Flügel-AufnahmenIMG_4839

Bei diesem Test ging es u.a. darum, zu beurteilen, ob der Unterschied zwischen X32- und Pro Tools-Aufnahmen variiert, je nachdem, ob man mit Mikrofon- oder mit Line-Signalen arbeitet. Zu diesem Zweck haben wir einen echten Yamaha-Flügel verwendet, dessen Tasten sich über einen MIDI-Controller anspielen lassen. So konnten wir stets den gleichen Take mehrfach hintereinander aufnehmen.
Im ersten Versuch wurde der Flügel mit einem Soundfield Mikrofon-System aufgenommen. Das Soundfield System liefert ein sehr authentisches Stereo-Abbild der originalen akustischen Bedingungen und wird daher auch oft in der Wissenschaft und Entwicklung als Referenz eingesetzt. Das Soundfield System ist mit einem eigenen Preamp ausgestattet, sodass wir direkt mit Linepegeln parallel in das Pro Tools und das X32 gehen konnten. An dieser Stelle vielen Dank an die Firma Soundfield für ihren Support.
Im nächsten Versuch wurde der Flügel mit zwei Rode LT 1-A Mikros aufgenommen.
Während die Mikro-Signale für die Pro Tools-Hardware über einen Peavey VMT 2-Vorverstärker verstärkt wurden, verwendeten wir beim X32 die internen Preamps und Wandler.
Beim Vergleich der Piano-Takes zeigt sich, dass der Klangunterschied sich im Wesentlichen wieder in den Höhen abspielt (die ProTools Aufnahme liefert ein wenig mehr Glanz), wobei der Unterschied zwischen Pro Tools- und X32-Aufnahme größer wird, wenn wir die Mikro-Preamps des X32 weiter aufdrehen müssen. Aber auch hier sprechen wir von Nuancen, die für den Live-Einsatz völlig akzeptabel sind.

Anmerkung: Die Piano-Spuren zum Vergleich nebeneinander in der DAW-Software anlegen
Bei den Files handelt es sich um Stereo-Päarchen. Die Files mit 1 im Panorama bitte nach links legen, die Files mit 2 bitte nach rechts pannen. 
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Akustik-Gitarren-AufnahmenIMG_4792

Bei diesem Test ging es noch mal darum, die Qualität der X32 Pre-Amps und Wandler beurteilen zu können. Dazu wurde eine Akustik-Gitarre zunächst mit dem Soundfield-Mikrofon-System, welches bereits über interne Preamps-verfügt, im ProTools wie im X32 aufgenommen. Damit die gleiche Performance im ProTools wie im X32 in einem Take aufgenommen werden konnte, wurde das Signal verlustfrei gesplittet. Im nächsten Durchgang haben wir das Soundfield-Mikro durch ein Telefunken CU-29-Mikrofon ersetzt. Das Mikro-Signal wurde ebenfalls verlustfrei gesplittet, für die ProTools Aufnahme haben wir einen Focurite Pre-Amp ausgewählt, beim X32 dagegen die internen Mikrofon-Preamps der Mischpult-Kanäle. Beim kritischen Vergleich fällt auf, dass auch hier die ProTools Takes einen Hoch mehr Glanz in den Höhen zeigen, aber auch hier sprechen wir lediglich von Nuancen.

Die Gitarren-Spuren einfach zum Vergleich nebeneinander in der DAW-Software anlegen 

Mix-Engine-TestCRW_5227_4c

In diesem Testlauf ging es darum, der D/A-Wandlung sowie der Mix-Engine des X32 auf den Zahn zu fühlen.

Für diesen Test habe ich vom Song „From Darkness“ (s. BxDxF-Bandworkshop) eine spezielle ProTools-Session angelegt, bei der ich die vielen Tracks der Original-Aufnahmen zu Stereo-Stems zusammengefasst habe. Die Stems enthalten z.B. einen Stereo-Mix der Drums, einen Stereo-Mix der Gitarren, der Vocals oder der Keyboards. Die Stems sind so angelegt, dass sich ein musikalisch sinnvoller Mix ergibt, wenn man im Mixer alle Pegel der Stems auf 0 dB stellt und das Panorama jeweils hart nach rechts bzw. links einstellt.
Nun habe ich die spezielle Pro Tools „Stem“-Session einmal im ProTools zusammengemischt, zum anderen habe ich die ProTools-Session über die USB/FireWire-Karte auf die Kanäle des X32 gelegt und das X32 als Mixer verwendet.
Das Ausgangs-Signal mit dem X32-Mix wurde zum einen digital zum anderen analog ins ProTools überspielt, um die Sessions miteinander vergleichen zu können.
Der Unterschied zwischen den beiden Mix-Engines war kaum wahrzunehmen. Dagegen macht sich wie bei den Preamp- und Wandlertests bemerkbar, dass die digitale Übertragung des X32-Mixes zum Pro Tools einen Hauch mehr Glanz liefert als die Aufnahme des analogen X32-Ausgangs. Fairerweise muss sollte man jedoch beachten, dass das analoge X32-Ausgangssignal im letzteren Setup ja noch mal im ProTools-Interface A/D-gewandelt werden muss.

