Vox Night Train NT50H & V212NT

NT50H_Image„Ein zweikanaliger Nachtzug erobert die Gitarrenwelt!“

Vox Night Train – Die erfolgreiche Serie von Vox ist schon fast eine neue lebende Legende. Der im ersten Augenblick sehr klein und optisch sehr ansprechend wirkende Class AB Vollröhren-Amp der Traditionsmarke Vox hat es wirklich in sich!

 

Nachdem schon die kleine einkanalige Version mit 15 Watt-Leistung ihren Erfolg in der Musikbranche gefeiert hat, war Vox nicht untätig. Wir konnten die frische zweikanalige Version des „Nachtzuges“ – wie er auch gern von den Mitarbeitern von Vox/KORG genannt wird – in der 50-Watt-Topteil-Variante mit zusätzlichem High-Gain-Kanal umfangreich anchecken. Und damit das Paket auch technisch und optisch zusammen passt, kam die 2x12“-Box V212NT mit Celestion-Speakern gleich mit dazu. Lest unseren ausgiebigen Live- und Studiotest.


Optik, Aufbau und Einschalten:

DSC_0102Im zweiteiligen verchromten und schwarzen Vollmetallgehäuse dieses Winzlings mit seinen kompakten Ausmaßen von lediglich 458 mm x 235 mm x 175 mm (BxHxT) steckt wahrlich ein vollwertiges Topteil. Da alles analog aufgebaut ist, bringt der Night Train auch satte 12,2 kg auf die Waage, was natürlich auf Trafos und Röhrentechnik zurückzuführen ist. Im Inneren dieses Amps stecken vier 12AX7-Vorstufen- und zwei EL34-Endstufenröhren, welche für genügend Tube-Sounds und Ressourcen sorgen. Diese KombinationDSC_0107 bringt den Nachtzug auf Volldampf – nicht nur im Klang.

Zunächst betrachten wir das zweiteilige Gehäuse etwas näher. Ein verschraubter Kunststoff-Griff auf der Oberseite des Amps sorgt für den sicheren Transport, vier große und hohe Gummifüße sorgen auch auf Lautsprecherboxen mit eigenem Tragegriff auf der Oberseite für ausreichend sicheren Stand. Der obere Teil des Gehäuses DSC_0109besteht aus schwerem Lochblech, welches für die Optik sehr liebevoll verchromt wurde. Das Metall-Chassis, welches die gesamte Technik trägt, ist unauffällig schwarz gehalten. Durch das von Vox bekannte Rauten-Lochblech sind deutlich die „Innereien“ des Topteils zu sehen. Die kleinen Vorstufen-Röhren sitzen abgesenkt in Reihe und Glied, etwas oberhalb prangen die beiden Endstufen-Röhren und glimmen fröhlich vor sich hin. Rechts und links dieser Baugruppen fallen die beiden wuchtigen DSC_0106Transformatoren für die Leistungsspeisung der Vor- und Endstufensektion auf. Die Hauptplatine ist mit einem schwarzen Vollblech den neugierigen Blicken vorenthalten.

Das typische Vox-Emblem sitzt mittig an der Front des Amps und signalisiert sofort die Hochwertigkeit und Herkunft dieses Schmuckstückes. Klassisch wurden alle Bedienelemente in Form von elf Chickenhead-Reglern, drei Mini-Toggle-Switches und zwei DSC_0111großen Switches nebst des Instrumenteneingangs (Klinke) unterhalb des Lochgitters platziert. Im ersten Moment wirkt zwar alles aufgeräumt, aber aufgrund der kompakten Ausmaße sind alle Knobs und Switches recht eng beieinander. Dank eines weißen Grafik-Aufdruckes kann man dennoch bei schlechtem Bühnenlicht die einzelnen Kanäle und Sektionen problemlos erkennen.

Die Knobs sind zwar Öl-gelagert, aber könnten für mein Empfinden etwas mehr Wiederstand gebrauchen. Die Regler wie auch die Toggles sind bombenfest verankert, hier wackelt nix, sodass der Night Train auch gerade deshalb zu einem treuen Begleiter der nächsten Jahre werden könnte.

