Radial Headload

Radial-Headload LifestyleThe Sound Of Silence

Röhrenverstärker sind nach wie vor die Referenz in Sachen Gitarrensounds. Trotz großer Auswahl an Alternativen sind ausgewachsene Vollröhrentopteile noch immer die erste Wahl für so gut wie jeden gewünschten Gitarrensound. Der satte Ton einer in die Sättigung gehenden Röhrenendstufe ist einer der Gründe warum Röhren-Amps nicht wegzudenken sind. Leider geht das meistens mit ohrenbetäubenden Lautstärken einher, mit denen man sich keine Freunde unter den Nachbarn macht, und auch seinen Ohren auf Dauer keinen Gefallen tut.

Genau an dieser Stelle kommt der Powersoak bzw. die Loadbox ins Spiel. Diese Geräte reduzieren die Leistung eines Verstärkers mit einem Lastwiderstand und ermöglichen so etwas menschenfreundlichere Lautstärkepegel.
Einen besonderen Vertreter der Gattung Loadbox haben wir unter die Lupe genommen: Das Radial Engineering Headload.

Vorweg sollte erwähnt werden, dass der Radial Engineering Headload deutlich mehr kann als einfach nur leiser machen; dafür sorgt unter anderem die integrierte Speaker Emulation, mit dem es sogar möglich ist komplett lautlos aufzunehmen, der Kopfhörerausgang und der aktive EQ. Aber eins nach dem Anderen.

Features
In erster Linie handelt es sich beim Headload um eine Loadbox, die zwischen Topteil und Box geschaltet wird. Das ermöglicht es den Amp sehr weit aufzudrehen um die Röhren in die Sättigung zu fahren und dann die so entstehende, sehr hohe, Lautstärke wieder zu reduzieren. So hat man zwar den Sound eines weit aufgerissenen Röhren-Topteils, aber ohne das einem die Ohren abfallen. Das ergibt insbesondere bei alten Marshalls und ähnlichen Verstärkern, die über keinen Master Volume verfügen, Sinn.
Hier geht Radial Engineering auch gleich den nächsten logischen Schritt und spendiert dem Headload eine integrierte Speaker Emulation. Damit ist es möglich live oder im Studio komplett auf eine Mikrofonierung zu verzichten und das Signal schon vor der Box abzugreifen. Hier kommt die bewährte JDX Emulation zum Einsatz, die auch schon bei anderen Direkt-Boxen aus dem Hause Radial zum Einsatz kam.
Um Phasen-Probleme zwischen dem „echten“ Signal über eine Gitarrenbox und dem Direkt-Ausgang zu korrigieren verfügt das Headload über einen Phase-Shifter mit dem sich die Phase des Direkt-Signals um bis zu 360 Grad drehen lässt. Ein wirklich brauchbares Feature, möchte man das Direkt-Signal und eine mikrofonierte Box kombinieren.
Für den Fall, dass es einmal ganz lautlos sein soll wurde dem Gerät außerdem ein Kopfhörer Ausgang spendiert – ein Feature, was man bei Produkten dieser Gattung ehr selten Antrifft.headload 6-hirez

Aufbau und Verarbeitung
Das Headload ist in einem kompakten, wenn auch recht schweren Metallgehäuse untergebracht. Hier lässt sich nicht meckern. Das Gerät scheint für die Ewigkeit gebaut zu sein und macht einen nahezu unzerstörbaren Eindruck. Auch die Potis und Bedienelemente fühlen sich sehr solide an – Absolut Roadtauglich. Mit dem entsprechenden optionalen Zubehör lässt sich das Gerät auch in ein 19 Zoll Rack einbauen.

