Die Audio-Interfaces im Sound-Vergleich

Neben den individuellen Features der oben beschriebenen Interfaces wollten wir wissen, wie die einzelnen Geräte im Vergleich zueinander klingen. Zu diesem Zweck haben wir im Studio verschiedene Signale nacheinander aufgenommen:

• weibliche Gesangsstimme (Julia Binder von BxDxF)
• männliche Gesangsstimme (Vassilios „Lucky“ Maniatopoulos von Tri State Corner)
• Akustikgitarre (Wulf Hanses-Ketteler)
• Shaker, Tambourine und ein klingendes leeres Weinglas
  (Lucky und Christoph Tkocz von Tri State Corner)

An dieser Stelle vielen Dank an alle Beteiligten.

Julia Binder von BxDxF
Wulf Hanses-Ketteler Vassilios „Lucky“ Maniatopoulos von Tri State Corner
Christoph Tkocz von Tri State Corner

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Setup

Für den Interface-Test haben wir ausschließlich Stereo-Signale ohne jegliche Verwendung von EQs oder Kompressoren aufgenommen.
Als Mikrofon kam ein Soundfield MK5 Mikrofon-System mit entsprechendem Controller und integrierten Preamps zum Einsatz. Das Soundfield System liefert ein sehr authentisches Stereo-Abbild der originalen akustischen Bedingungen und wird daher auch oft in der Wissenschaft und Entwicklung als Referenz eingesetzt. An dieser Stelle vielen Dank an die Firma Soundfield für ihren Support.
Damit wir bei diesem sensiblen Test nicht unterschiedliche Takes mit unterschiedlicher musikalischer Performance miteinander vergleichen müssen, haben wir uns entschieden, das Stereo-Signal des Soundfield Systems zu splitten. Zu diesem Zweck hat uns die Firma SPL einen 12-fach Stereo-Splitter zur Verfügung gestellt, der speziell für den Abgleich von SPLs NEOS Konsole entwickelt wurde. Auf diese Weise konnten wir ein und denselben Take mit allen Test-Interfaces gleichzeitig aufnehmen.
Im Rahmen einer Art „Durchgangstest“ haben wir das Signal, welches durch den Splitter geht zunächst mit dem Original-Signal verglichen, um sicher zu stellen, dass der Splitter das Original-Signal nicht verfälscht. 
Neben den o.g. Probanden haben wir gleichzeitig das Pro Tools HD 192 mit hinzugenommen, da dieses Interface vielen als eine Art „Studio-Standard“ bekannt ist.
Allzu gerne hätten wir auch das neue UAD Apollo Interface mitgetestet, doch dieses stand wegen einer Verzögerung der angekündigten Auslieferung leider zum Testtermin nicht zur Verfügung.

Hagü Schmitz

 

Test 1: Verwendung der Interfaces als Wandler

Für diesen ersten Test haben wir alle Interfaces über die digitalen Schnittstellen mit einem Pro Tools HD System verbunden und jeweils einen der oben beschriebenen Takes gleichzeitig über alle Testgeräte mit einer Samplerate von 44,1 kHz bei 24 Bit Auflösung in Pro Tools aufgenommen.
Da die Eingänge aller Interfaces über den Splitter mit dem gleichen Signal „gefüttert“ wurden, konnten die Eingangspegel der einzelnen Aufnahme-Spuren mit Hilfe eines Pegeltons aus dem Soundfield System nur über die internen Funktionen der Audio-Interfaces angepasst werden, was jedoch mit einer Toleranz von 1/2 bis 1 dB möglich war.
Damit alle Wandler im Gleichtakt laufen, wurden sämtliche Geräte extern über eine Apogee Big Ben Clock synchronisiert.

 

Acoustic Guitar

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Percussion

 

 

 

 

 

 

 

 

Vocals

 

 

 

 

 

 

 

 

Wineglass

 

 

 

 

 

 

 

 

Test 2: Verwendung der Geräte im eigenständigen Recording-Setup

Bei diesem zweiten Test wurde jeweils ein Audio-Interface mit einem eigenen Rechner verbunden, sodass jedes System als völlig autarkes Recording-Setup betrieben werden konnte.
Zu diesem Zweck stellten alle Anwesenden ihre Mac Laptops zur Verfügung, und das Pro Tools HD Interface lief über einen G5 des Studios.
Die Interfaces wurden bei diesem Test nicht extern synchronisiert, sondern liefen mit ihren internen Clock-Generatoren. Die beim ersten Test eingestellten Pegelverhältnisse wurden nicht verändert.
Die einzelnen Takes wurden in diesem Fall gleichzeitig mit allen Interfaces in verschiedenen Rechnern aufgenommen, wobei wir zwei separate Durchgänge mit unterschiedlichen Samplerates (44,1 und 96 kHz, stets mit 24 Bit) aufgezeichnet haben.

