Native Instruments GUITAR RIG 5

GRP5„Ein starkes Tool“

Mit GUITAR RIG 5 präsentiert Native Instruments die jüngste Generation seiner leistungsstarken Modelling Software mit neuen Amps, Boxen, Effekten und vielen weiteren Features, die ein genaueres Hinschauen verdienen.

Modelling-Softwares für Gitarrenamps und -effekte sind aus dem heutigen Studioalltag nicht mehr wegzudenken. Die zahlreichen Anwendungen erstrecken sich vom Demo-Gitarrentrack auf dem Laptop über die Möglichkeit, den endgültigen Sound der Gitarre erst beim Mischen einzustellen, bis hin zum Zugriff auf Simulationen unzähliger Amp-, Boxen- und Effektsimulationen, die in Hardwareform ganze Lagerhallen füllen würden. Die deutsche Softwareschmiede Native Instruments ist in diesem Segment mit an vorderster Front aufgestellt und präsentiert mit GUITAR RIG 5 das neueste Update des erfolgreichen Modelling-Tools, das mittlerweile weit über die Belange von Gitarristen hinausgeht.

 

Derzeit zählen 17 verschiedene Verstärkertypen, 27 Boxensimulationen und 54 Effekte zum Arsenal des beliebten Plugins, in dessen umfangreichen Presetbänken sich neben unzähligen Gitarren- und Bass-Sounds auch einige Voreinstellungen für andere Bereiche wie Vocals finden lassen.

Da das Erscheinungsbild der sehr verbreiteten NI Plugins hinreichend bekannt sein dürfte und die Beschreibung des vollen Funktionsumfangs des GUITAR RIGs den Rahmen dieses Tests sprengen würde, möchten wir an dieser Stelle ausschließlich auf die Neuerungen der 5er Version eingehen.


Neue Ampmodelle
„Van 51“ basiert offensichtlich auf dem Peavey 5150 Eddie Van Halen-Amp und bietet so ziemlich alle Regelmöglichkeiten der Vorlage. Der erste Kanal läßt sich zwischen Clean- und Crunch-Modus umschalten, wobei letzterer schon in höhere Gain-Gefilde hineinreicht. Dies wird im zweiten Kanal noch weiter fortgesetzt, und ein „Hi Gain“-Schalter setzt dem ganzen noch die Krone auf. Bei diesem Zerrvermögen läuft man jedoch schnell Gefahr, in einer Pfütze aus Matsch zu enden - einen aufgeräumteren Sound mit ausreichend Sustain erlangt man interessanter Weise durch verhaltenere Gain-Einstellungen und das Vorschalten der Tubescreamer-Simulation „Skreamer“. Die entsprechenden Presets zeigen schön, welche Soundvariationen man dem „Van 51“ entlocken kann.

Der „Hot Solo “ zielt der Optik nach auf das Soldano Hot Rod 50 Top ab und spielt seine Stärken besonders im mittleren bis oberen Gain-Bereich aus. Singende Solosounds und perlige Cleansounds brauchbarer Art findet man im Modellingsektor mittlerweile recht häufig, doch gerade dynamische Crunchsounds mit einer gewissen Fülle stellen für meinen Geschmack das Nadelör bei den Simulationen dar. Der „Hot Solo “ weiß hier durchaus zu gefallen, ebenso die größtenteils geschmackvoll erstellten Presets.

Beide Amps bringen selbstredend die passenden Boxensimulationen mit, die wie bei allen anderen Verstärkermodellen als sogenannte Matched Cabinets automatisch mit aufgerufen werden, jedoch auch gegen jedes andere verfügbare Boxenmodell oder eines der komplexeren Speakeremuations-Module ausgetauscht werden können.


Neue Effektmodule
„Fast Comp“ ist ein sehr gut klingender Kompressor mit analogem Vintage-Charakter und schneller Ansprache, der gleichermaßen Cleansound verdichtet wie Soli oder auch Raumeffekte mit angenehmem Sustain bereichert.

„Vintage Verb“ bietet eine Auswahl klassischer Federhall- und Plate-Reverb-Effekte und erweist sich trotz der minimalen Regelmöglichkeiten (Mix, Typ und Mute) ebenfalls als sehr gelungen.

„Little Reflektor“ ist ein echter Faltungshall auf Basis des NI REFLEKTOR-Plugins und enthält acht verschiedene Impulsantworten vom kleinen Räumen bis zu großen Hallen, die sich zwar nur durch die Decay- und LoCut-Regler modifizieren lassen, aber dennoch hervorragende Ergebnisse liefern, die sich für weit mehr als nur Gitarre eignen.

