Roland Boutique

w 1111Der Markt preiswerter Synthesizer im Taschenformat boomt. Nachdem Yamaha erst kürzlich seine reface Serie vorstellte und Korg schon seit längerem mit seiner Volca Serie unterwegs ist, wartete man geradezu auf eine entsprechende Antwort aus dem Hause Roland. Mit der Boutique Serie stellt Roland nun eine limitierte VA-Synthesizer Edition seiner drei legendärsten Klassiker der 80er Jahre in einer handlichen, Desktop gerechten Modul-Form vor. Die Erwartungen sind natürlich dementsprechend hoch und daher wollen wir uns die drei Synthesizer mal genauer anschauen.

 

Entwicklerteam früher und heute. Von links nach rechts: Masato Ohnishi, Hideki Izuchi, Hirotake Tohyama, Akira Matsui, Kazuhisa Takahashi, Takeshi Tojo.Bevor wir uns mit den einzelnen Instrumenten der neuen Roland Boutique Serie intensiver beschäftigen, möchte ich das Konzept der einzelnen Modelle und deren Gemeinsamkeiten kurz vorstellen. Zur Boutique Serie gehören die drei Modelle JX-03, JU-06 und JP-08.
Die Namensgebung der einzelnen Modelle weist schon auf deren klangliche Vorbilder, den einstigen Klassikern der Roland Synthesizer Geschichte, hin. Der JX-03 soll dabei den JX-3P, der JU-06 den Juno-106 und der JP-08 das damalige Synthesizer-Flaggschiff Jupiter-8 nachbilden. Roland setzt dabei auf die neuentwickelte ACB (Analog Circuit Behavior) Technik, die analoge Schaltungen von Vintage-Klangerzeugern bis zur Bauteilebene hinab emulieren soll. Bereits in der Roland AIRA-Serie wurde diese Klangerzeugung erfolgreich eingesetzt. Man darf also gespannt sein.

Vor dem Auspacken fiel mir die außerordentlich ästhetisch gestaltete Verpackung auf, welche kaum größer als ein Buch ist, ein Foto des jeweiligen Originalinstrumentes zeigt und noch einen wissenswerten Text darüber enthält. Wenn man die Geräte nicht verwendet, kann man diese in die Verpackung zurücklegen und einfach in ein Bücherregal stellen.
Nach dem Auspacken hält man ein recht stabil wirkendes 30 x 13 x 5 cm großes Metallgehäuse in der Hand, mit gut verarbeiteten und nicht zu leichtgängigen Drehreglern. Aufgrund der Größe passen die Geräte auch sehr gut in eine Laptoptasche. Das Design der Oberfläche, der Drehregler und der Schalter erinnert sehr stark an das jeweilige Original und wirkt damit wie dessen Miniaturausgabe. Alle Drehregler und Schalter, sowie das Gehäuse hinterlassen einen äußerst hochwertigen Eindruck.
Auf der Oberseite befinden sich bei allen drei Modulen zwei beleuchtete Ribbon-Controller für Pitch-Bend, Modulation und Sound Preview. Rückseitig befinden sich die obligatorischen MIDI-In/MIDI-Out Buchsen, ein Power On/Off Schalter, ein Mini-Drehregler für die Lautstärke, eine Micro-USB-Schnittstelle, ein Stereoausgang, ein Kopfhörerausgang und sogar ein Audioeingang. Anschlüsse für Pedale sind nicht vorhanden. Zur Diebstahlsicherung gibt es noch eine Bohrung für ein Kensington Lock.
Zu meiner Überraschung sind sämtliche Audio Ein- und Ausgänge leider nur als 3,5 mm Stereo-Mini-Klinkenbuchsen ausgelegt. Für Live- und Studiomusiker sind 3,5 mm Stereo-Mini-Klinke eigentlich ein absolutes „No-Go“. Was hat sich ein solch renommierter Hersteller dabei nur gedacht? Wenigstens für die Studiomusiker unter uns gibt es zum Glück Entwarnung, denn der integrierte Micro-USB-Anschluss dient auch als hochwertiges 24 Bit/44,1 kHz Audio Interface und ermöglicht so eine schnelle und verlustfreie Aufnahme direkt in die heimische DAW-Software. Der Mini-Klinken-Ausgang kann somit elegant umgangen werden. Zudem kann man seine Lieblings-Sounds und Sequenzer-Pattern stets über die USB Daten-Backup-Funktion sichern. Aber für Live-Musiker ist es natürlich eine wacklige Angelegenheit mit einem Stereo-Miniklinken-Ausgang unterwegs sein zu müssen. Bei einer Höhe des Gehäuses von ca. 3,5 cm wäre durchaus genügend Platz für ein 6,3 mm Ausgangspärchen vorhanden (Anm: Das Gehäuse eines Waldorf Blofeld ist exakt genauso groß und hat 6,3 mm Klinken-Ausgänge). Ein eingebauter 0,5 Watt Mini-Lautsprecher und ein Batteriefach auf der Unterseite, in dem 4 x 1,5V AA Batterien Platz finden, erlauben auch mal unterwegs ein spontanes Anspielen des Instrumentes, sofern man eine entsprechende MIDI-Tastatur, wie z.B. die optional erhältliche Roland K-25M, angeschlossen hat. Dazu später mehr. Allerdings zerrt der Lautsprecher schon bei geringsten Lautstärken und ist eigentlich fast schon unbrauchbar. Unterwegs wird man daher stets den Kopfhörerausgang verwenden, welcher dann auch ein sauberes Signal abliefert.
