LINE6 POD HD300

THE NEXT GENERATION

Der neue Sound-Gott für Guitar-Modelling in High Definition!

Der erste POD (auch bekannt als rote „Niere“ oder „Bohne“) stellte im Jahr 1998 alles in den Schatten, was im Bereich Amp-Modelling und Effekten zu damaliger Zeit überhaupt machbar und vor allem erschwinglich war. Ich selber kenne so einige Gitarristen, die ihr übliches tolles Setup, bestehend aus Amps und Effekten, komplett eingemottet und nur noch über den POD von LINE6 gespielt haben. Einfacher ging es ja auch nicht: Klinken-Kabel in den Mischer und schon gab es revolutionäre Gitarrensounds plus tolle Effekte für jeden Geschmack. Tonnenschwere Schlepperei für ein Effekt-Rack war Vergangenheit.

 

Aller Anfang war schwer, zögerlich und skeptisch beäugten viele Musiker zu Beginn der Modelling-Ära das kleine rote „Dingsbums“. Hauptsächlich bemängelten sie  das unzureichende Attack-Verhalten und den doch etwas steril klingenden Gesamtsound. Schon in der ersten Generation waren umfangreiche Effekte möglich, doch der Begriff der „eierlegenden Wollmilchsau“ wurde nur ungern verwendet. Aber LINE6 ließ es sich nicht nehmen, die Technik und das Konzept immer weiter auszubauen. Diese Technik nahm dank des POD2.0 oder der Nachfolger POD XT oder POD Pro auch als 19-Zoll-Gerät in modernen und auch namhaften Tonstudios endlich den verdienten Einzug.

Die fast unendlichen Editier-Möglichkeiten über neuartige Software-Programme oder gar Plugins für DAWs (z.B. PODFarm), das Erweitern der Models mit sogenannten Model-Packs über Software-Updates usw., vergrößerten die Fangemeinschaft und überfluten seitdem die Gitarristen mit immer toller klingenden Sounds/Effektketten und authentisch klingenden Gitarren-Amps.

Ganz großes Kino war auch die VETTA-Serie, die erstmals wirklich hochwertige Amp-Models in waschechten Combos oder Topteilen zur Verfügung stellte. Ich selbst war damals stolzer Besitzer des VETTA-HD Topteils und sehr von der Klangqualität und der Flexibilität angetan. Doch als ich den VETTA-Amp im Studio eines Freundes mit einem Vollröhren-Amp verglichen hatte, schrumpfte der Stolz-Faktor doch erheblich, so dass ich mich entschloss, für mein Live-Equipment wieder den guten alten Tube-Amps den Vortritt zu lassen.
Umso interessanter ist für mich die neue Generation des PODs in Form der HD-Serie. Nach über drei Jahren intensiver Forschung und Anpassung der technischen Möglichkeiten, läutet Line6 die nächste Stufe des Amp-Modellings ein und bringt mit den Geräten HD300, HD400 und dem Flaggschiff HD500 die gesamte Szene in Aufruhr. Line6 war so freundlich, mir mit dem POD HD300 den Kleinsten der neuen Produktlinie für einen ausführlichen Test zur Verfügung zu stellen. Was der neue POD HD so alles auf dem Kasten hat und inwiefern sich die Unterschiede der 300er-, 400er- und 500er-Modelle bemerkbar machen, soll dieser Test zeigen.

Grundsätzlich ist der kleinste Vertreter der HD-Serie ein vollwertiger Floor-Preamp mit Effekten, der entweder an den vorhandenen Verstärker oder direkt ins Pult/Computer angeschlossen werden kann. Der größere Bruder HD400 besitzt neben der schon üppigen Ausstattung ca. 10 weitere Vintage-Effekte, zusätzliche Taster, eine erweiterte Konnektivität in Form von Stereo-Effects-Send/Return (Einschleifweg für Amp-Setup) und einem zusätzlichen Expression-Pedal-Anschluss.

