SPL Firmenporträt

„Made in Germany“

Bereits seit vielen Jahren sind die Produkte des deutschen Herstellers SPL wichtiger Bestandteil der internationalen Studio-Szene. 
SPL entwickelt und fertigt analoge und digitale Audioprozessoren sowie verlässliche Werkzeuge für die professionelle Musik-, Film-, Multimedia- und Rundfunk-Industrie und genießt für seine innovativen Technologie-Konzepte weltweit höchste Anerkennung.
Zu den bekanntesten SPL Entwicklungen gehören das patentierte Klangoptimierungsverfahren der VITALIZER®-Prozessoren sowie der innovative TRANSIENT DESIGNER, der eine neue Technologie pegelunabhängig arbeitender, dynamischer Hüllkurvenbearbeitung liefert.
In der Profi-Szene dürfte auch das weltweit erste diskrete 5.1-Mikrofonierungssystem ATMOS 5.1 bekannt sein, bei dem sogar Stars wie Sting zu den ersten Anwendern zählten.
Mit der Entwicklung des SUPRA-Operationsverstärkers mit einer Betriebsspannung von 120 Volt legte SPL den Grundstein für die heutige Mastering-Produktserie, ein Nonplusultra für viele internationale Mastering-Cracks.
Im Jahr 2008 startete SPL mit einem neu formierten Team die Entwicklung digitaler Produkte und machte damit die SPL-Technologie auch den „digitalen Produzenten“ zugänglich. 
Doch neben allen überzeugenden technischen Funktionen und der intuitiven Bedienbarkeit verfügen die SPL-Geräte über eine gewisse „Seele“. Genau das macht sie auch so beliebt.

Wir trafen die drei Firmeninhaber Hermann Gier, Wolfgang Neumann und Peter Waschke in der Niederkrüchtener Firmenzentrale.

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Xound: Wie kommt man auf die Idee, eine Firma für die Herstellung von Audio-Hardware zu gründen?

Hermann GierH. Gier: Wolfgang hatte 1979 hier in unserer Nähe sein erstes 24-Spur Tonstudio. Zu dieser Zeit waren die hippen Studiogeräte aus den USA unerschwinglich, und so befasste sich Wolfgang - er ist gelernter Radio- und Fernsehtechniker - in erster Linie aus finanziellen Gründen mit der Entwicklung von Studiogeräten. In den meisten Fällen stand auch kein Gerät als konkrete Vorlage zur Verfügung, viele Produkte kannte man nur vom Hörensagen. Wenn man Glück hatte, bekam man sogar schon mal einen Schaltplan, doch das war eher die Ausnahme. 1983 hat Wolfgang seine erste Firma hier in Bracht gegründet und einen Vertrieb gefunden. 
Ich hatte zu dieser Zeit BWL studiert und war u.a. mit Peter Sonntag als dessen „Manager“ unterwegs. Peter Sonntag hatte für seine Auftritte Geräte von Wolfgang´s ehemaligem Vertrieb bekommen, so lernte ich Wolfgang kennen. Wenn ich dann zum Vertrieb kam, saß da immer dieser „Entwickler-Typ“ in seinem Kabäuschen, das hat mich völlig fasziniert.
Ich hatte vorher bei Konzerten in Aachen oft als „Stagehand“ gearbeitet und wollte immer den ganzen Abend am Mischpult stehen. Ich fand das sehr spannend und fragte alle Leute aus, was sich da in dem 19“-Türmen an Geräten verbirgt. Ich wollte wissen: Wie geht das? Das war meine Welt. Und dann sitzt da plötzlich jemand vor dir, der diese 19“-Geräte selbst baut - es war sehr beeindruckend. 
Der Vertrieb wurde kurze Zeit später geschlossen und Wolfgang war unsicher, wie es weiter gehen könnte. Wir setzten uns zusammen und beschlossen, gemeinsam zu arbeiten. 1986 haben wir dann in zwei kleinen Räumen einer alten Schusterei – da klebte noch Leder an der Wand - mit der gemeinsamen Firma begonnen. Mein Vater gab mir 5000 DM, das war unser Startkapital. Glücklicherweise brauchten wir keine Miete zahlen.
Wolfgang hat die Platinen entwickelt, die Geräte gebaut, und ich habe alles andere gemacht.

