Pimp your Studio

Universal Acoustics – modulares Raumtuning

Das Thema Studio-Akustik hat in den letzten Jahren eine völlig neue Dimension bekommen.
Früher musste man eines der aufwendig gebauten Tonstudios aufsuchen, um eine professionelle Musik- oder Ton-Aufnahme realisieren zu können. Mittlerweile entstehen mehr und mehr Produktionen in kleineren Home- oder Projekt-Studios - bezahlbares, professionelles Equipment steht heute in großer Auswahl zur Verfügung. 
Doch genügt es, lediglich die richtigen Geräte anzuschaffen, in einen Raum zu stellen und zu lernen, wie man diese bedient? Völlig unterschätzt wird leider oft der Einfluss der Raumcharakteristik auf das Ergebnis der Produktion. Doch wie präpariert man einen Home-Studio-Raum mit angemessenen Mitteln?

Gerade in diesem Bereich findet man oft die abenteuerlichsten Lösungs-Vorschläge, die dem legendären Anglerlatein in nichts nachstehen – man denke nur an den Mythos eigentlich nutzlosen „Eierkartons“.
Hat man sich noch nie mit den physikalischen Raumphänomenen beschäftigt, kommt man ohne Hilfe selten zurecht. Und genau hier setzt der englische Hersteller Universal Acoustics mit seinen Produkten zur akustischen Raumverbesserung an. Was verbirgt sich hinter diesen Lösungen? Wir haben uns das Universal Acoustics Konzept angeschaut und hatten Gelegenheit zu einem kurzen Interview mit Universal Acoustics "Mastermind“ Paul Eastwood.

Der Wandel der Zeit

Der Wandel der Zeit

Früher zeichneten sich „klassische“ Tonstudios nicht nur durch damals noch extrem teueres Equipment aus, ein wesentliches Merkmal des Tonstudios waren vor allem die räumlichen Gegebenheiten. Mit enormem technischen Aufwand hatte man bei den Baumaßnahmen versucht, Regie- wie Aufnahmeräume durch Schallisolierungsmaßnahmen vom Rest der Welt  akustisch abzukoppeln, zum einen, damit man keine unerwünschten Geräusche aus der Umgebung mit den sensiblen Studio-Mikrofonen einfängt, zum anderen sollte der Sound der z.T. sehr lauten Instrumente innerhalb der Studioräume bleiben und nicht die Anwohner nerven.
Doch neben der Schallisolierung gibt es ein weiteres wichtiges Kriterium beim Akustik-Design eines Tonstudios: Regie- und Aufnahmeräume sollten ja auch noch optimal klingen. Dieser Anspruch bedeutet, dass die physikalisch bedingten akustischen „Macken“ eines Raumes möglichst neutralisiert oder zumindest kontrollierbar werden. D.h. eine starke Verfärbung des Klangs oder unangenehme Resonanzen sind genauso unerwünscht wie dröhnende Bässe oder zu langer Nachhall.
Galaxy StudiosUm allen Aspekten der Studio-Akustik möglichst gerecht zu werden, haben viele Studios früher z.T. hunderttausende von DM investiert. Das Ganze stand in einer gesunden Relation zu den Investitionen für die Studiogeräte, wenn auch bei völlig kompromisslosen Studio-Projekten mit höchstem Anspruch (z.B. die belgischen Galaxy-Studios) die Baukosten auch schon mal zig Millionen verschlingen konnten.  
In der heutigen Zeit sind solche aufwendigen Tonstudiokonzepte, bis auf wenige Ausnahmen, wirtschaftlich kaum tragbar, was zur Folge hat, dass viele dieser „Dinosaurier“ nach und nach aussterben.

