Prinzip der Raumisolierung

Raumakustikplanung2Sind Räume, wie in einem normalen Gebäude üblich, miteinander verbunden, so wird der Schall über diese direkte Verbindung sehr effektiv übertragen. Man spricht bei dieser Übertragung auch von Körperschall. Die Übertragung des Schalls ist frequenzabhängig, wobei sich die tiefen Frequenzen stärker ausbreiten und weitaus schwerer in den Griff zu bekommen sind.
Das Grundprinzip der Raumisolierung ist nun, den zu isolierenden Raum akustisch von seiner Umgebung zu entkoppeln - leichter gesagt als getan, schließlich sind ja die Wände, Decken und Böden des Raums mit dem Rest des Gebäudes verbunden.
Raumakustikplanung3Bei einer perfekten Lösung müsste man diese mechanischen Verbindungen zwischen Raum und Gebäude trennen. Die geschieht durch eine „Raum-in-Raum"-Konstruktion. Man baut praktisch einen separaten Raum in den vorhandenen Raum. Der „Innenraum“ sollte dabei mit dem „Außenraum“ möglichst wenig Kontakt haben. Ideal wäre es, wenn der „Innenraum“ schweben und weder über Fenster noch Türen verfügen würde.
Bei den Galaxy-Studios in Belgien hat man z.B. nicht nur jeden Raum inkl. Betonboden, sondern auch das gesamte Gebäude auf spezielle Federn gestellt, um eine Entkopplung zwischen den einzelnen Räumen aber auch zwischen Gebäude und Erdreich zu erzielen. So könnte vor dem Studio-Gebäude ein Panzer vorbeirollen, ohne dass man im Studio etwas davon mitbekommt.
Bei der „Raum-in-Raum"-Konstruktion lässt sich auf verschiedene Bauweisen zurückgreifen. Gerade um die Übertragung der tiefen Frequenzen zu reduzieren, hilft es, wenn man Materialien mit möglichst großer Masse wie Stein oder Beton verwendet, aber selbst in Leichtbauweise lässt sich eine perfekte Trennung realisieren, vorausgesetzt, man hat ein intelligentes Konzept. Das akustische Konzept in Peter Weihes Studio - entwickelt von einem genialen Physiker - zählt für mich in dieser Größe zu den besten Lösungen die ich bisher kennen gelernt habe.
Wenn Peter seinen 100er Marshall voll aufdreht, hört man im benachbarten Regieraum nicht einen Mucks. Das alles wurde in Leichtbauweise mit einer intelligenten 3-schaligen Rigips-Konstruktion erreicht.
Die kritischen Schwachstellen bei der Raum-Isolierung sind Türen und Regiefenster. Auch hier verwendet man oft mehrschalige Konstruktionen für die Rahmen. Möchte man es ganz professionell lösen, findet man am Markt genügend Anbieter von speziellen Schallschutztüren, die aber nicht gerade billig sind. Eine preiswert Alternative für Budget-Studios stellen die meist mit Sand gefüllten Brandschutztüren dar. Ebenso funktionieren einfache Glastüren aus dem Baumarkt aufgrund ihrer großen Masse recht ordentlich. Diese Glastüren sind z.T. schon ab 200 EUR erhältlich.
Eine preiswerte Alternative zu Regiescheiben vom Profi sind Konstruktionen aus Mehrscheiben-Isolierverglasung. Beim „Raum-in-Raum"-Konzept setzt man dafür in den inneren Raum wie in den äußeren Raum separate Rahmen mit handelsüblichem Mehrscheiben-Isolierglas. Die Wirkung ist verblüffend gut und bezahlbar. Wichtig ist, dass zwischen den beiden Fenstern bzw. Fensterrahmen keine mechanische Verbindung existiert. Diese Regel sollte prinzipiell beachtet werden. Oft reicht als Schallbrücke nur eine einzige Schraube, die Innen- und Außenraum ungewollt verbindet, und das gesamte Konzept der aufwendigen Konstruktion wird zunichte gemacht.
Viele der beschriebenen Lösungen lassen sich bei Homestudios im Mehrfamilienhaus aufgrund der erforderlichen Baumaßnahmen kaum realisieren. Hier muss man oft mit den baulichen Gegebenheiten leben. Es ist immer möglich, dass man Abhör-Monitore wählt, die auch bei geringeren Lautstärken schon ein präsentes Klangbild liefern, sodass man generell leiser abhören kann. Die Lautsprecher sollten wenn möglich nicht direkt mit Tischplatten, Regalen oder Ständern in Berührung kommen, sondern auf Dämm-Pads gestellt werden, um die Übertragung der tiefen Frequenzen auf die Möbelstücke und weiter auf Boden oder Wände zu verhindern oder zumindest zu reduzieren. Gerade die Bassfrequenzen sind aufgrund ihrer hohen Energie und ihrer langen Wellen oft noch beim Nachbarn zu hören. Daher empfiehlt es sich, hier keinen Subwoofer zu verwenden.
Möchte man im Homestudio mit Studio-Mikrofonen aufnehmen, ist es ratsam, Mikrofone mit Nieren- oder Hypernierencharakteristik zu verwenden. Ebenso sollte man die Mikros stets nah am Sänger oder Instrument platzieren. Achtet man konsequent auf diese Dinge, kann man sich gegenüber Störgeräuschen zumindest ein wenig absichern.
Manchmal hilft auch ein Blumenstrauß oder eine Flasche Wein, um den Nachbarn dazu zu bringen, mal zwei Stunden etwas leiser zu sein - aber am Besten nur eine Flasche, sonst erreicht man u.U. das Gegenteil.

Ein kleiner physikalischer Exkurs