Epiphone Tom Delonge ES-333 Signature

EpiphoneTomDelongeES-333Signature„Rocken wie Blink 182“

Epiphone präsentiert die günstigere Variante der bereits vom Mutterkonzern Gibson im Handel erhältliche Tom Delonge ES-333 Signature auf Basis des ES-Styles. Ein Pickup, ein Volume-Regler - das war´s auch schon! Wirklich?

Epiphone, die günstige Marke von Gibson USA, hat es sich seit Jahren zur Aufgabe gemacht, für jeden Geldbeutel der heranwachsenden Musiker unter uns eine passende Traumgitarre erschwinglich zu machen.

 

Durch preisbewusste Massenproduktion im asiatischen Raum bleibt es jedem Gitarristen nicht mehr vorenthalten, auch ohne das nötige Kleingeld für eine US-Gibson eine hochwertige Traditions-Gitarre zu erwerben und seinen persönlichen Idolen in nichts nachzustehen. Neben den klassischen Les Paul-Varianten hat Epiphone ebenfalls die legendäre ES-Form in ihrem Portfolio. Da ist es schon fast selbstredend, dass berühmte aktuelle Trend-Bands wie Blink 182 ihre custom-designed Gibson-Gitarren für die breite Masse unter Epiphone zugänglich machen wollen. Gibson Deutschland hat uns freundlicherweise ein Testmuster zur Verfügung gestellt.


Optik und erstes unverstärktes SpielgefühlDSC_0101

Die Gitarre wird ohne viel Zubehör in einem schlichten Umkarton geliefert. Die Tom Delonge ist für ihre Bauart recht massiv konstruiert worden und bringt schon ein deutliches Gewicht auf die Waage, was aber auch zum Teil an dem Hals und dem innen verlaufenden Massiv-Holzkern liegt. Durch die F-Löcher des Halb-Akustik-Bodys kann man dieses Holzstück gut einsehen, genauso wie die Metall-Folie zur Abschirmung des Pickups. Die verwendeten Materialien, bestehend aus Ahorn-Korpus und eingeleimtem Mahagoni-Hals, tragen natürlich zu diesem Gewichts-Effekt bei. Die samtig wirkende Body-Lackierung in braun-grau mit den zusätzlich auffallenden cremefarbenen Design-Streifen macht optisch echt was her – ist aber Geschmackssache. Leider sind Fingerabdrücke sehr schnell auf dem Korpus zu sehen, was eine regelmäßige Putzaktion vor einem Shooting oder Gig unentbehrlich macht. Der Hals wirkt nur geölt und dadurch ebenfalls samtig, was aber insgesamt absolut stimmig zu dem Gesamterscheinungsbild passt.DSC_0099 Interessanterweise hat Epiphone das eigene Logo untypisch in schwarz und eher dezent auf die Vorderseite der Kopfplatte aufgebracht. Da dürfte es den neugierigen Kollegen vor der Bühne recht schwerfallen, den Hersteller dieses Hinguckers auf Anhieb ausfindig zu machen. Auf der Rückseite der Kopfplatte, zwischen den Mechaniken, ist ein Autogramm des Gitarristen Tom Delonge unauffällig in schwarzer Schrift angebracht.

DSC_0098Die Grover-Mechaniken und sämtliche „Beschlagteile“ sind sehr sauber an der Gitarre montiert. Das einlagige cremefarbene Binding, welches sich auf der Ober- und Unterseite rings um den Korpus erschließt, ist für die Preiskategorie durchschnittlich verarbeitet worden. Insgesamt sieht man produktionsbedingt schon einige Unsauberkeiten (u.a. beim Hals-Korpus-Anschluss), welche man aber bei dem günstigen Kurs gern in Kauf nehmen kann.

Den Tech-Freaks unter uns fällt natürlich als allererstes ins Auge, dass diese Signature lediglich mit einem einzigen Humbucker-Pickup und obligatorischem Volume-Regler ausgestattet ist. Epiphone hat der Gitarre den originalen Gibson-Humbucker „Dirty Fingers“ verpasst, wobei alleine die Namensgebung des Tonabnehmers sich im späteren Verlaufe dieses Test noch absolut bewahrheiten wird. Toggle-Switch oder separate Klangregelung sucht man vergeblich.

Der ES-Style-typische Korpus ist sehr groß und verfügt über eine „Bauchwölbung“ auf der Rückseite, welche ein angenehmes Spielgefühl DSC_0095direkt am Körper vermittelt. Die obligatorische Service-Klappe ist in einem unspektakulären schwarzen Kunststoff gehalten. Optisch wie auch im Spiel wirkt die Gitarre insgesamt recht lang, so dass kleinere Musiker mit kürzeren Armen unter Euch schon etwas Probleme mit der Erreichbarkeit der Bünde haben könnten. Der Hals ist dank der maschinellen Produktion sehr sauber verarbeitet und verfügt über hochwertige Grover ERPMH-034 Mechaniken, die sauber und stimmsicher ihren Dienst verrichten.