Das große Familienoberhaupt HD500 hat neben den nochmals erweiterten Effekten (insgesamt über 100) und 12 beleuchteten Tastern zusätzlich einen Mikrofon-, Aux- und Variax-Eingang sowie einen S/PDIF-Ausgang. Außerdem steht bei diesem Modell nicht der Spaß- und Spielfaktor, sondern zusätzlich das tiefere Eingreifen in den Sound im Vordergrund. Der HD 500 ist im Grunde genommen eine Hardware-Version der aktuellen POD Farm 2-Software – nur ohne Rechner. Diese umfangreiche Ausstattung macht ihn zusätzlich zu einer umfangreicheren Audio-Interface-Zentrale. Auch das größere Display und die zusätzlichen Bedienungselemente machen den HD zum Topmodell seiner Serie.
Aber auch der „kleine“ mir vorliegende HD300 besitzt im Kern die gleiche Anzahl an Amps, eine Vielzahl an sinnvollen Features und braucht sich vor dem großen Bruder nicht zu verstecken. Ist die neue HD-Serie ein Quantensprung und Soundgarant der nächsten Generation? Klingt er, wie es Line6 gerne nennt, auch wirklich „luftiger“, „realistischer“, und hat er die „superbe Artikulation“? So werde ich den POD HD300 meinen kritischen Blicken unterziehen und mir den kleinen Kerl jetzt mal genauer anschauen… 
Optik und Aufbau

Nachdem ich den POD HD300 aus dem Karton genommen habe, finde ich eine Kurzanleitung bzw. das „Pilotenhandbuch“, 3 Registrierungskarten, ein USB-Kabel und neben dem massiven POD HD300 ein separates Netzteil, welches mich ein wenig ins Grübeln versetzt. Warum hat Line6 hier nicht ein Kaltgeräte-Kabel beigelegt und das Netzteil in den POD integriert? Dies stößt bei mir im ersten Moment auf Unverständnis. Hier hätte man zumindest auf der Bühne ein sicheres Gefühl, keine Angst vor Kabelbruch, und ein passendes Ersatz-Netzkabel hätte jeder Techniker oder Bandkollege sofort griffbereit.

Dennoch wirkt der POD HD300 dank des schweren Gehäuses aus „atombombensicherem“ Metall insgesamt äußerst robust und sieht hochwertig aus. Der silberne Metall-Bügel oberhalb der Fuß-Taster schützt die darüber liegenden schwarzen Kunststoff-Regler vor unbeabsichtigten Tritten und teilt den POD HD300 in 2 unterschiedliche Bedienfelder ein: Der Edit-Bereich für filigranes Bearbeiten mittels der Regler und der Arbeitsbereich mit den Fuß-Tastern aus verchromten Metall.

In der Editier-Sektion befinden sich die schwarzen Regler mit Einstellmöglichkeiten für FX1, FX2, FX3, REVERB, AMP, DRIVE, BASS, MID, TREBLE und CHANNEL-VOLUME. Außerdem wurde ein kleiner, beleuchteter Druckknopf FX-ONLY verbaut, der bei Aktivierung rot leuchtet, die Verstärkermodelle komplett deaktiviert und so die Verwendung des POD HD300 als reines Effektgerät vor einem anderen Amp ermöglicht. Unterhalb des Displays befindet sich ein 4-achs-iges Steuerkreuz, welches für die Bearbeitung in den Untergruppen des Edit-Modus benötigt wird. Ein gerasterter Endlos-Regler erlaubt das schnelle Durch-Zappen der Presets. Ein weiterer Druck-Knopf SAVE speichert das bearbeitete Preset. Alle schwarzen Regler sowie das 4-achsige Steuerkreuz sind aus stabilem Plastik gefertigt und machen einen robusten und roadtauglichen Eindruck.