Die meisten aktuellen Produktionen werden heute mit weniger Budget realisiert. Die zeitgemäße Technik bietet Features, von denen viele der teuren Studios früher nur träumen konnten. Doch all diese Tools sind uninteressant, wenn Aufnahmeräume den Klang der Instrumente unangenehm verfälschen oder wenn man beim Mischen im Trüben fischt, weil  der Regieraum ein unkalkulierbares Soundergebnis liefert. 
Ganz gleich, ob man einen Proberaum tunen, das Heim-Kino optimieren möchte bzw. an ein Projektstudio mit mehreren Räumen oder an das Einraumstudio im Wohn- oder Schlafzimmer denkt - in der Regel müssen verschiedene akustische Maßnahmen getroffen werden, um einen Raum einigermaßen studiotauglich zu machen.
Um einen Raum akustisch wirklich perfekt abzustimmen, bedarf es enorm umfangreicher Maßnahmen, was im Heim- oder Projektstudio in Bezug auf Budget wie in Bezug auf die baulichen Möglichkeiten meist unmöglich ist. Hier gibt es klare physikalische Grenzen – das muss man realistisch sehen. Mit ein wenig Know-How und den richtigen Materialien wird man einen Raum jedoch auch im bezahlbaren Rahmen deutlich verbessern können, und dieser Aufwand lohnt sich immer.
Leider wird immer wieder versucht, mit extrem wirksamen EQs die Macken des Raums auszugleichen. Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass eine elektronische Anpassung der Abhörsituation mit Equalizern keine Alternative zu einer guten Raumakustik darstellt – also, Finger weg!

Voraussetzung der Räume

Voraussetzung der Räume

Galaxy StudioMöchte man sich ein Studio einrichten, ist entscheidend, welche Räume man als Ausgangs-Basis vorfindet. Der Idealfall wäre, wenn man z.B. in einem Gewerbekomplex oder in einem eigenen Haus von vornherein Raumgröße und Raumform frei gestalten könnte. Doch diese Vorraussetzungen sind heute schon eher als Luxus anzusehen. In den meisten Fällen wird man mit bestehenden Raumdimensionen konfrontiert, die man irgendwie in den Griff bekommen muss –mit bezahlbaren Maßnahmen.

Raumakustik oder Schallisolierung

Raumakustik oder Schallisolierung

Raumakustikplanung1Grundsätzlich unterscheidet man bei den akustischen Maßnahmen zwischen unterschiedlichen Aufgabenstellungen. Möchte man den Raum, in dem man aufnimmt oder abhört im Klangverhalten optimieren, so kann man bei diesem Raumtuning u.U. mit wenigen, bezahlbaren Eingriffen schon recht gute Ergebnisse erzielen.
Die andere, wesentlich aufwendigere Aufgabe ist, den Raum bzw. die Räume akustisch von der Umgebung zu trennen. Selbst wenn man glücklicherweise tolerante Nachbarn hat, möchte man kaum, dass diese den Refrain eines Tracks schon mitsingen können, bevor die Produktion veröffentlicht ist. Gleichermaßen möchte man sich im Studio natürlich auch vor Störungen von außen schützen. Nichts ist ärgerlicher, als wenn man gerade den perfekten Take eines Sängers eingefangen hat und dann feststellt, dass man irgendwelche ungewollten Geräusche mit aufgenommen hat.

