Geigenbau bei Schellong Osann

Marcel_BabazadehMit Leidenschaft zum exzellenten Sound.

Die von Sennheiser, Neumann und Law/Innovason initiierte Seminar-Roadshow »Ursprung des Klangs« machte bei ihrem fünften Termin im Dezember 2012 Station in den Hamburger Räumlichkeiten des Geigenbauers Shellong Osann. Hier duften die Seminarteilnehmer die meisterliche Fertigung hochwertiger Geigen aus nächster Nähe erleben.

 

Geigen


Wie vor Seminarbeginn üblich wurde zunächst ein Rundgang in der Manufaktur geboten, der den Teilnehmern den Atem stocken ließ: Mit hoher Präzision wird an filigranen Einzelteilen gearbeitet, die zusammengesetzt Instrumente für höchste Ansprüche ergeben, deren Preis im fünfstelligen Bereich liegt und bei hochkarätigen Musikern heiß begehrt sind. Das Wohnzimmer einer alten Hamburger Villa dient Nikolaus Osann und seiner Frau Ulrike Schellong nicht nur als Rückzugsort sondern auch als Arbeitsstätte. Auf dem Dachboden herrschen die besonderen wechselnden klimatischen Bedingungn, um dort für einen definierten Zeitraum das Deckenholz zu lagern, das vom Meister Geigenboegenpersönlich in Italien geschlagen wurde. Dort muss es die für den Klang so wichtige Reife erlangen, welche durch Sichtkontrolle und kontrolliertes Klopfen bestimmt wird. Jahrhunderte lang gepflegte Handwerkstradition, Perfektion und Hingabe werden bei Schellong Osann großgeschrieben – so entstehen wahrhaft perfekte Instrumente mit eigenständigen Charakteren. Jedes ist ein Unikat und ein komplexes Stück Handwerkskunst – jede noch so kleine Detailveränderung hat immense Konsequenzen für den Klang. HandwerkskunstNikolaus Osann verrät: »Besonders wichtig ist der Obertonaufbau. Die Struktur der Obertöne hat eine direkte Auswirkung auf die mögliche Ausdrucksstärke« Seiner Ansicht nach benötigt ein Meister mindestens 20 Jahre Berufserfahrung, um aus »chaotischen Elementen« zielsicher ein Instrument zu erschaffen, das professionellen Ansprüchen gerecht wird – aus diesem Umstand ergeben sich die für Laien gewaltig erscheinenden Preise. Für Weltklassemusiker gehört es zum guten Ton eine Violine zu Roh-Materialspielen, die dem Gegenwert einer Villa entspricht. »Jeder Hörer nimmt den Klangunterschied zu einem preisgünstigen Instrument zumindest unbewusst wahr«, ist Osann überzeugt. Nach Beenden der Führung läutete Diplom-Tonmeister Marcel Babazadeh die Seminare ein, indem er unter dem Titel »Vom Klang zum Sound« über die musikalische Akustik von Streichinstrumenten referierte. Dazu griff er selbst zu Geige und musizierte gemeinsam mit Maja Hunziker. Laut Babazadeh ist der Geigenbogen für den Streicher wie der Stift für den Zeichner – durch Druck, Streichgeschwindigkeit und Kontaktstelle wird ein bestimmtes Klangbild gezeichnet. Auch die Saiten üben einen entscheidenden Einfluss auf dieses Bild aus – Besaitungen aus Stahl liefern zum Beispiel stimmstabilere und völlig andere Klangergebnisse als Saiten aus Schafsdarm. Von hoher Bedeutung ist auch der Steg, da er die Schwingungen auf den Resonanzkröper überträgt - demnach ist besondere Vorsicht bei der Befestigung von Clip-Mikrofonen vonnöten. Martin Liermann, Produktmanager bei Sennheiser stellte für diese Problemstellung bewährte Mikrofonierungstechniken vor: für die Abnahme von Streichern sind meist Klemmmembranmikrofone im Einsatz, unter denen sich breite Nieren wie beispielsweise das Sennheiser Modell MKH 8090 bewähren. Distanzmikrofonierung scheidet aus rein praktischen Gründen bei Formationen aus, bei denen zusätzlich zum Orchester Rock/Pop Elemente auf die Bühne gebracht werden – erfahrene Tonmeister greifen wegen der hohen Pegel oft zu einem Close-Miking per Ansteckmikrofon (z.B. Sennheiser MKE 1). Alternativ eignet sich eine Nackenbügellösung wie etwa das Modell HSP 2 von Sennheiser. Als wahrer Geheimtipp gilt das an der Schulterstütze montierte e 908. Am Nachmittag eröffnete der junge Tonprofi Thomas Kellner interessante Perspektiven. Er ist für seine Monitorarbeit für einen Stargeiger aus dem Rock/Pop Bereich bekannt und tätig für diverse andere etablierte Klassikkoriphäen. Laut Kellner ist gerade im Rock/Pop Bereich bei der Mikrofonierung eigentlich alles erlaubt, was gefällt. Eine Aufstellung nach Lehrbuch führt seiner Erfahrung nach nicht zwingend zum Ziel - bei seinem Hauptarbeitgeber herrschen wilde Bedinungen: meterhohe Flammen und aus der Geige abgefeuerte Pyroeffekte. »Wir brauchen Pegel!« brachte er sein Hauptanliegen auf den Punkt. Die Seminarteilnehmer waren besonders begeistert von der familiär-freundlichen Atmosphäre im Hause Schellong Osann – parallel zur Entstehung neuer Instrumente teilte man lebhafte Fachgespräche. »Wie bei Sennheiser steht auch bei Schellong Osann die Passion für den Klang im Mittelpunkt und ist zentraler Antrieb für alle Aktivitäten. Nur mit Leidenschaft kann exzellenter Sound entstehen!«, kommentierte Ties-Christian Gerdes, der Geschäftsführer der Sennheiser Vertrieb und Service GmbH & Co. KG.



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