 

Soundfiles 44,1 kHz

AcousticGuitar

 

 

 

 

 

 

 

 

Percussion

 

 

 

 

 

 

 

 

Vocals

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Soundfiles 96 kHz

AcousticGuitar

 

 

 

 

 

 

 

 

Percussion

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Test 3: Preamps

Dieser kleinere Test diente dazu, auch die Preamps im Metric Halo ULN-8 und im PrismSound Orpheus mit einzubeziehen (für das Apogee Symphony I/O hatten wir zum Testzeitpunkt kein Preamp-Modul).
Dazu haben wir ein AKG C 414 Mikro für die Abnahme der Akustik-Gitarre eingesetzt. Das Mikro-Signal wurde gesplittet und gleichzeitig im Metric Halo ULN-8 und im PrismSound Orpheus weiterverarbeitet. Als Samplerate wählten wir 96 kHz (bei 24 Bit-Auflösung).

 

 


 

 

Fazit

Beim Vergleich der verschiedenen Audiofiles fällt auf, dass die Interfaces Apogee Symphony I/O, Metric Halo ULN-8 sowie das PrismSound Orpheus schon in einer Liga spielen. Selbst wenn jedes Interface den Hauch eines eigenen Charakters mit sich bringt, sprechen wir bei den klanglichen Unterschieden von Nuancen.

Insgesamt wirken das Metric Halo ULN-8 sowie das PrismSound Orpheus in den Tiefen etwas schlanker als z.B. das Apogee Symphony I/O. Allerdings bringt jede Veränderung der Mikrofon-Position um auch nur einen Zentimeter wahrscheinlich eine wesentlich deutlichere Klangveränderung mit sich, ganz zu schweigen von den Auswirkungen, die z.B. beim Variieren unterschiedlicher Vorverstärker zustande kommen.
In den Höhen wirken alle drei Interfaces transparent und offen, bilden das Originalsignal frequenzmäßig wie dynamisch nahezu identisch präzise ab und liegen für unseren Geschmack in ihrer Performance ein wenig über dem Pro Tools HD 192. Fairerweise sollte man allerdings darauf hinweisen, dass das Pro Tools HD 192, welches als das Standard-Interface in vielen professionellen Studios gilt, schon ein paar Jahre alt ist. Gerade in den letzten Jahren haben sich im Bereich der Wandler-Technologie doch enorme Entwicklungen vollzogen.
Dies bemerkt man auch beim kleinen MOTU Audio Express, welches zwar im Vergleich zu den 10- bis 12-mal so teuren Interfaces insgesamt etwas härter und z.T. weniger fein aufgelöst wirkt, doch letztlich in seiner Performance angenehm überrascht. So kann man das MOTU Audio Express durchaus im Rahmen einer professionellen Produktion zum Aufnehmen vereinzelter Tracks dazunehmen, ohne dass es unangenehm auffallen würde. Dies ist vor allem dann ganz praktisch, wenn die Musiker unterwegs während der Tour im Hotel den ein oder anderen Take für die Produktion festhalten möchten. Sollte man dagegen alle Tracks einer Produktion mit einem preiswerten Interface aufnehmen, so wird man insgesamt schon einen deutlicheren Unterschied wahrnehmen, da sich der Grundcharakter mit jedem weiteren Track verstärkt.
Doch stellt sich vielen Anwendern immer wieder die Frage, warum die Audio-Interfaces der Oberliga so teuer sind. Definitiv gibt es keinen linearen Zusammenhang zwischen Klang-Performance und Preis der Interfaces. Dieses Phänomen beobachtet man jedoch oft im High-Tech-Bereich, wenn man sich den Grenzen des physikalisch Machbaren nähert. Das eingangs erwähnte Beispiel „Formel 1“, wo jede gewonnene Tausendstelsekunde Unsummen in der Entwicklung verschlingen kann, macht die grundsätzliche Problematik deutlich. Dazu kommt, dass die gesamten Entwicklungskosten eines Gerätes später bei der Preisgestaltung auf jedes verkaufte Exemplar umgelegt werden müssen, und da spielt es letztlich eine große Rolle, ob man ein paar Hundert, Zigtausend oder wie in der Computerteile-Industrie sogar Millionen Einheiten verkauft.
Abschließend lässt sich sagen, dass die drei Test-Interfaces Apogee Symphony I/O, Metric Halo ULN-8 und PrismSound Orpheus allesamt eine Klang-Performance liefern, die dem Anspruch einer hoch professionellen Produktion gerecht wird. Trotz der minimalen Unterschiede - wir sprechen hier wirklich über Nuancen - wird die unterschiedliche Ausstattung der Geräte und die Feature-Liste weitaus mehr die Kaufentscheidung beeinflussen. Dazu kommt sicher noch, dass sich der eine oder andere Anwender u.U. bereits auf eine Marke konzentriert hat, ähnlich wie bei der Wahl der Automarke - der eine fährt eben lieber Mercedes, der andere BMW oder Audi.