Auf der Vorderseite findet man alle wesentlichen Bedienelemente. Diese sind übersichtlich in vier Sektionen eingeteilt. Der erste Block ist für die Loadbox zuständig. Hier gibt es einen 6-Wege-Schalter („Load“) mit dem man die Leistung in 20%-Schritten von 100% (unveränderte Lautstärke) bis off (absolute Stille) regeln kann. Direkt daneben befindet sich ein Poti mit der Aufschrift „Range“. Mit diesem lässt sich die Leistung in Kombination mit der 20% Einstellung des „Load“ Reglers stufenlos bis auf 1% der ursprünglichen Leistung zurückregeln. Außerdem gibt es hier noch zwei Kippschalter für Hi- und Lo-Resonance. Dazu später mehr.
Die nächste Sektion ist für die Speaker-Emulation der Direkt-Outs zuständig. Neben einem 2-Band-EQ hat man hier die Möglichkeit über einen 6-Wege-Drehschalter zwischen sechs verschiedenen Speaker-Emulationen zu wählen.
Als nächstes findet man die Phase-Shifter Sektion. Neben dem Poti über den man die Phase um bis zu 180 Grad drehen kann gibt es hier zwei kleine Knöpfe: Ein Ein/Aus-Schalter für den Phase-Shifter und ein Wahlschalter mit dem sich der Bereich des Potis von 0-180 Grad auf 181-360 Grad umschalten lässt.
Als Letztes bleibt noch die Kopfhörer-Sektion zu nennen. Diese verfügt über einen Level-Regler und den, als Standard 1/4-Zoll-Klinke ausgelegten Kopfhörerausgang. Der Kopfhörerausgang ist der einzige Anschluss auf der Vorderseite. Alle anderen Anschlüsse befinden sich auf der Rückseite des Gerätes.

Ähnlich wie auf der Vorderseite sind die rückseitigen Anschlüsse sehr übersichtlich in drei verschiedenen Sektionen angeordnet. Für die Einbindung in das Gitarrensetup gibt es die Sektion mit der Aufschrift „Amplifier/Speaker Load Connection“. Hier gibt es eine ¼ Zoll Klinken-Buchse zum Anschluss eines Gitarrenverstärkers und zwei ¼ Zoll Klinken-Buchsen als Boxenausgang. Bei unserem Testgerät handelt es sich um die Version mit 8 Ohm. Trotzdem ist neben der 8 Ohm Eingangsbuches ein weiter Slot für eine 4 Ohm Buchse. Dieser ist aber mit einer Plastikkappe abgedeckt. Man muss sich beim Kauf für eine der drei Versionen (4, 8 oder 16 Ohm) entscheiden.
Neben den Ein- und Ausgängen findet man außerdem zwei Sektionen für die Direkt-Ausgänge: Zum einen die „Unbalanced Outputs“ und zum anderen die „JDX Balanced Line Level Outputs“. Die JDX Balanced Outputs sind eines der Features, mit der sich Radial abhebt. Dabei handelt es sich um eine Technologie, die es ermöglicht das Amp-Signal (vor der Gitarrenbox) für Recording oder PA abzugreifen und dabei eine mikrofonierte Gitarrenbox zu simulieren. JDX-Outputs stehen zwei zur Verfügung – beide als XLR Buchsen ausgelegt. Der eine ist als ein PA-Output gedacht; hier wird das Signal vor dem 2-Band-EQ abgegriffen. Der andere Ausgang wird hinter dem EQ abgegriffen und eignet sich daher gut als Monitor-Ausgang. Auf diese Weise hat man die Möglichkeit seinen Monitorsound auf der Bühne anzupassen ohne dabei auch in den FOH-Sound eingreifen zu müssen – ein sehr praxisnahes Feature.
Bei „Unbalanced Outputs“ handelt es sich um eine Art Line-Level-Ausgänge für den Anschluss zusätzlicher Geräte. Diese Anschlüsse sind als ¼ Zoll Klinken ausgelegt. Einer der beiden Unbalanced Outputs ist im Wesentlichen eine Line-Level Version des JDX Outputs, der ebenfalls vom EQ affektiert ist. Beim anderen handelt es sich um einen Direkt-Ausgang, der das Ausgangssignal des Amps unverändert (aber auf Line-Level) weitergibt um beispielsweise eine weitere Speaker-Emulation anzusteuern. Jeder dieser 4 Ausgänge verfügt zusätzlich über einen Groud-Lift Schalter um unerwünschtes Brummen und Nebengeräusche zu verhindern. Die Pre-EQ Ausgänge bieten außerdem die Möglichkeit die Phase um 180 Grad zu drehen.
Als letztes sei noch der Anschluss für das externe Netzteil erwähnt. Dieser Anschluss ist als 4-Pol XLR Buchse ausgelegt, wodurch das Kabel immer fest in seiner Buchse sitzt. Hier könnten sich viele Hersteller ein Vorbild nehmen.