Im Lieferumfang sind für den netzlosen Betrieb bereits vier Einweg-Batterien enthalten.
Im Studio oder auf der Bühne erfolgt dann in der Regel die Stromversorgung über die eingebaute Micro-USB-Schnittstelle. Wobei wir schon beim nächsten Kritikpunkt angekommen sind. Zu meiner Bestürzung fehlte nämlich im Lieferumfang aller Boutique Testkandidaten ein entsprechendes USB-Netzteil bzw. ein für den Anschluss am PC notwendiges Micro-USB-Kabel. Da nicht jeder solch ein Micro-USB-Kabel einfach so herumfliegen hat, mussten wir erst mal ein entsprechendes Kabel für diesen Test in einem Elektronik Discounter bestellen (Anm: Die meisten Hersteller verwenden eine USB-to-Host Schnittstelle, bei der ein normales USB-Kabel verwendet werden kann).
Dieser Umstand ist eigentlich ein Unding und nicht gerade sehr Kunden freundlich, zumal diese Micro-USB-Netzteile bzw. Micro-USB-Kabel kaum etwas kosten. Hierfür gibt es schon mal einen Abzug in der B-Note. Ein Umstand, den man aber Seitens des Herstellers sicher schnell beheben könnte. Zumindest ein Micro-USB-Kabel sollte im Lieferumfang enthalten sein. Machen andere Hersteller ja auch.
Für alle drei Module gibt es optional eine nachrüstbare Tastatur K-25M, in die das jeweilige Modul einfach eingesetzt werden kann. Über ein in der Tastatur verbautes Flachbandkabel werden Tastatur und Interface des Moduls mit einander verbunden. Fertig ist die Tastaturversion des Synthesizers. Die Herstellung der Verbindung ist nicht ganz so elegant gelöst, da der Zugang zum Interface zu weit in das Gehäuse des Moduls eingelassen ist. Das Ablösen der Steckverbindung wird dadurch ebenfalls erschwert und man zieht unweigerlich am Kabel selbst, weil man den Stecker nicht greifen kann. Daher ist ein wenig Vorsicht beim Hantieren geboten. Das Modul kann dabei anschießend in drei verschiedenen Positionen zum Spieler hin aufgeklappt werden und erinnert dabei an ähnliche Konstruktionen wie z.B. dem Minimoog. Damit hat man immer den idealen Blickwinkel beim Editieren. Durch die Trennung von Tastatur und Modul kann jeder Anwender selbst entscheiden, ob er eine Tastatur überhaupt benötigt oder nicht. Sehr schön und gut überlegt!
w k-25m left galBei der optionalen K-25M Tastatur handelt es sich um eine anschlagdynamisch spielbare Klaviatur mit 25 Minitasten. Durch ihre stabilen Aluminium-Seitenblenden und die ganz ordentlich spielbaren Minitasten macht sie eine recht gute Figur.
Alle drei Module verfügen lediglich über vier Stimmen, auch wenn die Originalinstrumente schon zur damaligen Zeit 6- bzw. 8-stimmig waren. Das ist etwas verwunderlich für einen VA-Synthesizer, der ja im Prinzip vollkommen digital aufgebaut ist. Bei rein analogen Instrumenten könnte ich diese Reduktion nachvollziehen, weil es ja aufgrund der verwendeten Bauteile eine nicht unerhebliche Kostenfrage darstellt, aber hier hätten zwei oder vier Stimmen mehr keine Unsummen gekostet. Glücklicherweise lassen sich mit Hilfe eines sog. Chain-Modus immerhin zwei gleiche Module zu einem 8-stimmigen Soundmodul kaskadieren. Bei zwei unterschiedlichen Modulen wird lediglich die Polyphonie erhöht, bei zwei Modulen des gleichen Typs werden auch die Parameter zusammen geschaltet.
Um die vierstimmige Polyphonie zu erhöhen, verbindet man einen oder weitere Module mittels MIDI-Kabel und aktiviert den Chain-Modus. Wenn man zwei Module verwendet, empfiehlt es sich, beide Geräte mittels der „Data Backup/Restore“-Funktion auf die gleichen Parameter-Einstellungen zu setzen. Bei aktiviertem Chain-Modus (vorher Manual-Taste gedrückt halten und den Taster 9 drücken) wird die fünfte (und alle weiteren) Stimmen über MIDI OUT an das zweite Modul weitergeleitet. Theoretisch ist es sogar möglich, noch mehr Module zu kaskadieren, aber irgendwann macht sich eine Latenz bemerkbar, es ist eben MIDI. Doch nun zu den einzelnen Modulen:

w jx-03 galJX-03

Bei dem JX-03 handelt es sich rein optisch schon unverkennbar um die Nachbildung des 1983 erschienenen JX-3P. Der JX-3P war der erste Vertreter der JX-Familie. Später folgten dann der JX-8P, der jedem durch den Leadsound von Europe’s „Final Countdown“ bekannt sein dürfte, und der analoge „Monster-Synthesizer“ JX-10P – auch Super JX genannt. Dieser beherbergte gleich zwei JX-8Ps in seinem Inneren, die sowohl unabhängig voneinander, gelayert oder gesplittet verwendet werden konnten. Gerade in der gelayerten Version stand einem dann ein immer noch 6 stimmiger Synthesizer mit 4 Oszillatoren für besonders fette Pads und Leads zur Verfügung. Doch genug zum Stammbaum der alten JX Familie.
Der JX-3P war einer der ersten Roland Synthesizer, der serienmäßig mit einer MIDI-Schnittstelle ausgestattet war. Der JX-3P wurde seinerzeit in Rolands Fabrik in Matsumoto von Akira Matsui entwickelt. Matsui war zu der Zeit in Matsumoto beschäftigt und in der Entwicklung der Gitarren-Synthesizer involviert. Gitarren-Synthesizer wie der GR-300 und GR-100 arbeiteten auf Basis der CV (Control Voltage)-Technologie, bei der die gespielte Tonhöhe in eine Spannung umgewandelt wird und einen analogen Synthesizer triggert. Für die nachfolgende Generation der Gitarren-Synthesizer haben sich Rolands Entwicklungsingenieure damals entschieden, ein Design zu verwenden, bei dem die unterschiedlichen Tonhöhen in entsprechende MIDI-Informationen umgewandelt werden und diese wiederum eine Klangerzeugung auf digitalem Wege ansteuern, selbst wenn die Klangerzeugung selber noch analog war. Bei Interviews mit Gitarristen, die einen GR-300 bzw. GR-100 spielten erfuhren die Ingenieure von Roland, dass sie relativ wenig Interesse hatten, eigene Klangveränderungen vorzunehmen. Also dachten sie sich, besser einen einfach zu bedienenden Gitarren-Synthesizer mit Preset-Sounds zu bauen. Das war dann der Beginn des Projekts GR-700.
Der GR-700 besaß einen eingebauten Pitch-to-MIDI Converter und eine Klangerzeugung mit Preset-Sounds. Aber es war immer noch ein Preset-Synthesizer, bei dem es ohne Regler sehr schwierig war eigene Sounds zu erstellen. Also bauten die Ingenieure einen Programmer – zunächst rein zu Entwicklungszwecken – mit dem man die Sound-Parameter verändern konnte. Einige Zeit später meinte einer der Vorgesetzten, dass man doch eine Tastatur anschließen und daraus einen mehrstimmigen Synthesizer bauen könnte. Das war die Geburtsstunde des JX-3P. Der Grund dafür, dass der JX-3P 6-stimmig polyphon ist, ist, dass die Basis seiner Klangerzeugung ein Gitarren-Synthesizer war, der pro Saite eine Stimme verwendete.
Im Gegensatz zu den sonst mit Drehreglern und Fadern ausgestatteten klassischen Analog Synthesizern, hatte der JX3P - ganz im Trend der Zeit – jede Menge Drucktaster und Preset-Speicher, aber keine Fader und Drehregler mehr.
Man wollte auch damals dem im gleichen Jahr erschienen Yamaha DX-7, der die Ära der Digitalsynthesizer einläutete, wenigstens optisch etwas entgegensetzen, obwohl man zu jener Zeit nicht wirklich etwas vergleichbares hatte. So verpackte man die altbewährte Analogtechnik in ein digital aussehendes Instrument. Dies ging natürlich auf Kosten des Echtzeitzugriffes beim Programmieren und so bot Roland für die „Schrauber“ unter uns, den optionalen Programmer PG-200 mit 24 Drehpotis an, mit der sich dann auch der JX-3P wieder wie ein klassischer Analogsynthesizer bedienen ließ. Diese Kombination ist aber gebraucht relativ selten zu finden, und so erfreut es einen umso mehr, dass der aktuelle JX-03 diese Kombination bereits serienmäßig anbietet.
Der 6 stimmige JX-3P bot im Gegensatz zu den zwei bis dahin erhältlichen Roland Juno-Synthesizern Juno-6 und Juno-60 zwei getrennte Oszillatoren mit jeweils drei Schwingungsformen, hatte aber das selbe Filter, den legendären Chorus und war darüber hinaus sogar mit Crossmodulation und Oszillator-Synchronisation ausgestattet. Aufgrund der Möglichkeit die beiden Oszillatoren gegeneinander zu verstimmen, konnten mit dem JX-3P besonders fette Lead- und Pad Sounds erzeugt werden. Doch nun zum JX-03:

Der nun 4-stimmige JX-03 übernimmt alle 24 Potis des PG-200 und hat darüber hinaus einige neue Funktionen eingebaut, die über die des JX-3P hinaus gehen – z.B. zusätzliche Wellenformen, einen erweiterten DCO Bereich und drei neue Typen von Cross-Modulationen.
Der JX-03 bietet jeweils zwei separate Oszillatoren mit den Wellenformen Sinus, Dreieck, Sägezahn, asymmetrische Pulswelle, Rechteck und Rauschen. DCO1 bietet dabei rosa Rauschen und DCO2 weißes Rauschen an. Bei beiden Oszillatoren lässt sich zunächst die Oktavlage (64, 32, 16, 8, 4, 2) festlegen und bei DCO2 anschließend noch Tonhöhe und Feintuning einstellen. Mit dem Schalter (Freq Mod)lässt sich bestimmen, ob der LFO oder die Hüllkurve die DCO-Tonhöhe steuert. Mit dem Cross Mod Drehregler werden die einzelnen Crossmodulations-Optionen angewählt:

SYNC 1–2
Erzeugt dabei einen Oszillator Sync-Effekt. Durch aktives Zurücksetzen des DCO-2 an den Beginn seines Zyklus synchron zur DCO-1-Frequenz wird eine komplexe Wellenform erzeugt. Einstellen des Wertes auf <SYNC2> erzeugt einen stärkeren Effekt.
MET 1–2 (METAL)
Erzeugt einen metallischen Sound, indem die DCO-2 Wellenform die DCO-1-Frequenz
moduliert. Einstellen des Wertes auf <MET2> erzeugt einen stärkeren Effekt.
RING
Erzeugt einen Ring Modulator-Effekt. Durch Multiplizieren von DCO-1 und DCO-2 wird
eine komplexe Wellenform erzeugt.

Filter u. Hüllkurven
Nachdem man das Lautstärkeverhältnis der beiden DCOs durch den Source Mix Regler eingestellt hat, durchläuft der Sound ein typisches Roland 24dB Tiefpassfilter mit regelbarem Hochpass-Filter. Die Resonanz reicht nicht ganz bis zur Selbstoszillation hinauf, reicht aber für die meisten Anwendungen aus. Die Cutoff-Frequenz lässt sich über den LFO und via Pitch Follow steuern.
Der LFO bietet die Wellenformen Sinus, Sägezahn, Sägezahn rückwärts, Rechteck, Random und Rauschen an. Es lassen sich noch Modulations-Geschwindigkeit und LFO-Delay einstellen. Abschließend gibt es noch eine einfache ADSR-Hüllkurve, die auf Filter und Verstärker gemeinsam wirkt. Die Hüllkurve (Envelope) kann bei beiden Sektionen durch einen Schalter in ihrer Polarität invertiert werden.
Daneben gibt es noch verschiedene Spielmodi (UNISON/POLY/Octave Shift/Portamento).

Der Roland Chorus
Ein nicht unerheblicher Anteil des warmen Klanges bei Roland Analog-Synthesizern resultiert oftmals von dem eingebauten Stereo Chorus Effekt. Dieser wurde von Roland dank der ACB (Analog Circuit Behavior)-Technologie bei allen drei Boutique Synthesizern - so auch beim JX-03 - ausgesprochen gut nachgebildet. Hierbei hat der Hersteller keine Mühe gescheut, die ehemaligen Entwickler der Originalinstrumente in die Entwicklung der Boutique Serie als beratende Instanz mit einzubeziehen. Besonders Entwicklungsingenieur H. Izuchi (seinerzeit verantwortlich für den Juno-60 und Juno-106) beharrte auf eine besonders akkurate Nachbildung dieses legendären Chorus Effektes aus der Juno-Serie, der eben auch bei den späteren JX-Synthesizern zum Einsatz kam. Das schöne Panning des Originals, mit dem ein besonderes Schweben der Klänge erreicht werden konnte, ist wohl leider dem Rotstift zum Opfer gefallen. Ansonsten klingt er wirklich nach dem typischen Roland Chorus. Allerdings hätte man sich das Effekt-Rauschen des Originals sparen können. Man sollte meiner Ansicht nach generell nicht unbedingt auch die negativen Dinge eines Originals emulieren - bei aller Liebe zum Detail.