Prinzip der Raumisolierung

Prinzip der Raumisolierung

Raumakustikplanung2Sind Räume, wie in einem normalen Gebäude üblich, miteinander verbunden, so wird der Schall über diese direkte Verbindung sehr effektiv übertragen. Man spricht bei dieser Übertragung auch von Körperschall. Die Übertragung des Schalls ist frequenzabhängig, wobei sich die tiefen Frequenzen stärker ausbreiten und weitaus schwerer in den Griff zu bekommen sind.
Das Grundprinzip der Raumisolierung ist nun, den zu isolierenden Raum akustisch von seiner Umgebung zu entkoppeln - leichter gesagt als getan, schließlich sind ja die Wände, Decken und Böden des Raums mit dem Rest des Gebäudes verbunden.
Raumakustikplanung3Bei einer perfekten Lösung müsste man diese mechanischen Verbindungen zwischen Raum und Gebäude trennen. Die geschieht durch eine „Raum-in-Raum"-Konstruktion. Man baut praktisch einen separaten Raum in den vorhandenen Raum. Der „Innenraum“ sollte dabei mit dem „Außenraum“ möglichst wenig Kontakt haben. Ideal wäre es, wenn der „Innenraum“ schweben und weder über Fenster noch Türen verfügen würde.
Bei den Galaxy-Studios in Belgien hat man z.B. nicht nur jeden Raum inkl. Betonboden, sondern auch das gesamte Gebäude auf spezielle Federn gestellt, um eine Entkopplung zwischen den einzelnen Räumen aber auch zwischen Gebäude und Erdreich zu erzielen. So könnte vor dem Studio-Gebäude ein Panzer vorbeirollen, ohne dass man im Studio etwas davon mitbekommt.
Bei der „Raum-in-Raum"-Konstruktion lässt sich auf verschiedene Bauweisen zurückgreifen. Gerade um die Übertragung der tiefen Frequenzen zu reduzieren, hilft es, wenn man Materialien mit möglichst großer Masse wie Stein oder Beton verwendet, aber selbst in Leichtbauweise lässt sich eine perfekte Trennung realisieren, vorausgesetzt, man hat ein intelligentes Konzept. Das akustische Konzept in Peter Weihes Studio - entwickelt von einem genialen Physiker - zählt für mich in dieser Größe zu den besten Lösungen die ich bisher kennen gelernt habe.
Wenn Peter seinen 100er Marshall voll aufdreht, hört man im benachbarten Regieraum nicht einen Mucks. Das alles wurde in Leichtbauweise mit einer intelligenten 3-schaligen Rigips-Konstruktion erreicht.
Die kritischen Schwachstellen bei der Raum-Isolierung sind Türen und Regiefenster. Auch hier verwendet man oft mehrschalige Konstruktionen für die Rahmen. Möchte man es ganz professionell lösen, findet man am Markt genügend Anbieter von speziellen Schallschutztüren, die aber nicht gerade billig sind. Eine preiswert Alternative für Budget-Studios stellen die meist mit Sand gefüllten Brandschutztüren dar. Ebenso funktionieren einfache Glastüren aus dem Baumarkt aufgrund ihrer großen Masse recht ordentlich. Diese Glastüren sind z.T. schon ab 200 EUR erhältlich.
Eine preiswerte Alternative zu Regiescheiben vom Profi sind Konstruktionen aus Mehrscheiben-Isolierverglasung. Beim „Raum-in-Raum"-Konzept setzt man dafür in den inneren Raum wie in den äußeren Raum separate Rahmen mit handelsüblichem Mehrscheiben-Isolierglas. Die Wirkung ist verblüffend gut und bezahlbar. Wichtig ist, dass zwischen den beiden Fenstern bzw. Fensterrahmen keine mechanische Verbindung existiert. Diese Regel sollte prinzipiell beachtet werden. Oft reicht als Schallbrücke nur eine einzige Schraube, die Innen- und Außenraum ungewollt verbindet, und das gesamte Konzept der aufwendigen Konstruktion wird zunichte gemacht.
Viele der beschriebenen Lösungen lassen sich bei Homestudios im Mehrfamilienhaus aufgrund der erforderlichen Baumaßnahmen kaum realisieren. Hier muss man oft mit den baulichen Gegebenheiten leben. Es ist immer möglich, dass man Abhör-Monitore wählt, die auch bei geringeren Lautstärken schon ein präsentes Klangbild liefern, sodass man generell leiser abhören kann. Die Lautsprecher sollten wenn möglich nicht direkt mit Tischplatten, Regalen oder Ständern in Berührung kommen, sondern auf Dämm-Pads gestellt werden, um die Übertragung der tiefen Frequenzen auf die Möbelstücke und weiter auf Boden oder Wände zu verhindern oder zumindest zu reduzieren. Gerade die Bassfrequenzen sind aufgrund ihrer hohen Energie und ihrer langen Wellen oft noch beim Nachbarn zu hören. Daher empfiehlt es sich, hier keinen Subwoofer zu verwenden.
Möchte man im Homestudio mit Studio-Mikrofonen aufnehmen, ist es ratsam, Mikrofone mit Nieren- oder Hypernierencharakteristik zu verwenden. Ebenso sollte man die Mikros stets nah am Sänger oder Instrument platzieren. Achtet man konsequent auf diese Dinge, kann man sich gegenüber Störgeräuschen zumindest ein wenig absichern.
Manchmal hilft auch ein Blumenstrauß oder eine Flasche Wein, um den Nachbarn dazu zu bringen, mal zwei Stunden etwas leiser zu sein - aber am Besten nur eine Flasche, sonst erreicht man u.U. das Gegenteil.