Xound: Womit ging´s dann bergauf?

H. Gier: Wir hatten das Glück, dass wir 1988 den Vitalizer erfunden haben, der aus einer wilden Spielerei heraus entstanden ist. Wir hatten einfach den Wunsch, etwas völlig Durchgeknalltes zu machen.
Der patentierte Vitalizer ist wirklich etwas einzigartiges und dürfte mittlerweile weltweit zum Industriestandard geworden sein, was wir damals noch gar nicht einschätzen konnten.
Unser größtes Problem war jedoch, dass ein Gerät, eine Art Exciter der zweiten Generation, aus Deutschland kam. Das wollte niemand glauben. Bis dahin wollte man lediglich akzeptieren, dass aus Deutschland Mikrofone kommen - für uns ein großes Handycap. Aber das Produkt war so gut und hat mit viel Glück aus der kleinen „Stube“ eine echte Firma gemacht.
Später stieß dann Peter Waschke zu uns hinzu. 1994 wurde schließlich die SPL Electronics GmbH gegründet.

Xound: Schlug dann international nicht die Skepsis in Respekt um?

H. Gier: Die Schwierigkeit lag in den 90er Jahren darin, dass der Respekt erst gar nicht zustande kam, da viele Händler unsere Geräte dazu benutzt haben, andere Produkte zu verkaufen. Unter dem Tisch in den Geschäften standen unsere Vitalizer, weil damit die Synthesizer besser klangen. Aber man hat lieber die Synthies verkauft, denn die Marge war dabei größer. 
Wir haben Ende der 90er Jahre auch oft darüber nachgedacht, wie wir unsere Produkte bekannt machen können. Letzen Endes hast du nicht viele Möglichkeiten. Ein Weg ist: Du gibst sehr viel Geld aus und bringst dich über die klassischen Medien nach vorne. Dazu brauchst du einen langen Atem, denn du musst eine gewisse kritische Masse erreichen, damit die Maßnahmen greifen. Bis dahin solltest da das Geld halt schon in der Tasche haben. Das Geld hatten wir nicht.
Wir konnten zwar damals schon ganz gut leben, doch letztlich haben wir einen Nischenmarkt bedient, und die Firma ist langsam gewachsen. Wolfgang´s Ansatz war es schon recht früh, eigene Grundlagentechnologien zu schaffen, um Produkte zu bauen, die kein anderer Hersteller bauen kann. Und so hat er mit der Entwicklung der 120 Volt-Technologie begonnen.
Glücklicherweise kam dann Ronald Prent vom Galaxy-Studio zu uns. Im Galaxy-Studio baute man gerade ein neues Mastering-Studio, und Ronald hatte die Vision von einer speziellen Mastering-Konsole. Wir haben uns gedacht, dieses Konzept wäre ein ideales Produkt, um unsere 120 Volt-Technik als Referenzprojekt an den Start zu bringen, mit dem wir dokumentieren können, dass wir ganz oben auf der Leiter stehen. Kurze Zeit später wollte auch US Mastering-Papst Bob Ludwig eine SPL Masteringkonsole, und damit waren wir komplett abgesegnet.

Xound: Wenn man sich in der Studiolandschaft umschaut, sollte man meinen, es gibt schon alles, was man braucht. Woher nimmt man immer wieder die Ideen für neue Geräte?

Wolfgang NeumannW. Neumann: Die Ideen ergeben sich aus der  praktischen Anwendung im Studio und dem edlen Wunsch nach besserem, neuem Equipment – ein Gedanke, der niemals abreißt. Man ist ständig auf der Suche nach optimaleren Lösungen für ein bestehendes System, ganz gleich ob wir dabei an einen Equalizer, einen Kompressor oder an ein anderes Gerät denken. Dann versucht man anhand der technologischen Basis, die die Industrie anbietet - damit meine ich z.B. elektronische Bauteile - das Bestmögliche an Schaltungsapplikationen herauszuholen und in den Audiogeräten umzusetzen.

Xound: Wie kann man sich den Prozess vorstellen, man hat eine Idee und...