Das einzige Bedienelement in Form eines LP-Style-Volumereglers ist unterhalb des unteren F-Lochs angebracht und ist beim ersten Anspielen angenehm und zielsicher erreichbar. Die Klinkenbuchse wurde auf der Frontseite angebracht, was für meinen Geschmack eher als negativ anzusehen ist. So rate ich dringend zu einem hochwertigem Winkel-Stecker-Kabel, da die Buchse ohne einen separaten Rahmen in die Oberdecke eingeschraubt wurde. Dies bietet Sicherheit, und außerdem sieht es etwas seltsam aus, wenn das Klinken-Kabel unschön hervorsteht. Vielleicht kennen einige von Euch das Problem, wenn sich im Laufe der Zeit die Buchse löst und man krampfhaft versucht, diese mit Werkzeug wieder befestigen zu wollen. Hier sind dann wieder kleine Finger gefragt.

DSC_0093Ein erstes Anspielen macht mich dann doch recht stutzig, da die Gitarre trotz ihrer Bauweise etwas dünn und charakterlos klingt. Der Korpus gibt nicht wirklich die Eigenresonanzen wieder, so dass sie doch recht leise daherkommt. Dies wiederum wird ein klarer Vorteil für das verstärkte Spielen sein, da diese Gitarre ja eher für die härteren Töne des Rocks und Punks konzipiert ist. Der Hals wirkt wuchtig und einfach gesagt: FETT. Eine Kopflastigkeit kann ich der Tom Delonge nicht nachsagen, da wurde feinfühlig an der Balance gearbeitet.


Sound & Bespielbarkeit

Nun mal Butter bei die Fische - Kabel rein und aufgedreht. Als Testumgebung muss der ebenfalls in dieser Ausgabe getestete zweikanalige Vox Night Train NT50H mit passender V212NT-Box herhalten, da er einen eher britischen Sound im Clean/Crunch und amerikanischen im Gain liefert. Im Clean-Kanal wirkt die Epiphone schon recht kantig, mittenbetont und zackig, aber trotzdem offen und brillant - nix für leichte Gemüter der Jazz-Fraktion. Und da man ja nichts weiteres einstellen kann, muss man mit der Lautstärken-Dynamik arbeiten, was aber dank des Original-GIBSON-Pickups und des sehr weich greifenden Volume-Reglers hervorragend gelingt. Der Pickup gibt einen enormen Output an den Amp, so dass man selbst einen reinen Clean-Sound schön zum Röhren-Britzeln bringen kann. Im Crunch verleiht der Pickup der Epiphone einen sehr rockigen Eigenton; so gut wie keine Korpus-bedingten Feedbackgeräusche sind zu vernehmen. Da zeigt sich wieder, wie wichtig eine entsprechende Abschirmung mittels Metall-Folie sein kann. Und auch im High-Gain-Modus des Vox haut die Tom Delonge mächtig ins Zeug, liefert einen saftig-mittigen Ton - genau passend für härtere Punk-Riffs. Ein kontrolliertes Feedback ist spielerisch zu entlocken. Ein Heulen oder Dröhnen durch den Hollow-Body sucht man vergebens, und das macht die Gitarre selbst auf der lautesten Bühne rückkopplungssicher!

Bei harten Soli und schmetternden Power-Akkorden fühlt sich die Gitarre richtig wohl. Da beißt sie sich mit einer kraftvollen Präsenz durch den Sound und bietet auch im Studio oder auf der Bühne eine hervorragende Basis im Gesamtmix. Schnell hat man trotz der spärlichen Bedienelemente seinen Sound gefunden, welchen man vorbildlich alleine mit dem Volume-Regler einstellen kann. Da kommt die Kunst des dynamischen Spielens wieder in Mode...


Fazit

So etwas hätte ich in Anbetracht des ersten Eindrucks nun wirklich nicht erwartet. Der erste Schein trügt ja bekanntermaßen und bestätigt sich hier absolut nicht. Epiphone hat mit dem Blink 182-Gitarristen Tom Delonge wirklich einen beißenden Wolf im Schafspelz konzipiert. Kaum zu glauben, was an Dynamik aus dem hübschen Hingucker zu kitzeln ist. Sicherlich verdankt die Gitarre dies größtenteils dem Gibson-Pickup, welcher an sich schon sehr charakterstark in den Sound eingreift. Die zusätzliche Abschirmung im Inneren der Gitarre bietet jedem engagierten Punk- & Rock-Gitarristen die Sicherheit, dass seine Songs nicht durch unkontrolliertes Brummen zerstört werden. Sicherlich gibt es von Epiphone auch eine günstige ES-Kopie, welche im Anschaffungspreis noch deutlich unter der Tom Delonge liegt, aber wer auf eine untypische Punk-Gitarre und bissige Sounds steht, sollte sich dieses Modell ganz sicher beim Händler seines Vertrauens genauer anschauen. Mir hat die Gitarre sehr viel Spass bereitet und kann mit ihrem Preis-Leistungsverhältnis klar weiterempfohlen werden.

 

Facts

Korpus: Laminated Ahorn (Boden/Decke)     
Hals: eingeleimter Mahagoni-Hals     
Farben: Grau-Braun/Graphic-Vintage-Creme
Hardware: Grover ERPMH-034 Mechaniken
Tune-O-Matic Steg     
Mechaniken: VOX, gekapselt     
Mensur: 24,75“
Sattelbreite: 1,68“    
Griffbrett: Palisander     
Einlagen: DOT-Inlays     
Bünde: 22 Medium-Bünde          
Regler: Volume (1x)
Tonabnehmer: orig. GIBSON „Dirty Fingers“
Herstellungsland: handcrafted in China

UVP*:  369 EUR

 
www.epiphone.com

Autor: Michelle Schiller

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