Keyboards für Nicht-Keyboarder - Teil 3

IMG_0360Mehrteilige Workshops haben den „Nachteil“, dass es immer wieder Leser gibt, die vorangegangene Teile und somit wichtige Grundlagen verpasst haben. Da aber natürlich jeder neue Leser herzlich willkommen ist, einen Nutzen aus diesem Artikel zu ziehen, beginnt der 3. Teil mit einer kurzen Zusammenfassung.
 

 

Was bisher geschah

Dieser Workshop ist eine Art „Crash-Kurs“, der es Quereinsteigern ermöglichen soll, auch ohne jahrelangen Unterricht eine passable Begleitung auf einem Klavier bzw. Keyboard zu spielen. Voraussetzungen sind ein gewisses Maß an Notenkenntnissen, Rhythmik und Fingerfertigkeit zur Bedienung einer Tastatur.

In Teil 1 ging es um die Wahl des für die persönlichen Bedürfnisse passenden Instrumentes und den Aufbau von Dur- und Moll-Akkorden. In Teil 2 bekam die linke Hand den Job des Bassisten und die rechte Hand war für die Akkorde zuständig. Durch die Umstellung der Akkordtöne ergeben sich Umkehrungen, die ein abwechslungsreicheres Spiel ermöglichen, welches anhand von kleinen rhythmischen Figuren, sogenannten „Patterns“, geübt werden kann. Ein wesentlicher Bestandteil ist hier die Transposition in andere Tonlagen.

Der letzte Teil endete mit der Aufgabe, drei Patterns quer durch den Quintenzirkel im Kopf zu transponieren. Leichter gesagt als getan, stimmt‘s? Es gehört schon etwas Disziplin dazu, das so durchzuziehen, und vielleicht gab es beim Üben auch die ein oder andere Unklarheit. Deshalb setzen wir an dieser Stelle noch einmal an und ergänzen die Theorie mit einigen weiteren Notenbeispielen.

01

Bei richtiger Transposition des ersten Patterns müsste man u.a. auf die in Abb. 1 dargestellten Lösungen kommen. Für die Neueinsteiger in diesem Workshop sei nochmals gesagt: Der einfachste Weg zu transponieren ist, in Funktionen zu denken. Die drei Töne eines Dreiklanges haben die Funktionen Grundton (1), Terz (3) und Quinte (5). Um einen Akkord schnell transponieren zu können, schaut man z.B., welche Funktion oben liegt. Diese Funktion muss ich also in meinem Zielakkord ebenfalls als oberste Note spielen.

Da man über jeden der 12 Töne einen Dur- und einen Moll-Akkord spielen kann, besteht ein kompletter „Übe-Durchgang“ also aus 24 Variationen des Patterns. Kann man diese flüssig spielen, wiederholt man das Ganze mit einem anderen Pattern, das sich vom ersten in Rhythmik und/oder Umkehrungen unterscheidet. Mit ein wenig Fantasie kommt man schnell auf eigene Variationen.


Praktische Anwendung

Der Effekt dieser Übungen ist, dass sich alle Akkordgriffe auf der Tastatur einprägen und somit auch ohne Noten nur nach Akkordsymbol schnell gefunden und umgesetzt werden können. Und genau darum geht es, wenn man sich als Nicht-Keyboarder zwecks Begleitung auf einem Tasteninstrument zurechtfinden will.

02Deshalb wenden wir das Ganze jetzt mal praktisch an. Abbildung 2 zeigt das Lead-Sheet des amerikanischen Volksliedes „Aura Lee“, dessen Melodie Elvis Presley für seinen Song „Love Me Tender“ adaptiert hat und das deshalb jedem bekannt sein dürfte. Aufgrund des bisher Gelernten können wir die Akkordsymbole nun auf der Tastatur in Form einer passenden Begleitung umsetzen. Wie das aussehen könnte, zeigt Abbildung 3.03

Akkordsymbole sagen nichts über die Umkehrung aus, sie ist dem Spieler freigestellt. Dennoch gibt es gewisse Regeln, die eine Begleitung besser klingen lassen. So sollte man z.B. große Sprünge von Akkord zu Akkord vermeiden, da diese Unruhe erzeugen. Dies schafft man durch die Verwendung von Umkehrungen. Haben zwei Akkorde einen gemeinsamen Ton, dann ist es sowohl in klanglicher als auch in grifftechnischer Hinsicht oft besser, ihn auf derselben Taste zu spielen und die anderen Akkordtöne auf dem jeweils kürzesten Wege miteinander zu verbinden. Das kann, muss aber nicht immer so gemacht werden. Entscheidend sind hier der Verlauf der Melodie und der persönliche Geschmack.

