Aussteuerungs-Anzeigen

Über die Display-Taste METERS gelangt man zu einer speziellen Menüseite, die eine Vielzahl an Aussteuerungsanzeigen darstellt. Die verschiedenen Anzeigen sind dabei auf vier Menü-Layer verteilt.
Die Layer „channel“ liefert mit ihren 32 Bargraphs und Mini-Fadern eine Gesamtübersicht über die Pegel aller 32 Eingangskanäle inkl. der aktuellen Position aller 32 Kanal-Fader. Außerdem zeigt diese Layer über weitere Bargraphs die Wirkungsweise von Gate- und Kompressoreinheiten für jeden Kanal an.
Die nächste Layer wird „mix bus“ genannt und liefert die Pegelanzeigen für die 16 Mix Busse, für die 6 Matrix-Kanäle sowie für den Main Bus (R, L sowie M/C) inkl. der Darstellung der Gate- und Kompressor-Funktion.
In der Layer „aux/fx“ finden wir Pegelanzeigen für die Aux Sends und Aux/Effekt-Returns sowie Faderdarstellungen der Return-Kanäle.
Die letzte Layer „in/out“ beschränkt sich auf die reinen Pegelanzeigen und liefert einen Überblick über alle Input-Kanäle, alle Aux-Sends und -Returns, die Analog-Ausgänge, die P16 Ultranet-Outputs sowie über diverse Stereosummen.
Neben den Aussteuerungsanzeigen im Display verfügen auch jeder Ein- und Ausgangskanal sowie die Input- und Dynamic-Stufen im Fat-Channel über kleine Pegelanzeigen. Diese kleinen Instrumente liefern neben der Pegel- und Clip-Anzeige auch Aufschluss über den Status der Dynamics (Gate und Kompressor).

Routing

CRW_5155Die umfangreichen Routing-Möglichkeiten machen das X32 zu einem sehr flexiblen Digital-Mixer. Im Grunde genommen kann man eigentlich alles überall hinrouten, doch Vorsicht: Man sollte stets genau wissen, was man tut, sonst kann man später u.U. böse Überraschungen erleben! Hat man sich beim Routing Setup völlig verzettelt, so hilft es manchmal, einfach das Mischpult zu resetten oder eine Szene neu zu laden.
Mittels der ROUTING-Taste öffnet man das Routing-Menü, welches wiederum sieben unterschiedliche Layer beinhaltet.
Die erste Layer widmet sich den 32 Eingangskanälen sowie den Aux-Ins 1-4 und zeigt eine tabellenartige Auflistung mit fünf unterschiedlichen Spalten. Die ersten vier Spalten repräsentieren jeweils acht der Eingangskanäle (Inputs 1-8, 9-16, 17-24 oder 25-32), die fünfte Spalte stellt die Aux-In-Kanäle 1-4 dar.
Innerhalb der ersten vier Tabellen kann nun immer ein 8er-Block der physikalischen Eingänge angewählt werden. Dieser färbt sich gelb, sobald die Verbindung durch kurzen Druck auf den Softkey aktiviert ist. Zur Auswahl stehen die lokalen Eingänge (32 Line/Mikro-Inputs), die jeweils 48 AES 50 A- und AES 50 B-Eingänge sowie die 32 Soundkarten-Kanäle.
Innerhalb eines 8er-Blocks lassen sich die Inputs nun beliebig tauschen, d.h. es ist nicht zwingend, dass die 8er-Blöcke in der Original-Reihenfolge angeordnet sind. Jeder einzelne Eingang einer 8er-Gruppe, die in der o.g. Tabelle aktiviert wurde, steht später im CONFIG-Menü als Input-Option eines Kanals zu Auswahl.

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Für die Zuordnung der X32-Ausgänge bietet das Routing-Menü weitere Layer:

analog out - erlaubt die Zuordnung der Signale für die analogen Ausgänge
aux out - hier lassen sich die Aux-Ausgänge sowie die digitalen AES-EBU-Ausgänge konfigurieren
p16 out - verwaltet die 16 Ausgänge, die zum P16 Monitor-System gesendet werden
card out - legt die Kanal-Zuordnung der Soundkarten-Ausgänge fest
aes 50-a  und aes 50-b – bis zu jeweils 48 Kanäle pro AES 50-Schnittstelle können hier konfiguriert werden
Die Routing- und Konfigurations-Möglichkeiten des Behringer Mixers sind enorm, das X32 dürfte somit ausreichend flexibel sein, um selbst ausgefallenen Setups gerecht zu werden.