Neben dem Chorus Taster befinden sich die Patch-Auswahltasten, die durch gehaltenes Drücken der rechts liegenden Optionstasten zusätzliche Funktionen zum Steuern des JX-03 erfüllen. Ein Delay-Effekt mit einer regelbaren 16-stufigen Intensität, einem 16-stufigen Zeitwert und ebenfalls 16-stufigem Feedback kann dort ebenfalls aktiviert werden. Im Funktionsmenü wird unter anderem auch der eingebaute Step-Sequenzer gesteuert. Er erlaubt die Eingabe von 16 Steps (Notenwert, Notenlänge, Pause etc.), die in ihrer Abfolge variiert werden können. Die Einstelllungen bleiben nach dem Ausschalten leider nicht erhalten und lassen sich während des Abspielens auch nicht transponieren. Schade. Ein durch den Step Sequenzer editierbarer Arpeggiator hätte dem JX-03 wesentlich besser gestanden.
Der JX-03 bietet für eigene Klangkreationen auf Bank C bis zu 16 freie User-Speicherplätze. Bank A und B enthalten die damaligen 32 Werkssounds des JX-3P. Das ist im Vergleich zu den beiden anderen Boutique Synthesizern JU-06 und JP-08, welche 64 Speicherplätze bieten, deutlich weniger.
In Verbindung mit einem an das micro-USB-Interface angeschlossenen PC kann man dann aber doch noch mehr Klänge verwalten.
Ein recht interessantes Feature finde ich das Abrufen der Regler-Einstellungen durch Drücken der <MANUAL> Taste.

Step Sequenzer
Der Step-Sequenzer erlaubt das Abspielen von kurzen Sequenzen, die sich via MIDI-Clock synchronisieren lassen. Die Anzahl der Steps lässt sich von 1 bis 16 einstellen. Das ist relativ wenig, denn im Original JX-3P konnten schon 128 Steps eingegeben werden. Mit gleichzeitigem Drücken der Taster [CHORUS] und [MANUAL] (SEQ) gelangt man in den Step Sequencer-Modus. Um den Step Sequencer-Modus zu beenden, drückt man erneut die Taster [CHORUS] und [MANUAL] (SEQ) gleichzeitig. Bis zu 16 Patterns können gespeichert werden. Schade find ich, dass man die Sequenzen nicht live transponieren kann. Man hätte dadurch den Step Sequenzer als programmierbaren Arpeggiator verwenden können.

Klang
Da ich im Studio regelmäßig einen Roland MKS-70 (SuperJX) und einen MKS-30 (Planet S / Rackversion des JX-3P) im Einsatz habe, bin ich mit dem Sound der JX Familie sehr vertraut. Schon beim ersten Anspielen macht der JX-03 klar, dass er ein Sprössling aus der JX Familie ist. Er imitiert den typischen JX Sound der 80er Jahre erstaunlich gut, auch wenn er nicht 100% den Bauch und die Wärme des JX-3P erreicht. Dafür sprechen aber seine Hüllkurven schneller an als beim Original und machen ihn daher auch für Bässe wesentlich reizvoller.
Die meisten digitalen Kopien auf Plug-In Basis schlägt der JX-03 allemal. Der JX-03 zeichnet sich durch die zwei gegenseitig verstimmbaren Oszillatoren und - wie schon das Original - durch warme Brass, Chords, Leads und schwebende Pads bzw. Strings aus. Stilistisch deckt der JX-03 eine ganze Menge typisch analoger Sounds aus jener Zeit ab. Von Synthi-Pop Klängen à la Eurythmics „Sweet Dreams“ über Alphaville bis hin zu Visage’s „Fade to Grey“. Viele werden schmunzelnd noch weitere Lieblingssounds aus jener Zeit wiederfinden, vorausgesetzt man macht sich die Mühe entsprechende Sounds zu erstellen. Aber auch 80er Rock/Pop Klänge und aktuelle Leads und Stabs für House und EDM lassen sich aus dem JX-03 entlocken. Dabei klingt der JX-03 wie auch schon die originalen JX Synthesizer immer etwas edler und breiter, aber auch etwas braver als die Jupiter oder Juno Familie. Seine Stärken sind neben typischen Sägezähnen die butterweichen Pads, die man in so unzähligen 80er Balladen hört, vor allem Sounds mit halbgeöffnetem Filter, für welche die ganze JX Familie berühmt ist. Durch seine, gegenüber dem Vorgänger, erweiterten Cross-Modulation sind viele interessante Lead und Sync Sounds möglich. Was da während des Tests aus den Monitoren kam klang für mich recht überzeugend und das, obwohl ich vom Sound des Originals verwöhnt bin. Hier gibt’s dann auch mal endlich ein dickes Plus! Der Sound ist top.

In der Praxis
In der Praxis im Studio hinterlässt der JX-03 einen etwas zwiespältigen Eindruck. Während der Sound des Instrumentes über jeden Zweifel erhaben ist und großes Lob von mir erntet, muss man bei dem Bedienkomfort und bei der Ausstattung der Anschlüsse teilweise erhebliche Kompromisse gegenüber dem Originalinstrument und auch gegenüber preislich ähnlichen Konzepten (z.B. Yamahas neue reface Serie) in Kauf nehmen. Das wichtigste wäre jedoch die MIDI-Implementierung, insbesondere das Verhalten in Verbindung mit Controllerkeyboards und Editoren komplett zu überarbeiten. Wie bei den anderen Synthesizern der Roland Boutique Serie senden und empfangen die Bedienelemente des JX-03 leider keine MIDI-CC-Befehle. Damit entfällt die Möglichkeit, Parameter in einer DAW zu automatisieren. Gerade aber Analogsynthesizer leben ja von den ganzen Filter- und Hüllkurven-Bewegungen und die möchte man ja auch gerne im Sequenzer aufzeichnen bzw. wenigstens von einem Masterkeyboard aus ansteuern können. Auch die Fernsteuerung mit einem externen MIDI Controller z.B. Mackie Control oder Controller Keyboards wie sie von Arturia, Novation oder Native Instruments angeboten werden, ist nicht möglich, was bei den eng nebeneinander liegenden Reglern durchaus vorteilhaft wäre. Das Fehlen von MIDI CC bei einem digitalen Synthesizer ist für mich auch nicht ganz nachvollziehbar und schränkt den praktischen Nutzen dieses an sich toll klingenden Instrumentes stark ein.

