AVBetzwerk

MOTUs AVB-Technologie, kurze Zusammenfassung

Das Besondere an den AVB-Interfaces ist die Netzwerkfähigkeit der Geräte. So lassen sich 2 Geräte mit einem einfachen CAT 5e oder CAT 6 Netzwerk-Kabel (bis zu 1 Gigabit-Netzwerk Performance) miteinander verbinden. Möchte man noch mehr Interfaces zu einem größeren Netzwerk verknüpfen, benötigt man noch einen AVB Switch. Bis zu fünf Interfaces lassen sich an einen AVB Switch anschließen Bis zu sieben AVB-Switches lassen sich wiederum miteinander verbinden.
Die Kabelwege dürfen bis zu 100 Meter betragen. Wenn man das Netzwerk mit mehreren Interfaces und einem oder mehreren Switches clever konzeptioniert, lassen sich somit Distanzen von mehreren hundert Metern überbrücken.
Das Netzwerk-Konzept basiert auf der AVB-Technologie, einer Erweiterung der Ethernet-Spezifikationen. „AVB“ steht für „audio video bridging“, es handelt sich dabei um einen offenen, technischen Standard, der das Ethernet echtzeitfähig macht.
Das PTP-Protokoll (Precision Time Protocol), wurde von der Arbeitsgruppe IEEE 802.1AS entwickelt, liefert präzise Zeitinformationen, und sorgt für Synchronizität und Timing zeitkritischer Anwendungen, wie Echtzeit-Audio oder Video. Das ganze System wird über eine übergeordnete Masterclock synchronisiert.
Das AVB-Protokoll sorgt dafür, dass Audio- und Video-Daten immer bevorzugt behandelt werden.
Der Vorteil des Systems ist, dass sich bereits bestehende Netzwerkleitungen verwenden lassen, lediglich die Switches müssen gegen AVB-kompatible Switches ausgetauscht werden. Auf diese Weise lässt sich sogar jeder größere Studio-Komplex ohne großen Installationsaufwand mit AVB-Technologie aufrüsten.
Bei AVB handelt es sich um ein offenes Protokoll, an dem viele Firmen, u.a. auch Cisco, mit entwickeln. Das technologische Konzept sollte daher auch für die Zukunft gut aufgestellt sein.
Z. Zt. lassen sich bis zu 256 Kanäle simultan über das Netzwerk übertragen, es gibt aber auch schon Versuche mit 512 Kanälen, obwohl die Kapazitäten des Systems damit noch nicht erschöpft sind.
Innerhalb des Netzwerkes ist die Audio-Übertragung in Form von AVB-Streams strukturiert. Jeder AVB-Stream stellt eine Gruppe von 8 Audio-Kanälen dar. Wie viele AVB-Streams das jeweilige Setup gleichzeitig ermöglicht, hängt von der Performance des jeweiligen Rechners ab. Bei aktuellen Mac Pro sind jeweils bis zu 16 Streams (128 Kanäle) für Input und Output ohne weiteres möglich. Bei älteren Rechnern muss man u.U. mit weniger AVB-Streams rechnen. Generell sollte man mit den Streams sparsam umgehen, und nur so viele wie nötig aktivieren.

Bei den meisten AVB-Interfaces, kann die AVB-Bedienung direkt am Gerät, über die entsprechenden Endlosdrehregler inkl. Tast-Funktion erfolgen, was vor allem für den Standalone-Einsatz interessant sein dürfte. Beim STAGE-B16 hat man jedoch auf diese Bedienelemente verzichtet.
Die komfortablere Variante ist ohne die Bedienung über die kostenlos erhältliche AVB-Discovery-Software für den Studio-Rechner oder als App fürs iPad, wobei sich die eigentliche Steuersoftware an Bord jedes Interfaces befindet. Die AVB-Discovery-Software dient lediglich als eine Art komfortable Fernbedienungsoberfläche. Sie ist Browser-basiert, d.h. man kann die Interfaces nicht nur über die mit den Interfaces direkt verbundenen Rechner steuern, sondern über jeden Rechner, der sich im Netzwerk befindet. Ist im Netzwerk ein WLAN-Router enthalten, so kann die Steuerung der Interfaces sogar via WLAN erfolgen.
Alternativ zum normalen Computer und der AVB-Discovery-Software, lassen sich die Funktionen der AVB-Interfaces auch über eine entsprechende App via WLAN fernsteuern, die Funktionen sind identisch. Es ist sogar möglich, mehrere Rechner und iPads gleichzeitig auf die AVB-Interfaces zugreifen zu lassen.


