henrydenktbanner III. Brot, Zeit und Ehre

Den Sinn des Lebens kennen wir nicht. Wer auch immer behauptet, er wisse davon, wird Schwierigkeiten haben, darüber klar und deutlich zu sprechen. Wer an der Sinnsuche beinahe verzweifelt, findet aber immerhin Trost in der Musik, der Königin der Künste, die Schmerz, Spaß und allem, was da sonst so im Inneren rumort, treibt und leuchtet, energisch Ausdruck verschafft. Und wer sich nicht zu schnell in die üblichen Lebenswege und Antworten fügt, nicht zu schnell das macht und denkt, was man eben so macht und denkt, hat das Zeug zum Künstler – weil er sich wehrt, weil er Raum lässt für innere und äußere Auseinandersetzungen, weil er sich Zeit und einen ironischen Blick bewahrt.

Künstler unterscheiden sich von reinen Handwerkern oder manchen sogenannten Superstars. Ein guter Musiker muss kein Künstler sein. Noch weniger muss ein erfolgreicher Musiker heute ein Künstler sein. Lassen wir das zunächst so stehen, als Zusammenfassung der letzten Folgen.

Übrigens: Dass wir den Sinn des Lebens nicht kennen, heißt ja nicht, dass nicht allerorten darüber spekuliert wird. Nähme ich es ein wenig zu genau, müsste ich sogar behaupten: Egal was oder wer etwas macht, irgendein Sinn ist immer im Spiel. Dieser Sinn, der überall im Spiel ist, gibt sich nicht immer zu erkennen. Er ist natürlich in fast allen Fällen von Handlungen nicht bewusst.

Was für Sinn-Ideen tummeln sich denn so im praktischen Leben? Ein allseits beliebter Sinn-Kandidat murmelt unentwegt: Das Leben ist entweder Genuss oder zu wenig Genuss, also sieh zu, so viel Genuss wie möglich abzustauben, das ist der Sinn des Lebens. Wer jetzt einwendet, das stimme zwar, fraglich sei doch einfach nur, was genau unter Genuss zu verstehen ist, der hat recht. Genuss bekommt man durch Geld, Geld sorgt für ein genussvolles Dasein. Ich bin sicher, würde man eine Umfrage machen, würde sich die Mehrheit gegen dieses Urteil wehren, denn sowas sagt man nicht. Pfui, wer glaubt denn das? Sind es etwa nicht die kostenlosen kleinen Dinge oder die ganz großen romantischen wie Liebe und Freundschaft, die das Leben zum Genuss werden lassen? brotzeitehreDie Mehrheit würde, meine Prognose, dem Urteil über den Zusammenhang von Geld und Genuss widersprechen. Und die gleiche Mehrheit glaubt pokies online es doch, denn sie alle sind neidisch oder geil auf Geld. Warum wohl? Macht ja auch nichts. Ich bin der letzte, der da die Moralkeule rausholt. Aber seltsam ist es schon. Seltsam ist weniger, dass sich in den letzten Tagen kollektiv an jeder zweiten Supermarktkasse über den Ehrensold für den Herrn Ex-Bundespräsidenten Wulff beschwert wird. So ein Raffke, schimpfen sie. Aber wenn es ihm rechtlich zusteht? Recht ist eben nicht immer billig. Mir egal. Soll er seiner Frau davon einen schönen Mantel kaufen, jeden Tag lecker essen gehen und weiterhin so seriös lächeln. Ich koche in der Zwischenzeit kostengünstiger: Linsensuppe mit Ananas, Zwiebeln, Heidelbeeren (statt Knoblauch), Ingwer und Curry. Bundespräsidenten und musizierende Künstler haben eh wenig gemein. Zweifellos müssen beide vor einem Publikum bestehen, über eine Art Magie verfügen, die Aufmerksamkeit einer Menge zu gewinnen. Damit hat es sich dann schon fast. Wer heutzutage Bundespräsident werden will, der muss die Fähigkeit besitzen, so allgemein zu sprechen, dass ihm kaum jemand widersprechen will, damit man beliebt ist und einen jeder mag. Als Künstler darf man sagen: Mich mag nicht jeder, ich aber ja auch nicht jeden. Der Künstler kann er selbst bleiben. Er muss nichts und niemanden repräsentieren außer sich selbst oder etwas, für das er sich entscheidet. Immerhin: Diese Freiheit ist in Geld kaum aufzuwiegen. Vom Brot des Künstlers, dem Applaus, kann man aber keine Kredite abzahlen, wie günstig man sie auch bekommen hat. Wie schön wäre da ein Ehrensold. Allerdings bliebe die Frage, ob die Kunst dann nicht auf der Strecke bliebe, bei all dem Geldgenuss. Andererseits, eine Art Künstlerpauschale, ein Überlebenssold, würde manches erleichtern. Wer, wie mancher, der den unsicheren, mal launischen, mitunter quälenden und oft genussvoll freien Weg des Künstlers beschreiten will, in gefühlten hundert Nebenjobs Miete und Chappi zusammenstückelt, hat kaum Zeit für die Kunst. Zeit ist Geld, oder doch nicht? So ein Ehrensold, der würde mir auch gefallen, geb ich gerne zu. Her damit.

henry_unterschrift







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