Ein kleiner physikalischer Exkurs

Ein kleiner physikalischer Exkurs

Bevor wir uns dem Raumtuning widmen, möchte ich zunächst zu einem kleinen physikalischen Exkurs einladen. Je mehr man die akustischen Grundlagen versteht, umso effektiver wird man später beim Präparieren des Raums Entscheidungen treffen können, was nicht nur Nerven sondern auch Geld spart. 
Betreibt man eine Schallquelle in einem Raum, so wird die Luft in Schwingung versetzt und der Schall breitet sich aus. Wie sich der Schall räumlich ausbreitet, hängt vom Abstrahlverhalten der Schallquelle ab. Generell lässt sich sagen, dass sich hohe Frequenzen gerichteter ausbreiten, während die Ausbreitungsrichtung mit sinkender Frequenz immer breiter wird. Bässe verteilen sich kugelförmig, weshalb man auch einen Subwoofer überall deutlich hört, selbst wenn er unter dem Tisch oder irgendwo im Raum platziert wird.
Treffen die Schallwellen auf eine Oberfläche, ob Möbel, Wand oder Fenster, werden sie reflektiert. Die Art der Reflexion hängt sowohl von der Oberflächenstruktur als auch von den Materialeigenschaften des reflektierenden Objekts ab. Eine Beton-Wand reagiert natürlich anders als eine Holzplatte, ein Vorhang oder z.B. ein Sofa.

Reflexionen und Nachhall

Reflexionen und Nachhall

Werden die Schallwellen reflektiert, landen sie am Ohr des Zuhörers und werden gleichzeitig wiederum von anderen Oberflächen erneut reflektiert. Wird das Gebilde dieser vielen Reflexionen immer komplexer, so ergibt sich ein Hall- oder Raumklang. In einer Kirche sind die Wände und Decken sehr weit auseinander, gleichzeitig hat man eine große Zahl von unregelmäßigen, unterschiedlich reflektierenden Oberflächen, was einen sehr dichten, homogenen Hall-Teppich erzeugt. Je komplexer die Hall-Struktur ist, desto sympathischer und natürlicher wirkt der Hall. Gerade an dieser Stelle stoßen elektronische Hallgeräte oft an ihre Grenzen, der Hall klingt unecht und billig.

Early Reflections

Early Reflections

Die ersten oder frühen Reflexionen im Raum, auch „Early Reflections“ genannt, prägen den Eindruck von der Raumgröße. Reflexionen, die das Ohr innerhalb von ca. 70 bis 80 Millisekunden erreichen, lassen sich um Gehirn nicht mehr vom Direktsignal unterscheiden, d.h. unser Gehirn mischt diese Informationen, so dass die Reflexion nicht als separate Schallquelle erkannt werden.
Man kann dieses Phänomen recht gut beobachten, wenn man z.B. in einem sehr kleinen Aufnahmeraum neben dem Original-Signal ungewollt viel Raum-Anteil einfängt.
Der kleine Aufnahmeraum bringt gleich zwei Probleme mit sich. Zum einen treffen die Reflexionen aufgrund der geringen Abstände zwischen Mikro/Schallquelle und den Wänden sehr schnell am Mikrofon ein (34 cm entsprechen ca. 1 Millisekunde), zum anderen ist die Energie, d.h. der Pegel der Reflexion, durch die geringe Distanz zur Wand recht laut in Relation zum Direktsignal.
Hat man auf diese Weise einmal die Information „kleiner Raum“ aufgenommen, so bekommt man diesen Eindruck nie wieder weg, selbst wenn man versucht, die Aufnahme mit einem langen Hall „größer“ wirken zu lassen.
Dieses Phänomen stört nicht nur bei der Aufnahme, sondern auch beim Mix-Prozess, da die Reflexionen am Regieplatz den räumlichen Eindruck der Mischung verfälschen. Das bedeutet, dass der fertige Mix u.U. auf anderen Anlagen und in anderen Räumen völlig anders wirkt, als ursprünglich gedacht.