„Stereo Tune“ ist ein Effekt, der Monoquellen durch Pitchshifting in Stereosignale verwandelt.
Vom dezenten Verbreitern des Sounds bis zu heftigen Verstimmungen ist hier einiges möglich. Besonders der subtile Einsatz kann durchaus überzeugen.

„Filterbank“ ist ein 8-Band-Filter mit globalen Reglern für Shift und Strech und ein Indiz dafür, dass sich der Hersteller des zunehmenden „Missbrauchs“ des GUITAR RIGs für andere Instrumentengattungen durchaus bewusst zu sein scheint - lassen sich mit einem Gitarrensound eher spezielle LoFi-Klänge erzielen, entfaltet dieser Effekt etwa mit einem Synthbass sein volles Potential. An dieser Stelle sei erwähnt, dass sich in GUITAR RIG jeder beliebige Parameter mit Modifiern (LFOs, Envelopes und Sequenzer) oder Controllern regulieren lässt, was die klanglichen Möglichkeiten nochmals erweitert.

„Resochord“ soll auf Harmonizer-Basis einzelne Töne in Akkorde verwandeln. Die Akkordgattung, der Grundton sowie das Mischverhältnis zum Eingangssignal lassen sich dabei einstellen. Der praktische Nutzen dieses Effekt wollte sich dem Tester leider nicht erschließen - ob hiermit einmal jemand den Trademarksound einer Hitsingle erzielt, wird die Zeit zeigen.


Weitere neue Funktionen
Neben der Möglichkeit, Kompressoren und Modifier nun auch mit einem Sidechain-Signal aus dem Host-Sequencer zu versehen, ist das neue „Container“-Modul zu erwähnen, in welches nach Belieben Effekte und Modifier integriert werden können, die dann mit bis zu 16 Kontroll-Reglern in ihren Parametern gesteuert werden können. Die Besonderheit besteht darin, dass jeder Regler gleichzeitig verschiedene Parameter unterschiedlicher Effekte steuern kann. Mit einem Hardware-Controller wie dem RIG KONTROL Pedal, das eigens zur Steuerung des GUITAR RIGs entwickelt wurde und im GUITAR RIG 5 KONTROL-Bundle mit der Software angeboten wird, lassen sich dadurch auch sehr komplexe Effekt-Setups leicht in Echtzeit bedienen.

Eine zentrale Stärke der Software ist die umfangreiche Simulation von Lautsprecherboxen und diversen Mikrofonen. In Version 4 kamen die User durch das „Control Room“-Modul in den Genuß, eine Nachbildung des aufwendigen wie durchdachten Abnahmesystems von Gitarrenlegende Peter Weihe im Zugriff zu haben und bis zu acht verschiedene phasentreue Mikrofontypen frei zusammen mischen zu können. GUITAR RIG 5 bietet nun mit „Control Room Pro“ ein weiteres Modul, das die gleichzeitige Verwendung von bis zu acht verschiedenen Boxentypen ermöglicht. Pro Box stehen verschiedene Mikros zur Auswahl, deren Abstand zur Box, Phasenlage und zum Teil auch Position sich variieren lässt. Umfangreicher geht es kaum noch!


Fazit
Vom simplen Aufrufen einer Ampsimulation über die Verwendung komplexer Multi-Amp-Setups mit zahlreichen Effekten und Modifiern bis hin zur Verlockung, die verfügbaren Module auch mal auf andere Signale als Gitarren und Bässe anzuwenden, bietet GUITAR RIG 5 einen riesigen Fundus klanglicher Möglichkeiten. Mit den neuen Effekten, insbesondere Kompressor, Stereotune und Faltungshall, sowie der durchdachten Steuerung via Container-Modul geht Native Instruments in eine Richtung, die das Programm nach und nach zu einem universellen Effekttool mit nützlichen Features für die Live-Anwendung werden lässt. Sicher, nicht jede Simulation ist im Stande, dem Hardware-Original das Wasser zu reichen, jedoch macht die Fülle an Möglichkeiten, gepaart mit unzähligen, mitunter richtig guten Presets, diese Software zu einem leistungsstarken Tool, dessen Preis als absolut günstig zu bezeichnen ist. Also, unbedingt Demo laden und dann selbst entscheiden!

UVP*:
GUITAR RIG 5 PRO: 179 EUR (Updates ab 69 EUR)
GUITAR RIG 5 KONTROL: 399 EUR

www.native-instruments.de


Facts:

  • 17 Amps und 27 Cabinets
  • 54 Effekte 
  • Neue Module: Amps: Van 51 (Peavey) und Hot Solo (Soldano) inkl. Cabinets, Effekte: Fast Comp, Vintage Verb, Little Reflektor, Stereo Tune, Filterbank, Resochord; Container-Modul; Control Room Pro (Speaker-Simulation)
  • über 130 neue Presets
  • Sidechaining für Kompressoren und Modifier


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