellten wir die Vocal-Mikrofone der beyerdynamic Touring Gear Serie vor. In dieser Ausgabe möchten wir uns nun den Instrumental-Mikros der neuen Serie widmen.

Wie bereits im ersten Teil beschrieben, ist die Touring Gear Reihe völlig neu konzipiert und strukturiert worden, wobei viele technische Innovationen wie z.B. beyerdynamic’s Sound Channelling Technology zum Tragen kommen.

 
Für den Test standen uns vier Instrumental-Mikros der Touring Gear Serie zur Verfügung:

·    TG I50d
·    TG I53c
·    TG I57c
·    TG I53c

Das Kürzel „d“ gilt für dynamische Mikrofone, während das „c“ für Kondensator-Mikros steht.


TG_I50d_4cTG I50d

Beim TG I50d handelt es sich um ein dynamisches Mikrofon, welches in erster Linie für die Abnahme von Instrumenten konzipiert wurde. Zum empfohlenen Einsatzgebiet zählen Instrumente wie Gitarren- oder Bassamps, Percussion-Instrumente, Snaredrum sowie Blasinstrumente.
Das schwarze Mikrofon erweckt mit seiner geschwungenen Form und seiner speziellen Kopfform mit seitlichen Gitteröffnungen einen sehr edlen Eindruck. Das TG I50d kommt als  Instrumental-Mikro ohne Schalter aus und wird in einem schicken Karton inkl. Aufbewahrungstasche und Stativ-Klemme geliefert.
Wie bei den Mikrofon-Geschwistern kommt auch beim TG I50d die Sound Channelling Technology zum Einsatz. Dabei sorgt z.B. ein ausgeprägter Raum hinter der Membran für eine optimale Basswiedergabe. Ebenso verwenden die beyerdynamic Ingenieure einen Höhenresonator zur Verbesserung der Höhenwiedergabe. Durch spezielle Schallöffnungen gewährleistet man eine frequenzunabhängige Richtcharakteristik.
Das TG I50d verfügt über einen Nieren-Richtcharakteristik, was in Bezug auf die angedachten Anwendungsbereiche auch sinnvoll ist. Der Frequenzgang des Mikros ist in der Mitte recht linear, bei etwa 2 kHz beginnt eine kleine Anhebung, die bei 10 kHz ihr Maximum erreicht. Darüber geht’s dann ganz sanft bergab. Bei 20 kHz liegt der Pegel über 15 dB niedriger als das Mittel. Ebenso beginnt ab 200 Hz abwärts eine sanfte Dämpfung, die bei 50 Hz im Bereich um ca. –15 dB liegt.


Klang

TG_I50d_FRequenzgangDas TG I50d klingt sehr druckvoll und warm, ohne jedoch muffig zu wirken. Der weiche Charakter kommt sicherlich durch die oberhalb von 10 kHz beginnende sanfte Dämpfung zustande, trotzdem wirkt der Sound durch den o.g. Lift zwischen 2 und 10 kHz stets sehr präsent und liefert eine gewisse Frische. Der Nahbesprechungseffekt ist deutlich, aber niemals zu stark oder unangenehm. Hier sorgt die o.g. Absenkung der Tiefen dafür, dass das Klangbild nicht zu fett wird.
Die Richtcharakteristik der Niere ist sehr ausgeprägt, bewegt man sich aus der Mikrofonachse heraus, so fällt der Signalpegel fast schlagartig ab. Somit lassen sich einzelne Instrumente selbst bei lautem Bühnensound immer gut „isolieren“.
Beim Test fiel auf, dass das Mikrofon sehr rückkopplungsarm ist, was ggf. auch auf die Dämpfung in den Höhen und auf die starke Bündelung der Niere zurückzuführen ist.


Facts TG I50d

Anwendungsbereich: Instrumentenabnahme
Preiskategorie: Mittelklasse
Wandlerprinzip: Tauchspule (dynamisch)
Arbeitsprinzip: Druckgradientenempfänger
Richtcharakteristik: Niere
Übertragungsbereich: Nahfeld: 50-17.000Hz; Fernfeld (Entfernung 1 m):80-17.000Hz
Abmessungen: Länge: 164 mm; Schaftdurchmesser: 23-35 mm; Kopfdurchmesser: 41 mm
Nettogewicht: 322 g

 