Stehende Wellen und Raummoden

Stehende Wellen und Raummoden

Außer den beschriebenen frühen Reflexionen, die bei der Musikproduktion vor allem in den mittleren und höheren Frequenzbereichen störend auffallen, ergeben sich im Raum andere unangenehme akustische Phänomene bei tieferen Frequenzen. Bassfrequenzen verfügen über recht große Wellenlängen, ein 100 Hz Ton hat z.B. eine Wellenlänge von ca. 3,4 Metern. Ist der Raum nun 3,4 Meter lang, so passt diese Welle exakt zwischen die beiden Wände. Zur Vereinfachung stellen wir uns am besten eine einfache Sinuswelle vor. Wird die Welle nun reflektiert, so überlagert sich die reflektierte Welle mit der Originalwelle. Da die Wellenlänge genau dem Abstand zwischen den beiden Wänden entspricht, liegen die Wellentäler und Wellenberge der sich überlagernden Wellen exakt übereinander, verstärken sich und bilden im Raum stehende Wellen. Man kann sich vorstellen, wenn man als Zuhörer nun genau im Wellental sitzt, hört man zu weniger tiefe Frequenzen. Sitzt man dagegen genau im Maximum der Welle (Wellenberg), so hört man deutlich zu viel Bass. 
Man kann die stehenden Wellen im Raum sehr einfach nachvollziehen. Dazu stellt benötigt man lediglich einen Sinusgenerator, mit dem man über einen Lautsprecher Sinustöne in den Raum schickt. Hat man die Resonanzfrequenz einer Raumdimension eingestellt, so kann man die stehende Welle erkunden indem man sich durch den Raum bewegt. Geht man parallel zur Fortpflanzungsrichtung der Welle, so hört man, wie man durch Wellenberge und -täler „wandert“, denn die Lautstärke ändert sich. Bewegt man sich im rechten Winkel zur Fortpflanzungsrichtung, bleibt der Pegel stets konstant. Geht man auf einem Wellenberg, ist der Sinuston laut, läuft man dagegen durch das Wellental, ist er leiser.
Die Frequenz dieser stehenden Wellen, die man auch als Resonanzfrequenz des Raums bezeichnet, hängt immer von den Raumdimensionen wie Länge, Breite und Höhe ab, man spricht bei diesen raumabhängigen, statischen Phänomenen auch von so genannten Raum-Moden. Der Effekt erzeugt letztlich im Bassbereich das bekannte Dröhnen des Raums, auch “Booming“ genannt.
Bei den Moden unterscheidet man zwischen verschiedenen Typen. Die Raum-Mode erster Ordnung ergibt sich aus der Frequenz, deren halbe Wellenlänge dem Abstand zweier gegenüberliegender Wände entspricht. Da man es aber nicht nur mit zwei Wänden, sondern mit einem dreidimensionalen Raum zu tun hat, ergeben sich noch tangentiale (zweidimensionale) und oblique Moden (dreidimensional). Besonders in den Raum-Ecken - hier treffen ja zwei Begrenzungsflächen aufeinander - hat man mit tangentialen Moden zu tun.
Betrachtet man die Zusammenhänge zwischen Wandabständen und Resonanzfrequenzen,  wird schnell deutlich, dass es ungünstige und günstige Raumproportionen für Studio-Räume gibt. Ein würfelfähiger Raum ist das Schlimmste, was einem im Bereich der Studio-Akustik passieren kann, denn im Würfel sind alle Seiten gleichlang. Völlig unregelmäßige Räume, ohne parallele Wände sind dagegen ideal. Da man an jeder Stelle mit anderen Wandabständen zu tun hat, dominieren auch keine speziellen Resonanzfrequenzen. Die Berechnung solcher Räume ist allerdings wesentlich komplizierter.
Unterhalb welcher Frequenz die beschriebenen Phänomene hörbare Verzerrungen des Frequenzgangs produzieren, können Physiker als „Schröderfrequenz“ aus dem Raumvolumen und der Nachhallzeit errechnen. Bei üblichen Wohnräumen liegt dieser Wert unter ca. 300 Hz.
Je größer der Raum wird, desto mehr verschieben sich die Raummoden frequenzmäßig nach unten, bis sie irgendwann an Relevanz verlieren, doch kaum ein Wohnraum dürfte kaum so groß sein, dass diese Effekte wirklich an Bedeutung verlieren.
Wir haben in der Regel stets mit mindestens drei verschiedenen Resonanzfrequenzen, entsprechend der Raumdimensionen (Länge, Breite, Höhe) des Raumes zu kämpfen, doch das Phänomen ist noch weitaus komplexer:
Wenn die 100 Hz Welle exakt einmal zwischen die gegenüberliegenden Wände eines Raumes passt, dann passt eine 200 Hz Welle exakt zweimal dazwischen, eine 400Hz Welle viermal usw. Das bedeutet, dass die Vielfachen der Resonanzfrequenzen ebenfalls stehende Wellen erzeugen, die sich wiederum mit den Wellen der einfachen Resonanzfrequenzen überlagern.
Wenn man nun noch bedenkt, dass der Klang nicht nur Sinustöne, sondern äußerst komplexe Wellenformen enthält, so wird schnell klar, dass man es im Raum mit einem regelrechten „Wellensalat“ zu tun hat. Dazu kommt, dass dieser Wellensalat an jeder Stelle im Raum eine andere Zusammensetzung hat. Daher lässt sich alleine mit dem Verändern der Lautsprecheraufstellung sowie der Abhörposition schon so manches Problem minimieren.