Fazit
Angesichts des Preises lässt sich das ein oder andere fehlende Feature zwar durchaus verschmerzen, aber ein fehlendes Netzteil, eine Stereo-Mini-Klinkenbuchse als einziger verfügbarer, analoger Ausgang und vor allem die noch nicht ausgereifte MIDI-Implementierung nach bald 30 Jahren MIDI-Standard trüben leider das ansonsten recht positive Testurteil dieses Instrumentes. Hier sollte der Hersteller schnellstmöglich in Form eines kostenlosen Firmware-Updates Abhilfe schaffen und bei zukünftigen Auslieferungen ein micro-USB-Netzteil bzw. wenigstens ein micro-USB-Kabel beilegen. Dann könnte man dem JX-03 eine echte Erfolgsgarantie bescheinigen.


Facts
- Ultra-kompakte Nachbildung des legendären JX-3P Synthesizers
- Bewahrt das Spielgefühl, den Klang, den Charakter und das User Interface des Originals
- Die Bedienoberfläche beinhaltet alle 24 Potis des originalen PG-200 Controllers
- Beinhaltet mehrere zusätzliche Funktionen, die nicht im Original JX-3P implementiert waren, etwa zusätzliche - Wellenformen für den LFO und für beide DCO’s, zusammen mit einer erweiterten DCO-Range
- Via Chain-Modus lassen sich zwei JX-03 Module zu einem 8-stimmigen Soundmodul kaskadieren
- Eignet sich besonders für das Musizieren unterwegs
- Stabiles Gehäuse durch eine Metallfrontplatte
- Zwei Ribbon-Controller für Pitch-Bend, Modulation und Sound Preview
- Batteriebetrieb (4 x AA) oder Stromversorgung via USB
- 24 Bit / 44,1 kHz Stereo-IN / OUT USB-Audio Interface
- Eingebauter 0,5W Mini-Lautsprecher
- Kompatibel zur optionalen K-25m Keyboard Unit

Preis: 315,- EUR
Preis mit K-25M Tastatur: 399,- EUR

w ju-06 galJU-06

Kommen wir zum nächsten Kandidaten. Bei dem JU-06 handelt es sich um die Nachbildung eines der beliebtesten Roland Analog Synthesizers – dem JUNO-106. Als einer der letzten großen Synthesizer der Analog-Ära, eroberte der Juno-106 mit seinen warmen Klängen und seiner Fähigkeit, Klänge in Echtzeit direkt zu formen, bis heute die Herzen vieler Musiker, Remixer und Produzenten. Seine überaus druckvollen Bässe und warmen Pads, welche so ziemlich jedes Plug-In in den Schatten stellen, seine Eigenschaft, sich hervorragend in bestehende Playbacks ohne großartige Zuhilfenahme externer Studioperipherie zu integrieren, sowie sein damaliger günstiger Preis sorgten für eine rasche Verbreitung dieses Synthesizers bei zahlreichen Studios und Musikern rund um den Globus. Vor allem in den 90ern erlebte der Juno-106 ein Comeback in der House- und Technoszene. Vor allem die Programmierung eines Juno-106 ist quasi selbsterklärend und damit für Einsteiger ideal. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern Juno-6 und Juno-60 hat der Juno-106 bereits eine integrierte MIDI-Schnittstelle, was ihn vor allem später in seiner Comeback-Zeit recht unproblematisch in moderne Studio Setups einbinden ließ.
Bei der JUNO-Serie wurde eine Klangerzeugung mit nur einem Oszillator gewählt, um die Kosten zu reduzieren, aber dem Entwicklungsteam von ROLAND war klar, dass der Klang dünner als beim JUPITER-8 oder JX-3P sein würde, die ja beide über zwei Oszillatoren verfügten. Die Aufgabe bestand also darin, den Sound fett zu machen, obwohl man nur einen Oszillator nutzen konnte. ROLAND hat daher verschiedene Strategien entwickelt, um dieses Ziel zu erreichen, z.B. das Hinzufügen eines Chorus-Effekts oder das Verstärken der tiefen Frequenzen, wenn das High Pass-Filter ausgeschaltet ist. Dazu muss man wissen: Die “Flat”-Einstellung des High Pass-Filters ist nicht gleich der “0”-Stellung, sondern ein Wert darüber laut ROLAND Entwicklungsingenieur H. Izuchi.

Der neue 4-stimmige JU-06 bietet mit 23 über die Frontplatte steuerbaren Reglern einige neue Features, wie zum Beispiel ein schnellerer LFO und ein stufenlos regelbares Hi-Pass Filter (HPF). Die Rückseitige Ausstattung entspricht den beiden anderen Boutique Synthesizern JX-03 und JP-08. Auch hier fallen einem, wie schon beim Test des Roland JX-03 beschrieben, nach dem Auspacken die 3,5 mm Mini-Klinkenbuchsen negativ auf. Im Gegensatz zum JX-03 gibt es aber dafür beim JU-06 ein Display und 64 Speicherplätze, was die Arbeit mit dem Instrument wesentlich angenehmer gestaltet. Die einzelnen Soundprogramme werden direkt per Tastenkombination aus Bank-Nummer und Sound-Nummer ausgewählt. Das Speichern der Programme erfolgt nicht mehr mittels einer „Write“ Taste, sondern mit einer Tastenkombination gemäß der Bedienungsanleitung.
Drehregler wie beim JX-03 gibt es keine, dafür insgesamt 17 Fader. Die Fader haben beleuchtete Endkappen, was edel aussieht, aber lediglich einen Regelbereich von 20 mm. Feine Einstellungen beim Editieren sind daher verständlicherweise etwas schwieriger zu bewerkstelligen als beim Original Juno-106. Insgesamt wirkt die Oberfläche des Roland JU-06 aufgeräumter. Allerdings ist auch die Klangerzeugung vom JU-06 wie schon beim Original Juno-106 etwas einfacher gestrickt. Auch der JU-06 verfügt, wie die anderen beiden Boutique Kandidaten über zwei beleuchtete Ribbon-Controller für Pitchbend und Modulation.

