Metric Halo ULN-8

ULN-8FP-01Konzept

Nach langer Entwicklungszeit und ausgedehnter Beta-Testphase brachte Metric Halo 2009 das ULN-8 heraus, ein Firewire-Audio-Interface nur für den Mac, welches auf einer Rack-Höheneinheit acht Mikro/Line-Eingänge (inkl. Insertpunkt), acht Line-Ausgänge sowie acht Digital-I/O im AES-Format bei Samplerates bis 192 kHz bietet. Hochwertige Komponenten, ein ausgeklügeltes Bedienkonzept und eine äußerst umfangreiche Software bilden ein leistungsstarkes System für professionelle Anwendungen im Studio und unterwegs.


Anschlüsse

Der Großteil aller Anschlüsse befindet sich in Form von fünf 25-poligen DSUB-Buchsen auf der Rückseite des Gerätes (8x Mic-In, 8x Line-In, 8x Line-Out, 8x Insert-Out, 8x AES I/O). Ob ein Line- oder Mikro-Eingang verwendet werden soll, lässt sich für jeden der acht A/D-Kanäle einzeln hard- oder softwareseitig auswählen. Die Mikroeingänge verfügen selbstverständlich über 48V Phantomspeisung, und die Line-I/Os lassen sich zwischen +4 und -10 dB Eingangspegel umschalten, um eine optimale Anpassung an anderes Equipment zu erzielen. Die Notwendigkeit von Breakout-Kabeln oder Patchbays ist für einige Anwender ein wichtiger Kritikpunkt, lässt sich jedoch nicht vermeiden, wenn 40 symmetrische Anschlüsse auf nur einer Höheneinheit untergebracht werden sollen. Die Line-Ausgänge 1 und 2 können parallel über symmetrische Klinkenbuchsen abgegriffen werden, sodass man ein Paar Kontrollmonitore auch ohne DSUB-Kabel anschließen kann. Neben zwei unterschiedlichen Netzbuchsen (koaxial sowie 4-polig XLR) und zwei Firewire 400-Buchsen (FW 800 kompatibel) runden Wordclock I/O (BNC), SMPTE I/O (Klinke) und MIDI I/O die Anschlussmöglichkeiten auf der Rückseite ab, wobei die MIDI-Schnittstelle nicht wie gewohnt für Keyboards, Soundmodule o.ä., sondern ausschließlich für die Verwendung von Hardware-Controller mit Mackie Control Protokoll gedacht ist.
Auf der Vorderseite befinden sich noch ein Kopfhörerausgang sowie zwei Instrumenteneingänge, die alternativ zu den rückseitigen Line- und Mikro-Eingängen für Kanal 1 und 2 genutzt werden können.

ULN-8FP-44
Bedienung

Ein Großteil der Funktionen lässt sich auf zweierlei Arten bedienen: Entweder über die MIO Console Software oder über die Bedienelemente auf der Frontseite, die sowohl bei der Verwendung als Audio-Interface mit einem Mac als auch im Standalone-Betrieb als 8-kanaliger Preamp bzw. Wandler ein bequemes Arbeiten erlauben. Unter anderem sind dies neun Dreh-Encoder mit LED-Kranz und Schalt-Funktion (je nach Modus für Umschaltvorgänge oder alternative Wertänderungen beim Gedrückthalten und Drehen der Regler), sieben kleine Drucktaster (zum Einstellen der Encoder-Funktion, Samplerate, Clocksource u.v.m.) sowie 16 LED-Pegelanzeigen mit jeweils 15 Segmenten, die nicht nur in gewohnter Manier den analogen Ein- und Ausgangspegel darstellen, sondern bei jeder Betätigung eines Dreh-Encoders den genauen numerischen Wert (Preamp-Gain, Outputlevel etc.) mit einer Nachkommastelle grafisch darstellen. Einige LEDs sind mehrfarbig, sodass visuell immer ein guter Überblick herrscht und viele Statusinformationen im Detail vermittelt werden.
Neben Samplerate, Clocksource, Input/Output-Trim, Input-Select (Mic/Line), Phantomspeisung, Kopfhörerlautstärke und Abhörlautstärke/Dim/Mute der Mainausgänge lassen sich noch weitere Funktionen direkt von der Geräteoberfläche aus bedienen. So kann man beliebige Ein- oder Ausgänge koppeln (um etwa mit nur einem Dreh-Encoder zwei Mikros für Stereo-Aufnahmen gleichzeitig auszusteuern oder einen 5.1 Surround-Mix in der Ausgangslautstärke zu justieren) oder zwischen verschiedenen Abhörmonitoren wechseln. Weitere Funktionen sollen in Zukunft noch durch Firmware-Updates folgen, entsprechende Bedienelemente sind bereits vorhanden.


