Sennheiser Evolution 100 G3-1G8

SennheiserEvolution100G3-1G8Das 1800 MHz Vocal Set

Als erster Hersteller präsentierte Sennheiser ein Wireless-System für das Spektrum um 1800 MHz, welches seit der gesetzlichen Neureglung der Funkfrequenzverteilung exklusiv für die Audioübertragung reserviert ist. Wir hatten das Evolution ew 100 G3-1G8 Vocal Set im Test.

 

 

Seit dem 3. März 2010 ist in Deutschland die Nutzung der Funkfrequenzen für Funkmikros, In-Ear-Systeme, ENG- und Instrumental-Funkstrecken sowie drahtlose Personenführungsanlagen per Gesetz neu geregelt worden, wovon der gesamte UHF-Bereich von 470-865 MHz betroffen ist. Darunter fallen auch die früher von drahtlosen Mikrofonen genutzten Bereiche von 790-814 MHz und 838–862 MHz. Durch diese Neustrukturierung wurden alle Hersteller dazu gezwungen, ihre Systeme umzustellen – eine Aufgabe, die sich nicht mal eben so über Nacht ohne entsprechend großen technischen Aufwand realisieren lässt. Mit seinem ew 100 G3-1G8 Wireless-System war Sennheiser der erste Hersteller, der den 1800 MHz-Bereich für seine drahtlosen Mikro- und Instrumenten-Systeme nutzt.


Konzept

Unser getestetes ew 100 G3-1G8 Vocal-Set besteht aus einem EM 100 G3-1G8-Empfänger sowie einem SKM 100 Funkmikrofon mit e 935-Mikrofon-Kopf, einem dynamischen Mikrofonmodul mit Nieren-Charakteristik. Alternativ bietet Sennheiser auch Funkmikros mit anderen Modulen, sowohl als Komplett-Systeme wie als Einzelkomponenten an.

Zur Auswahl stehen:

·    e 945-Modul (dynamisch, Superniere)
·    e 835-Modul (dynamisch, Niere)
·    e 845-Modul (dynamisch, Superniere)
·    e 865-Modul (Kondensator-Mikro, Superniere)

Damit dürfte man für jede Stimme und jeden Anwendungszweck genügend Optionen zur Verfügung haben. Dazu kommt für die  Anwendung mit Headsets oder Instrumenten der Taschensender SK 100 G3-1G8.
Zum Lieferumfang des getesteten Vocal-Sets zählen neben Empfänger und Handsender das Empfänger-Netzteil, Kunststoffelemente (zum Stapeln mehrerer Empfänger), eine Stativ-Klemme sowie ein Batterieset für das Funkmikro. Optional stehen darüber hinaus noch verschiedene Montage-Kits für die Rackmontage zur Auswahl.
Auf den ersten Blick wirkt das ew 100 G3-1G8  Set wie das frühere G3 System, lediglich beim Empfänger kann man anhand des rückseitigen Serien- und CE-Nummern-Aufklebers erkennen, dass es sich hier um die 1800 MHz-Variante handelt. 
Das G31-G8 Wireless-System arbeitet im Bereich zwischen 1785 - 1800 MHz, wobei sich zwischen 1500 verschiedenen Frequenzen wählen lässt.
Diese Frequenzen werden innerhalb eines Kanalbanksystem verwaltet, welches insgesamt 20 Bänke plus eine weitere User-Bank mit jeweils 12 Kanälen vorsieht. Werksseitig sind die Frequenzen aller Kanäle der Bänke 1 bis 20 bereits vordefiniert, die Frequenzen der User-Bank lassen sich jedoch in 10 kHz Schritten frei definieren und abspeichern.