weiterlesen > Raumtuning

Raumtuning

RoomIMG_1497Nachdem wir uns nun mit den wichtigsten Raumakustik-Phänomenen beschäftigt haben, stellt sich die nun Frage, mit welchen Maßnahmen man den Problemen begegnen kann.
Einige grundsätzliche Empfehlungen, wie Veränderung der Lautsprecher- und der Abhörposition am Regieplatz wurden ja schon angesprochen. Doch damit lassen sich lediglich bessere Voraussetzungen für die weiteren Schritte schaffen.
Beim Trimmen des Raums unterscheidet man grundsätzlich zwischen den Maßnahmen, die sich auf die mittleren bis hohen Frequenzen beziehen, und den Lösungen, mit denen man die stehenden Wellen bei den tiefen Frequenzen und damit z.B. auch das Dröhnen der Bässe im Raum unter Kontrolle bekommt.
Möchte man den Raum im oberen Frequenzbereich optimieren, so gilt es, die Reflexionen durch Wände, Fenster oder Möbel in diesem Frequenzspektrum kontrolliert einzudämmen. Dies kann, je nach gewünschtem Frequenzbereich, recht einfach sein. Oft reichen hier schon ein paar Akustikschaumstoff-Panels, Teppiche oder Vorhänge. Bühnenmolton ist recht preiswert und leistet gute Dienste. Man sollte dabei allerdings bedenken, dass man, je nach Stärke und Wandabstand, allerdings nur die Höhen und Mitten bedämpft, d.h. der Raum klingt zwar trockener aber gleichzeitig auch dumpfer, was den Nebeneffekt hat, dass die Bässe nun in Relation zum gesamten Klangbild noch dominanter werden. Dazu kommt, dass man sich in solchen „toten“ Räumen auf Dauer recht unwohl fühlt. Dieser Fehler wird jedoch leider sehr häufig gemacht.
Bevor man den Raum völlig tot klingend macht, sollte man lieber versuchen, die Reflexionen diffuser zu machen anstatt komplett zu eliminieren. Dies lässt sich mit unregelmäßigen Oberflächen realisieren. Ein offenes Bücherregal, mit verschiedenen Büchern oder sonstigen Objekten gefüllt, kann hier z.B. sehr effektiv wirken. 
Möchte man das Dröhnen im Raum aufgrund der oben beschriebenen Raum-Resonanzen bändigen, werden die zu treffenden Maßnahmen schon wesentlich komplexer. In den Tonstudios kommen dabei die unterschiedlichsten Absorber, teilweise auch als „Bassfallen“ bezeichnet, zum Einsatz. Diese sind aber meist so groß, dass sie nicht für den Einsatz im Homestudio in Betracht gezogen werden können. Die o.g. Materialien wie Vorhänge oder flache Schaumstoff-Panels sind bei der Bekämpfung von dröhnenden Bässen nahezu wirkungslos.
Als Bassfallen im „Heimbereich“ funktionieren jedoch manchmal voll gepackte, tiefe Kleiderschränke (am Besten Wandschränke) oder z.B. voluminöse Sofas verblüffend gut.