MIO Console

Ein besonderes Merkmal des Metric Halo Interfaces ist die Funktionalität der MIO Console Software. Diese bietet zunächst ein Fenster, das den Mixer-Softwares anderer Audio-Interfaces nicht unähnlich ist und die Kernfunktionen wie Eingangs-/Ausgangspegel, Trim-Werte, Phantomspeisung etc. sehr aufgeräumt grafisch darstellt, doch damit nicht genug: In einem separaten Mixer-Fenster lässt sich eine komplette Mischumgebung komplett frei konfigurieren, ähnlich wie bei Logics „Environment“. Vorgefertigte Templates für verschiedene Anwendungen helfen zu Beginn, doch schnell nutzt man die Möglichkeit, Kanalzüge und Busse frei zu generieren, zu seinem kreativen Vorteil aus. Durch weitere kleine Mixerfenster für Sends lassen sich bequem Kopfhörermixe erstellen (die Analogausgänge haben sogar genug Power, um Kopfhörer direkt daran anzuschließen) oder Effekte ansteuern, womit wir beim nächsten zentralen Punkt wären: Im ULN-8-Paket ist eine umfangreiche Plugin Suite enthalten, inklusive der Metric Halo Channel Strip, den es schon seit vielen Jahren als Pro Tools Plugin gibt. Halleffekte, Modulation, selbst Amp- und Speakersimulation sind dabei, und wer es richtig komplex mag, kann sich in Blockschaltbild-Manier in der Konfiguration von aufwendigen M/S-Algorithmen u.v.m. versuchen.
Die Plugins lassen sich nicht in anderen Programmen verwenden, so gesehen handelt es sich um ein abgeschlossenes System, das den verwendeten Rechner jedoch nicht einmal ansatzweise belastet und auch sehr gut als Ergänzung zum heimischen Sequenzer-Programm verwendet werden kann.
Ein kleines Effekt-Highlight ist das Charakter-Plugin, welches seit kurzem ebenso wie der Channelstrip auch im neuen AAX Plugin-Format für Pro-Tools erhältlich ist. Hiermit wird der Charakter verschiedenster Preamp-Typen und Mischpult-Eingangsstufen simuliert, was direkt mit aufgenommen werden kann oder auch im Nachhinein möglich ist. Wer sich nicht entscheiden kann, hat durch das flexible Routing auch die Möglichkeit, ein Eingangssignal im Sequenzer gleichzeitig einmal mit und einmal ohne MIO-Effekte aufzunehmen.
Die DSP-gestützte 80 bit Mix-Engine lädt weiterhin dazu ein, sie beim Mixdown zu verwenden. Bis zu 18 Kanäle des verwendeten Sequenzer können pro Gerät empfangen, mit weiteren Effekten bearbeitet und summiert werden - gerade was die Summierung angeht, gibt es viele User, die eine Mischung in der MIO Console der im Sequenzer klar vorziehen.
Zuletzt verfügt das Programm noch über eine eigene Recording Funktion, mit der sich Signale aus dem Mixer aufnehmen und dort auch wieder abhören und bearbeiten lassen. Editing einzelner Tracks ist hier nicht vorgesehen, vielmehr handelt es sich um einen auf die Basisfunktionen reduzierten Mehrspur-Recorder, der insbesondere bei Live-Aufnahmen eine verlässliche Alternative zu den gängigen Sequenzer-Softwares darstellt.

