Bass-Effekte Teil 1

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Teil 1: Verzerrer für den E-Bass

Der Bass ist seit jeher so etwas wie die Kartoffel der Musikinstrumente – er ist fast immer dabei, hat auch eine extrem wichtige Rolle für das Gesamtergebnis, fällt aber den meisten kaum auf. Als das absolute Begleitinstrument sticht er selten hervor und hält sich stets im Hintergrund. Doch das muss nicht sein – gerade in modernen Musikrichtungen gibt es immer mehr Bassisten, die mit innovativen Klangkonzepten glänzen.

So etwa Justin Chancellor von Tool und Chris Wolstenholme von Muse, die sich mit ihrem Gebrauch von Effektpedalen nicht hinter den Gitarristen verstecken müssen. Aber es müssen nicht immer ausgefallene Sounds wie Flanger oder Tremolo sein. Auch Bassisten, die sich eher in der traditionellen Rolle gefallen, können ihre Klangpalette wirkungsvoll erweitern. Eine der effektivsten und musikalisch vielseitigsten Möglichkeiten ist dabei der Einsatz eines Verzerrers.

Und siehe da, wer sich näher mit der Materie beschäftigt, der entdeckt schnell, dass dieser Effekteinsatz bei weitem nicht so weit hergeholt ist, wie man glaubt. So findet man schon in den Songs der Beatles teils extrem verzerrte Bässe. Wer's nicht glaubt, der höre sich mal die Songs „Mean Mister Mustard“ oder „Think For Yourself“ an. Auch Jack Bruce von Cream war ein Vorreiter dieses Sounds und Bass-Ikone Jaco Pastorius spielte geradezu grotesk verzerrte, schreiende Hommagen an Jimi Hendrix („Third Stone From The Sun“). Einen sehr subtilen Einsatz hingegen gibt es bei den Motown-Klassikern mit Bassist James Jamerson zu hören, der gezielt den Eingang seines Kanals am Mischpult übersteuerte, um so seinen legendären Sound zu erzeugen.


Grundlagen

Allgemein ausgedrückt geht es bei Verzerrern darum, Teile der Wellenform eines Signals „abzuschneiden“ - im Englischen wird das „Clipping“ genannt. Ursprünglich trat dieser Effekt vor allem dann auf, wenn ein Verstärker dermaßen überlastet wurde, dass er das Eingangsignal nicht mehr in seiner ursprünglichen Form abbilden konnte.

Doch Verzerrung ist nicht gleich Verzerrung. Im Gegenteil, viele Arten der Verzerrung sind unerwünscht und klingen unangenehm, so etwa das Übersteuern bei einer digitalen Aufnahme. Der Grund dafür ist, dass das Clipping die Obertonstruktur eines Klanges verändert. Das Ohr aber nimmt manche Obertonverhältnisse als unangenehm, schrill und harsch war. Daher ist es wichtig, dass ein Effektpedal den Sound auf eine Art und Weise verändert, die das gewünschte musikalische Ergebnis unterstützt und fördert.

Im Folgenden nun ein Überblick über die drei wesentlichen Grundarten der Verzerrung, wie sie im Effektbereich Anwendung finden. Dabei werden zur einfacheren Unterscheidung die englischen Begriffe verwendet, wie man sie auf den Pedalen und den Beschreibungen der Hersteller findet.


Overdrive

Overdrive-Pedale simulieren die warme Übersteuerung klassischer Röhrenverstärker, auch wenn sie in den seltensten Fällen selbst Röhren enthalten. Sie bieten den Vorteil, auch bei geringerer Lautstärke die gewünschten Klangveränderungen zu erreichen und so Equipment und Ohren zu schonen. Dabei ist der maximale Grad der Verzerrung relativ begrenzt – der Sound soll nur schön warm und „haarig“ gemacht werden. Übertreibt man, wird es schnell matschig. Daher wird Overdrive oft eher subtil eingesetzt, hat aber großen Einfluß darauf, wie ein Bass „im Mix“ funktioniert.


Distortion

Es kann vorkommen, dass die Übergange zwischen starkem Overdrive und niedriger Distortion fließend sind, jedoch sollen Distortion-Pedale im Allgemeinen nicht die Eigenschaften einer Röhrenüberteuerung nachahmen. Sie bieten einen höheren Grad der Verzerrung und machen das Signal im Ergebnis deutlich dreckiger und kantiger. Das Ziel ist kein runder, warmer Klang, sondern ein aggressiver, durchsetzungsfähiger Sound.


Fuzz

Der Fuzz-Effekt ist eine sehr drastische Veränderung des Originalsignals: Die weichen Kurven der ursprünglichen Wellenform gehen verloren und nahezu in ein Rechteck-Signal umgewandelt. Zusätzlich wird das Obertonspektrum stark verändert, sodass ein extrem verzerrter, sehr eigener Sound entsteht, der sich durch besonders langes Sustain auszeichnet.