Der JU-06 bietet einen Oszillator mit, über drei Taster einstellbarer Oktavlage (16, 8 u. 4) und einen Suboszillator, der mittels Schieberegler eingeblendet werden kann. Der Einsatz des Suboszillators empfiehlt sich besonders bei Bässen u. Lead-Sounds, um sie trotz nur einem Oszillator druckvoller wirken zu lassen. Der Oszillator bietet Rechteck mit einstellbarer Pulsweite, Sägezahn und ein Rauschgenerator, welcher ebenfalls eingeblendet werden kann. Ein LFO, dessen Modulationsgeschwindigkeit und Delayzeit mit zwei Schieberegler eingestellt werden können, steht ebenfalls zur Tonhöhenmodulation zur Verfügung. Über den Schalter LFO/MAN kann ausgewählt werden, ob die Pulsbreite einen festen Wert über den [PWM]-Regler (MAN) zugewiesen bekommt oder variabel über den LFO (LFO) moduliert wird.
Anschließend durchläuft der Sound ein typisches Roland 24dB Tiefpassfilter mit Resonanz und mit regelbarem Hochpass-Filter. Die Cutoff-Frequenz lässt sich mittels LFO und Pitch Follow (KBD) steuern.
Der LFO bietet die Wellenformen Sinus, Sägezahn, Sägezahn rückwärts, Rechteck, Random und Rauschen an. Abschließend gibt es noch eine einfache ADSR-Hüllkurve, die auf Filter und Verstärker gemeinsam wirkt. Die Hüllkurve (Envelope) kann bei beiden Sektionen durch einen Schalter in ihrer Polarität invertiert werden.
Daneben gibt es noch verschiedene Spielmodi (UNISON/POLY/Octave Shift/Portamento).
Der Chorus Effekt kann, wie beim Original Juno 106, mit zwei Tastern eingeschaltet werden.
Er klingt verblüffend echt nach dem Roland Juno Chorus, allerdings rauscht er - wie schon beim JX-03 - fast noch ein bisschen mehr als das Original. Auch hier wurde allerdings, wie schon beim JX-03, leider auf das schöne Panning des Original Chorus Effektes verzichtet.
Im JU-06 können aber dafür Chorus 1 und Chorus 2 gleichzeitig verwendet werden. Dies war auch schon beim JUNO-6 und JUNO-60 möglich, aber nicht im JUNO-106. Viele Synthesizer-Freaks haben genau deswegen nach einem JUNO-6 oder JUNO-60 Ausschau gehalten. Jetzt gibt es dieses Feature auch im neuen JU-06. Die Sache mit den beiden Chorus-Effekten ist definitiv ein erfüllter Traum für JUNO-106 Fans. Sehr schön!

Step-Sequenzer
Der Step-Sequenzer erlaubt das Abspielen von kurzen Sequenzen, die sich via MIDI-Clock synchronisieren lassen. Die Anzahl der Steps lässt sich wie schon beim JX-03 von 1 bis 16 einstellen. Schön finde ich, dass man die erstellten Sequenzen pro Klangprogramm mit abspeichern kann. Einen Arpeggiator bietet der JU-06 - wie auch schon der JX-03 - leider nicht. Schade.

Der Klang
Der JU-06 trifft den Charakter des JUNO-106 erstaunlich gut. Dennoch kann er in Sachen Wärme, Schwebungen und Glanz nicht ganz mit dem Original mithalten. Bässe macht er dagegen wie schon das Original ausgesprochen gut und dürfte daher wieder viele Einsatzgebiete in der Synthwave, Elektro-, House- und Technoszene finden. Leadsounds und Pads erreichen zwar nicht ganz den Charme des Originals, klingen aber dennoch für sich betrachtet recht gut. Wobei - wie schon beim JX-03 - 4 Stimmen für Pads etwas knapp bemessen sind. Im Gegensatz zum JX-03, der ja wirklich sehr nahe an sein Vorbild JX-3P herankommt, gibt es hier doch deutlicher hörbare Unterschiede zum Original.
Auch neigt der Ausgangspegel des Roland JU-06 manchmal zu Verzerrungen bei höher aufgedrehtem Volumenregler. Zumindest bei unserem Testexemplar. Dies sollte bei einem modernen Instrument heutzutage, egal in welcher Preisklasse, eigentlich nicht mehr vorkommen. Alles in allem liefert der JU-06 einen guten, druckvollen analogen Sound, auch wenn hier die Emulation zum Original nicht ganz so geglückt ist wie beim JX-03. Fairerweise merkt man das aber auch nur im direkten A/B Vergleich.

In der Praxis
Wie bei den anderen Synthesizern der Roland Boutique Serie senden und empfangen die Bedienelemente des JU-06 ebenfalls keine MIDI-CC-Befehle. Damit entfällt die Möglichkeit, Parameter in einer DAW zu automatisieren. Auch hier gilt das Gleiche wie für den JX-03: Ein Firmware-Update, welches die MIDI-Implementierung verbessert, und ein micro-USB-Kabel sollte dringend nachgereicht werden.