AVB-Discovery-Software

Die Software bietet, neben der Kontrolle der typischen Interface-Parameter, ein recht frei konfigurierbares Digitalmischpult mit bis zu 48 Eingängen und 12 Stereobussen (32-Bit-Fließkomma-Auflösung). Die Klangbearbeitungstools im Mixer beinhalten analoge 4-Band-Equalizer, Kompressor- und Gate-Funktionen. Dazu kommen noch Effekte, wie Hall und diverse Vintage-Effekte, basierend auf der Emulation klassischer Studiogeräte.
Eine Routing-Matrix erlaubt das Routing jedes einzelnen, analogen oder digitalen Eingangs, Computerkanals und Netzwerkstreams zu jedem Ausgang eines Computers und Netzwerkgeräts. Jedes Signal kann auf mehrere Audioausgänge gleichzeitig gesplittet werden.
Auch ohne Rechner lässt sich für Standalone-Mix-Anwendungen ein WLAN-Router direkt mit dem Netzwerkanschluss eines AVB-Interfaces verbinden. Auf diese Weise kann man über das iPad oder iPhone sämtliche Einstellungen inkl. der Mixer-Parameter steuern – ideal für Live-Situationen und einfache Mix-Anwendungen.

Firmeware-Update 1.2.5.

Mittlerweile steht für die MOTU-AVB-Interfaces die 1.2.8.-Firmware zur Verfügung. Die 1.2.8. Version unterscheidet sich von den letzten Firmware-Updates kaum. Dagegen lieferte das Firmware-Update 1.2.5. der AVB-Interfaces (Release: Frühjahr 2016) MOTUs AVB-Interfaces viele neue und wichtige Funktionen.
So erlauben nun auch in den anderen Fenstern der AVB-DISCOVERY-SOFTWARE wie z.B. die Mixer-Tabs direkten Zugriff auf die Preamp-Module der Interfaces. D.h. man muss zur Veränderung der Preamp-Einstellungen nicht extra ins Device-Menü wechseln.
Bei Speichern von Device-Presets werden nun auch die AVB-Verbindungen mit abgespeichert.
Um sich vor unbeabsichtigten Veränderungen innerhalb der Routing-Matrix zu schützen, lässt sich das Routing über eine „Lock-Button“ sperren.
Zusätzlich lassen sich die Device-Menu- und Aux-Mixer-Einstellungen mit einem Passwort sichern Dies hat den Vorteil, dass man die Zugriffe auf die einzelnen Bereiche der AVB-DISCOVERY-SOFTWARE nun kontrollieren kann.
Die EQ- und Dynamik-Sektionen der AVB-Mixer-Kanäle sind gegenüber der Vorgänger-Firmware mit grafischen Darstellungen der Filter- bzw. Dynamikkennlinien ausgestattet.
Die Pegelanzeigen der Mixer-Kanäle lassen sich seit dem Firmware-Update 1.2.5 pre-oder post-Fader schalten.
Ein weiteres neues Feature „AVB Ethernet“ dürfte für Mac-User mit einem aktuellen Apple-Rechner und dem OS X El Capitan-System interessant sein. Dieses Konzept erlaubt die direkte Verbindung zwischen Rechner und AVB-Interface -ausschließlich via Ethernet -, d.h. man benötigt keine zusätzliche USB- oder Thunderbolt-Verbindung.
Last but not least wären noch diverse verbesserung im Bereich der Timecode-Synchronisation zu nennen.