Keyboards für Nicht-Keyboarder - Teil 4

In den vergangenen Folgen dieses Workshops haben wir bereits viele Grundlagen kennen gelernt, die einem als Nicht-Keyboarder dabei helfen, sich schnell auf Tasten zurechtzufinden und eine Begleitung nach Akkordsymbolen spielen zu können.

Nachdem wir den Aufbau von Dreiklängen in Grundlage und Umkehrungen kennen gelernt und in Form von Patterns in allen 12 Dur- und Moll-Varianten praktisch umgesetzt haben, wurden die drei Hauptakkorde auf der I., IV. und V. Stufe zur Kadenz zusammengefasst.

 

Aufgabe war es nun, das im letzten Workshop vorgegebene Kadenz-Pattern im Kopf zu transponieren und in allen 12 Dur-Tonarten zu spielen. Wichtige Hilfe war dabei das Denken in Funktionen, also zu schauen, welche Funktion (Grundton, Terz, Quinte) der oberste Ton des zu spielenden Akkordes hat, weil das Transponieren dadurch leichter fällt.

Wer diese Übungen konsequent durchgezogen hat dürfte bereits jetzt merken, dass einem durch die ständige Wiederholung der Akkorde in verschiedenen Zusammenhängen so mancher Griff geläufig geworden ist, d.h. man kann ihn spielen, ohne lange nachzudenken. Man hat ihn also im wörtlichen Sinne „begriffen“. Aus anfänglichem Aufbauen und Suchen wird mit der Zeit Wissen und automatisiertes Greifen. Und da die Welt nicht nur aus Dur besteht, befassen wir uns nun mit:


Moll-Kadenzen

Der Schritt dorthin ist nicht groß. Wer die Dur-Kadenzen verinnerlicht hat, wird mit den Moll-Varianten ebenfalls schnell zurecht kommen. Doch während es nur eine Dur-Tonleiter gibt, so gibt es immerhin drei Moll-Tonleitern. Je nachdem, welche dieser Tonleitern wir der Moll-Kadenz zugrunde legen, ändern sich auch die Akkorde, aus denen die Kadenz besteht.

Die Kadenz in „Natürlich Moll“ besteht aus drei Moll-Akkorden auf der I., IV. und V. Stufe. Bei der Kadenz in „Harmonisch Moll“ ändert sich das Geschlecht der V. Stufe durch die Erhöhung des 7. Tones der Leiter von Moll nach Dur, wodurch sich der Dominant-Charakter verstärkt. Wir beschränken uns im Folgenden auf diese Variante, da sie in der Praxis am häufigsten zur Anwendung kommt. Der Vollständigkeit halber sei auch „Melodisch Moll“ genannt. Hier wird der 6. und 7. Ton erhöht, in der Abwärtsbewegung werden diese Erhöhungen jedoch wieder aufgelöst.

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Da die Grundtöne der I., IV. und V. Stufe in Dur- und Moll-Kadenzen identisch sind, muss man nur zwei Töne verändern, um auf die entsprechenden harmonischen Moll-Kadenzen zu kommen: die Akkorde auf der I. und IV. Stufe werden zu Moll, die V. Stufe bleibt Dur. Fertig. Abb. 2 zeigt ein Beispiel-Pattern in 3 Tonarten. Für die restlichen Tonarten gilt (wer die bisherigen Teile dieses Workshops durcharbeitet hat, ahnt es): im Kopf transponieren.

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Praktische Anwendung

Das Spiritual „When Israel Was In Egypt‘s Land“ steht in Moll und dürfte den meisten bekannt sein. Es beinhaltet die Akkorde der harmonischen Moll-Kadenz. Neben dem Lead-Sheet (Abb. 3) und der möglichen Begleitung (Abb. 4) findet sich auch eine Solo-Piano-Variante (Abb. 5). Hier spielt die rechte Hand sowohl die Melodie als auch die zugehörigen Akkorde. Man kann gut sehen, dass die Melodie immer die Umkehrung der verwendeten Akkorde vorgibt, da die Melodie immer der höchste Ton des Akkordes sein sollte. Möchte man ein Lead-Sheet auf diese Art interpretieren, fügt man unter der Melodie einfach die übrigen Töne des Akkordes hinzu.

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Einfach? Nun ja, zugegeben: Es erfordert schon etwas Übung, aus einer Melodie und Akkordsymbolen quasi „im Handumdrehen“ ein Arrangement wie das abgebildete zu zaubern. In jedem Fall sollte man aber möglichst viele Akkorde in allen Umkehrungen schnell am Start haben, genau deshalb sind die bisher erklärten Akkord- und Kadenz-Patterns und deren Transposition quer durch den Quintenzirkel so wichtig.

Bevor wir uns in den weiteren Folgen dieses Workshops mit verschiedenen Akkordvariationen befassen, gilt es, das bis dahin Erlernte zunächst anhand einiger Beispiele in die Praxis umzusetzen. Die Abb. 6 und 7 zeigen Lead-Sheets einfacher Lieder in Dur und Moll, die es nun auf die zuvor beschriebenen Arten (Begleitung, Solo-Piano) zu spielen gilt.

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Wem die aus Gründen der Einfachheit gewählten Beispiele zu „uncool“ sind, der sehe sich hiermit ermuntert, das Ganze an eigenen Songs oder anderen Titeln, die den persönlichen Geschmack eher treffen, auszuprobieren. Das Praktische an der in diesem Workshop geschilderten Methode ist, dass sie universell einsetzbar ist.

Sollten in den selbstgewählten Songs Akkordsymbole vorkommen, die über ein einfaches Dur oder Moll hinausgehen, so bitte ich um etwas Geduld. Neben einigen Varianten der Dreiklänge nehmen wir uns später auch noch Vierklänge vor. Vorher sollte man im Umgang mit Dreiklängen sicher sein. Rom ist schließlich auch nicht an einem Tag erbaut worden... ;)

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