Effekte

Das X32 hat bereits jede Menge interner Effekte an Bord, d.h. selbst ohne externes Outboard-Equipment ist man mit dem Mixer stets gut gerüstet. Die internen X32-Effekte sind in einem so genannten „Virtual FX Rack“ zusammengefasst. Dieses bietet Platz für bis zu acht frei wählbare Effekt-Prozessoren, vom klassischen Hall über Delay- und Chorus-Effekte bis hin zum Stereo-Grafik-EQ und vielen weiteren Effekten. Während die ersten vier Effekte des Virtual FX Racks wie normale Effekte auf einen Mix-Bus oder Kanal gelegt werden können, arbeiten die Effektslots 5-8 im Virtual FX Rack ausschließlich als Inserts.
Einen Überblick über das Virtual FX Rack bekommt man in der „Home“-Layer des EFFECTS-Menüs. Hier kann jeder Effekt-Prozessor auf einen beliebigen Mix-Bus gelegt oder als Insert verwendet werden.

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Zum Aufrufen eines Effekt-Prozessors wählt man das gewünschte Modul einfach mittels der Cursor-Funktion des rechten Soft-Buttons an und drückt kurz auf den Soft-Button. Alternativ lässt sich auch über die Page-Tasten von einer Effekt-Layer zur nächsten durchsteppen. Die Soft-Buttons unter dem Display dienen zur Editierung der Effektparameter, bei aufwendigen Parameter-Setups sind sogar zwei Layer mit Effekt-Parametern verfügbar. Die grafischen Darstellungen der Effekt-Prozessoren ähneln unübersehbar den originalen Effekt-Klassikern wie Quantec Raumsimulator, Lexicon 480 L oder Lexicon PCM 70, um nur einige wenige zu nennen. Wenn auch nicht die Dichte und Authentizität der teueren Originale erreicht wird, machen die Onboard-Prozessoren klanglich einen wirklich überzeugenden Job und stellen mehr als nur ein weiteres Marketingargument dar. Beim Editieren einiger Hall-Parameter wie Raumgröße oder Predelay fiel auf, dass der Hall- und Raumausklang kurz unterbrochen wird, wenn man die Parameter verändert. Dieses Phänomen kennt man aber selbst von teuren Studio-Hallgeräten und stellt für mich kein echtes Problem dar.
In der Regel wird man die Effekte ja bereits beim Soundcheck festlegen und während der Show ggf. die Send-Anteile fahren. Man sollte sich aber trotzdem vor dem Live-Einsatz mit den Effekten vertraut machen, um genau zu wissen, welchen Parameter man während der Show bedenkenlos verändern kann und welchen besser nicht.

Setup

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Über die SETUP-Taste gelangt man in das Setup-Menü des X32. Dieses ermöglicht in der ersten Layer die Einstellung globaler Parameter wie z.B. Helligkeit bzw. Kontrast des Hauptdisplays, der Mini-Displays sowie aller LEDs. Dazu kommen diverse Einstellungen für die Art der Szenen- und Menü-Verwaltung und die Konfigurierung des Panorama-Modes (L, R plus Mono oder L, C, R).
In einer weiteren Layer lässt sich die Samplerate zwischen 48 und 44,1 kHz umschalten, eine Sync-Quelle wählen (intern, AES 50 oder Soundkarte), Pre/Post-Voreinstellungen für die Busse treffen sowie Datum und Urzeit eingeben. Auch der Reset der gesamten Konsole oder lediglich der Show- und Library-Daten kann über das Setup-Menü erfolgen.
In den folgenden Setup-Layern finden sich schließlich noch Parameter für die DCA-Gruppen, die interne USB/FireWire-Soundkarte und für den Einsatz des X32 als DAW-Remote-Controller.
Ja richtig gelesen! Das X32 lässt sich auch als Remote-Control für DAWs nutzen. Dabei stehen die acht Motorfader der Ausgangssektion für die Fernbedienung der DAW zur Verfügung. Die Kommunikation zwischen DAW und X32 erfolgt in diesem Fall über die normalen MIDI-Ports oder über MIDI via USB/FireWire-Karte, wahlweise als Mackie Control- oder HUI-Protokoll.
Möchte man umgekehrt das X32 fernsteuern, so kommt man via Ethernet-Port an alle relevanten Parameter heran. An einen WLAN-Router angeschlossen wäre das X32 sogar via iPhone oder iPad kontrollierbar.

Library

Wie für Digital-Mixer üblich, so verfügt auch das X32 über umfangreiche Library-Funktionen.