Der Amp ist im Grunde genommen zweikanalig aufgebaut: BRIGHT und GIRTH. Wie es der Name schon sagt, ist der BRIGHT-Kanal für den Vox-typischen warmen Clean-Sound zuständig und bietet dank seiner kompletten Klangregelung TREBLE, MIDDLE und BASS eine umfangreiche Soundgestaltung von „geschmeidig und rund“ bis hin zu „brillant und beißend“. Vox hat dem BRIGHT-Kanal einen THICK-Schalter in Form eines kleinen 2-Wege-Toggles hinzugefügt. Dieser verwandelt den Clean-Kanal in einen waschechten Crunch-Kanal, wobei dann die Klangregelung deaktiviert wird, was durchaus Sinn macht. Denn durch diesen Trick hat man auf Knopfdruck schon mal zwei total unterschiedliche Sounds, welche mit dem optionalen Fußschalter VFS2A ebenfalls anzusteuern sind.

Der GIRTH-Kanal ist ein eigenständiger Gain-Kanalzug und bietet ebenfalls umfangreiche Klangregelung von Rock bis Lead. Er ist mit GAIN, TREBLE, MIDDLE und BASS ausgestattet. Ein VOLUME-Regler passt die Lautstärke des Kanals nach Wunsch des Spielers an den BRIGHT-Kanal an. Auch dieser Kanal ist mit dem optionalen Fußtaster fernsteuerbar.

In die MASTER-Sektion des Nachtzuges hat der Hersteller neben dem obligatorischen MASTER-VOLUME-Regler für die Gesamtlautstärke auch den Vox-typischen TONE CUT-Regler für die allgemeine Klangfarbenveränderung verbaut, welcher je nach Einstellung die Höhen abschwächt und so den Sound besser ins Bandgefüge einbindet. Ein kleiner TIGHT-Schalter schwächt sogar auf Kipp die Bässe ein wenig ab und macht den Sound noch etwas kompakter.

Wie es sich für einen vollwertigen Röhrenverstärker gehört, wurde ein STANDBY- und ein MAIN-Schalter (ON/OFF) ans Ende der Signalkette gesetzt.

Auch die Rückseite bietet viele Konfigurationsmöglichkeiten. Neben der Kaltgeräte-Netzbuchse verfügt der NT50H über insgesamt 3 Boxenausgängen, welche sich mit 2x 8Ohm- und 1x 16Ohm-Lautsprechern verstehen. Diese sind als Klinkenbuchsen ausgeführt. Zusätzlich wurde dem kleinen Kerl ein vollwertiger und schaltbarer (!) FX-Loop spendiert. Die mono verbaute Sektion bietet FX-LOOP SEND und FX-LOOP RETURN, ebenfalls als Klinken-Anschlüsse, sowie einen Hardware-Bypass in Form eines kleinen Tasters, der bei Betätigung die gesamte FX-Sektion umgeht.

Auf der Rückseite finden wir ebenso den Anschluss des optionalen Fußtasters VFS2A, welcher für den Live-Einsatz unbedingt angeschafft werden sollte. Nicht in Vergessenheit geraten sollte das dem Head beigelegte hochwertige Lautsprecherkabel mit einer Länge von ca. 1,20m, welches direkt aus der High-Performance-Cable-Serie entnommen wurde. Die verbauten Klinken-Stecker des Kabels wurden ebenfalls mit dem Vox-Emblem bedruckt und machen optisch schon echt was her.


2x12“ Speakerbox V212NT

Passend zum Night Train bietet Vox entweder die kleine 1x12“er Box oder die größere mit zwei 12-Zoll-Lautsprechern an. Für diesen Test wurde uns freundlicherweise die große Version V212NT mit  2x12“ Celestion G12H-30W 70th Anniversary Special Edition Speakern zur Verfügung gestellt. Die komplett in Schwarz gehaltene Box ist dank des Tragegriffs auf der Oberseite recht komfortabel zu transportieren, obwohl sie mit 9,5 kg Gewicht auch nicht zu den leichtesten gehört. Die Größe der Box ist mit 700 mm x 255 mm x 510 mm recht angenehm und kompakt und sollte in jedem Kleinwagen ohne Probleme Platz finden. Die Gehäuse-Ecken wurden formschön im Retro-Look abgerundet und liebevoll an das Design und Gesamterscheinungsbild der Night Train Serie angepasst. Die Speakerbox wird mit 16 Ohm betrieben und verfügt über einen einzelnen Klinken-Eingang. Die Vox-typische Stoff-Bespannung vor den Lautsprechern macht einen soliden Eindruck, der feine cremefarbene Rand gibt der Box einen zusätzlichen Retro-Faktor.