Facts

- Ultra-kompakte Nachbildung des legendären Juno-106 Synthesizers
- Bewahrt das Spielgefühl, den Klang, den Charakter und das User Interface des Originals
- 23 der originalen Synthesizer-Parameter über die Bedienoberfläche steuerbar
- Beinhaltet mehrere zusätzliche Funktionen, die nicht im Original Juno-106 implementiert waren, wie ein - schnellerer LFO und ein stufenlos verstellbarer HPF
- Via Chain-Modus lassen sich zwei JU-06 Module zu einem 8-stimmigen Soundmodul kaskadieren
- Eignet sich besonders für das Musizieren unterwegs
- Stabiles Gehäuse durch eine Metallfrontplatte
- Zwei Ribbon-Controller für Pitch-Bend, Modulation und Sound Preview
- Batteriebetrieb (4 x AA) oder Stromversorgung via USB
- 24 Bit / 44,1 kHz Stereo-IN / OUT USB-Audio Interface
- Eingebauter 0,5W Mini-Lautsprecher
- Kompatibel zur optionalen K-25m Keyboard Unit

Preis: 315,- EUR
Preis mit K-25M Tastatur: 399,- EUR


w JP-08 galJP-08

Mit dem JP-08 wagt sich Roland an die Nachbildung eines seiner legendärsten und bekanntesten Instrumente der Synthesizer Geschichte – den Jupiter-8.
Der Jupiter-8 war in jeder Hinsicht ein großartiger Synthesizer. Allein das monströse Gehäuse mit seinen zahlreichen Dreh- und Schiebreglern beeindruckt neben seinem großartigen Sound auch heute noch zahlreiche Synthesizer-Fetischisten.
Neben dem Minimoog, dem Sequential Prophet-5 und dem Yamaha CS-80 zählt der Roland Jupiter-8 zu den wenigen Synthesizern, die Musikgeschichte geschrieben haben und erzielt derweil in Gebrauchtmarktbörsen Kurse jenseits von gut und böse. Es gab Anfang bis Mitte der 80er Jahre kaum eine professionelle Musikproduktion, in der nicht ein Jupiter-8 eingesetzt wurde. Künstler und Bands wie Duran Duran, Howard Jones, Toto, Frankie Goes To Hollywood, Yes, Greg Philinganes, Tears For Fears, Simple Minds, Tangerine Dream, Jan Hammer und viele mehr zieren die Liste der prominentesten Jupiter-8 Liebhaber. Sein großartiger und voluminöser Sound, sowie seine klangliche Flexibilität wurden damals wie heute von zahlreichen Musikern und Produzenten geschätzt. Teilweise prägten Sounds aus dem Jupiter-8 ganze Songs, wie z.B. „Relax“ von Frankie Goes To Hollywood.
Viele Besitzer eines Jupiter-8 halten ihn deshalb, mit zum Teil großem technischem Aufwand immer noch einsatzbereit. Der damalige Entwicklungsingenieur des Jupiter-8 Kazuhisa Takahashi erinnert sich daran, dass allein die Struktur dieses Synthesizers das gesamte Projekt zu einer echten Herausforderung machte. Die internen Schaltkreise bestanden aus zwei Schichten, und es gab eine Menge von Platinen zu verbauen. Auch die Anzahl der einzelnen Bauteile war sehr hoch – alles musste perfekt zusammen harmonieren. Da es sich um ein analoges Instrument handelte, gab es eine Menge Dinge, die man nachträglich neu einstellen musste. Man hatte gerade ein Teil korrekt eingestellt, was aber ein anderes Teil komplett verstellte… Es war eine Menge Arbeit. Diese ganzen Teile machten das Instrument sehr schwer, man brauchte zwei Personen, um es zu tragen.
Grund genug dass Roland endlich versucht zumindest einen wartungsfreundlicheren und günstigeren Nachfolger ins Rennen zu schicken. Die Erwartungen an einen Nachfolger oder an eine Emulation sind bei solch einem Instrument natürlich besonders hoch.

Doch nun zum JP-08. Nach dem Auspacken fällt einem direkt die gegenüber dem JX-03 und JU-06 höhere Anzahl steuerbarer Synthesizer-Parameter des Instrumentes auf. 36 der originalen Synthesizer-Parameter sind beim JP-08 über die Bedienoberfläche steuerbar. Das ist eine ganze Menge für ein Instrument, das kaum größer als ein Buch ist. Wenn man da an das Original denkt, welches nur von zwei starken Personen eines Umzugsunternehmens getragen werden konnte ist das natürlich eine angenehme Sache. Allerdings liegen die Bedienelemente zwangsläufig auch enger beieinander als beim Original, was wilde Controller-Orgien leider stark einschränkt. Zum Programmieren neuer Sounds reicht es aber allemal. Im Gegensatz zum JX-03 und dem JU-06 kann der JP-08 wie schon der originale Jupiter-8 auch Dualsounds erzeugen, welche über den Taster DUAL aufgerufen bzw. erstellt werden können. Dabei können dann ein sog. UPPER Sound und LOWER Sound kombiniert werden und als sog. PATCH abgespeichert werden. Roland User dürften damit bereits vertraut sein. Es lassen sich bis zu 64 Patches (8 x 8) speichern bzw. abrufen. Ein Display gibt Auskunft über das ausgewählte Patch. Dieses Feature und die höhere Anzahl an Bedienelementen lässt sich Roland aber auch mit einem um ca. 100,00 EUR höheren Verkaufspreis gegenüber den beiden anderen Modulen JX-03 und JU-06 vergüten.

Der JP-08 besitzt wie das Original 2 Oszillatoren pro Stimme bzw. 4 Oszillatoren im DUAL Mode. Damit lassen sich äußerst komplexe und fette Analogsounds erzeugen. Allerdings reduziert sich dann seine Polyphonie im DUAL Betrieb auf zwei Stimmen. Hier macht sich dann auch die reduzierte Polyphonie von 4 Stimmen gegenüber 8 Stimmen wie beim Original besonders negativ bemerkbar. Glücklicherweise lassen sich, wie bereits erwähnt, z.B. zwei JP-08 Module zu einem 8 stimmigen Instrument kaskadieren.
Im Gegensatz zum Original beinhaltet der JP-08 aber mehrere zusätzliche Funktionen, die nicht im originalen Jupiter-8 implementiert waren, wie zusätzliche Wellenformen und eine erweiterte Oszillator (VCO)-Range.
Der JP-08 bietet Pulsweitenmodulation, Crossmodulation, Frequenzmodulation und eine Oszillator-Syncronisation. An Wellenform bietet Oszillator 1 (VCO-1) Sinus, Dreieck, Sägezahn, asymmetrische Pulswelle, Rechteck und weißes Rauschen. Oszillator 2 (VCO-2) ermöglicht anstelle des weißen Rauschens eine Low Frequency Wave (LOW FREQ) zu erzeugen, was interessante Effekte ermöglich und weit über die klanglichen Möglichkeiten des Originals hinausgeht. Oszillator 2 lässt sich noch feinstimmen, was besonders schwebende Sounds ermöglicht. Auch das Filter ist flexibler gestaltet als beim JX-03 und JU-06 und bietet ein wahlweise 24db oder 12dB Tiefpass Filter (VCF) mit einstellbarer Resonanz und ein stufenlos einstellbares Hochpass Filter HPF. Im Gegensatz zum JX-03 und JU-06 verfügt der JP-08 auch über zwei getrennt einstellbare ADSR-Hüllkurven (ENV-1 und ENV-2) mit denen sich flexibel Filter und Verstärker modulieren lassen. Der JP-08 ist damit das am umfangreichsten ausgestattete Modul der Boutique-Serie. Insofern ist der höhere Preis durchaus gerechtfertigt.