Die Library-Daten können sowohl im internen Speicher abgelegt als auch via USB-Datenträger exportiert oder importiert werden.
Insgesamt bietet das Library-Menü drei verschiedene Layer für Kanal-Settings, Effekte und Routing-Konfigurationen. Möchte man eigene Library-Inhalte kreieren, so lassen sich die Einstellungen der Kanäle, Effekte und Routings jederzeit als Preset ablegen. Beim späteren Abrufen eines Presets lässt sich über das „Parameter Scope“-Feature sogar einstellen, welche der Funktions- bzw. Parameter-Gruppen beim Recall eines Presets berücksichtigt oder ignoriert werden sollen. Auf diese Weise lässt sich die Library sehr effektiv nutzen.
Im Übersichts-Menü der Kanal-Presets wird das Schaltungsschema des Kanal-Presets als kleines Blockschaltbild dargestellt, wobei die aktiven Kanal-Sektionen sogar gelb markiert sind. So kann man bereits „von außen“ sehen, wie das Preset aufgebaut ist.
Je nachdem, in welchem Menü man sich gerade befindet, braucht man zum Speichern oder Laden von Presets nicht erst das Library-Menü aufzusuchen. Drückt man die UTILITY-Taste, so öffnet sich automatisch das passende Preset-Menü mit den Funktionen Load, Save, Delete sowie Copy und Paste. Es sei erwähnt, dass das X32 seinen aktuellen Zustand automatisch nach ca. 1 Minute speichert, d.h. in den meisten Fällen ist es völlig o.k., wenn man das Pult einfach über den Power-Schalter ausschaltet. Um hundertprozentig sicher zu sein, dass selbst die allerletzten Änderungen mit erfasst sind, bietet das X32 eine „Safe Shut Down“-Funktion. Vor dem Herunterfahren werden dabei sicherheitshalber noch mal alle Einstellungen gesichert.

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Facts

  • 32 vollprogrammierbare Mikrofon Preamps, designed by Midas
  • 16 Mix Busse
  • 2 AES50 Ports (je 48 Ch. I/O) für z.B. Stage Box
  • 24-bit 32 Ch. I/O USB/Firewire Interface Card für direktes Recording
  • 8 true-stereo Effektprozessoren sowie umfangreiche Signalbearbeitung pro Kanal
  • inklusive Firewire/USB2.0 Interface
  • 7” TFT High-Resolution Daylight Display 800x480 inkl. 6 Push Encoder für direkten Parameterzugriff
  • großer Kanalzug (Fat Chanel mit Preamps, Dynamik- und EQ-Sektion, Aux-Sends, Pan- und Bus-Zuordung) zur Bearbeitung des selektierten Kanals
  • 25 motorisierte Fader (16 Eingangs-Fader + 8 Ausgangs-Fader + 1 Master Fader)
  • 16 motorisierte Fader in Eingangs-Sektion auf 4 Ebenen
  • Eingangskanäle 1-16 (Ebene 1)
    Eingangskanäle 17-32 (Ebene 2)
    Aux In / USB + FX Returns (Ebene 3)
    BUS Master (Ebene 4)

    UVP X32: (inkl. 32-Kanal USB/Firewire Interface Card und Staubschutzhülle): 2.899 EUR
    UVP P16: Preis unter 200 EUR
    UVP S16: Preis unter 700 EUR

X32vsProoolsHDSound

Trotz aller noch so interessanten Features des Behringer X32 stellt sich für viele Interessierte die nicht unwichtige Frage:

Wie klingt das neue Behringer Digitalpult?

Bereits bei unserem ersten Einsatz im Rahmen des Wohnzimmer-Konzertes mit Paul Carrack hinterließ das X32 auch soundmäßig einen durchweg positiven Eindruck, wenn uns auch in diesem Test-Rahmen eine direkte Vergleichsmöglichkeit fehlte.
Um den Klang des X32 konkreter beurteilen zu können, haben wir uns entschlossen, das Digitalpult mit einem Pro Tools HD-System zu vergleichen. Das Pro Tools HD-System zählt zu den Standards im professionellen Tonstudio-Bereich und die meisten Anwender dürften die Soundqualität des ProTools-Systems einschätzen können. Hier findet ihr alle Soundfiles. So habt ihr die Möglichkeit, euch ein eigenes Bild zu machen.

