Konzept

Die netzwerkfähigen AVB-Interfaces können über verschiedene Schnittstellen mit dem Rechner verbunden werden. Zur Auswahl stehen USB 2.0 und Thunderbolt, wobei die MOTU Interfaces sogar mit USB 3.0 und Thunderbolt 2 kompatibel sind. Seit der Firmware (1.1.1) und in Kombination mit Mac OS X Yosemite ist es auch möglich, ein AVB-Interface direkt über den Ethernet-Port an den Rechner anzuschließen. Im Audio MIDI- Setup lässt sich das Interface direkt anwählen. Die AVB-Interfaces sind kompatible zu allen DAW-Softwares. Treiber gibt es für den Apple- sowie für Windows-Rechner.

Die getesteten AVB-Interfaces sind in einem robusten 2-Schalengehäuse im 19“-Format (1HE) untergebracht und verfügen über ein internes Netzteil.
Die AVB-Interfaces arbeiten mit einer Auflösung von 24 Bit und unterstützen Samplerates bis max. 192 kHz.
Wie die anderen Motu-Interfaces, so verfügt auch jedes AVB-Interface über DSPs, mit denen sich interne Mixerfunktionen für Main- oder Monitor-Mixes inkl. Effekt-Processing nutzen lassen.
Das Besondere an den AVB-Interfaces ist die Netzwerkfähigkeit der Geräte. So lassen sich 2 Geräte mit einem einfachen CAT 5e oder CAT 6 Netzwerk-Kabel (bis zu 1 Gigabit-Netzwerk Performance) miteinander verbinden. Möchte man noch mehr Interfaces zu einem größeren Netzwerk verknüpfen, benötigt man noch einen AVB Switch. Bis zu fünf Interfaces lassen sich an einen AVB Switch anschließen, wiederum bis zu sieben AVB-Switches lassen sich miteinander verbinden.
Die Kabelwege dürfen 100 Meter betragen. Wenn man das Netzwerk mit mehreren Interfaces und  einem oder mehreren Switches clever konzeptioniert, lassen sich somit Distanzen von mehreren hundert Metern überbrücken.  
Das Netzwerk-Konzept basiert auf der AVB-Technologie, einer Erweiterung der Ethernet-Spezifikationen. „AVB“ steht für „audio video bridging“, es handelt sich dabei um einen offenen, technischen Standard, der das Ethernet echtzeitfähig macht.
Das  PTP-Protokoll (Precision Time Protocol), wurde von der Arbeitsgruppe IEEE 802.1AS entwickelt, liefert präzise Zeitinformationen und sorgt für Synchronizität und Timing zeitkritischer Anwendungen, wie Echtzeit-Audio oder Video. Das ganze System wir über eine übergeordnete Masterclock synchronisiert.
Das AVB-Protokoll sorgt dafür, dass Audio- und Video-Daten immer bevorzugt behandelt werden.
Der Vorteil des Systems ist, dass sich bereits bestehende Netzwerkleitungen verwenden lassen, lediglich die Switches müssen gegen AVB-kompatible Switches ausgetauscht werden. Auf diese Weise lässt sich sogar jeder größere Studio-Komplex ohne großen Installationsaufwand mit AVB-Technologie aufrüsten.
Bei AVB handelt es sich um ein offenes Protokoll, an dem viele Firmen, u.a. auch Cisco, mit entwickeln. Das technologische Konzept sollte daher auch für die Zukunft gut aufgestellt sein.
Z. Zt. lassen sich bis zu 256 Kanäle simultan über das Netzwerk übertragen, es gibt aber auch bereits Versuche mit 512 Kanälen - das wird der nächste Schritt sein -, obwohl die Kapazitäten des Systems damit noch nicht erschöpft sind. Innerhalb des Netzwerkes ist die Audio-Übertragung in Form von AVB-Streams strukturiert.
Jeder AVB-Stream stellt eine Gruppe von 8 Audio-Kanälen dar. Wie viele AVB-Streams das jeweilige Setup gleichzeitig ermöglicht, hängt von der Performance des jeweiligen Rechners ab. Bei  aktuellen Mac Pro sind bis zu jeweils 16 Streams (128 Kanäle) für Input und Output ohne weiteres möglich. Bei älteren Rechnern muss man u.U. mit weniger AVB-Streams rechnen. Eine offizielle Performance- Übersicht der möglichen AVB-Streams wird z. Zt. im Rahmen umfangreicher Tests erstellt.  Generell sollte man mit den Streams sparsam umgehen, und nur so viele Streams wie nötig aktivieren.