Funkmikro SKM 100

IMG_0422Wie bereits erwähnt, handelt es sich bei unserem Test-Funkmikro um das SKM 100 mit dynamischem e 935-Mikrofonmodul (Niere).
Möchte man das e 935-Modul gegen eines der o.g. Module austauschen, so lässt sich der Mikrofon-Kopf einfach abschrauben.
Das Sendemikro wird von 2 x 1.5 Volt AA Batterien oder über das optional erhältliche Akku-Pack gespeist. Zum Wechseln der Batterien schraubt man den unteren Teil des Mikros auf, worauf sich die gesamten „Innereien“ des Mikros aus dem Mikro-Schaft herausziehen lassen.
Zum Einschalten befindet sich an der Unterseite, gleich neben dem Antennenelement, ein kleiner roter Schalter. Der eingeschaltete Zustand wird durch eine kleine rote LED angezeigt. Drückt man den Schalter nur kurz, geht das Mikro sofort in Betrieb. Wird der Schalter jedoch länger gedrückt, so wird das Signal beim Einschalten zunächst stummgeschaltet. Über das seitliche kleine Display wird der User nun gefragt, ob das Signal eingeschaltet werden soll.
Tippt man später kurz den Ein- und Ausschalter, so springt das Display wieder zum Mute-Menu und wartet auf Bestätigung.
Um zu verhindern, dass man das Mikro auf der Bühne aus Versehen ausschaltet, muss die On/Off-Taste immer ein paar Sekunden gedrückt gehalten werden, bevor sich das Mikrofon verabschiedet.
Unmittelbar nach dem Einschalten ist das Display des SKM 100 beleuchtet. Standardmäßig liefert die Anzeige Informationen über den Batteriezustand sowie den Tastensperren-, Mute-, Pilotton- und Sendestatus.
Darüber hinaus kann man wählen, ob man im Standard-Display die Funkfrequenz, den individuell einstellbaren Namen des Mikros, Kanal und Kanalbank oder eine Kombination aus Verschiedenem lesen möchte.


SKM 100 Bedienung

Zum Editieren der Parameter bietet das Mikrofon am unteren Rand ein kleines Einstellrad, welches die Funktion von Plus/Minus-Tastern liefert.  Mit diesem Bedienelement bewegt man sich durch die Einstellmenus, bestätigt wird die Eingabe jeweils durch kurzen Druck auf das Rädchen. Über die Tastensperre-Funktion kann das Einstellrad sowie der Ein/Ausschalter jederzeit deaktiviert werden. So verhindert man ungewollte Editierungen.
Die Hintergrundbeleuchtung des Displays blendet sich automatisch aus, wenn man für ein paar Sekunden nichts mehr editiert.

 

Das SKM 100 Standard-Menu liefert folgende Parameter:

Sensitivity - Eingangs-Empfindlichkeit in 6 dB Schritten einstellbar zwischen  0 und –48 dB
Frequency Preset – Einstellung der Kanal-Bank und des Kanals
Name – Einstellung eines beliebigen, bis zu 8-stelligen Namens
Auto Lock – Einstellung der Tastensperre
Advanced – erweitertes Menu

Im Advanced-Menu-Modus lassen sich die Sende-Frequenzen der Kanäle in 0,01 MHz-Schritten tunen, der Display-Kontrast einstellen, die Pilotton-Funktion aktivieren/deaktivieren und die Software-Version auslesen.
Alle editierten Einstellungen lassen sich abspeichern, und falls man sich irgendwann mal im Parameter-Dschungel verirrt hat, kann das System durch die Reset-Funktion wieder auf die Werkseinstellungen zurückgesetzt werden.
Gleich unterhalt des Displays befindet sich eine Infrarot-Schnittstelle. Über dieses Feature können direkt Daten zwischen dem Sender und dem Empfänger ausgetauscht und z.B. Frequenz-Einstellungen synchronisiert werden .
Um verschiedene Mikrofone auf der Bühne unterscheiden zu können, lassen sich die Mikros übrigens durch einen Farbring kennzeichnen. Dieser wird einfach an der unteren Seite des Mikros aufgesteckt. Durch Verdrehen des Rings lässt sich auch das o.g. Parameter-Einstellrad gegen ungewolltes Bedienen schützen.