TG_I53c_4cTG I53c

Mit dem TG I53c hat beyerdynamic ein Elektretkondensator-Mikrofon entwickelt, welches u.a. im Bereich Drums/Percusssion, ob als Overhead-Mikro oder zur Abnahme der HiHat, zum Einsatz kommt. Das nur 100 mm kurze Mikro – mit 36 g ein echtes Leichtgewicht - eignet sich darüber hinaus auch für akustische Saiteninstrumente sowie für Blasinstrumente. Das geringe Gewicht des TG I53c kommt u.a. dadurch zu Stande, dass die beyerdynamic Ingenieure ein carbonfaser-verstärktes Gehäuse verwenden. Trotz des niedrigen Gewichtes macht das Gehäuse einen extrem robusten Eindruck. 
Auch zum Lieferumfang des TG I53c gehört ein schicker Karton inkl. Aufbewahrungstasche und Stativ-Klemme.
Das TG I53c liefert eine Nierencharakteristik und kann mit einem maximalen Grenzschalldruckpegel von ca.140 dB auch laute Signale verarbeiten. 
Der Frequenzgang des TG I53c ist sehr linear, lediglich um 10 kHz herum gibt es eine deutliche Anhebung, die gerade bei den o.g. Anwendungen eine angenehme Offenheit liefert.
Das kleine Kondensator-Mikro kann mit Phantomspannungen von 24 oder 48 Volt betrieben werden, wobei ich generell eine 48 V Phantompower vorziehen würde.
Die Sound Channelling Technology sorgt beim TG I53c mit zwei unterschiedlichen Höhenresonatoren und speziellen Schallöffnungen für eine verbesserte Höhenwiedergabe sowie für eine frequenzunabhängige Richtcharakteristik.


Klang

TG-I53c_FrequenzgangDas kleine TG I53c macht einen angenehm frischen Eindruck, wenn auch die fetten Bässe das Signal u.U. ein wenig überdecken. Dies fällt besonders auf, wenn der deutliche Nahbesprechungseffekt zur Wirkung kommt. Hier würde ich mir einen zuschaltbaren Trittschallfilter wünschen, um das Signal nach unten auszudünnen. Zur Not aktiviert man den Hochpass am Mikrofonvorverstärker, jedoch verhindert man damit nicht, dass die interne Vorverstärkerstufe durch zu fette Signale an ihre Grenzen kommt.
Die Bündelung der Niere ist nicht so extrem, was aber auch durchaus Vorteile hat: Selbst wenn man sich von der Signalquelle wegbewegt, wirkt der Sound je nach Raumbeschaffenheit noch recht direkt, obwohl ich bei der Verwendung von vielen Mikros auf einer lauten Bühne die Instrumente lieber möglichst nah mikrofonieren würde.
Das TG I53c ist sehr empfindlich gegenüber Windgeräuschen, daher sollte man das Mikro beim Einsatz mit Blasinstrumenten nicht zu nah positionieren oder einen Windschutz überstülpen.


Facts TG I53c

Anwendungsbereich: Instrumentenabnahme
Preiskategorie: Mittelklasse
Wandlerprinzip: Elektretkondensator
Richtcharakteristik: Niere
Übertragungsbereich: Nahfeld: 20-20.000Hz; Fernfeld (Entfernung1m): 35-17.000Hz
Versorgungsspannung: 24 oder 48 V
Abmessungen: Länge: 100 mm; Schaftdurchmesser: 19,5 mm; Kopfdurchmesser: 19,5 mm
Nettogewicht: 36 g

 

TG I55c Helix

TG_I55c_helix_4cBeim TG I55c handelt es sich um ein recht ausgefallenes Konzept. Das Miniatur-Mikrofon (Länge 12,7 mm; Kopfdurchmesser 5,1 mm) wurde für direkte Mikrofonierung verschiedener Instrumente wie z.B. Geige, Bratsche, Blockflöte, Dulcimer, Scheitholz, Cello oder Kontrabass entwickelt.
Miniatur-Mikrofone gibt es viele, jedoch verfügt das TG I55c Helix über eine clevere Halterung, die sich ohne weiteres in wenigen Sekunden an jedem Instrument befestigen lässt.
Die Helix-Halterung erinnert mit ihrer Spiralform wirklich an eine Helix und besteht aus weichem elastischem Kunststoff, der sich ähnlich wie eine Feder immer wieder in die ursprüngliche Form zurückzieht. Dieses Element klemmt man nun einfach irgendwo an das Instrument und fertig. Das Mikro selbst wird durch eine austauschbare Schlaufe an der Helix gehalten. Da das Material der Helix sehr weich ist, braucht man keine Kratzer an kostbaren Instrumenten zu fürchten, was so manchen Musiker beruhigen dürfte. 
Um die Positionierung des Mikrofons am Instrument zu erleichtern, verfügt das Mikrofon über Kugelcharakteristik. Dabei kommt der Direktmikrofonierung der Instrumente auch zu Gute, dass das TG I55c keinen Nahbesprechungseffekt liefert. 
Das Mikrofon ist mit einem 1,20 m langen Kabel ausgestattet, welches mit einem Mini-XLR-Stecker konfektioniert ist. Das TG I55c lässt sich somit direkt in einen Taschensender einstecken. Für den Kabelbetrieb bietet beyerdynamic einen Adapter an, der den Anschluss an einen herkömmlichen Mikrofonvorverstärker via XLR ermöglicht.


Klang

TG_I55c_Helix_FrequenzgangBei der Positionierung des Mikros bestätigte sich, dass das Handling völlig unproblematisch ist. Nicht nur, dass die pfiffige Halterung überzeugt, auch das Mikro selbst stellt sich als völlig unkritisch heraus. Da der Nahbesprechungseffekt fehlt, bleibt der Klang nahezu unabhängig von der Position. Das TG I55c Mikro klingt sehr neutral und gibt das Instrument sehr authentisch wieder.
Durch die Kugelcharakteristik hat man auf der Bühne zwar mit dem gewohnten Übersprechen der anderen Instrumente zu kämpfen, dafür wird das TG I55c allerdings auch direkt am Instrument befestigt, d.h. der Abstand zur Signalquelle ist minimal.


