Der Wandel der Zeit

Früher zeichneten sich „klassische“ Tonstudios nicht nur durch damals noch extrem teueres Equipment aus, ein wesentliches Merkmal des Tonstudios waren vor allem die räumlichen Gegebenheiten. Mit enormem technischen Aufwand hatte man bei den Baumaßnahmen versucht, Regie- wie Aufnahmeräume durch Schallisolierungsmaßnahmen vom Rest der Welt  akustisch abzukoppeln, zum einen, damit man keine unerwünschten Geräusche aus der Umgebung mit den sensiblen Studio-Mikrofonen einfängt, zum anderen sollte der Sound der z.T. sehr lauten Instrumente innerhalb der Studioräume bleiben und nicht die Anwohner nerven.
Doch neben der Schallisolierung gibt es ein weiteres wichtiges Kriterium beim Akustik-Design eines Tonstudios: Regie- und Aufnahmeräume sollten ja auch noch optimal klingen. Dieser Anspruch bedeutet, dass die physikalisch bedingten akustischen „Macken“ eines Raumes möglichst neutralisiert oder zumindest kontrollierbar werden. D.h. eine starke Verfärbung des Klangs oder unangenehme Resonanzen sind genauso unerwünscht wie dröhnende Bässe oder zu langer Nachhall.
Galaxy StudiosUm allen Aspekten der Studio-Akustik möglichst gerecht zu werden, haben viele Studios früher z.T. hunderttausende von DM investiert. Das Ganze stand in einer gesunden Relation zu den Investitionen für die Studiogeräte, wenn auch bei völlig kompromisslosen Studio-Projekten mit höchstem Anspruch (z.B. die belgischen Galaxy-Studios) die Baukosten auch schon mal zig Millionen verschlingen konnten.  
In der heutigen Zeit sind solche aufwendigen Tonstudiokonzepte, bis auf wenige Ausnahmen, wirtschaftlich kaum tragbar, was zur Folge hat, dass viele dieser „Dinosaurier“ nach und nach aussterben.

Die meisten aktuellen Produktionen werden heute mit weniger Budget realisiert. Die zeitgemäße Technik bietet Features, von denen viele der teuren Studios früher nur träumen konnten. Doch all diese Tools sind uninteressant, wenn Aufnahmeräume den Klang der Instrumente unangenehm verfälschen oder wenn man beim Mischen im Trüben fischt, weil  der Regieraum ein unkalkulierbares Soundergebnis liefert. 
Ganz gleich, ob man einen Proberaum tunen, das Heim-Kino optimieren möchte bzw. an ein Projektstudio mit mehreren Räumen oder an das Einraumstudio im Wohn- oder Schlafzimmer denkt - in der Regel müssen verschiedene akustische Maßnahmen getroffen werden, um einen Raum einigermaßen studiotauglich zu machen.
Um einen Raum akustisch wirklich perfekt abzustimmen, bedarf es enorm umfangreicher Maßnahmen, was im Heim- oder Projektstudio in Bezug auf Budget wie in Bezug auf die baulichen Möglichkeiten meist unmöglich ist. Hier gibt es klare physikalische Grenzen – das muss man realistisch sehen. Mit ein wenig Know-How und den richtigen Materialien wird man einen Raum jedoch auch im bezahlbaren Rahmen deutlich verbessern können, und dieser Aufwand lohnt sich immer.
Leider wird immer wieder versucht, mit extrem wirksamen EQs die Macken des Raums auszugleichen. Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass eine elektronische Anpassung der Abhörsituation mit Equalizern keine Alternative zu einer guten Raumakustik darstellt – also, Finger weg!

Voraussetzung der Räume