Sennheiser XSW 65 Wireless Vocal-Set

XSW_VocalSet

Budget-Funk

Mit dem XS Wireless hat Sennheiser ein neues Einsteiger-Funk-System entwickelt, welches trotz des günstigen Preises über interessante Features wie True Diversity, Scan- und Sync-Funktionen verfügt. Um den niedrigen Preis zu realisieren, haben sich die Sennheiser-Entwickler konsequent auf bestimmte Performance-Features konzentriert und die unzähligen Einstellmöglichkeiten der Profi-Systeme in den Hintergrund gestellt. Ob dabei „am richtigen Ende gespart“ wurde, zeigt unser Test.


Die Modellvarianten

Durch die unterschiedlichen gesetzlichen Bestimmungen in verschiedenen Ländern fallen auch die länderspezifischen Versionen des neuen Sennheiser XS Wireless Systems unterschiedlich aus. Für Deutschland stehen die Frequenzbänder 470-606 MHz, 614-790 MHz und 823-832 MHz sowie 863-865 MHz zur Verfügung. Unser Test-System arbeitet im Frequenzbereich E (823-832 MHz sowie 863-865 MHz), welche lizenzfrei genutzt werden kann – ein beruhigender Aspekt gerade für „Nicht-Profis“.
Beim SX Wireless System können bis zu zwölf Übertragungsstrecken je Frequenzbereich gleichzeitig betrieben werden, was auch für semiprofessionelle Anwendungen ausreichend sein sollte, die Sendeleistung beträgt 10 mW.

Um den verschiedenen Anwendungsbereichen Rechnung zu tragen, ist das XS Wireless System in verschiedenen Ausführungen erhältlich, wobei alle Varianten auf dem EM 10 Empfänger basieren:

·    Presentation Set XSW 12 für Moderation und Vorträge inkl. Ansteckmikro
·    Instrument Set XSW 72 mit direkter Anschlussmöglichkeit für Gitarren über 6,3 mm Klinkeneingang
·    Headset XSW 52 mit Headset für möglichst viel Bewegungsfreiheit bei der Bühnenperformance
·    Vocal Sets XSW 35 und XSW 65 mit unterschiedlichen Handsendern.

Bei unserem Testsystem handelt es sich um das XSW 65. Der Handsender des Systems ist sogar mit der Sennheiser e865 Kapsel (Kondensator, dauerpolarisiert) bestückt. Diese Supernieren-Kapsel kommt normalerweise nur bei den wesentlich teureren Systemen zum Einsatz.KE 10-Kapsel bestückt. Die Kapsel KE 10 wurde in der Wedemark hergestellt und ist „Made in Germany“. Zum Lieferumfang zählen neben XSW 65 Handsender inkl. Transport-Tasche und EM 10 Empfänger inkl. Netzteil die beiden BNC-Antennen, eine Mikro-Klemme und das mehrsprachige Manual.


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EM 10 Empfänger

Der Empfänger des XSW Systems ist in einem kompakten Metallgehäuse mit Kunststoffelementen (Front und Rückseite) untergebracht, welches mit Abmessungen von 200 x 127 x 42 mm in etwa einem halben 19“-Rackformat entspricht. Als optionales Zubehör bietet Sennheiser zwei verschiedene Rackmontage-Kits an, je nachdem, ob man ein oder zwei Geräte im Rack unterbringen möchte.
Alle Anschlüsse des EM 10 Empfängers befinden sich auf der Rückseite. Neben der Netzteil-Buchse und den beiden Antennen-Anschlussbuchsen (BNC) stehen zwei alternative Audioausgänge zur Auswahl. Die XLR-Buchse ist symmetrisch ausgelegt, die 6,3 mm Klinken-Buchse dagegen asymmetrisch. Der Ausgangs-Pegel ist über einen kleinen Schalter umschaltbar zwischen Line- und Mikro-Pegel. Die Fein-Einstellung erfolgt über den Volume-Regler auf der Vorderseite des EM 10. Als maximalen Ausgangspegel liefert die XLR-Buchse bis zu 14 dBu und der Klinken-Ausgang bis zu 8 dBu.
Das System wird mit zwei BNC-Antennen ausgeliefert, die über ein Gelenk verfügen, so lassen sich die Antennen optimal V-förmig ausrichten. Optional lässt sich das System auch durch externe Antennen aufrüsten.
Ebenfalls auf der Geräterückseite liegt auch der Squelch-Regler zum Einstellen der Rauschsperren-Schwelle. Damit lässt sich eine Trennung zwischen Nutz- und möglichen Störsignalen justieren – ähnlich wie bei einem Noise-Gate.