Empfänger EM 100 G3-1G8

IMG_0449Beim EM 100 G3-1G8-Empfänger handelt es sich wie auch bei den Vorgängermodellen in den anderen Frequenzbereichen um ein True-Diversity System, d.h. im Prinzip verfügt der Empfänger über zwei separate Empfangskanäle, sogar mit eigenen Antennen. Wird die Empfangsqualität eines Kanals aufgrund von Störungen oder Auslöschungen schlechter, so schaltet das System auf den „brauchbaren“ Kanal um - ein Übergang ist dabei nicht zu hören.
Den größten Teil der EM 100-Frontplatte nimmt das beleuchtete Display ein. Unabhängig von den jeweiligen Anzeigemenus findet man im linken Bereich des Displays drei Bargraphs zur Anzeige der Empfangsstärke der beiden internen Kanäle (Diversity) sowie zur Anzeige des analogen Eingangspegels. Im Bereich rechts daneben lassen sich je nach aktivem Menu verschiedene Parameter ablesen. Das Standard-Display nach dem Einschalten zeigt neben den Pegel-Bargraphs z.B. den frei programmierbaren Gerätenamen, die Frequenz sowie den Batteriestatus des Senders. Der User hat jedoch die Option, die Standard-Anzeige zu ändern. Zur Auswahl steht dabei ebenso das Menu des internen Gitarren-Tuners (dieses Feature ist ganz praktisch bei Verwendung eines Taschensenders mit E-Gitarren) oder das Soundcheck-Menu. Letzteres zeigt die Übertragungsqualität zwischen Sender und Empfänger an. Bei aktivierter Soundcheck-Funktion zeichnet der Empfänger die maximalen und minimalen Pegel im HF- als auch Audio-Bereich auf, während man sich mit dem Sender im Raum bewegt. Auf diese Weise lässt sich sehr leicht einschätzen, wie gut die Performance der Anlage innerhalb der Location ist - das spart Nerven.
Gleich am linken Rand des Displays befindet sich die Infrarot-Schnittstelle des Empfängers, über die sich Frequenz-Daten zwischen Sender und Empfänger synchronisieren lassen. Dazu hält man einfach die Infrarot-Schnittstelle des Senders vor den Empfänger-Infrarotport und drückt am Empfänger die Sync Taste. Der Synchronisations-Vorgang dauert nur wenige Sekunden.
Rechts neben dem Display befinden sich mehrere Funktionstasten. Die Standby-Taste dient zum Ein- und Ausschalten des Empfängers, wobei er erst dann wirklich aus ist, wenn man die Verbindung zum externen Netzteil unterbricht.
Darüber hinaus lässt sich hier auch die Mute-Funktion aktivieren bzw. deaktivieren. Übrigens: Wenn der Sender ausgeschaltet wird, mutet der Empfänger das Audio-Signal automatisch.

Zur Menu-Führung und Parameter-Eingabe dienen neben der Standby-Taste auch zwei Pfeil-Tasten (Up/Down) sowie eine „Set“-Taste, wobei sich mit Hilfe der einstellbaren Tastensperre jeder Fehlbedienung vorbeugen lässt. 
Über die Set-Taste gelangt man zu den EM 100 Menus. Auch die Menu-Struktur des Empfängers unterscheidet wieder zwischen „normalen“ und den „advanced“ Menus.

Hier ein Überblick über die Menu-Struktur:

·    Squelch - Einstellung der Rauschsperren-Schwelle
·    Frequency Preset - Einstellung Kanalbank und Kanal
·    Name - individueller Name lässt sich eingeben
·    AF Out - Pegel des Audioausgangs einstellen
·    Equalizer - Bedienung des internen EQ´s
     (3 EQ Kurven: Tiefenabsenkung, Höhenanhebung oder beides + Flat )
·    Auto Lock - automatische Tastensperre aktivieren/deaktivieren
·    Easy Setup - Suchen, Freigeben und Auswählen freier Frequenz-Presets,
     automatische Suche nach nicht belegten Empfangsfrequenzen (Frequenz-Preset-Scan)
·    Advanced - erweitertes „Advanced Menu“ aufrufen

Zu den Advanced-Menus zählen:

·    Tune - Empfangsfrequenz für die Kanalbank „U“ einstellen,
     Kanal und Empfangsfrequenz für die Kanalbank „U“ einstellen
·    Guitar Tuner - Einstellungen des Gitarrentuners
·    Pilot Tone - Pilotton-Auswertung ein-/ausschalten
     (Der Pilotton unterstützt die Squelch-Funktion des Empfängers und hat eine nicht hörbare Frequenz)

Zusätzlich finden wir noch Funktionen zum Einstellen des Display-Kontrastes,  zum Zurücksetzen des Bedienmenus auf die Werkseinstellungen, zur Anzeige der Software-Version und zum Ausstieg aus dem Advanced Menu.


Empfänger-Anschlüsse

IMG_0442Neben dem Netzteilanschluss und den beiden Buchsen für die Service-Schnittstellen (keine User-Funktion) finden wir auf der Geräterückseite zwei parallele symmetrische Audioausgänge als XLR- sowie als Klinkenbuchsen ausgelegt. Ansonsten wären noch die beiden BNC-Anschlüsse (inkl. Fernspeiseeingang) für die mitgelieferten Stabantennen zu nennen. Über ein Montage-Kit können die Antennen bei Rack-Einbau auch nach vorne gelegt werden. Selbstverständlich lassen sich hier bei größeren Produktionen auch abgesetzte Antennen anschließen.