Bei der hier dargestellten Version von „Aura Lee“ handelt es sich um eine harmonisch vereinfachte Variante, die mit lediglich drei Akkorden auskommt. Dabei ist es kein Zufall, dass es ausgerechnet diese drei Akkorde sind, denn sie stehen in einem harmonischen Zusammenhang, womit wir beim nächsten Thema wären:


Kadenzen

Eine Kadenz ist im Grunde nichts anderes als eine Reihe von Akkorden. Grundlage für die Bildung sind die Tonarten. Jede Tonart basiert auf einer Tonleiter, aus deren Tönen sich verschiedene Akkorde aufbauen lassen. Auf jeder Tonstufe lässt sich ein Akkord errichten (Abb. 4).04

Diese diatonischen (leitereigenen) Akkorde kommen zwangsläufig immer wieder zusammen vor, deshalb macht es Sinn, sie im Verbund zu üben. Die wichtigsten Akkorde stehen auf der I. (Tonika), IV. (Subdominante) und V. Stufe (Dominante), sie bilden die klassische Kadenz. Wer sie beherrscht, kommt damit schon relativ weit. Viele Stücke bestehen sogar nur aus diesen drei Akkorden, fragt mal den Dieter... : )

Das war die gute Nachricht. Die „schlechte“ ist: Auch die Kadenzen muss man dafür in allen 12 Dur- und Moll-Tonarten üben. Ein Haufen Arbeit, aber es lohnt sich - versprochen!

Wie schon erwähnt basieren Kadenzen auf Tonleitern. Um die klassische Kadenz aufzubauen, kann man sich aber auch einer praktischen „Abkürzung“ bedienen, nur für den Fall, dass man gerade (noch) nicht alle 12 Dur- und Moll-Tonleitern parat hat... ; )

Im Grunde braucht man nur den Dur-Akkord der I. Stufe der zu bildenden Kadenz. Tauscht man dann die Terz gegen die einen Halbton höher befindliche Quarte aus, hat man schon die Grundtöne der drei Hauptakkorde (das gilt sowohl für die Dur- als auch für die Moll-Kadenz). Das Ergebnis ist ein Sus4-Akkord (dazu kommen wir später noch). Ich bezeichne diesen Sus4-Akkord mal als „Kadenz-Griff“, da er sehr hilfreich beim schnellen Auffinden einer Kadenz ist.

Kadenzen lassen sich ebenfalls gut mit Patterns üben. Die klassische Folge lautet hier: I-IV-V-I. In C-Dur wären dies die Akkorde C-F-G-C. Abbildung 5 zeigt ein Kadenz-Pattern in C-Dur. Wenn man es flüssig spielen kann, wird auch dieses in andere Tonarten transponiert. Dabei bauen wir auf dem bisher Gelernten auf, denn dazu es ist nötig, die einzelnen Akkorde schnell zu finden. Und auch hier ist es wieder hilfreich, in Funktionen zu denken, soll heißen: Welche Funktion des Akkordes (Grundton, Terz oder Quinte) liegt oben?

05

Beim Transponieren der Kadenzen wird sich vielleicht der ein oder andere sagen: „Das hab ich mir aber einfacher vorgestellt!“ Tja, Freunde der Sonne, dazu kann ich nur sagen: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen!

06

Um den Einstieg in diese Übung etwas einfacher zu gestalten, sind die Kadenzen in G-Dur und D-Dur abgebildet (Abb. 6). Vergleicht man die in diesen Kadenzen enthaltenen Harmonien, so stellt man fest, dass ein und derselbe Akkord in verschiedenen Tonarten verschiedene Funktionen haben kann. Transponiert man die Kadenzen in der Reihenfolge ihrer Anordnung im Quintenzirkel, kann man sich diese Tatsache zunutze machen, da bei jeder neuen Tonart lediglich ein neuer Akkord hinzukommt:

C-Dur-Kadenz: C-F-G-C
G-Dur-Kadenz: G-C-D-G
D-Dur-Kadenz: D-G-A-D
A-Dur-Kadenz: A-D-E-A
u.s.w.

Im 4. Teil dieses Workshops werden wir uns noch eingehender mit Kadenzen befassen und weitere praktische Anwendungen kennen lernen. Bis dahin viel Erfolg beim Erarbeiten der 12 Dur-Kadenzen!



Add this page to your favorite Social Bookmarking websites
 
Kommentare (0)add comment

Kommentar schreiben
kleiner | groesser

busy