EM_FrontBack3
Der Empfänger kommt ansonsten mit recht wenigen Bedienungselementen aus. Ein- und ausgeschaltet wird das Gerät über den Standby-Taster. Um einem versehentlichen Ausschalten vorzubeugen, muss der Standby-Taster hierfür länger gedrückt werden. Das Einschalten erfolgt jedoch prompt durch kurzes Antippen des Tasters. Möchte man den Empfänger komplett vom Stromnetz trennen, so muss der Stecker des externen Netzteils abgezogen werden.
Das beleuchtete Display des EM 10 Empfängers zeigt nach dem Einschalten die wichtigsten Parameter wie Frequenz, Kanal und Kanalbank. Dazu kommen Pegel-Anzeigen für den Funksignal- und den Audio-Pegel sowie diverse Statusanzeigen für den gerade aktiven Antenneneingang und den  Batterie-Zustand des Senders. Während am Sender der genaue Ladestatus der Batterien in vier Stufen (100%, 70%, 30% und „kritisch“) angezeigt wird, liefert das Empfänger-Display lediglich den Überblick über zwei Zustände: Batterieladezustand reicht oder ist kritisch, wobei die Anzeige im letzten Fall zu blinken beginnt.
Der EM 10 Empfänger bietet drei verschiedene Menü-Modi zur Einstellung der Frequenzen: „TUNE“, „PRESET“ und „SCAN“. Die Auswahl erfolgt über die Up/Down-Tasten, bestätigt und gespeichert wird die Eingabe letztlich über die „Set“-Taste.
Hier die Modi im Überblick:

PRESET – bietet die Möglichkeit, einen werksseitig voreingestellten Kanal innerhalb einer Kanal-Bank auszuwählen. Insgesamt bietet der Empfänger 8 Preset-Bänke mit jeweils 12 Kanälen plus eine User-Bank.

TUNE – erlaubt die direkte Einstellung von Frequenzen in 25 kHz-Schritten. Die dabei ausgewählte Frequenz wird automatisch in der User-Bank als Kanal 00 abgespeichert.

SCAN- ermöglicht, einen freien Kanal innerhalb einer vorgewählten Bank durch Scannen der HF-Umgebung zu finden und diesen zu Speichern.

Zum Einstellen des analogen Ausgangspegels verfügt der Empfänger über einen Volume-Regler rechts neben dem Display.


Sync-Funktion

Damit sich Sender und Empfänger auch verständigen können, muss bei beiden Geräten die gleiche Frequenz gewählt sein. Wie bei den großen Funkanlagen lassen sich auch XSW Sender und Empfänger miteinander synchronisieren, wobei der Empfänger stets das Sagen hat. Um die am Empfänger eingestellten Frequenzen auf den Sender zu übertragen, hält man die Sync-Taste am Sender gedrückt, daraufhin blinkt im Empfänger-Display die Anzeige „sync“. Nun drückt man einfach die Sync-Taste am Empfänger, und das war´s. Dies funktioniert sogar bei ausgeschaltetem Handsender, der sich dabei automatisch einschaltet -einfacher geht es wirklich nicht.
Da sich Sender und Empfänger auch ohne Sichtkontakt synchronisieren lassen, ist davon auszugehen, dass dieser Abstimmungsprozess nicht wie gewohnt über Infrarot sondern über das Funksignal erfolgt.