Facts TG I55c

Anwendungsbereich: Instrumentenabnahme
Preiskategorie: Mittelklasse
Wandlerprinzip: Elektretkondensator
Richtcharakteristik: Kugel
Übertragungsbereich: 20-20.000Hz
Versorgungsspannung: 1,5-9V
Abmessungen: Länge 12,7 mm; Kopfdurchmesser 5,1 mm
Nettogewicht (ohne Kabel) : 1 g
Nettogewicht (mit Kabel) : 9 g

 

TG I57c

TG_I57c_4cbeyerdynamic empfiehlt das TG I57c für Blasinstrumente wie z.B. Trompete, Posaune oder Saxophon. Das Mikro verfügt über eine integrierte Klemmvorrichtung. Auf diese Weise lässt sich das TG I57c einfach an jedem Instrument befestigen. Zwischen Mikro und Klemme befindet sich ein Schwanenhals, der die optimale Ausrichtung des Mikrofons ermöglicht. Das Mikro verfügt über ein fest angeschlossenes Kabel, welches in einen Mini XLR-Stecker übergeht. Das TG I57c eignet sich daher direkt für den Anschluss an Taschensender. Möchte man das Mikrofon kabelgebunden über normale Preamps betreiben, liefert beyerdynamic das passende Adapterstück.
Das kompakte Mikrofon liefert eine Nierencharakteristik. Der Frequenzgang verläuft beim TG I57c mit einem weichen, aber deutlichen Pegelabfall ab 200 Hz abwärts, sowie einer starken Anhebung im Bereich von 5 bis 15 kHz.
Die Sound Channelling Technology verbessert beim TG I57c mit zwei unterschiedlichen Höhenresonatoren und speziellen Schallöffnungen die Höhenwiedergabe. Ebenso wird dabei eine frequenzunabhängige Richtcharakteristik erzielt.


Klang

TG_I57c_FrequenzgangDas Klangbild des TG I57c wirkt sehr offen, was sicherlich aus der o.g. Höhenanhebung resultiert. Bei sehr schrillen Instrumenten-Klängen erscheint die Höhenanhebung z.T. etwas zu intensiv, ggf. muss man später am EQ die oberen Mitten etwas ausdünnen, aber dann passt es schon.
Das Mikro liefert zwar systembedingt einen Nahbesprechungseffekt, da jedoch die tiefen Frequenzen bedämpft werden, ist der Effekt nicht so auffällig.
Mit der Niere als Richtcharakteristik ist die Ausrichtung beim TG I57c etwas kniffliger als bei der o.g. Kugel, doch über den Schwanenhals findet man mit ein wenig Übung schnell eine geeignete Position.


Facts TG I57c

Anwendungsbereich: Instrumentenabnahme
Preiskategorie: Mittelklasse
Wandlerprinzip: Elektretkondensator
Arbeitsprinzip: Druckgradient
Richtcharakteristik: Niere
Übertragunsgbereich: Nahfeld: 30-20.000Hz; Fernfeld (Entfernung1m): 100-20.000Hz
Versorgungsspannung: 24 oder 48 V
Abmessungen: Länge 170 mm
Nettogewicht (ohne Kabel) : 64 g

 

Fazit

Auch bei den Instrumental-Mikros der neuen beyerdynamic Touring Gear Serie gibt es viele interessante Familienmitglieder. Hier sollte für jeden Einsatzbereich etwas zu finden sein.
Obwohl die Touring Gear Reihe in jeder Hinsicht professionellen Anforderungen gerecht wird, bleiben die neuen Instrumental-Mikros bei Preisen zwischen 135 und 160 EUR keinesfalls nur den Profis zugänglich.

Doch bei der Qual der Wahl gilt auch hier wieder: probieren geht über ... na, ihr wisst schon.


UVPs*:

TG I50d: 140 EUR
TG I53c: 135 EUR
TG I55c: 160 EUR
TG I57c: 150 EUR

www.beyerdynamic.de

Sound Channelling Technology

Um den einmaligen, natürlichen Klang zu erreichen, hat beyerdynamic über Jahrzehnte hinweg die Sound Channelling Technologie entwickelt und verfeinert. Dabei kreieren Akustikspezialisten mithilfe spezieller Geometrie akustische Labyrinthe, die für eine optimierte Schallführung sorgen. Durch den Einsatz genauestens aufeinander abgestimmter Laufzeit- und Dämpfungsglieder nimmt man somit Einfluss auf den Klang und modelliert die Richtcharakteristik. Ob mittels zusätzlicher Elemente, spezieller Materialien oder durch eine besondere Bauweise: Jedes beyerdynamic-Mikrofon nutzt eine eigene Sound Channelling Technologie, um die optimale Lenkung der Schallwellen und damit einen optimalen Klang sicherzustellen.

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