Behringer X32 Digital Life-Check

 „Nichts ist unmöglich“

In den letzten Monaten wird in den Fachmedien ein neues Produkt besonders heiß diskutiert: Das neue X 32 Digital Mischpult von Behringer.
Xound hat in einem ersten echten Life-Test herausgefunden, ob es das hält, was es verspricht.

Als ich die Feature-Liste des X32 zum ersten Mal gelesen habe, war ich schon sehr beeindruckt. Extrem neugierig und skeptisch zugleich wurde ich, als ich den voraussichtlichen Verkaufspreis erfahren habe. Unter 3000 Euro? Ich war fest davon überzeugt, dass es irgendwo einen Haken geben würde, denn ein Pult mit dieser Ausstattung zu diesem Preis erschien mir schier unmöglich.

Verantwortlich für das sensationelle X32 Preis/Leistungsverhältnis ist nicht zuletzt die neue Behringer-Struktur: Nach der Übernahme der bekannten ProAudio-Firmen Klark Teknik und Midas hat man alle Brands (Behringer, Klark Teknik, Midas und Bugera) unter dem Dach der Music Group vereint. Die Kombination aus Behringers Erfahrungen bei der Produktion preiswerter Geräte in der eigenen Fabrik und dem technischen Knowhow von Klark Teknik und Midas hat das X32-Konzept erst möglich gemacht.

Die erste Gelegenheit

Die vielen Vorschusslorbeeren haben bei den potentiellen Käufern hohe Erwartungen geweckt. Auch ich konnte es kaum erwarten, das X32 selbst auszuprobieren.
Am 20. April fand sich die perfekte Gelegenheit: das „Wohnzimmerkonzert“ aus der Reihe „Song Of My Life“ (siehe den Artikel in dieser Ausgabe) mit Weltstar Paul Carrack. Zu diesem Anlass stellte uns die Music Group Services EU GmbH gleich zwei X32 Pulte zur Verfügung.

Die Aufgabenstellung lautete: eine große Band mit einem großartigen Hitsänger/Schreiber in einem großen Wohnzimmer für den FOH- sowie den Monitor-Sound abzumischen und gleichzeitig über die integrierte Firewire/USB2.0 Interface-Karte aufzunehmen. 
Warum gleich zwei Pulte? Obwohl wir mit den 32 Eingangskanälen eines X32 ausgekommen sind, wurde ein zweites Mischpult zur Sicherheit für das Life-Recording angedockt. Dabei haben wir alle Signale vom ersten zum zweiten X32 durchgeroutet, so dass wir mit zwei Apple MacBook Pro-Laptops parallel aufnehmen konnten.
 
Trotz der Komplexität des Mixers ist seine Bedienung schnell zu durchschauen.
Und so verlief auch die gesamte Show mit dem X32 sicher und zuverlässig. Die intuitive Benutzerführung wird durch ein kompaktes, aber sehr effektives Farb-Display sowie durch viele komfortable Bedienelemente (Motorfader, beleuchtete Endlos-Drehregler und vieles mehr) unterstützt. In jedem Kanalzug befinden sich individuelle, hinterleuchtete Grafik-LCDs, frei editierbar hinsichtlich Farbe, Symbol und Name. So kommt das X32 auch ganz ohne Beschriftungstapes aus.

Chriatian Stahl (l.) und Thomas Zint (r.)Sowohl beim Live-Sound als auch bei den Life-Aufnahmen überzeugte das X32 und bestand unseren ersten, echten Life-Test mit Bravour.
Da es für den FOH-Mixer Jonas Gehrmann keine Gelegenheit gab, sich im Vorfeld am X32 einzuarbeiten, bekamen wir Unterstützung von Music Group Marketing Manager Christian Stahl und dem technischen Direktor Thomas Zint. Vor der Show hatten wir Gelegenheit zu einem Gespräch mit den beiden.

Xound: Thomas, du bist technischer Direktor bei Behringer. Seit wie vielen Jahren arbeitet man bereits an der Entwicklung des X32?

Thomas Zint: Die Idee, das X32 zu entwickeln, ist knapp zweieinhalb Jahre alt. Wir haben damals angefangen, eine Grundplattform zu entwickeln, die uns erlaubt, Mischpulte verschiedener Größe daraus abzuleiten. Seit etwa zwei Jahren arbeiten wir konkret am Projekt X32.

Xound: Es gibt ja viele Digital-Pulte und Recorder, die intern eine PC-Struktur haben. Worauf basiert die X32-Technologie?