XS_Wireless_Mic_back2XSW 65 Handsender

Der Handsender des neuen Sennheiser Wireless Systems liegt gut in der Hand und ist mit nur 240 g durchaus als „Leichtgewicht“ seiner Klasse zu bezeichnen. Dies wurde durch ein robustes Kunststoffgehäuse inkl. abschraubbarem Metall-Korb mit integriertem Windschutz realisiert. Ob man nun unbedingt ein Metall-Gehäuse für ein „professionelles“ Feeling benötigt, wage ich zu meilleur casino en ligne bezweifeln. Die Sängerhand freut sich über das leichte Mikro sicherlich – vor allem bei extrem langen Konzerten. Das Gehäuse sollte in jedem Fall robust genug sein, um auch den rauen Bühneneinsatz heil zu überstehen.
Wie bereits eingangs erwähnt, ist der XSW 65 Handsender mit der e865 Kondensator-Kapsel ausgestattet, die sonst nur bei den teureren Systemen Verwendung findet. Als Richtcharakteristik verfügt die e865-Kapsel über Supernieren-Eigenschaften. mit der KE 10-Kapsel (Elektret Kondensator Superniere) bestückt. Gespeist wird das Mikro durch zwei 1,5 Volt AA Batterien. Das Batteriefach befindet sich im unteren Drittel des Mikro-Gehäuses und lässt sich einfach durch Abschrauben des unteren Teils des Schaftes öffnen. Die Batterien werden zusätzlich durch einen Klappbügel gehalten, sodass sie selbst bei der wüstesten Bühnenperformance stets „fest im Sattel“ sitzen.
Gleich auf der Rückseite des Batteriefaches befindet sich ein kleiner Vierfach-Schalter, mit dem sich die Empfindlichkeit des Mikros in 10 dB Schritten an die Stimmlautstärke anpassen lässt (0, -10, -20 und –30 dB).  
Eingeschaltet wird der Sender über einen kleinen Taster am unteren Rand des Mikros. Auch hier ist zur Sicherheit ein längeres Gedrückt-Halten notwendig. Der „On“-Status wird durch eine dezente rote LED angezeigt.
Wie bereits erwähnt befindet sich der Sync-Taster am unteren Ende des Mikro-Gehäuses, doch keine Angst, hier kann nichts passieren, falls man den Taster auf der Bühne aus Versehen drückt, da der Sync-Vorgang nur über den Empfänger gestartet werden kann.
Damit man weiß, mit welcher Frequenz man sendet, bietet auch der Sender ein - allerdings sehr kleines - unbeleuchtetes Display.
Gleich darunter hat man dem Mikrofon einen Mute-Taster spendiert. Bei aktivierter Mute-Funktion leuchtet eine kleine LED. Der Mute-Taster reagiert sofort, ohne längeres Gedrückt-Halten. Zum Glück ist der Taster in die Gehäuseoberfläche eingelassen, bei extrem schlanken Fingern sollte man hier jedoch vorsichtig sein, damit man sich nicht aus Versehen mitten im Song selbst mutet.


