IV. Wer hochlädt, ist der selber schuld?

klecksEs gibt grundsätzlich zwei Strategien, das Zusammenleben der Menschen zu organisieren. Die eine Strategie versucht – selbstverständlich im Dienste der Wahrheit und Gerechtigkeit –, sich Verordnungen und Gesetze auszudenken, die Vater Staat seinen Schützlingen verordnet, denn die Schützlinge denken zuerst immer an sich und müssen daher ein Stückchen weit erzogen werden. Man hofft, wenn die Gesetze gut sind, wird auch der Rest gut. Die zweite Strategie ist der Ansicht, dass sich Menschen sowieso nicht an die Gesetze halten. Zuviel Kontrolle nervt, schürt Korruption, also lasst doch die Menschen so sein, wie sie sind. Daher sollte man versuchen – selbstverständlich auch im Dienste der Wahrheit und Gerechtigkeit –, mit so wenig Verordnungen und Gesetzen wie möglich auszukommen. Soviel zur Theorie der Grundsätze. Theoretische Grundsätze helfen manchmal wenig, wenn es um praktische Probleme geht.

Werfen wir also einen Blick auf ein echtes, praktisches Problem. Der Sinn des Lebens ist nur selten ein echtes Problem. Meistens wissen wir, was zu tun ist. Wir wissen, was wir wollen, auch ohne die tiefe Sinnfrage vorher gestellt zu haben. Wir wollen was zu beißen, wollen uns ein neues Sofa kaufen und ne Pizza um die Ecke essen gehen. Dazu brauchen wir Geld. Wer heutzutage schnell viel Geld verdienen will, der sollte eine Internetplattform gründen, bei der sich alle wie verrückt anmelden und emsig ihre Fotos hochladen. Jedenfalls sowas in der Richtung. Mit Youtube z.B. wird heute richtig Geld gemacht. Die Strategen der Internetportale sahnen ab. Was aber ist mit den Inhalten? Die sind natürlich kostenlos zu haben, sogar manche pseudo-hippen Politneulinge fordern das explizit. Hat je Youtube jemanden etwas dafür bezahlt, ein Video hochgeladen zu haben? Die Antwort erübrigt sich. Youtube kassiert, aber bezahlt nichts für den kreativen Input. Die Computer der Republik sind voll mit kreativen Inhalten, die Festplatten platzen vor Musik- und Videodateien.

klecks2Wenn sich jemand darüber beschwert, dass Raubkopieren von Musik und Videos als Kavaliersdelikt zählt, muss er konsequent sein. Er sollte sich weigern, auf Youtube selbst Musik oder Videos hochzuladen. Problemlos ist es doch stattdessen möglich, dort ein kleines Video mit Links zu positionieren, die zur Seite führen, auf der das Material zu finden ist. Aber warum sollte man als Musiker die Ergebnisse seiner Mühen posten, warum sollte man Youtube kostenlos sein kreatives Potenzial zur Verfügung stellen? Youtube gehört mittlerweile einem riesigen Konzern, der so groß ist, dass man gar nicht mehr weiß, wie groß eigentlich. Glaubt jemand im Ernst, dieser Konzern habe andere Absichten, als einfach so viel Geld wie möglich zu verdienen? Und sie verdienen mit jedem Klick, zahlen aber nichts. Keine Frage, wer lustige Videos produziert und die der Weltöffentlichkeit präsentieren will, der sollte Youtube nutzen. Praktisch ist das. Und es ist auch nichts dagegen zu sagen. Wer aber der Meinung ist, dass es schon seltsam ist, dass heutzutage offenbar mehr Geld mit der Verwaltung/Organisation/ Bereitstellung von Inhalten verdient wird als mit deren kreativen Erzeugung, sollte, da wiederhole ich mich, Konsequenzen ziehen. Musiker müssen heute dafür kämpfen, mit ihren Leistungen noch Geld zu verdienen. Menschen sind bereit, für alles und jeden Geld zu bezahlen, aber ihre Musik, die verlangen sie beinahe kostenlos. Der Sinn des Lebens ist wahrscheinlich nicht das Geldverdienen. Aber ohne Geld wird es schwer, in unserer Gesellschaft zu überleben. Wo bleibt das allseits akzeptierte und etablierte Interforum, das Videos einer breiten Öffentlichkeit –einer großen Gemeinde von Usern, wie es heute heißt – kostenlos bereitstellt und zugleich die Bereitsteller der Videos entlohnt? Das muss doch möglich sein, auch ohne blanke Popos. Es würde doch genügen, wenn die Unternehmen ein wenig von dem großen Kuchen abtreten an diejenigen, deren Videos angeklickt werden. Gesetze helfen da vielleicht auch, sicher bin ich nicht. Engagement und Konsequenz des Einzelnen können womöglich mehr ausrichten. Das steht zur Debatte, für mich nicht zur Debatte steht: Mit dem Sinn des Lebens hat das alles nicht unbedingt zu tun, jedenfalls nicht unmittelbar. Macht nichts, es war dennoch wert, mal darüber zu schreiben.

henry_unterschriftkanone



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