 

V212NT_FrontV212NT_Rear

 

 

 

 

 

 

 


Sound & Bedienung

Kommen wir nun endlich zum praktischen Teil dieses Tests. Um einen möglichst breitgefächerten Eindruck zu bekommen, habe ich nicht nur die ebenfalls in diesem Heft getestete Epiphone Tom Delonge, sondern eine Ibanez im ES-Style, eine Les Paul mit 498T-Pickup und eine Custom Stratocaster angespielt.

Der Aufbau des Testumfeldes war kinderleicht, da alle Steckverbindungen und Hinweise der Speakerbox vorbildlich auf den Geräten dokumentiert sind. Nachdem ich mich vorsichtshalber und tatsächlich mit Hilfe der deutschsprachigen Bedienungsanleitung mit den Bedienelementen vertraut gemacht habe, schalte ich den Night Train ein und eine rote Lampe in der Mastersektion signalisiert mir die Betriebsbereitschaft. Dank der ebenfalls mit kleinen Lampen versehenen Kanalzüge leuchtet der Clean-Kanal BRIGHT in einem satten und bereits von anderen Verstärkern etablierten Grün. Betätigt man nun den THICK-Toggle, so verfärbt sie sich in ein deutliches Orange-Gelb. Der GIRTH-Kanal wird mit einer eigenen Diode in kräftigem Rot suggeriert.

Der BRIGHT-Kanal liefert in der 12-Uhr-Position aller Regler einen sehr warmen und Vox-typischen brillanten Cleansound, wie man ihn von den großen AC30-Amps her kennt. Die V212NT-Box arbeitet sehr gut auflösend, so dass hier wirklich tolle Klänge aus dem NT50H entlockt werden können. Der Charakter jeder Gitarre wird nicht – wie bei so manchen Modelling-Amps – verfremdet, sondern bietet analogen Sound pur. Hier hört man klar die Röhren arbeiten und hat doch das Gefühl, einen wirklich teuren Verstärker vor sich zu haben. Auch die Klangregelung greift musikalisch in den Sound ein und sollte jedem Gitarristen einen eigenen Wunschklang liefern.

Das Betätigen des THICK-Schalters gibt dem BRIGHT-Kanal einen gehörigen Schub an Dampf und Röhren-Verzerrung. Solche Crunch-Sounds sucht man sogar in so manchen teureren Geräten vergebens. Warm, luftig, offen und sehr breit britzelt und zirpt jedes Riff oder Solo durch den Raum. Ich habe schon so einige Amps unter die Lupe genommen, aber einen so charakterstarken Gesamtsound habe ich lange gesucht.

Wo man bis dato von VOX nur den britischen Crunch- und Gain-Sound kannte, so liefert der GIRTH-Kanal brettharte amerikanische Zerr-Sounds, wie sie gerne von den aktuellen Bands wie Foo Fighters, Nickelback oder Green Day Verwendung finden. Dieser Klang ist äußerst lebendig und dynamisch, so dass selbst filigrane Soli oder schnelle Power-Riffs perfekt im Einklang mit der Musik abgebildet werden.

Jedem Studio-Besitzer und Live-Mixer wird außerdem die TONE-CUT und TIGHT-Schaltung zusagen, da durch einfaches Regeln und Aktivieren am Night Train die Gitarre spontan in den für Gitarre bestimmten Frequenzbereich gerückt wird. Ich habe wirklich ungelogen für eine Pop-Produktion kaum EQ-Einstellungen oder Low-Cut vornehmen müssen, als ich den Verstärker mittels Sennheiser 906 und SPL Frontliner recordet habe. Da stimmt alles, und das Konzept überzeugt durch und durch.

Das Verstellen der Regler jedes Kanals macht richtig Freude, und immer wieder entdecke ich neue Nuancen, welche jede Pop-Rock- oder auch Punk-Produktion aufwerten.

Die Gesamtlautstärke des NT50H in Verbindung mit der V212NT-Box ist schon fast unglaublich laut. Als ich den Amp einmal kurz in das Maximum fahren wollte, musste ich bei ca. 70% aufhören, da es sonst unerträglich geworden wäre. Und damit meine ich nicht den Sound, der angefangen hat zu zerren, sondern wirklich die Lautstärke. Während dieses Extrem-Tests wurde zu keiner Zeit der Sound merklich verändert. Da knirscht rein gar nichts, kein Röhren-Rasseln durch Eigenvibration oder Ähnliches. Das schöne am Night Train ist außerdem, dass er bereits bei einer Lautstärke von ca. 30% seinen vollen und warmen Klang erreicht hat. Auch leise macht er natürlich eine sehr gute Figur, doch ich kenne viele Kollegen, die immer und immer wieder behaupten, dass man Röhren-Amps „aufreißen“ muss, damit sie richtig gut klingen. Hier kann ich gut und gerne das Gegenteil behaupten. Außerdem schont es die Ohren der Mitmusiker oder Nachbarn.