Anwendung

Beim ersten Antesten fiel gleich auf, dass das Wireless-Mikro System extrem offen klingt. Wie bei Funksystemen üblich, so arbeitet auch das XSW-System mit einem Dynamikprozessor nach dem Prinzip eines Kompanders. Dabei wird das Signal vor der HF-Wandlung komprimiert und später im Empfänger wieder expandiert. Durch dieses Verfahren hat man die Möglichkeit, die Physik ein wenig auszutricksen. Durch den Sendebetrieb wird die Dynamik systembedingt eingeschränkt. Komprimiert man das Signal nun vorher, lässt sich die in der Dynamik eingeschränkte Funkstrecke optimaler aussteuern. Um die durch den Kompressor verloren gegangene Dynamik wieder zurückzugewinnen, schickt man Signal durch eine Expander-Stufe. Da Kompressor- und Expander-Wirkung nicht unbedingt 100% komplementär sind, funktioniert das Verfahren bei vielen preiswerten Anlagen nicht unbedingt zufriedenstellend. Beim XSW-System dagegen haben die Sennheiser-Ingenieure gute Arbeit geleistet. Die Dynamik wirkt stets sehr natürlich, der Sound ist sehr transparent und frisch, mit fettem Druck in den Tiefen. Auch wenn das Mikro mit seiner e865 KE 10 Kondensator-Kapsel nicht den typischen Nahbesprechungs-Effekt wie dynamische Mikros liefert, bemerkt man beim XSW 65 Handsender, dass der Sound trotzdem sympathisch wärmer wird, wenn man den Abstand  zum Mikro verringert.
Neben dem Sound  ist für ein Funk-Mikro vor allem die Betriebssicherheit und Reichweite von großer Bedeutung. Durch das True Diversity Konzept mit zwei separaten Antennen ist die Übertragung recht sicher. Beim Test hatte ich innerhalb der „normalen“ Entfernung zum Empfänger keinerlei Dropouts, selbst wenn ich eine der Antennen abgezogen habe.
Für einen Reichweiten-Test musste ich ein wenig spazieren gehen, denn in meinem Testraum konnte ich das System nicht an seine Grenzen bringen. In dieser Open Air-Situation erzielte ich eine Reichweite von ca. 80 Metern. Das hat mich schon überrascht. Darüber hinaus funktionierte das System zwar auch weiter, jedoch musste man dann bei extremen Bewegungen schon mal mit einem Aussetzer rechnen.
Insgesamt scheint das neue Sennheiser Funkmikro wenig Strom zu benötigen. Selbst nach ca. 5 Stunden Dauerbetrieb waren die Batterien noch zu 70% voll.


Fazit

Mit dem neuen XS Wireless System präsentiert Sennheiser ein sehr interessantes Einsteiger-Funksystem. Während man bei teureren Systemen neben vielen HF- und System-Parametern auch Equalizer aktivieren und die Kompander-Wirkung kontrollieren kann, findet man diese Features aus Budget-Gründen beim XSW System nicht. Hier hat man sich konsequent auf das Wesentliche konzentriert. Selbst wenn man weniger Eingriffsmöglichkeiten hat, so liefert das preiswerte XSW System eine zuverlässige Performance, die wie bei einem „großen“ System extrem Spaß macht. Das kann man leider nicht von allen preiswerten Funk-Anlagen behaupten.


Facts:

HF-Frequenzbereich
Sende- /Empfangsfrequenzen
Presets
Schaltbandbreite
Geräuschpegelabstand
Klirrfaktor bei 1 kHz

Empfänger:
Diversity-Empfang
Antennenanschluß
Audio-Ausgangspegel (symm.)
Audio-Ausgangspegel (unsymm.)
Abmessung (Empfänger)
Gewicht (Empfänger)

Handsender:
Audio-Übertragungsbereich (Mikrofon)
HF-Ausgangsleistung
Betriebszeit (Sender)
Abmessung (Sender)
Gewicht (Sender)
Schallwandler; Mikrofon-Typ
Audio-Empfindlichkeit
Schalldruckpegel bei 1kHz
Richtcharakteristik
823 - 832 MHz sowie 863 - 865 MHz
960 (520 im Bereich E)
12
24 MHz (13 MHz im Bereich E)
> 103 dB(A)
< 1 %


True Diversity
2 BNC, 50 Ohm
XLR: 14 dBu max
Jack: 8 dBu max
200 x 127 x 42 mm
730 g


80.....16000 Hz
10 mW
typ. 10 h
d= 54 mm, l= 250 mm
240 g
permanent polarisiert Elektret Kondensator
1,8 mV/Pa
144 dB(SPL) max.
Superniere


UVP*: ca. 475 EUR

www.sennheiser.com

Anmerkung der Redaktion (19.03.2012):
Während der Testphase gab uns Sennheiser schriftlich die Info, dass im XSW 65 Handsender  des XS Wireless Systems die e865 Kapsel verbaut ist, die normalerweise nur bei den teureren Systemen Verwendung findet. Nach Redaktions-Schluss und Druck der Printausgabe zwei|12 gab Sennheiser bekannt, dass es sich um einen Fehler in der internen Sennheiser-Datenbank handelte und dass das System in Wirklichkeit mit der KE 10-Kapsel bestückt ist.



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