W. Neumann: Eine Idee? Eigentlich ist es ein klangliches Konstrukt, welches seit den ersten Tonstudiotagen im Kopf ist und an dem man immer arbeitet. In dem Moment, wo ich eine Sektion fertig habe, bin ich meist schon in Gedanken beim nächsten Thema und arbeite dann nur noch die „alte“ Aufgabe ab. Ich vergleiche das immer mit einem Komponisten oder Arrangeur. Während er an seinem Werk arbeitet, ist er auch meist schon mit dem Kopf woanders.

Xound: Die rein technische Umsetzung bei der Entwicklung neuer Geräte ist das eine. Wie bekommt man einem Gerät jedoch die „persönliche“ Note eingehaucht, die eure Geräte auszeichnet?

Peter WaschkeP. Waschke: Wenn man soviel Herzblut in die Entwicklung legt wie Wolfgang, ergibt sich durch die persönliche Herangehens- und Denkweise auch die persönliche Note. Ein anderer Entwickler hat auch eine andere Handschrift.

W. Neumann: Der Ursprung ist stets die Idee, und die Idee kreiert sich aus der Anwendung heraus. Wenn ich im Studio bin und ein paar Dinge zu bearbeiten habe, verwende ich diverse  Geräte - auch unsere Geräte. Diese Geräte gibt es schon, und ich denke in diesem Augenblick oft darüber nach, was ich mit der Note G oder Gis nun machen könnte. Wie könnte man diesen Ton besser formen? Meist sehe ich schon bildlich vor mir, wie der Signalfluss aussieht und mit welchen Reglern ich welche Parameter beeinflussen kann, und es entsteht daraus eine neue Schaltung im Kopf. 
Diese Schaltung setzte ich dann auf einem Evolutions-Board um, d.h. man setzt die Bauteile grob auf das Steckfeld auf oder man entwickelt kleine Platinen usw.. Ich probiere intensiv, wie sich meine Vorstellung umsetzen lässt. Nicht alles lässt sich realisieren...

P. Waschke: ...und so gibt es auch einige volle Mülleimer mit Schaltungsentwürfen (lacht).

W. Neumann: Es ist eben eine Gratwanderung, das war besonders extrem bei der Entwicklung unserer 120 Volt Technologie. Auf der einen Seite möchte man extrem viel erreichen, auf der anderen Seite stößt man auch immer wieder an physikalische Grenzen. Doch oft genug gibt es auch positive Überraschungen: Ich habe gerade eine neue Limiterschaltung entwickelt und bin völlig begeistert. Gerade in der heutigen Zeit, bei den vielen Diskussionen zum Thema „Lautheitswahn“, stellt man besonders hohe Erwartungen an einen Limiter. Man möchte etwas begrenzen, am besten aber so, dass es nicht auffällt. Andererseits würde man gerne doch ein bisschen Lautheit herauskitzeln, vielleicht auch so, dass man zwar auf den Instrumenten etwas sehen, aber keinen Limiter-Effekt hören kann.

SPL LagerSPL Produktion

Xound: Ihr fahrt bereits seit einigen Jahren zweigleisig und habt neben den analogen Geräten auch Plug-Ins für die digitalen Audio-Workstations entwickelt. Wie kam es dazu?

H. Gier: Ich glaube, man braucht kein Genie zu sein, um zu erkennen, wohin die Reise im Audiobereich geht. Für uns war klar, dass wir uns intensiv darum kümmern müssen, wenn wir in diesem Bereich mitspielen wollen. Nach wie vor möchten wir mit unseren eigenen Grundlagen-Technologien wie z.B. der 120 Volt Technik neue Wege gehen, und wir werden auch trotz der aufwendigen Produkte, die ja alle einen gewissen Preispunkt haben, Käufer finden, die diese Qualität schätzen. Begibt man sich in die Welt der Plug-Ins, so weiß man, dass man damit Leute erreicht, die „in der Box“ arbeiten möchten und die normalerweise niemals mit den SPL-Produkten in Berührung kämen. Nun haben wir in der Vergangenheit eine Reihe von interessanten Processing-Produkten wie z.B. den Transient Designer gebaut, die es von andern Herstellern gar nicht gibt. Über die Plug-Ins kann man unsere Prozessoren auch den reinen DAW-Anwendern zur Verfügung stellen.