Absorber-Prinzip

Absorber-Prinzip

PyramidGanz gleich, ob man lediglich die Reflexionen der höheren Frequenzen bedämpfen möchte oder ob man die starken Bass-Anteile im Raum ausbremsen möchte - in beiden Fällen muss die Schallenergie „vernichtet“ bzw. umgewandelt werden. Der Prozess der Schallabsorption erfolgt z.B. in einem Akustikschaumstoff-Panel, in einer Schicht Mineralwolle oder in Vorhängen, Teppichen usw. aufgrund der Reibung der Luftmoleküle in diesen porösen Materialien. Die Schallenergie wird dabei in Wärmeenergie umgewandelt.

Wünscht man eine Absorption mittlerer Frequenzen ist oft eine Konstruktion aus Lochplatten und Dämm-Material empfehlenswert. Ebenso lässt sich die Wirkung der porösen Absorber frequenzmäßig nach unten verschieben, wenn man die Materialien in einem slot machines gewissen Abstand zur Wand befestigt.
Da für die Absorption von tiefen Frequenzen mit porösen Absorbern sehr große Materialstärken notwendig wären, greift man hier auf eine andere Technologie zurück.    
Der Bass- oder Mitten-Absorber funktioniert in der Regel nach dem Prinzip eines Resonators. Die Konstruktion ist so ausgelegt, dass der Absorber von den Basswellen zum Mitschwingen anregen wird. Durch die mitschwingende Masse wird dem Raum die entsprechende Schallenergie entzogen.
Als Masse kommen z.B. Platten aus Metall, Rigips oder Holz in Frage. Die schwingenden Platten lassen sich wiederum durch Federn, Dämmmaterial oder luftdichte Aufhängungen  dämpfen. Auch Kombinationen aus porösen und Resonanz-Absorbern kommen in der Praxis oft zum Einsatz.
Je nach Aufbau und verwendeten Materialien lässt sich der Absorber sehr genau auf eine konkrete Frequenz trimmen.

„Pimp your Studio“-Gewinnspiel

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Im Rahmen unseres Raum-Akustik-Specials verlosen Hyperactive Audiotechnik und Xound ein Mercury-2 Room-Kit von Universal Acoustics für ein „Einraum-Studio“ im Wert von  495,00 EUR.
Der Gewinner bekommt das Universal Acoustics Room-Kit samt einer – speziell auf seinen Raum abgestimmten – Aufbauempfehlung. In einer der nächsten Xound-Ausgaben werden wir dann im Rahmen eines Gewinner-Portraits zusammen mit einem kleinen Making-Of über diese Installation berichten.