L4


Anwendung

Innerhalb weniger Minuten ist die benötigte Software (Treiber, Plugins, und MIO Console) installiert und läuft aufgrund der DSP-Unterstützung auch auf kleineren Macs ausgesprochen stabil.
Windows-User haben hier das Nachsehen - Metric Halo zufolge liefert nur die Mac-Plattform die notwendigen Ressourcen, um den vollen Funktionsumfang ohne Einschränkungen zu gewährleisten.
Die Individualisierung der Mixer-Oberfläche erfordert etwas Einarbeitung, zahlreiche Werkspresets ermöglichen es jedoch auch Neueinsteigern, direkt mit der Arbeit zu beginnen.
Die physische Bedienoberfläche ist vorbildlich - jeder Eingangskanal hat von vornherein einen eigenen Pegelsteller und die entsprechende Aussteuerungsanzeige auf der Gerätefront. Die Zusatzfunktionen der Bedienelemente lassen sich intuitiv erschließen, und die Früchte einer ausgedehnten Entwicklungszeit sowie Beta-Testphase entpuppen sich in vielen Details wie der numerischen Anzeige der Encoderwerte innerhalb der Aussteuerungs-Bargraphs, System-Stabilität auch bei hoher DSP-Auslastung oder Hotplug-Aktionen sowie ganz beiläufig in Momenten, in denen man im Host-Sequenzer die Samplerate wechselt und das Interface sich unmittelbar ohne Murren anpasst.
Sollen analoge Insert-Effekte verwendet werden, wählt man in MIO Console den Insert-Modus für die jeweiligen Kanäle, woraufhin das Signal der Mikro-Preamps vor der A/D-Wandlung auf den Insert-Send Anschlüssen anliegt. Als Return dienen nun die entsprechenden Line-Eingänge, die dann zu den Digitalwandlern geführt werden. Auf diese Weise lässt sich das ULN-8 auch als hochwertiger 8-fach Preamp mit anderem Equipment verwenden. Möchte man auch die eingebauten Wandler mit anderen Interfaces benutzen, steuert man diese über die AES-Digitalausgänge an. Einmal konfiguriert, ist das ULN-8 hierfür auch im Standalone-Modus einsetzbar.
Die häufigste Anwendung wird jedoch die Verwendung als Firewire-Interface sein - reichen 8 Analog- und 8 Digital-I/Os nicht aus, lassen sich auch mehrere Metric Halo Geräte (auch unterschiedliche Modelle) gleichzeitig betreiben.
Wer auf eingebaute Mikro-Vorverstärker verzichten kann, findet übrigens in Metric Halos LIO-8 Interface eine deutlich günstigere Alternative mit ansonsten identischem Funktionsumfang, die bei Bedarf auch nachträglich noch mit zwei 4-fach Preamp-Boards aufgerüstet werden kann.


Fazit

Beim ULN-8 scheint es das angestrebte Ziel zu sein, in eine einzige Höheneinheit alles reinzupacken, was man im Produktionsalltag nur so brauchen kann: Preamps, Wandler, Interface, Monitor-Controller, Kopfhörerverstärker sowie ein frei konfigurierbarer Mixer mit zahlreichen DSP-Effekten und bei Bedarf sogar eigenem Recorder - eine Menge anderer Geräte und Programme werden da praktisch überfüssig. Gleichzeitig stehen Flexibilität, Stabilität und eine hohe Klangqualität auf der Agenda, was den recht stolzen Preis für ein 16-kanaliges Firewire-Interface relativiert und vielleicht sogar erklärt, warum die Postings eingefleischter Metric Halo-User in den einschlägigen Pro-Audio-Foren in Netz mitunter einen leicht religiösen Charakter haben. Lediglich Windows-User bleiben leider außen vor.


Facts:
•    Firewire Audio Interface für Mac-Computer
•    acht analoge Eingänge (einzeln zwischen Mikrofon- und Line-Eingang umschaltbar)
•    acht digital gesteuerte Mikrofonvorverstärker mit Send/Return-Schleife
•    acht A/D-Wandler, zehn D/A Wandler (bis 192 kHz)
•    acht 192 kHz AES Digital-I/O
•    multifunktionales Bedienfeld mit Kontrollknöpfen und kalibrierten Pegelanzeigen
     (ermöglicht Standalone-Betrieb)
•    Software-Mixer mit frei konfigurierbaren DSP-Effekten

Anschlüsse:
•    fünf DSUB-Buchsen (8 Mic-In, 8 Line-In, 8 Insert-Send, 8 Line-Out, 8 AES I/O)
•    Analogausgang 1/2 parallel als symm. Klinkenbuchsen
•    Wordclock I/O
•    SMPTE I/O
•    MIDI I/O für Bedienoberflächen mit Mackie Control Protokoll
•    zwei hochohmige Instrumenteneingänge (Klinke)
•    Kopfhörer-Ausgang
•    zwei Firewire 400 Anschlüsse

Abmessungen: 19", 1HE (Rackwinkel optional)

UVP*: 5488 EUR

www.mhlabs.de

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