Step-Sequenzer
Auch der JP-08 besitzt wieder einen Step-Sequenzer, der sich via MIDI-Clock synchronisieren lässt. Die Anzahl der Steps lässt sich wie schon beim JX-03 und JU-06 von 1 bis 16 einstellen. Einen Arpeggiator bietet der JP-08 - wie auch schon der JX-03 und JU-06 - leider ebenfalls nicht.

Chorus
Einen Roland Chorus gibt es beim JP-08 nicht – beim Original allerdings auch nicht. Dafür kann wie beim JX-03 und JU-06 ein Delay hinzu geschaltet werden.

Klang
Was da während des Tests aus den Monitoren kam, konnte sich wirklich hören lassen und erstaunte sogar mich als „Heavy Roland User“. Für ein Instrument dieser Preisklasse klingt der kleine JP-08 wirklich überzeugend und vor allem nach einem Jupiter-8. Klar gibt es klangliche Unterschiede zum Original, jedoch sind diese wesentlich geringer als ich erwartet hatte. Hier gibt es ein dickes Plus! Um ihn aber als vollwertigen Jupiter-8 Klon einsetzen zu können, sollte man schon zwei Module zusammenschalten, damit man keine Probleme mit der Polyphonie bekommt. Hier lohnt sich endlich auch preislich die Kombination von zwei Modulen, die ja zusammen immer noch wesentlich günstiger sind als ein gebrauchter Jupiter-8. Dann macht auch das Spielen seiner tollen String- und Padsounds richtig Spaß. Unter den Werksounds befinden sich viele bekannte Sounds aus den 80ern, die den Jupiter-8 berühmt gemacht haben. Aber auch einige neue inspirierende Klänge.

In der Praxis
Wie bei den anderen Synthesizern der Roland Boutique Serie senden und empfangen die Bedienelemente des JP-08 ebenfalls keine MIDI-CC-Befehle. Damit entfällt die Möglichkeit, Parameter in einer DAW zu automatisieren. Auch hier gilt das Gleiche wie für den JX-03 und JU-06: Ein Firmware-Update, welches die MIDI-Implementierung verbessert, und ein micro-USB-Kabel sollte dringend nachgereicht werden. Neben dem JX-03 ist der JP-08 das für mich gelungenste Modul der Boutique Serie, da er die flexibelste Klangerzeugung aufweist.


Facts

Ultra-kompakte Nachbildung des legendären Jupiter-8 Synthesizers
Bewahrt das Spielgefühl, den Klang, den Charakter und das User Interface des Originals
36 der originalen Synthesizer-Parameter über die Bedienoberfläche steuerbar
Beinhaltet mehrere zusätzliche Funktionen, die nicht im originalen Jupiter-8 implementiert waren, wie zusätzliche Wellenformen und eine erweiterte VCO-Range
Via Chain-Modus lassen sich zwei JP-08 Module zu einem 8-stimmigen Soundmodul kaskadieren
Eignet sich besonders für das Musizieren unterwegs
Stabiles Gehäuse durch eine Metallfrontplatte
Zwei Ribbon-Controller für Pitch-Bend, Modulation und Sound Preview
Batteriebetrieb (4 x AA) oder Stromversorgung via USB
24 Bit / 44,1 kHz Stereo-IN / OUT USB-Audio Interface
Eingebauter 0.5W Mini-Lautsprecher
Kompatibel zur optionalen K-25m Keyboard Unit

Preis: 415,- EUR
Preis mit K-25M Tastatur: 499,- EUR


Schlussbetrachtung
Alle drei Roland Boutique Synthesizer überzeugten mich von der Idee und dem für diese Preisklasse großartigen Sound. Gerade in diesen beiden Punkten sammelte die Boutique-Serie während des Tests die meisten Pluspunkte. Kritik hagelte es vor allem für die unausgereifte Peripherie (Nur Mini-Klinken-Anschlüsse, fehlendes Netzteil bzw. Kabel, zerrende Ausgangsverstärker) und bei der derzeitigen Firmware (mangelhafte MIDI-Implementierung, z.B. weder Senden noch Empfangen von MIDI-CC). Man hat das Gefühl das Roland hier erst mal eine Art Testballon gestartet hat und bei Erfolg weitere interessante und hoffentlich noch besser ausgestattete Instrumente in dieser Art folgen lässt. Viele Liebhaber der alten Roland Klassiker spielen nämlich seit Ankündigung der limitierten Boutique-Serie mit dem Gedanken, sich sobald wie möglich von ihren doch mittlerweile wartungsintensiven Originalinstrumenten zu trennen. Dafür müsste Roland aber dem, durch das hohe Niveau der Originalinstrumente, gewachsenen Anspruch etwas mehr gerecht werden, um einem auch ein Wechsel zu erleichtern. Polyphonie, Ausgänge und Anschlussmöglichkeiten und Tastatur sollten dann schon dem des Originals und die MIDI-Implementierung dem derzeitigen Stand der Technik entsprechen.
So wird die derzeitige Boutique-Serie doch eher Synthesizer-Neulinge und Retro-Freaks mit kleinem Geldbeutel ansprechen oder aber den ein oder anderen Synthesizer-Fetischisten, der im Studio lieber eine Platz sparende Desktop-Miniaturausgabe eines Roland Klassikers anstelle des Originals oder gar eines Plug-Ins verwenden möchte. Der tolle Sound macht jedenfalls jetzt schon Lust auf mehr und man darf gespannt sein, was Roland uns in Zukunft noch bescheren wird.

Sudad Ghadaban (Piano Schmitz Essen)



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