Fishman Loudbox Mini

Loudbox-mini-front200Das kleine feine Monster!

Der amerikanische Hersteller Fishman, bis dato eher als Pickup-System-Hersteller bekannt, bietet einen hochwertigen Akustik-Verstärker an, der nicht nur klein und handlich ist, sondern einen schon fast monströsen Sound im Verhältnis zur Baugröße liefern soll. Das macht neugierig.

 

 

Optik und Aufbau

Die Fishman Loudbox Mini kommt in einem sehr klassischen Design daher. Der komplett geschlossene Verstärker wirkt äußerst kompakt und sehr handlich. Ein fast schon hölzern wirkender Kunstlederbezug schmückt die Seiten, zum Teil die Oberseite sowie die Rückseite. Das Anschluss- und Bedienfeld sowie der Kühlbereich des Amps sind aus goldbraunem Blech gefertigt, welches sehr stabil und robust erscheint. Der schwarze Kunststoff-Griff auf der Oberseite ist fast schon etwas überdimensioniert für die Größe und bietet einen sehr sicheren Grip. Die etwas vorstehenden Seitenteile wurden mit Kunststoff-Schutzkanten in Richtung der Regler verstehen, so dass z.B. Metall-Klinkenstecker keine Chance haben, die Kunstlederummantelung im Laufe der Jahre aufzuribbeln oder gar zu zerstören. Ein winziger Aufdruck auf der Rückseite macht die Herkunft ersichtlich: Dieses kleine Kerlchen wurde in den USA konzipiert und wie mittlerweile üblich im fernen Asien – in diesem Falle Korea - zusammengeschraubt. Das begründet auch, warum dieser Amp für knappe 360 EUR im gut sortierten Handel erhältlich ist.

Loudbox-mini-frontDer kleine 6,5“-Speaker und das 1“-Horn sind sicher unter einer dunkelbraunen Stoffbespannung versteckt. Hier sieht man – wie bei Combos üblich – auch den Herstellerschriftzug als 3D-Emblem. Der Verstärker ist 2-kanalig aufgebaut, sodass neben dem Instrumenten-Eingang ebenso ein Mikrofon-Eingang und ein zusätzlicher separater AUX-Eingang vorhanden sind. Die Frontseite bietet ein wirklich übersichtliches Bedienfeld. Der Klinken-Instrumental-Eingang macht den Anfang, welcher mit einem kleinen PHASE-Druckschalter ausgestattet ist. Dieser hilft, um in bestimmten Situationen je nach Geschmack die Phase umzukehren und sich so an die Gegebenheiten des Raumes anzupassen. Die darauf folgenden schlanken Kunststoff-Regler wirken meines Erachtens etwas dünn, laufen aber mit angenehmem Widerstand. Von links nach rechts finden wir dort GAIN (für die Verstärkung des Eingangssignals), LOW/MID/HIGH für die aktive Klangregelung, REVERB für den Hall-Anteil sowie einen separaten Regler für den integrierten CHORUS, welcher dem Sound einen kleinen aber feinen virtuellen Stereo-Effekt verleihen soll.

Mit einem aufgedruckten Senkrecht-Strich wird dann der Instrumental-Bereich von dem Mikrofon-Kanal getrennt. Die XLR-Buchse aus Kunststoff ist komplett versenkt verbaut. Auch hier findet sich eine Klangregelung, welche aus GAIN, LOW/HIGH und REVERB besteht. Am Ende der Regler-Kette ist ebenfalls optisch getrennt der Master-Kanal für die Gesamtlautstärke. Eine kleine rote Leuchtdiode signalisiert die Betriebsbereitschaft.

Auf der Rückseite befinden sich die Kaltgerätebuchse für das integrierte Netzteil, der POWER-ON/OFF-Schalter sowie die als Groß- und Mini-Klinkenbuchsen ausgelegten Eingänge für den AUX. Hier lassen sich entweder andere Mono-Signale einschleifen oder ein MP3-Player/Handy mit Playbacks direkt anschließen. Die Lautstärke-Regelung muss allerdings am einzuspeisenden Gerät selber durchgeführt werden, da der Amp nicht über eine AUX-Lautstärke-Regelung verfügt.