Xound: Wie stampft man solch ein neues komplexes Feld aus dem Boden?

H. Gier: Wir haben lange hin und her überlegt, wie wir vorgehen sollten.
Vor etwa zwei Jahren traf ich dann Dirk Ulrich von Brainworx, wir waren auf dem Weg zur Messe nach Amsterdam. Wir sprachen über das Plug-In-Thema und daraus ergab sich, dass Brainworx den Software-Part von SPL übernehmen sollte.
Das ganze Konzept hatte mehrere Vorteile: Zum einen sitzt Brainworx in unserer Nähe, zum anderen sind die „Jungs“ sehr nett, und man kann mit ihnen sehr gut zusammen arbeiten. Obwohl Brainworx auch weiterhin die BX-Produkte entwickelt, ist es im Prinzip die SPL-Software-Abteilung.
Die Brainworx Leute haben die Expertise, analoge Schaltungen extrem gut zu modeln, meiner Meinung nach weltweit führend. Die Idee war, dass die Brainworx-Programmierer von unseren Entwicklern gebrieft werden und unsere analogen Schaltungen 1:1 in die digitale Welt umsetzen. 
Durch die Zusammenarbeit mit Brainworx konnten wir all die Kinderkrankheiten umgehen, mit denen man bei der Gründung einer eigenen Software-Abteilung in der Regel zu kämpfen hat.

Xound: Wenn man einen spacigen Effektprozessor als Plug-In entwickelt, kann man immer sagen: So wie er klingt, war es auch geplant. Doch wenn man ein analoges Gerät als Plug-In nachbaut, ist das schon viel komplexer. Dazu kommt, dass es immer noch das Original zum Vergleich gibt, was natürlich hohe Erwartungen weckt. Wie geht man hier vor?

W. Neumann: Die Brainworx Leute  halten sich an unsere Schaltbilder und verfügen bereits über Algorithmen, die sogar einzelne Bauteile simulieren können, d.h. das Original stellt die wichtige analoge Grundlage dar. Ich bin mir sicher, dass zu allen guten Software-Emulationen ein analoges Komplementär gehört. Man braucht jedoch einen Entwickler, der genügend musikalisches Einfühlungsvermögen besitzt und auch ein Verständnis für die Schaltung und die Auswirkung der einzelnen Parameter auf den Klang entwickelt hat.

H. Gier: Das ist genau der Punkt. Lediglich einen Schaltplan nachzubauen macht keinen Sinn, das wird nicht funktionieren. Es geht um die Interpretation des Schaltplanes, d.h. der Entwickler muss wissen, bei welchem Pegel und welchem Frequenzbereich welche Effekte auftauchen, warum bestimmte Komponenten in die Schaltung eingebaut wurden. Dies ergibt sich durch das Tüfteln der „Analogentwickler“. Durch die Kombination verschiedener Komponenten kommen die „Analogentwickler“ zu diesen Ergebnissen.

Xound: Was denkt ihr, wie lange wird es noch das traditionelle Analog-Equipment geben?

H. Gier: Das haben wir uns auch oft gefragt. Nun bauen wir zum Glück eine Menge Produkte, die als Front- und Back-End um den Rechner herum benötigt werden. Dieser Bereich macht deutlich mehr Umsatz als der Bereich Processing.

P. Waschke: Was mich am meisten fasziniert: Die Leute lernen unsere Prozessoren über Plug-Ins kennen und kaufen hinterher die Hardware. Darüber haben nicht nur viel verkauft, sondern auch unser Image hat extrem durch die Plug-Ins gewonnen.

H. Gier: Für viele Studios, gerade im Rental-Bereich liefert das echte Gerät im Rack doch noch immer eine andere Glaubwürdigkeit. Seit das Thema „Analog Summing“ interessant geworden ist, findet man auf den Messen mehr und mehr Kleinmischpulte zum Einbinden des analogen Equipments. Ich glaube nicht, dass wir einen großes Revival der Bandmaschinen sehen werden. Der Rechner wird nach wie vor wichtiger Bestandteil im Studio sein, aber das Spielen mit Geräten, mit echten Knöpfen und der Spieltrieb gehören zum Musikmachen dazu.

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