Die Anschlussmöglichkeiten bieten also sehr umfangreiche Möglichkeiten für die Integration in jedes Live- oder Studio-Setup was die Einsatzgebiete des Headload sehr umfangreich macht.

Praxis und Sound
Die Inbetriebnahme gestaltet sich sehr intuitiv. Einfach das Headload mit zwei Speaker-Kabeln mit Verstärker und Box so wie mit dem Netzteil verbinden, schon ist das Gerät einsatzbereit.
Verwendet man man das Gerät mit dem „LOAD“-Regler auf 100% macht das Headload nichts und das Signal geht unverändert zur Box. Hier kann man tatsächlich keinerlei Unterschiede oder Beeinträchtigung des Klanges feststellen. Interessant wird es allerdings erst, wenn man beginnt den Amp mit dem „LOAD“-Regler zu „drosseln“...
Auch hier tut das Gerät genau was es soll, nämlich in erster Linie leiser machen. Die Leistung des Verstärkers wird je nach Einstellung des „LOAD“-Reglers zu unterschiedlich großen Teilen von einem Lastwiderstand geschluckt, so dass der Charakter des Ursprünglichen Signals unberührt bleibt. In dieser Disziplin muss man das Radial Headload zweifelsfrei als Referenz einstufen. Die „Drosselung“ des Signals ist absolut verlustfrei und man hört zu jedem Zeitpunkt nicht mehr oder weniger als den Sound seines Röhrenverstärkers. Auf diese Weise kann man seinen Röhrenverstärker sehr weit in die Endstufensättigung bringen und die Lautstärke trotzdem frei wählen. So werden auch mit sehr Leistungsstarken Amps Sounds möglich, die sonst auf Grund des zu hohen Pegels weder im Studio noch auf der Bühne realisierbar währen.
Das Headload ermöglichst aber auch eine Leistungsreduktion auf ein Schlafzimmer- oder Mietwohnungs-taugliches Level. Auch bei dieser extremen Leistungsreduktion bleibt das Signal des Verstärkers unverfälscht. Hier kann allerdings das Problem auftreten, dass der Druck in den Höhen und/oder Bässen fehlt. Dieses Problem ist rein physikalischer Natur und liegt daran, dass das menschliche Ohr Frequenzen auf niedrigen Lautstärkepegeln anders wahrnimmt. Aber auch für dieses Problem hat Radial die passende Lösung gefunden – hier kommen die eingangs erwähnten Resonance-Schaler ins Spiel. Es steht jeweils ein Schalter für Hi- bzw. Lo-Resonance zur Verfügung. Diese Schalter heben die Resonanz in den Bässen und/oder Höhen an, so dass die Ansprache sich wieder wie beim Abhören auf höheren Lautstärken verhält. Dieses Feature macht einem das Leben in leisen Abhörsituationen durchaus einfacher, kann aber auch auf „normalen“ Pegeln als eine Art Höhen- bzw. Bass-Boost eingesetzt werden.headload 3-hirez