Anmerkung: Bei den Mix-Engine-Files handelt es sich um Stereo-Files. Bitte extrem nach rechts und links pannen. 

Praxis-Einsatz

Beim Praxis-Einsatz des X32 lernt man schnell die intuitive Benutzeroberfläche zu schätzen. Selbst ohne Bedienungsanleitung gelingt der Einstieg in die X32-Funktionen ohne Probleme.
Trotz der Komplexität des Mixers ist die Bedienung sehr übersichtlich, was zum einen auf die gelungene Balance zwischen „echten Reglern“ und der Software-Steuerung via Farb-Display, Softkeys und Mini-Displays zurückzuführen ist. Dazu kommt, dass die gesamte Menüführung sehr elegant und intelligent gelöst ist - an dieser Stelle mein Kompliment an die Programmierer.
Wir haben das X32 als Standalone und in Kombination mit der S16 Stage-Box und der P16 Monitor-Einheit getestet. Selbst mit den Stage-Box- und Monitor-Funktionen bleibt das gesamte System stets kinderleicht zu bedienen. Bei den oben beschriebenen Drum-Aufnahmen stellte sich BxDxF-Drummer Benni einen eigenen Monitormix im P16 ein. Obwohl Benni dabei zum ersten Mal mit dem P16 gearbeitet hat, dauerte die Einstellung nur wenige Minuten.
Viele Anwender, ob im Studio oder auf der Bühne, haben sich einen individuellen Workflow angeeignet. Durch die vielen komfortablen Konfigurations-Möglichkeiten lässt sich das X32 Pult optimal an diesen persönlich Workflow anpassen. So sollte es sein - nicht umgekehrt.
Ganz gleich ob man das Mischpult Live oder im Studio einsetzt, das X32 bietet gleichermaßen eine enorme Flexibilität wie auch die notwendige Betriebs- und Bedienungssicherheit.
Trotzdem sollte man sich vor dem ersten Live-Einsatz detailliert mit allen „gefährlichen“ Funktionen wie Routing, Sends und Mute-Gruppen vertraut machen, um unangenehme Überraschungen durch Fehlbedienung auszuschließen.
So sollte man sich auch mit den Onboard-Effekten des X32 beschäftigen, um exakt abschätzen zu können, welche Parameter man im Live-Betrieb verändern kann und welche besser nicht.
Im Gegensatz zu einigen anderen Digital-Pulten lassen sich beim X32 auch die Gainregler der Eingangskanäle mit den Szenen abspeichern, was ein echtes Total-Recall ermöglicht.
Beim Verstellen der Gainregler ist jedoch eine Art sehr leises Knacksen wahrzunehmen. Dies kommt u.a. daher, dass die gerade eingehende Wellenform beim Verändern des Pegels - was stets in kleinen Raster-Schritten erfolgt - einen Sprung macht. Dieses Phänomen wird besonders deutlich, wenn man langwellige Signale wie z.B. Bass während des Ausklangs im Input-Gain nachregelt. Im Normalfall sollte es aber kein Problem sein, selbst während der Show die ein oder andere Gain-Einstellung nachzuregeln.
Neben dem oben beschriebenen Sound ist auch das Thema Latenz bei einem Digital-Mischpult von großer Bedeutung. Es stellt sich somit die wichtige Frage: Wie lange benötigt ein am Mixer-Eingang anliegendes Signal, bis es am Mixer-Ausgang oder über die Sends ausgegeben wird?
Selbst wenn es kein Problem sein sollte, wenn der FOH-Sound systembedingt wenige Millisekunden später als von den Musikern gespielt aus der PA kommt, so hört der Spaß auf, sobald man ans Monitoring, speziell ans In-Ear-Monitoring, denkt. Aus diesem Grund sind wir der Latenz des X32 auf den Grund gegangen. Selbst in Kombination mit dem P16 konnten wir eine maximale Latenz von 0,92 ms bei einer Samplingrate von 48 kHz messen. Ohne P16 liegt die Latenz sogar bei nur 0,73 ms (48 kHz). Dieses Ergebnis hat uns wirklich verblüfft, viele herkömmliche Audio-Interfaces liegen ja teilweise um ein vielfaches darüber. Auch hier ein Kompliment an die Behringer- und die Midas-Entwickler.


Fazit

Ich muss gestehen: Als ich vor ca. einem halben Jahr zum ersten Mal vom X32 gehört habe, war ich sehr skeptisch. Die vorgestellten Features zum genannten Preis wirkten für mich recht unrealistisch, das hatte es bisher ja nicht gegeben.