Damit sich jeder ein eigenes Bild von unserem Testergebnis machen kann, findet ihr alle Soundfiles in Original-Auflösung auch unserer Webseite www.xound.com zum Downloaden. 

 

Anmerkung für das Abhören

Obwohl die Pegel-Einstellungen der einzelnen Interfaces bei Test 2 gegenüber Test 1 nicht verändert wurden, zeigen die Audiofiles bei Test 2 später jedoch minimale Abweichungen.
Da wir die aufgenommenen Files im Nachhinein weder im Pegel anpassen noch normalisieren wollten (wer weiß, was bei diesen Processings so alles passiert) empfiehlt es sich, die minimalen Differenzen beim Abhören auszugleichen. Für den direkten A/B-Vergleich bietet es sich ohnehin an, die Files in einer DAW-Session auf parallelen Spuren anzulegen.
In jedem Fall sollte man über gute Monitore oder über gute Kopfhörer abhören - über den Computer-Lautsprecher wird man die Ergebnisse kaum beurteilen können.

Kommentare (5)add comment

Vitaly said:

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Pro Tools HD 192 Im blind test bei mehreren Leuten, also wird schon stimmen. Klingt etwas offener als die kompetenten.
September 21, 2015

ASavga said:

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I think there is a noise problem with INT96_Wine_Prism.wav file. It made me jump from my seat. Very bad surprise smilies/shocked.gif
Dezember 15, 2014

gregor hartmann projekt-tonstudio said:

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...
Schon nach kurzem Testhören habe ich mit nur noch die Klangbeispiele von PrismSound und Metric Halo angehört. Hier gab es keine Tiefmittenbetonung. Bei der Räumlichkeit hat das Metric Halo die Nase jedoch ganz weit vorne. Ich kann nicht verstehen, dass man hier keine oder nur wenige Unterschiede hört, immerhin sind meine Ohren schon 55 Jahre alt! Interessant wäre freilich eine Addierung von Tracks gewesen, eine Art Summenerfahrung. Ich bin übrigens kein Metric Halo-User und kann mir das Teil auch nicht leisten. Für akustische Aufnahmen ist das Teil jedenfalls Top.
Mai 22, 2014

Peer said:

0
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Vielen Dank für diesen Test. Auf meiner Abhöre (KH OH300) hat der Orpheus aber klar die Nase vorn: runderes Top End, schönere Transienten, einfach ein Sound, der aufgeht.
Februar 06, 2013

Tom Pisa said:

0
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Die Beschreibungen und das Fazit des Tests sind wirklich sehr gut und praxisgerecht. Der Autor ist durch und durch objektiv und fachlich/ praktisch exzellent ausgebildet.

Ich habe nirgendwo bisher einen ähnlichen Test gesehen, der so neutral auf die Test Kandidaten eingeht und auch entsprechende Audio Files zur Verfügung stellt. Wenn man das hier vergleicht mit z.B. einem sehr, sehr seltsamen Video Test von Delamar , dann bleibt nur seinen (meinen) Hut zu ziehen. Ich (wir) besitze(n) Metric Halo ULN8 und LIO8 und habe(n) gegen Prism Orpheus und Apogee Symphonie evaluiert. Am Ende waren die klanglichen Qualitäten auf demselben High End Niveau. Ausschlag gebend waren am Ende die Software Ausstattung , Flexibilität und Stabilität der Geräte im Verbund mit dem Mac Pro Rechner. Das Metric Halo hat hier dann deutlich die Nase vorn. DSP Algorithmen (Channel Strips, Compressoren, "Characters", EQs) sind Top End Liga und können mit verbauten SSL Strips verglichen werden. Als FW Interface ist das Metric Halo ULN Angebot konkurrenzlos für Mac User
August 05, 2012

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