Qualität erfordert Zeit. »Ursprung des Klangs« bei Schimmel

KlimaraumDie von Sennheiser, Neumann und Law/Innovason ins Leben gerufene Seminar-Roadshow »Ursprung des Klangs« machte am 17. September 2012 Station in der Pianomanufaktur Schimmel in Braunschweig. Den Seminarteilnehmern wurde wie üblich vor Seminarbeginn ein Rundgang in der Manufaktur geboten.

125 Jahre ErfahrungMit Fingerspitzengefühl führt der Intoneur Peter Huf ein dreinadliges Werkzeug, das rhythmisch in den Filz der 88 Hammerköpfe eines Flügels eindringt. Diese Bearbeitung nimmt entscheidenden Einfluss auf das spätere Klangverhalten des Flügels, indem sie zu einer optimalen Elastizität des Filzes führt und so zu dem unverwechselbaren Charakter jedes individuellen Instruments beiträgt.

Mit Peter Huf fertigen rund 200 Mitarbeiter in der Pianomanufaktur akribisch genau erstklassige Instrumente aus edelsten Materialien. Fingerspitzengefuehl beim InstrumentenbauHandverlesene Klanghölzer ruhen über einen bestimmten Zeitraum in einem speziellen Klimaraum um dann geschnitten, gepresst, geformt, geschliffen und schließlich in einem aufwändigen Verfahren in bis zu 15 hauchdünnen Lagen lackiert zu werden. Es entstehen makellose und spiegelklar polierte Klangkörper, die sorgfältig konstruierten Mechaniken Raum bieten. Gussrahmen, Holzraste, Stimmstock, Klangstege, Stimmwirbel, Resonanzboden und Saiten diverser Mensuren – jedes kleine Detail ist enorm wichtig, und jedes individuell fertig gestellte Instrument ist mehr als nur die Summe seiner Teile. Obwohl an sinnvollen Stellen der Pianoproduktion Maschinen Präzisionsarbeiten verrichten, dominieren dennoch handwerkliche Fertigkeiten die Herstellung eines Qualitätsinstruments – gefragt sind Augenmaß, Geschicklichkeit und akribische Sorgfalt. So kann es 9 bis 12 Monate dauern bis ein Flügel vollendet ist, denn Qualität erfordert Zeit.

»Bei akustischen Instrumenten wie einem Flügel formen natürliche Materialien den Klang. Die Entstehung des Klangs beginnt mit dem Hammerkopf, dessen Holzkern von einem speziellen Filz ummantelt wird. Weiter geht es über die Saiten und Stege zum Resonanzboden, der als Kernelement die Klang abstrahlende Fläche sowie die Klangfarbe in wesentlichen Zügen bestimmt.«, erklärt Lothar Kiesche, Prokurist sowie Leiter Marketing & Vertrieb bei der Schimmel Verwaltungsgesellschaft GmbH.

Dipl-Tonmeister Marcel BabazadehDiplom-Tonmeister Marcel Babazadeh referierte im Seminar über die Schallentstehung bei Klavier und Flügel. Besonders hob er die Kraftübertragung Finger/Taste/Hammer/Saite hervor; hier bringt ein Musiker seinen künstlerischen Anteil in die Klangentstehung ein. Die Saite schwingt und überträgt ihre Bewegung über den Steg auf den Resonanzboden – die individuelle Beschaffenheit des Instruments wirkt also im erheblichen Maß auf den Klang ein. Einige moderne Kompositionen beinhalten spezielle Sounds bei denen Saiten zum Beispiel gezupft oder auf andere Art und Weise zum Schwingen gebracht werden. Die Pianistin Chiara Bonanni Pintus kratzte um dies zu demonstrieren mit einer Münze über eine Stahlsaite mit Kupferumwindung. Derartige Kompositionsansätze erfordern besondere Mikrofonpositionen, welche den Künstler bei seiner Performance nicht behindern dürfen. In einem anschaulichen Beispiel ließ Wolfram Bäse-Jöbges, der Leiter des Schimmel Auswahlzentrums, eine Stimmgabel auf einem hölzernen Resonanzbodenmodell erschallen. Steht dieser unter geeigneter Spannung, sind günstige Auswirkungen auf die Schallabstrahlung wahrzunehmen. Er demonstrierte, dass es ungünstig ist, schwere Grenzflächenmikrofone auf dem Resonanzboden abzulegen, denn so werden die Schwingungen auf unvorteilhafte Weise gedämpft.

Martin HildebrandAm Nachmittag ließ Martin Hildebrand die Seminarteilnehmer an seinem umfangreichen Wissensschatz teilhaben und brachte diverse Anekdoten aus seinem Arbeitsleben zum Besten. Hildebrand ist unter anderem als Audio-Supervisor für das Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF) tätig und zeichnet sich für namhafte Film- und TV-Produktionen verantwortlich. Laut Hildebrand ist eine perfekte Vorbereitung unerlässlich, um bei Live-Produktionen mit klassischen Orchestern optimale Klangergebnisse zu erreichen. Es gilt, Bühnenpläne richtig zu interpretieren sowie die Hierarchien und individuelle Befindlichkeiten innerhalb des jeweiligen Orchesters zu berücksichtigen. Vorab muss die Partitur gründlich studiert und ausreichend dimensionierte Zeitfenster eingerichtet werden, die allen vorbereitenden Arbeiten gerecht werden. Außerdem ist es sinnvoll, intensive Kommunikation im Vorfeld sowohl mit den Orchesterwarten als auch der Geschäftsleitung des Orchesters zu pflegen, sodass beiden Seiten zu einem besseren Verständnis für das jeweilige Anliegen verholfen wird. Einfühlungsvermögen spielt dabei eine große Rolle, deshalb hält sich Hildebrand während eines Soundchecks in der Nähe des Dirigenten auf, damit der diesem bei Bedarf mit Rat und Tat zur Seite stehen kann. Mitunter entstehen Unsicherheiten, denn in einer leeren Halle klingt der Sound selbstverständlich anders als in einer voll besetzten. Sennheiser MKH 8040Oft helfen zusätzliche Monitore, um Musikern wie Dirigenten das aus kleinen Spielstätten gewohnte Klangbild zu simulieren. Martin Hildebrand vermittelte den Seminarteilnehmern Tipps zur Einrichtung von Beschallungsanlagen oder Mikrofonierung eines Flügels. Hierzu wurden von Chiara Bonanni Pintus eingespielte Klavierpassagen mit diversen Sennheiser Mikrofonen aufgezeichnet und verglichen. Zum Einsatz kam eine A/B- und eine M/S Anordnung der MKH 8000-Serie, außerdem ein dauerpolarisiertes Kondensatormikrofon des Typs MKE 2, das an den Deckel des Flügels geklebt wird.

»Ein Rundgang, wie wir ihn heute bei Schimmel erleben konnten, sollte für alle Tonschaffenden verpflichtend sein!«, hielt Hildebrand zufrieden am Ende des Seminartages fest. Der Geschäftsführer der Sennheiser Vertrieb und Service GmbH & Co. KG Ties-Christian Gerdes äußerte sich folgendermaßen: »Wie Schimmel ist auch Sennheiser ein Familienunternehmen mit ausgeprägter Leidenschaft für guten Klang – Produkte aus deutscher Entwicklung gelten weltweit als Synonyme für exzellenten Sound!«

Video zum Termin: vimeo.com/55270908

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