Zu guter Letzt hat der Hersteller noch eine MIX-D.I.-OUTPUT-XLR-Verbindung integriert, welche die Mastersumme für Recording oder zur Weiterführung an einen Mixer bereit hält. Oberhalb und auf der Rückseite befinden sich noch eingestanzte Kühlrippen im Verstärkerteil zur Kühlung der Transistor-Baugruppe.

Von Haus aus ist der MINI angeschrägt ausgeführt, so dass bei dieser kompakten Größe die Signale schon in Richtung des Zuhörers geleitet werden. Vier große Gummifüße bieten sehr sicheren Stand, so dass der Combo in keiner Weise wackelt. Insgesamt wirkt der Kleine äußerst sauber verarbeitet. Leider verfügt er nicht über einen Phones-Ausgang, so dass ein stilles Üben mit einer Silent-Guitar und den tollen Effekten nicht möglich ist.


Sound und Bedienung

Angeblich soll der kleine Kollege 60 Watt Leistung bringen. Das kann eigentlich nicht viel sein – zumindest für die Größe. Für meinen ersten Probelauf schließe ich die Ibanez sowie ein kabelgebundenes dynamisches Gesangsmikrofon an und erschaffe damit eine klassische Testumgebung, für die der mehrkanalige Akustik-Verstärker konzipiert ist.

Den Master-Volume-Regler drehe ich vorsichtshalber auf 9 Uhr, da ich ja nicht weiß, was mich für eine Gesamtlautstärke erwartet. Alle Klangregler drehe ich in die neutrale Position, den Reverb und den Chorus lasse ich erst einmal außen vor. Mittels GAIN lässt sich das Eingangssignal der Gitarre sehr sauber einpegeln, die Klangregelung greift schön musikalisch in den Instrumentensound ein und verfälscht nicht. Auch der PHASE-Schalter arbeitet angenehm und verdreht den Sound nicht komplett auf Links. Die Gesamtlautstärke wirkt schon im ersten Viertel des Master-Regelwegs äußerst laut, sehr brillant und warm. Ich wusste bis dato nicht, wie sensibel der Pickup der Ibanez eigentlich ist, da ich dieses Instrument nur über eine PA gespielt habe. Sämtliche Spiel-Nuancen sind klar und deutlich hörbar. Auch im Bass-Bereich ist genügend Futter vorhanden - trotz des 6,5“-Speakers! Nun füge ich dem Sound der Gitarre noch ein wenig Digital-Hall hinzu, welcher wirklich sehr brauchbar erscheint und nicht an einen billigen Massen-Chip eines Low-Budget-Mischpultes erinnert. Klar gesagt: Er funktioniert. Der Chorus wirkt auch nicht unbrauchbar, sondern macht den Sound insgesamt noch lebendiger und breiter. Und das, ohne den Sound zu sehr zu verändern. Die 3-Band-Klangregelung arbeitet ebenfalls musikalisch und macht es sehr einfach, der Gitarre in kürzester Zeit einen schönen Sound zu entlocken.

Der Mikrofon-Bereich arbeitet ebenfalls ausgesprochen angenehm, die 2-Band-Klangregelung macht einen vernünftigen Job und fügt den Vocals einen seidigen Sound hinzu. Der Reverb bringt noch ein wenig mehr Fülle, so dass man es hier schon mit einem echt amtlichen Kanalzug zu tun hat.

Mittels der jeweiligen GAIN-Regler mische ich so etwas Stimme oder Gitarre in den Master-Channel, was wirklich wunderbar funktioniert. Nichts wird übersteuert oder überlagert und im ganzen Test war jeder Kanal klar und deutlich zu unterscheiden. Da suppt nichts oder matscht den Sound zu.

Die D.I.-Funktion arbeitet auch selbstverständlich sauber für Recordings oder To-Mixer, die AUX-Anbindung bietet eine Fülle an Übungs- und Play-to-Playback-Möglichkeiten im trauten Heim.