Zur Zeit bietet MOTU fünf AVB-Interfaces mit unterschiedlichen Eingangs- und Ausgangs-Konzepten an: MOTU 1248, 16A, 8M , 24Ao und 24Ai. Als Testgeräte standen uns ein MOTU 1248, ein MOTU 16A sowie eine AVB Switch zur Verfügung. Zu den Features der Interfaces im Detail später mehr.

Die Bedienung der Interfaces kann direkt am Gerät über die entsprechenden Bedienelemente erfolgen, was vor allem für den Standalone-Einsatz interessant sein dürfte. Weitaus komfortabler ist die Bedienung der AVB-Interfaces über die kostenlos erhältliche AVB-Software. Dabei hat man die Wahl zwischen der AVB-Discovery-Software für den Studio-Rechner oder einer APP fürs iPad. 

Im Prinzip beinhalten die AVB-Interfaces bereits die eigentliche Steuersoftware. Die AVB-Discovery-Software sowie die APP dienen lediglich als eine Art komfortable Remote-Bedienoberfläche. Daher sind auch keine großen Installationen notwendig. Die AVB-Discovery-Software ist Browser-basiert, d.h. man kann die Interfaces nicht nur über die mit den Interfaces direkt verbundenen Rechner steuern, sondern über jeden Rechner, der sich im Netzwerk befindet. Ist im Netzwerk ein WLAN-Router enthalten, so kann die Steuerung der Interfaces sogar via WLAN erfolgen.
Alternativ zum normalen Computer und der AVB-Discovery-Software lassen sich die Funktionen der AVB-Interfaces auch über eine entsprechende APP via WLAN fernsteuern, die Funktionen sind identisch. Es ist sogar möglich, mehrere Rechner und iPads gleichzeitig auf die AVB-Interfaces zugreifen zu lassen. Eine Vergabe von Hierarchien oder Zugangsrechten ist z. Zt. noch nicht vorgesehen, d.h. man sollte genau absprechen, welcher User welche Parameter verändern darf.
Die Software bietet neben der Kontrolle der typischen Interface-Parameter ein recht frei konfigurierbares Digitalmischpult mit bis zu 48 Eingängen und 12 Stereobussen (32-Bit-Fließkomma-Auflösung). Die Klangbearbeitungstools im Mixer beinhalten analoge 4-Band-Equalizer, Kompressor- und Gate-Funktionen. Dazu kommen noch Effekte, wie Hall und diverse Vintage-Effekte, basierend auf der Emulation klassischer Studiogeräte.
Eine Routing-Matrix erlaubt das Routing jedes einzelnen analogen oder digitalen Eingangs, Computerkanals und Netzwerkstreams zu jedem Ausgang eines Computers und Netzwerkgeräts. Jedes Signal kann auf unbegrenzte Audioausgänge gesplittet werden.
Auch ohne Rechner lässt sich für Standalone-Mix-Anwendungen ein WLAN-Router direkt mit dem Netzwerkanschluss eines AVB-Interfaces verbinden. Auf diese Weise kann man über das iPad oder iPhone sämtliche Einstellungen inkl. der Mixer-Parameter steuern - ideal für Live-Situationen und einfache Mix-Anwendungen.