JDX Direct-Outs
Vorweg sei gesagt, dass die Direct-Outs des Headload, dank Radials JDX Technologie, ein besonderes Lob verdienen.
Es ist möglich das Headload mit einem Standard XLR-Kabel einfach an ein Mischpult oder Interface anzuschließen und man hat sofort ein direktes Signal, das das Klangverhalten einer abgenommenen Gitarrenbox simuliert. Für diese Simulation stehen sechs Voreinstellungen (Speaker Cab Voicings) zur Verfügung. Beim ersten der sechs Voicings handelt es sich um den Sound, den man auch von den JDX-Boxen von Radial kennt. Bei den anderen fünf handelt es sich um Simulationen bekannter Boxen-Typen. Diese sind von Radial nicht spezifisch beschrieben, aber hier ist auf jeden Fall jeder gängige Boxen-Charakter abgedeckt. Hier sollte einfach experimentiert werden.
Die JDX-Sounds sind mehr als brauchbar und die Einsatzgebiete sind vielfältig. In vielen kleineren Locations ist es sicherlich sinnvoll die Mikrofonabnahme einer Gitarrenbox mit dem JDX Signal zu ersetzen. So hat man in jedem Fall einen klaren und definierten Gitarrensound ohne wenn und aber.
Es ist auch möglich den JDX-Sound und den „echten“ Mikrofon-Sound zu mischen. Hier hat Radial Engineering mitgedacht und dem Headload einen integrierten Phase-Shifter spendiert. Auf diese Weise können alle Phasen-Probleme sehr intuitiv in wenigen Sekunden behoben werden – ein wirklich brauchbares Feature. Damit wird das Headload sicherlich auch für Studios interessant.
Vor allem für Freunde des In-Ear-Monitoring sollte der JDX-Ausgang mit 2-Band-EQ interessant sein. Hier ist es sehr einfach möglich ein eigenes Monitoring-Signal aus seinem Rig zu holen, welches mit dem EQ direkt angepasst werden kann, ohne den eigentlichen Publikums-Sound zu verändern (Das gleiche funktioniert natürlich auch mit Monitorboxen).
Alle der erwähnten Möglichkeiten sind natürlich kombinierbar und können simultan genutzt werden. Es ist sogar möglich ganz auf eine Gitarrenbox zu verzichten. So ist es nicht nur möglich auf der Bühne komplett lautlos zu sein, sondern man spart sich auch das schleppen einer Box. Je nach Größe des Gigs bzw. der Tour sollte das eine große logistische Entlastung sein, ohne dass man auf seinen eigenen Sound verzichten muss oder gezwungen ist auf Kompromisse wie Modeling-Verstärker zurückzugreifen.

Abgerundet wird das Gesamtpaket von den beiden Klinken Ausgängen (Unbalanced-Outs), die die Einsatzmöglichkeiten und möglichen Setups noch einmal erhöhen. Diese produzieren einmal das trockene original Signal des Amps, zum anderen einen weiteres JDX-Signal – beides auf Line-Level und mit eigenem Volume Regler. Hiermit ist es zusätzlich möglich weitere Geräte wie Verstärker, Speaker-Emulationen oder ähnliches anzuschließen. Außerdem bieten diese Ausgänge zusätzliche Monitoring- oder Aufnahmemöglichkeiten. Hier hat Radial wirklich ganze Arbeit geleistet.

Fazit
Das Radial Engineering Headload ist ein wirklich sehr durchdachtes und praxisnahes Konzept. Sowohl als einfacher Powersoak bzw. Loadbox als auch als Direkt-Box spielt das Headload in der allerersten Liga mit. Alle Features sind sehr praxisnah und durchdacht. So ist das Gerät sowohl Live als auch im Studio ein mächtiges Werkzeug, wenn es um die Arbeit mit Vollröhrenverstärkern geht. Auch die sehr hohe Qualität der Speaker-Emulation sei noch einmal hervorgehoben.www.shuredistribution.de


Facts

  • Gerätetyp: Aktive Loadbox mit emuliertem DI-Ausgang
  • Gehäuse: Beschichteter Stahl
  • Abmessungen: 154mm x 305mm x 87.6mm
  • Gewicht: 3,63 kg
  • Belastbarkeit: 120 Watt RMS, 180 Watt Peak
  • Versionen: 4 Ohm, 8 Ohm, 16 Ohm
  • Anschlüsse: Input: 1 x Eingang für Gitarrenverstärker (Klinke), Ausgang: 2 x Boxen-Ausgang (Klinke), 2 x Balanced-Out (XLR), 2 x Unbalanced-
  • Out (Klinke), 1x Headphones (Klinke)
  • Besonderheiten: JDX-Direct Box, aktiver 2-Band-EQ, Speaker-Simulation, Phase-Shifter, Direkt Ausgang und Gitarrenbox simultan nutzbar
  • Stromversorgung: Externes Netzteil (4-Pol XLR)
  • Lieferumfang: Netzteil, 4-Pol XLR Stromkabel, Manual

UVP: 1415,55 EUR / Straßenpreis: ca. 1275 EUR

Autor: Leon Cohnen



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