Zint: Das X32 basiert auf keinen solchen PC-Strukturen, sondern es ist eine komplette Eigenentwicklung von uns. Sämtliche Wandler-, Processing- und DSP Einheiten sind von uns selbst entwickelt worden. Das geht weiter bis zum Betriebssystem, welches wir selbst geschrieben haben. Wir haben also volle Kontrolle über alles, was dort passiert. Das ist vielleicht auch einer der Gründe, warum wir in relativ kurzer Zeit mit einem kleinen Team zu diesem Ergebnis gekommen sind. 

Xound: Findet man im X32 auch Komponenten, die man aus Midas oder Klark Teknik-Geräten kennt?

Zint: Komponenten aus dem Bereich der Audio-Technik sind eigentlich in jeder Firma die gleichen. Es gibt vielleicht einige Sonderkomponenten wie zum Beispiel hochpreisige Operationsverstärker, die im X32 nicht Verwendung finden, weil sie den Kostenrahmen sprengen würden.

Xound: Das X32 verfügt ja jetzt bereits über umfangreiche Features. Wie sieht das mit der Kapazität der Prozessoren aus? Ist noch genügend Reserve für die Zukunft da?

Zint: Die jetzige Plattform ist sehr hoch optimiert für die beiden Signal-Prozessoren, mit denen wir arbeiten. Wir haben die Prozessoren zu 90 Prozent ausgereizt. Das hängt natürlich von der Auswahl der Effekte ab, die der Anwender einsetzt. Nach oben geht daher mit der jetzigen Stückzahl an DSPs nichts mehr. Die Plattform erlaubt jedoch eine Erweiterung auf mehrere DSPs.

Xound: Bei einem so preiswerten Pult wie dem X32 ist auch die Abgrenzung zu den wesentlich teureren Midas-Pulten wichtig. Gibt es daher von der Marketing-Abteilung Vorgaben, was das X32 können darf und was nicht?

Zint: Nein, beim X32 sind wir sehr frei gewesen. Es findet eine sehr direkte Zusammenarbeit zwischen der konzeptionellen Truppe und der Entwicklungsabteilung in unserem Haus statt. Ideen kamen von beiden Seiten und wir haben viele Features ausdiskutiert. Das Marketing hat letztlich die Konzeption, wie sie jetzt ist, vorgesetzt bekommen – einmal anders herum.

Xound: Das X 32 hat ja schon extrem viele Vorschusslorbeeren bekommen, das war nicht immer so bei Behringer-Produkten. Es gab oft Kritik, viele Produkte waren umstritten.  Was hat sich bei Behringer verändert?

Christian Stahl: War haben bei Behringer in den letzten drei Jahren sehr viel verändert. Wir haben die Firma praktisch von Grund auf neu erfunden. Durch die Übernahme von Midas und Klark Teknik vor drei Jahren mussten wir unsere Konzeption und unsere Marke neu ausrichten. Dies hat dazu geführt, dass wir in unseren eigenen Fabrikationen, die wir in China in der Music Group-City besitzen, umfangreiche Investitionen getätigt haben.

Alleine im letzten Jahr haben wir 20 Millionen US-Dollar investiert, um modernste Automationstechniken, moderne Produktionslinien und Highend-Testlabors einzurichten, damit wir in der Lage sind, die Hightech-Produkte von Midas und Klark Teknik auf unseren Produktionslinien zu produzieren. Diese Veränderungen haben sich natürlich auch positiv auf die Produkte von Behringer ausgewirkt. Wir haben jetzt die Situation, dass wir auf den Maschinen, die wir für die Herstellung von Midas-Produkten angeschafft haben, auch Behringer-Produkte produzieren. Wir sind so von der Qualität der Produkte überzeugt, dass wir seit dem 1. Februar in Deutschland 3 Jahre Garantie auf jedes Behringer-  und jedes Bugera-Produkt geben können. 

Xound: Vorschusslorbeeren sind ja durchaus ein wichtiger Indikator, aber letztlich interessiert einen Hersteller unterm Strich, wie viele Geräte verkauft werden. Gibt es schon Zahlen über konkrete Vorbestellungen?

Stahl: Man ist als Hersteller ja nicht oft in der Situation, dass man ein Produkt auf den Markt bringt, das so extrem nachgefragt wird. Wir sind wirklich tief beeindruckt von der großen Nachfrage seitens unserer Kunden und der positiven Resonanz, die wir durch die Fachpresse und durch viele Profis im Audio-Bereich bekommen. Wir können jetzt schon sagen, dass die Jahresproduktion des Pultes bereits verkauft ist.