Anwendung und Fazit

Beim Test bestätigte sich, dass die Bedienung trotz der technischen Komplexität des Sennheiser Evolution 100 G3-1G8-Systems wirklich kinderleicht ist, so kennt man es auch von den Vorgängern. Bereits nach wenigen Minuten findet man sich intuitiv mit den Grundfunktionen des Wireless-Systems zurecht und kann direkt loslegen.
Während der gesamten Testphase im verwinkelten Proberaum-Trakt und auch auf freiem Feld gab es niemals Störungen, d.h. das System vermittelte definitiv den Eindruck, für alle möglichen Gegebenheiten gerüstet zu sein.  
Auch in puncto Sound überzeugte das 1800 MHz System mit Klarheit, Dynamik und Transparenz. Das getestete E 935 Modul lässt sich als sehr universell einsetzbares Mikrofonmodul mit dem typischen Sound der dynamischen Bühnenklassiker einordnen und sollte vielen Anwendungen gerecht werden. Das Mikrofon-Modul trägt sicherlich am deutlichsten zum Klang des Systems bei, hier sollte man ggf. ein wenig experimentieren, welche Kapsel optimal zu welcher Stimme passt.

Trotz der ca. 450 g Gewicht liegt das Mikro sehr gut in der Hand, sodass selbst zierliche Hände eine gesamte Show durchstehen werden.
Neben unserem getesteten Vocal-Set bietet Sennheiser auch andere Sets für Instrumentenanwendung, aber auch Einzelkomponenten an. Dieses recht offene Konzept erlaubt eine optimale Konfigurierung, und so lässt sich jedes Setup für den jeweiligen Anwendungsbereich maßschneidern.

Mit dem 1800 MHZ System läutet Sennheiser eine neue Ära der Funkmikros ein, wenn auch unter dem Druck der gesetzlichen Neuerungen. Auch wenn das neue Sennheiser Evolution 100 G3-1G8 System mit professioneller Ausstattung aufwartet, liegt die Preisgestaltung durchaus noch im Budgetrahmen ambitionierter Semiprofis. Ein interessantes Konzept mit Zukunftsperspektiven.

Statement Ties-Christian Gerdes, Geschäftsführer Sennheiser Vertrieb und Service

"Sennheiser bietet als erster Hersteller Funksysteme im Bereich um 1800 MHz an. Dieser ist anmeldefrei und somit kostenlos nutzbar und unter anderem in Deutschland, Österreich und der Schweiz exklusiv für die Audioübertragung reserviert. Bis zu zwölf Kanäle können mit der Serie ew 100 G3-1G8 parallel betrieben werden, dafür sind in 20 Kanalbänken jeweils 12 kompatible Frequenz-Presets abgelegt, dazu kommt eine weitere User-Bank, die frei in 10-kHz-Schritten programmierbar ist."


Facts

EM 100 G3-1G8-Empfänger

·    HF-Frequenzbereich: 1785-1800 MHz
·    Sende- /Empfangsfrequenzen: 1500
·    Presets: 12
·    Schaltbandbreite: 15 MHz
·    Spitzenhub: +/- 48 kHz
·    Kompandersystem: HDX
·    Audio-Übertragungsbereich (Mikrofon): 25-18000 Hz
·    Signal-Rausch-Abstand: > 110 dB(A)
·    Klirrfaktor bei 1 kHz: < 0,9 %
·    Normkonformitäten: ETS 300422 , ETS 300445 , CE , FCC
·    Antennenanschluß: 2 BNC, 50 Ohm
·    Audio-Anschluß: XLR / 6,3 mm Klinke
·    Audio-Ausgangspegel (symm.): XLR: +18 dBu max
·    Audio-Ausgangspegel (unsymm.): Klinke: +12 dBu max
·    Abmessung : 212 x 202 x 43 mm
·    Gewicht : 900 g


SKM 100 G3-1G8 Sender

·    HF-Frequenzbereich: 1785-1800 MHz
·    Sende- /Empfangsfrequenzen: 1500
·    Presets: 12
·    Schaltbandbreite: 15 MHz
·    HF-Ausgangsleistung: 10 mW
·    Betriebszeit : >8 h
·    Abmessung d= 50 mm, l= 265 mm
·    Gewicht: 450 g
·    Schallwandler; Mikrofon-Typ: dynamisch
·    Audio-Empfindlichkeit: 2,5 mV/Pa
·    Schalldruckpegel bei 1kHz: 154 dB(SPL) max.
·    Richtcharakteristik:Niere


UVPs*:

Die verschiedenen Sets

ew 100-935 G3-1G8: ca. 891 EUR
ew 100-945 G3-1G8: 951 EUR
ew 135 G3-1G8: 832 EUR
ew 145 G3-1G8: 891 EUR
ew 165 G3-1G8: 1010 EUR

Empfänger einzeln

EM 100 G3-1G8: 606 EUR

www.sennheiser.com

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