Ein weiterer positiver Eindruck dieser Test-Kombination: Die meisten Test-Amps muss ich für diesen Testlauf trotz schwimmenden Teppich-Fußbodens und Absorber in meiner Aufnahmekabine zusätzlich gegen Bass-Wellen und Eigen-Vibration entkoppeln, doch die Konstruktion der Speakerbox V212NT macht dieses unnötig. Dank der soliden und vorbildlichen Anpassung des Topteils und der Box kann ich mich entspannt zurücklehnen und mich auf das Wesentliche konzentrieren: Den Song! Amp und Box arbeiten in perfekter Symbiose und ergänzen sich vorbildlich.


Fazit

Nach so vielen Lobeshymnen und meiner sichtlichen Begeisterung für den Night Train kann ich diese Kombination jedem ambitionierten Gitarristen nur wärmstens ans Herz legen. Ein alter Vox AC30 war immer ein Traum von mir, doch alleine das Gewicht und das Handling sowie der teure Anschaffungspreis haben mich bis jetzt abgeschreckt. Dank der Vox Night Train-Serie ist der Kultsound in schickem Retro-Design mit vielen tollen Features im wahrsten Sinne greifbar geworden und in eine Preisregion gerückt, die einem nicht gleich die Ersparnisse auffrisst. Und alleine durch die kompakte Bauweise des Topteils hat man schnell seinen wirklich teuer klingenden Sound kurzerhand in der Tasche. Würde Vox jetzt noch einen Bodybag für den NT50H rausbringen, wäre dies sicherlich eine zusätzliche gut angelegte Investition. Denn wie oft kommt man auf Bühnen mit der Backline nicht zurecht oder muss sein tonnenschweres Topteil in Cases mit zum Gig nehmen. Dieser kleine Kerl hat absolut alles, was man braucht, um anständig und professionell auf der Bühne oder im Studio abzurocken. Sicherlich wird der eine oder andere Kollege etwas die Nase rümpfen, wenn man den kompakten Röhren-Kumpel aus der Tasche zieht, doch beim ersten Anspielen wird jeder wissen, dass der Nachtzug unterwegs ist, um den Rock-Olymp zu erklimmen...
Mein Tip: anspielen, verlieben und kaufen!


Facts

NT50H:
Größe: 458 mm x 235 mm x 175 mm (B x H x T)
Bauart: Vollröhren-Topteil Class AB, 2 Kanäle
Gewicht: ca. 12,2 kg
Gehäuse: Vollmetall, größtenteils verchromt
Leistung: 50 Watt RMS in  8 Ohm oder 16 Ohm Mono
Regler BRIGHT: GAIN, TREBLE, MIDDLE, BASS, THICK-Toggle   
Regler GIRTH: GAIN, TREBLE, MIDDLE, BASS, VOLUME
Regler MAIN: TONE CUT, TIGHT-Toggle, VOLUME   
Ein- / Ausgänge: Instrumenten-Eingang auf dem Frontpanel
FX Send und Return (Mono-Klinke, schaltbar)
Speaker-Out (2x 8Ohm, 1 x 16Ohm)
Footswitch Klinke-Output, Netzstecker
Lieferumfang: Netzkabel, Vox-Speaker-Kabel,
deutschsprachige Bedienungsanleitung

UVP*: 832 EUR


V212NT:
Größe: 700 mm x 255 mm x 510 mm (B x H x T)
Bauart: Lautsprecherbox Mono, offen
Gewicht: ca. 9,5 kg
Gehäuse: MDF, mit schwarzem Kunst-Leder im Retro-Look überzogen
Leistung: 100 Watt RMS 16 Ohm Mono
Speaker: 2 x 12-Zoll Celestion GH30W 70th Anniversary Special Edition   
Ein- / Ausgänge: Speaker-In Klinke, Mono

UVP*: 559 EUR

www.voxamps.com

Autor: Michelle Schiller



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Kommentare (1)add comment

Franz said:

0
...
Im Fazit wird der Verstärker mit einem AC30 verglichen. Ich habe beide Amps im Laden miteinander verglichen und sie sind beide total unterschiedlich.
Januar 04, 2014

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busy

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