Xound: Das X32 wurde ja ursprünglich als Life-Pult angekündigt, hat aber eine interne FireWire- und USB 2.0-Soundkarte an Bord, mit der man bis zu 32 Kanäle aufnehmen und wiedergeben kann. War es von Anfang an geplant, dass man – über die Hintertür– ein Recordingpult für kleine Studios schafft?

C. Stahl: Wir sind bei Behringer bestrebt, stets eine Lösung anzubieten, die für jeden Musiker die passende Alternative bereitstellt. Zum einen ist das X32 ein ganz hervorragendes Life-Pult, zum anderen ist natürlich durch die Integration der FireWire- und USB-Audiokarte – in Verbindung mit der Mackie Control-Funktion über die Mischpult-Fader – der Einsatz des Pultes im Studio offensichtlich. Es ist unsere Grundphilosophie, dass wir versuchen, ein Produkt herzustellen, welches von jedem Musiker sinnvoll eingesetzt werden kann.

Xound: Behringer hat es in der Vergangenheit ja immer wieder geschafft, mit bestimmten Produkten zu provozieren. Das X32-Konzept bedeutet ja schon eine Attacke auf alle Life-Digital-Pulte in der Preisklasse bis 10.000 Euro. War das von Anfang an auch Teil der Strategie?

C. Stahl: Die Strategie von Behringer ist, die bestmögliche Qualität eines Produktes zu einem vernünftigen Preis anzubieten. Wir sind auch in der Lage einen Preis anzubieten, der für viele Anwender interessant ist. Das liegt nicht daran, dass wir die Sachen bewusst billig herstellen, es liegt daran, dass wir die Preisvorteile, die wir durch die Bestellung großer Mengen an elektronischen Bauteilen haben, an den Endkunden weitergeben. Es liegt auch daran, dass wir durch unsere eigene Produktion sehr viel effizienter produzieren können. Dazu werden auch durch die gute Strukturierung unserer Firma Kosten gespart. Wir sind einfach bestrebt, ein Produkt zum günstigsten Preis anzubieten. Dies beweist auch das X32. Wir wollen niemanden durch unsere Preisgestaltung provozieren. Wir sehen ganz realistisch: „Da sind unsere Kosten, die wir mit der Produktion und der Konstruktion haben, und wenn man dann noch die Kosten für Vertrieb und Marketing addiert, so kommt man irgendwann auf einen Endpreis.
Wir denken, dass sich der Preis für uns, aber auch für den Musiker gut rechnet. “
Das vollständige Interview gibt es auf www.xound.com

Einen detaillierten X32 Test findet ihr in Xound vier|12


Hier die wichtigsten X32 Features im Überblick

·    32 vollprogrammierbare Mikrofon Preamps, designed by Midas
·    16 Mix Busse
·    2 AES50 Ports (je 48 Ch I/O) für z.B. Stage Box
·    24-bit 32 Ch. I/O USB/Firewire Interface Card für direktes Recording
·    8 true-stereo Effektprozessoren sowie umfangreiche Signalbearbeitung pro Kanal
·    inklusive Firewire/USB2.0 Interface
·    7” TFT High-Resolution Daylight Display 800x480 inkl. 6 Push Encodern für direkten Parameterzugriff
·    großer Kanalzug (Fat Chanel mit Preamps, Dynamik- und EQ-Sektion, Aux-Sends, Pan- und Buszuordung) zur Bearbeitung des selektierten Kanals
·    25 motorisierte Fader (16 Eingangs-Fader + 8 Ausgangs-Fader + 1 Master Fader)
·    16 motorisierte Fader in Eingangs-Sektion auf 4 Ebenen
·     
·    Eingangskanäle 1-16 (Ebene 1)
·    Eingangskanäle 17-32 (Ebene 2)
·    Aux In / USB + FX Returns (Ebene 3)
·    BUS Master (Ebene 4)

Kanalzug Übersicht
Jeder Kanalzug besteht aus folgenden Elementen
·    100mm motorisierter Fader
·    Mute Button
·    LCD Display
·    Solo Button
·    Level Kontrollanzeige
·    Select Button

EQ-Sektion
EQ Mode:   
·    HCUT – High Cut
·    HSHV – High Shelving
·    VEQ – Vintage EQ
·    PEQ – Parametric EQ
·    LSHV – Low Shelving
·    LCUT – Low Cut

www.behringer.com/de

Autor: Hagü Schmitz