Wer das Thema noch weiter vertiefen möchte, dem sei das Verzerrer-Special aus Xound-Ausgabe sechs|10 ans Herz gelegt.


Nach diesen allgemeinen Betrachtungen stellt sich die Frage, warum es nun eine Extrawurst für den Bassisten geben sollte? Wieso nicht einfach ein Gitarren-Zerrpedal nehmen? Die Freunde der dünnen sechs Saiten haben diesen Bereich der Effekte schon seit langem für sich entdeckt. Gitarrenverzerrer gibt es wie Sand am Meer, während die Zahl der Bassverzerrer erst seit kurzem allmählich zunimmt.

Der Grund dafür ist, dass die meisten der Gitarrenpedale hinterlistige Frequenzdiebe sind. Dafür sind vor allem zwei Dinge verantwortlich: Zum einen haben viele Pedale eine „eingebaute EQ-Kurve“ die verhindern soll, dass der Sound in den tieferen Bereichen matschig und diffus wird. Zum anderen verschiebt Verzerrung das Frequenzspektrum eines Sounds deutlich in den Mittenbereich. Das wiederum nimmt der Hörer als deutlich lauter wahr. Dreht man nun wieder auf die gleiche Lautstärke, die man beim Clean-Sound wahrgenommen hat („Unity Gain“), so hat der Sound subjektiv sehr viel weniger Tieftonanteile.

Ein furchtbarer Effekt, wenn der Bassist zum „Andicken“ des letzten Refrains das Pedal einschaltet, und dem Song auf einmal das ganze Fundament fehlt!

Um diesem Szenario zu entgehen, gibt es mehrere Ansätze:


Equalizer

Es gibt einige Pedale mit eingebauten EQ-Sektionen, aber es wird sofort klar, warum ein Gitarrenpedal mit EQ nicht funktionieren kann: Die Frequenzpunkte sind fast immer völlig praxisuntauglich für Bassisten. Wichtig ist also, ein Pedal zu finden, dessen EQ auf den Gebrauch mit Bässen ausgelegt ist. Damit lässt sich dann der Sound wieder fetter machen.

Doch nicht alle mögen den Einsatz eines Equalizers – sie empfinden die Veränderung im Frequenzbild als unnatürlich. Das ist besonders schnell der Fall, wenn man große Veränderungen vornimmt. Klaut also ein bestimmter Verzerrer besonders viele tiefe Frequenzen, so stößt man mit dem EQ schnell an die Grenzen.


Mehrere Verstärker und Boxen

Für diese Methode braucht man sozusagen das doppelte Equipment. Ein Verstärker bekommt das „Dry“-Signal, der andere den verzerrten „Wet“-Sound. Für die meisten Bassisten ist diese Lösung ebenfalls nicht sehr praktikabel, zu hoch sind Kosten und Gewicht. Trotzdem ist dies nach wie vor die klassische Lösung der reichen „Rockstars“: John Entwistle (The Who), Tim Commerford (Rage Against The Machine), Justin Chancellor (Tool) oder auch Chris Wolstenholme (Muse) bedienen (bzw. bedienten – RIP John!) sich dieser Methode. Aber sie haben eben auch Roadies und müssen sich um Geld und Aufwand keine Sorgen mehr machen.


Clean-Blending

Dabei werden das Original- und das Zerr-Signal wie in einem Mixer zusammengemischt, noch bevor sie an den Verstärker geschickt werden. Dies kann sowohl in einer externen Einheit (z.B. dem Xotic X-Blender) geschehen, es gibt aber auch Verzerrer, die dieses Feature anbieten. Im Prinzip ist dieses Verfahren also die Simulation des Mehrverstärker-Konzepts.


Es gibt noch weitere Lösungsansätze, etwa das Bi-Amping oder Multiband-Verzerrung, bei denen jeweils mittels mehrerer Verstärker oder effektintern nur bestimmte Frequenzbereiche verzerrt werden, allerdings werden diese in der Praxis kaum benutzt.

Doch bevor man sich überhaupt mit all diesen Fragen beschäftigt, steht natürlich noch eine andere Entscheidung an: Welcher Verzerrer ist der Richtige für mich?

Um die Wahl etwas zu erleichtern stellen wir in dieser und der nächsten Ausgabe einige Pedale mit verschiedenen Zerr-Typen vor. Also genug der Vorgeschichte: Los geht’s!

Xotic_Bass_BB_Preamp200

 

Boss_odb-200

 

tech_221xxl_bass

 

Bass_BigMuff

 

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