Interview mit Universal Acoustics "Mastermind" Paul Eastwood

Xound: Wie hat sich die Idee für das „Universal Acoustics“ Konzept ergeben ?

Paul_EastwoodPaul Eastwood: Ganz einfach - schon eine geraume Zeit lang gibt es tonnenweise tolles Recording-Equipment auf dem Markt, und die Kunden sind von der Auswahl entsprechend verwöhnt. Aber traditionell werden Akustikmaterialien entweder irgendwie missverstanden, oder die verfügbaren Lösungen sind oft zu teuer oder so kompliziert, dass es vielen Anwendern letztlich lästig ist, sich mit der Thematik zu befassen. Die meisten wissen natürlich, dass Handlungsbedarf da ist, aber eben nicht, was genau zu tun ist und wie bzw. wo man geeignete Materialien bekommen kann. Für mich als Pro-Audio-Dealer und Vertrieb war diese Situation geradezu ideal. Ich habe ja selbst ein paar Jahre als Toningenieur gearbeitet und stand mehr als einmal vor dem gleichen Problem, brauchbares Akustikmaterial zu einem vernünftigen Preis zu bekommen. Ich hatte das Glück, während meiner Vertriebsjahre viele wertvolle Kontakte zu Entwicklern und materialverarbeitenden Firmen aufbauen zu können. Dank dieser Kontakte konnte ich zum richtigen Zeitpunkt ein bescheidenes Sortiment anbieten, aus dem sich die Marke „Universal Acoustics“ entwickelt hat.

Xound: Welche Zielgruppe sprich man mit den Universal Acoustics-Produkten an?

Paul Eastwood: Ursprünglich war das ganz klar der Heim- und Projektstudiomarkt. Aber nachdem unsere Marke mehr und mehr auch in professionellen Kreisen akzeptiert wird, sind wir heute in der angenehmen Situation, Kunden aus beinahe allen Bereichen der Musik- und Entertainment-Industrie zu finden. Dazu kommt der große Broadcast-Markt, und auch bei Innenarchitekten sowie in der Heimkinoszene hat sich unser Sortiment mittlerweile rumgesprochen.

Xound: Macht es Sinn, die Produkte auch in professionellen Studios einsetzen?

Paul Eastwood: Ja, das tut es absolut. Vor allem, wenn man es mit knapperen Budgets zu tun hat. Einer der Hauptunterschiede von UA-Produkten zu denen, die normalerweise in professionellen Aufnahme- und Post-Pro-Studios eingesetzt werden, ist, dass unser Material sichtbar ist, weil es für Wandmontage entwickelt wurde, wohingegen in Profistudios das Akustikmaterial in die Wände integriert wird – üblicherweise sind das Schaumstoff, Fiberglas oder andere Baumaterialien, die mit Akustikstoff bezogen werden. Das heißt aber nicht automatisch, dass sie auch besser funktionieren, sie sind lediglich unsichtbar. Im Übrigen ziehen nicht wenige aktuelle Tonmeister es ohnehin vor, die vorhandenen Akustikmaßnahmen auch abnehmen oder umpositionieren zu können – gerade in Aufnahmeräumen eröffnet das ganz neue kreative Möglichkeiten.

Xound: Welches Know How benötigen Anwender, um einen Raum selbst präparieren zu können?

Paul Eastwood: Eigentlich brauchen Anwender keine Riesenkenntnisse, unseren Room Kits liegt jeweils eine Aufbauanleitung bei. Und beim geringsten Zweifel – und das gilt auch für Fachhändler – kann man sich jederzeit direkt an uns oder an Hyperactive wenden und sich konkrete Ratschläge holen. Außerdem gibt’s mittlerweile jede Menge Infos und Foren im Netz, die gerade für unerfahrene Kunden interessant sind. An sich kann sich jeder auf diese Art genügend Grundkenntnisse aneignen, um ohne Bauchweh die nötigen Maßnahmen zu planen.

Xound: Auf eurer Webseite findet man einen „Room Kit Calculator“. Ist es wirklich möglich, eine komplexe akustische Situation mit solch einem einfachen Rechner zur erfassen?

Paul Eastwood: Unser Room-Kit-Rechner soll Interessenten einfach erst mal grob eine bezahlbare Akustiklösung aufzeigen, passend zur jeweils eingegebenen Raumgröße. Natürlich leistet er keine komplexen Berechnungen, dafür haben wir ihn auch gar nicht gemacht. Schon allein, weil die meisten unserer Kunden gar keine komplexen Räume haben und - das ist eigentlich der Hauptgrund - kein unbegrenztes Budget. Ansonsten könnten sie einen Akustikexperten beauftragen, der ihnen zweifellos und mit Freuden vor Ort eine teure Expertise erstellt, um anschließend eine ziemlich komplizierte und oft auch unerschwingliche Lösung anzubieten.

Xound: Was kann man machen, wenn man einen unsymmetrischen Raum zu bearbeiten hat?

Paul Eastwood: Das ist kein Riesenproblem, im Gegenteil: Oft hilft das sogar. Normalerweise muss man in solchen Räumen nur annähernd und mit gesundem Menschenverstand für eine akustische Balance sorgen.

Xound: Wie lassen sich tiefe Frequenzen kontrollieren? Sind die UA-Bassfallen wirkungsvoll genug?

Paul Eastwood: Ja, viele unserer Kunden bestätigen, dass unsere Bassfallen tatsächlich sehr effektiv arbeiten und dass ihre Produktionen jetzt deutlich konstanter in anderen Studios klingen. Übrigens werden wir bald ultra-dicke Bassfallen für wirklich kritische Räume auf den Markt bringen.

Xound: Falls ein User sich ein Room-Kit aufgrund des vom Room Kit Calculator vorgeschlagenen Pakets zulegt, gibt es eine Garantie, dass diese Lösung funktioniert?

Paul Eastwood: Nein, es gibt keinerlei Garantie – genauso wenig, wie ich dir garantieren kann, dass ich in drei Wochen noch am Leben bin oder ein Rolls Royce niemals eine Panne haben wird; aber Hunderte von Room Kits, die wir in den letzten drei Jahren verkauft haben, zeigen uns, dass wir die Komponenten sorgfältig zusammengestellt haben. Ein Kunde kann von uns immer eine für seinen Geldbeutel und seine Raumgröße effektive und faire Akustiklösung erwarten.

Xound: Bitte nenne uns fünf wichtige Punkte, auf die man beim Tuning des Raums achten sollte.

Paul Eastwood:

1. Besprich deine Anforderungen, Erwartungen und Budgetfragen mit jemandem, der sich auskennt oder das Ganze selbst schon mal gemacht hat - und lass dir Tipps aus der Praxis geben.

2. Entscheide dich für eine logische, aber auch praktikable und für den Engineer so angenehm wie mögliche Raumaufteilung, bevor du die Elemente anbringst.

3. Sorge dafür, dass sich keine unnötigen Objekte im Raum befinden, die die Akustikbalance stören könnten.

4. Berücksichtige auch potentielle Störungen durch Geräusche oder Vibrationen, die von außen nach innen oder von innen nach außen gelangen.

5. Im Idealfall arbeitest du mit korrekt aufgebauten Studiomonitoren, die von der Qualität her mit dem Raum mithalten können.

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