Doch nach unserem umfangreichen Testszenario muss man letztlich feststellen:
Mit dem X32 läutet Behringer eine neue Ära im Bereich der preiswerten Digital-Pulte ein, und das wird auch der eine oder andere Mitbewerber deutlich zu spüren bekommen.
Nachdem in den Medien mehr und mehr Details und auch diverse Praxisberichte zum X32 zu finden sind, gehen den Skeptikern langsam die Argumente gegen das X32 aus. Nachdem Funktionalität und Sound überzeugt haben, mag vielleicht noch ein Argument übrig bleiben: „Manche Behringer Geräte gingen in der Vergangenheit schnell kaputt“. Doch auch hier kontert Behringer mit einer Garantiezeit von 3 Jahren.
Das X32 überzeugt in Funktionalität wie im Klang und liefert ein einzigartiges Preis-Leistungs-Verhältnis. Schließlich bekommt man für eine UVP* von 2.899 EUR ein Mischpult mit 32 Kanälen, 32 Mikrofonvorverstärkern, On-Board-Effekten, Motorfadern, integrierter 32-Kanal I/O-Karte u.v.m. Wem die 32 Kanäle eines einzigen X32 immer noch zu wenig sind, der kann über AES 50 mehrere Pulte miteinander verbinden, wobei es jedoch keine echte Master/Slave-Funktionen wie beim Kaskadieren gibt.
Im direkten Soundvergleich mit dem vielfach teureren System aus Pro Tools HD-Hardware und externen Preamps hat sich das X32 tapfer geschlagen. Lediglich in den Höhen lässt der X32 Sound gegenüber der teuren Profi-Lösung ein wenig vom silbrigen Glanz vermissen, aber damit kann man durchaus leben - vor allem Live.
Bei der Realisierung des X32 war u.a. die neue Behringer-Struktur hilfreich: Nach der Übernahme der bekannten Pro-Audio-Firmen Klark Teknik und Midas hat man alle Brands (Behringer, Klark Teknik, Midas und Bugera) unter dem Dach der Music Group vereint.
So können durch die neue Konstellation Behringers Erfahrungen bei der Produktion preiswerter Geräte in der eigenen Fabrik mit dem technischen Knowhow von Klark Teknik und Midas optimal kombiniert werden.
Über das eigentliche X32-Pult hinaus stehen bereits weitere Produkte aus der Behringer Digital-Reihe, wie das P16 Monitor-System und die S16 Stagebox, in den Startlöchern. Ebenso wird es auch in Zukunft noch diverse Ableger des X32 geben, z.B. mit weniger Kanälen im 19“-Rack-Format u.v.m. Lassen wir uns überraschen.

 

Jonas Gehrmann

JonasGehrmann_4cDas X-32 hat mich echt überrascht. Ich hatte eigentlich weniger erwartet. Auf der anderen Seite war das aber mit der Übernahme von Midas eigentlich naheliegend.

Die Bedienung fällt von Anfang an recht leicht. Für etwas komplexere Anforderungen muss man ein wenig suchen, wird aber insgesamt nicht enttäuscht.
Das Problem mit verschachtelten Menüs haben die "großen" Hersteller ja eigentlich auch noch. Bei der X32 ist das auch eher durch den Preis bedingt, dass vielleicht der ein oder andere Knopf, den man gerne noch hätte, nicht da ist.
Und das ist eigentlich auch das Hauptthema. Für den Preis ist das alles der Wahnsinn.
Selbst klanglich kann man da ja nicht meckern. Auch wenn man bei einem A/B Test bei den Wandlern schon zur "Konkurrenz", die aber preislich weit höher liegt, Unterschiede feststellt.

Martin Ernst

Martin_ErnstAls langjähriger Musiker, Studiobesitzer und FOH-Ingenieur habe ich viele Jahrzehnte lang die Entwicklung von Mischpulten „am eigenen Leib“ verfolgt.

Das X32 hat mich seit den ersten Gerüchten vor gut einem Jahr sofort interessiert. Mir gefielen Ideen wie das iLIVE oder das SAC. Gleichzeitig habe ich auf der Bühne als Musiker die Digital-Pulte verflucht, weil alles immer so lange dauert… wenn ich den Bass lauter haben will und der arme Monitor-Mann hektisch sieben mal drücken und drehen muss...
Und dann kam das X32 zu einem Wohnzimmerkonzert mit Paul Carrack in mein Haus!

Behringer X32 Digital Life-Check

 „Nichts ist unmöglich“

In den letzten Monaten wird in den Fachmedien ein neues Produkt besonders heiß diskutiert: Das neue X 32 Digital Mischpult von Behringer.
Xound hat in einem ersten echten Life-Test herausgefunden, ob es das hält, was es verspricht.

Als ich die Feature-Liste des X32 zum ersten Mal gelesen habe, war ich schon sehr beeindruckt. Extrem neugierig und skeptisch zugleich wurde ich, als ich den voraussichtlichen Verkaufspreis erfahren habe. Unter 3000 Euro? Ich war fest davon überzeugt, dass es irgendwo einen Haken geben würde, denn ein Pult mit dieser Ausstattung zu diesem Preis erschien mir schier unmöglich.

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