Nun aber noch etwas zur Lautstärke des Loudbox Mini Combos: Ich habe den kleinen Kerl auf die härteste aller Proben gestellt, als ich passend für diesen Test einen Anruf einer Sängerin bekam, welche ich auf dem Geburtstag ihres Vaters für ein paar Stücke auf der Akustik-Gitarre begleiten sollte. Die Feierlichkeit fand in einem großen Bürger-Saal statt, über 80 Gäste waren geladen und das Buffet schon aufgebaut. Der Auftritt sollte eine Überraschung sein, so dass im Vorfeld keine Möglichkeit bestand, einen Soundcheck durchzuführen oder gar eine größere Anlage aufzubauen. Also klemmte ich mir den Fishman Verstärker unter den Arm, griff zur Gitarre, schnappte mir ein digitales Funkmikrofon und zog los.

Einige Gäste waren von dem Auftritt informiert worden und wollten mir unbedingt beim Aufbau helfen. Leider musste ich die freundlichen Helfer an meinem Auto enttäuschen, da ich nur den Mini-Combo mit seinen gerade mal knappen 9 kg Leichtgewicht aus dem Kofferraum holte. Die Gesichter waren doch sehr erstaunt und der Fishman wurde echt belächelt - „Schiller, damit willst Du den Saal rocken?“

Keine 5 Minuten später sollten alle eines Besseren belehrt werden. Den Master stellte ich gerade mal auf 10 Uhr, die Sängerin griff zum Mikro und ich schlug die ersten Töne von Tracy Chapman‘s „Talkin‘ Bout A Revolution“ an. Keiner der Gäste hatte mit einer so vollen Lautstärke gerechnet, einige aus der ersten Reihe flüchteten in den hinteren Bereich, weil es schlichtweg zu laut war! So habe ich einen wirklich großen Saal mit dem kleinen Fishman gerockt. Alle Frequenzen wurden sauber abgebildet und haben mich voll überzeugt. Ich habe den Verstärker danach einmal auf voller Leistung bei mir im Studio gefahren und muss sagen, dass es verdammt laut war! Vielleicht doch Magie?


Loudbox-mini-side2Fazit

Die Optik ist sicherlich eher Geschmackssache. Ich hätte mir eher ein weißes Modell gewünscht, was noch edler daher gekommen wäre. Meine Frau hat als erstes gesagt, dass sie der Amp sehr stark an ein altes Radio von ihrer Oma erinnert… zum Glück sind die Geschmäcker ja verschieden!

Das Gerät ist so kompakt, dass es schon echt erschreckend ist, was hier von Fishman alles an Möglichkeiten verbaut worden ist. So könnte in kleinen Insider-Clubs statt eines Transporters mit PA auch ein Fahrrad mit Gepäckträger als Transportmittel vollkommen ausreichen, um kleinere Solo-Sessions durchzuführen.

Oder zum Beispiel für die vielen Musiker, die auf Firmenveranstaltungen, Hochzeiten oder Geburtstagen spielen, bietet dieser Amp eine wirkliche Alternative zum ganz großen Besteck. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist fantastisch und die Anschaffung auf jeden Fall eine Überlegung wert. Dieses kleine Monster hat nicht nur die Gäste der Geburtstagsfeier und mich als Musiklehrer, Studiobetreiber und Vollblutmusiker vollkommen überzeugt, sondern abermals deutlich gemacht, dass die Größe nicht entscheidend ist. Chapeau!

 

Größe:
305 x 349 x 247mm (H x B x T)
Bauart:
Combo geschlossen
Gewicht:
ca. 8,9 kg
Gehäuse:

Kunststoffüberzogenes Holzgehäuse, Klassische Kunstleder-Optik und Stoff-Lautsprecher-Bespannung
Leistung:
60 Watt RMS in 8 Ohm
Kanäle:
2 (1 Instrument /1 Mikrofon) AUX-Eingang
Regler:

1. Instrument: Gain, Low, Mid, High, Reverb, Chorus, Phase
2. Mic: Gain, Low, High, Reverb Master
Effekte:
Digital-Reverb / Chorus
Lautsprecher:
1 x 6,5“ Speaker, 1 x 1“ Horn
Ein-/Ausgänge:

Instrumenten-Eingang (Klinke), Mikrofon-Eingang XLR, AUX-Eingang (Klinke/Mini-Klinke), D.I.-Out XLR
Lieferumfang:
Netzkabel, gedruckte Kurzanleitung
 
 
 
 
UVP*:
ca. 439,00 EUR

www.fishman.com



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