Zu den Klangbeispielen

Alle Aufnahmen wurden ohne Equalizer oder Kompressor gemacht. Auch nach der Aufnahme wurde kein Sound nachbearbeitet. Bitte für die den optimalen A/B-Vergleich, die Pegel der Files angleichen. Alle Audio-Files einer Kategorie sind geschnitten, damit die Start-Punkte identisch sind. Ihr könnt die Files auch in eurer DAW-Software als Tracks nebeneinander legen und dann zwischen den Beispielen umschalten. Da die Sound-Unterschiede teilweise sehr gering sind, sollte man das Material schon über eine gute Monitore abhören. Die Rechner-internen Lautsprecher sind dafür eher ungeeignet.

Drum-Aufnahmen

Für diesen Test wählten wir folgendes Setup:
Nachdem wir uns im Rahmen des BxDxF-Bandworkshops endgültig für die verwendeten Drum-Mikrofone entschieden haben, haben wir das gesamte Drumkit einmal über externe Preamps (Daking Audio und Focusrite) im Pro Tools HD (via HD 192-Interface) aufgenommen.
Danach haben wir alle Mikro-Leitungen von den externen Preamps getrennt und die Mikrofone direkt an das X32 angeschlossen. Die X32-Aufnahme erfolgte über die interne USB/FireWire-Soundkarte, die via FireWire mit einem MacBook Pro inkl. Pro Tools Software verbunden war.
P16-EinsatzbeidenDrumaufnahmenDurch diesen Test konnten wir gleichermaßen die Preamps als auch die A/D-Wandler des Behringer Digital-Mixers in Bezug auf den Klang untersuchen. Da wir nicht alle Drum-Mikro-Signale verlustfrei splitten konnten, mussten die beiden Recording-Sessions (Pro Tools-Hardware mit externen Preamps bzw. X32-Direkt-Aufnahme) nacheinander aufgenommen werden. Später wurden beide Aufnahme-Sessions miteinander verglichen. Auch wenn die Spielweise bei den nacheinander aufgenommenen Takes minimal variieren kann, lässt sich insgesamt doch ein Soundunterschied wahrnehmen: In Vergleich zur X32-Aufnahme wirkt die Aufnahme über die Pro Tools-Hardware und die externen Preamps ein wenig offener in den Höhen. Dadurch wirken die X32-Drum-Aufnahmen jedoch keinesfalls dumpf oder matt, bei den Pro Tools-Takes hat man lediglich den Eindruck, dass die Obertonstruktur einen Hauch präsenter ist und die Aufnahmen ein wenig mehr Glanz haben. In Bezug auf den restlichen Frequenzgang und die Dynamik wirken beide Aufnahmen schon sehr ähnlich. Die Soundqualität des X32 dürfte in etwa vergleichbar sein mit der Qualität, die man von den üblichen mehrkanaligen Audio-Interfaces zwischen 500 und 700 EUR erwarten kann.
Test1_X32-Drumaufnahmen





Anmerkung: Da nicht jeder über ein ProTools-System verfügt, sind die Drum-Aufnahmen nicht im Session-Format sondern als einzelne Audio-Fils angelegt. Diese lassen sich in die DAW-Software importieren. Es gibt jeweils einen Ordner für die ProTools- und die X32-Aufnahmen. Die Lautstärke-Balance lässt sich nach Belieben einstellen, so könnt ihr einen Rough-Mix nach eurem eigenen Geschmack erstellen. Bassdrum und Snare bitte in die Mitte pannen, die Overheads entsprechend ihrer Bezeichnung hart rechts oder links einstellen, die HiHat ggf. ein wenig nach rechts pannen. Tom 1 im Panorama ein wenig nach rechts einstellen, Tom 2 ein wenig nach links. Die Guide-Tracks wurden nicht neu aufgenommen sondern lediglich aus Ableton Live exportiert.
Download

ProTools-Drumaufnahmen: ProToolsDrums.zip

X32-Drumaufnahmen: X32_Drums.zip

Bass-AufnahmenTest2_Bass-Aufnahmen

Für diesen Test haben wir einen Bass über einen Ampeg Bass-Combo mit einem Shure Beta 92 Mikro abgenommen. Das Mikro-Signal wurde verlustfrei gesplittet und gleichzeitig über die Pro Tools-Hardware (inkl. Focusrite ISA 115 Preamp) sowie über das X32 via USB/FireWire-Karte aufgenommen. Auch hier liefert die X32-Aufnahme einen sehr ähnlichen Sound, wenn auch die Obertöne beim ProTools Take minimal präsenter wirken.
Anmerkung: Die Bass-Spuren einfach zum Vergleich nebeneinander in der DAW-Software anlegen