Der untere Arbeitsbereich wird, wie schon beschrieben, von einem schweren metallischen Schutz-Bügel unterhalb der Regler eingegrenzt. Einzig der TAP/TUNER-Taster liegt links neben dem Bügel. Der erste untere Taster auf der linken Seite ist für die Auswahl des MODEs zuständig. Insgesamt verfügt der HD300 über 3 unterschiedliche MODEs: Bank-Mode, Looper-Mode und Amp-/FX-Mode. Dazu später mehr.

Das sehr robuste und schwergängige Fuß-Pedal mit einer gummierten Oberfläche kann wahlweise als Volume-Pedal oder WAH-/Expression-Pedal über das Preset konfiguriert werden. Dieses Pedal-Modell ist schon auf dem VETTA-Floorboard und den anderen FBV-Shortboards verbaut worden und hat schon zu Genüge Qualität und Funktionssicherheit bewiesen. Zwei kleine Lämpchen direkt neben dem Pedal zeigen optisch die jeweilige Konfiguration WAH oder VOL an.

Auf der Rückseite finden wir neben dem Guitar-In (Instrumenteneingang) den CD/MP3-In in Form einer Miniklinken-Buchse. Hier kann auf einfachste Weise z.B. ein iPOD (!) angeschlossen und direkt mitgespielt werden. Ein kleines Trim-Rädchen ermöglicht die Regelung der Gesamtlautstärke „Master Volume“. Die beiden Klinkenausgänge (Unbalanced Output) können wahlweise mit einem kleinen Schieberegler auf LINE (für direkte Mixerverbindung) oder AMP (Anschluss an  Verstärker) umgestellt werden.

Der Balanced Output wird über 2 stabile XLR-Buchsen zur Verfügung gestellt und kann ebenfalls mittels eines kleinen Schalters in die verschiedenen OUTPUT-MODES Live, Dual und Studio versetzt werden. Im STUDIO-Mode wird das Signal mit Mikrofon- und Boxen-Modeling ausgegeben (Direktausgabe), im LIVE-Mode kann der POD HD300 mit einem Amp verbunden werden und im DUAL-Mode teilt sich das Ausgangssignal, wobei auf dem linken Ausgang das unbearbeitete Signal für einen Verstärker ausgegeben wird, während der rechte das Gitarrensignal mit Modeling ausgibt. Somit kann man jederzeit auf Anhieb ein passendes Setup realisieren. Zusätzlich verfügt dieser Anschluss noch über eine Ground-Lift-Funktion, um Brummgeräusche auszuschließen.

Ein Standard-Klinken-Kopfhörerausgang ermöglicht ein tolles und mitmenschenfreundliches Üben im Mehrfamilienhaus oder auch im Hotel-Zimmer. Die Kopfhörerlautstärke wird über den Mini-Regler MASTER-VOLUME gesteuert.

Über die LINE6-eigene Schnittstelle L6 LINK kann eine neue leistungsfähige und einfache Verbindung zwischen einem POD HD-Modell und einem LINE6 DT-50-Verstärker mittels eines XLR-Kabels hergestellt werden. Diese Kabelverbindung sorgt für die komplette Synchronisation und Kommunikation beider Geräte, so dass keine weiteren Kabel benötigt werden. So werden ebenfalls Soundparameter von einem zum anderen Gerät „gefunkt“ und realistisches analoges Verhalten erzeugt. Hierzu gehören u.a. die Funktionsweisen CLASS A oder CLASS A/B, BIAS-Verfahren, B Spannung, Rückkopplungstopologie, Trioden-/Pentodenbetrieb der Leistungsröhren und vieles mehr, auf welche sich die beiden Geräte untereinander automatisch einstellen.

Der USB-Anschluss sorgt für die nötige Anbindung an den PC oder MAC, und der POD HD wird als vollwertige 2-kanalige Soundkarte u.a. mit einem ASIO-Protokoll erkannt. So können über eine entsprechende DAW-Software wie Cubase direkt glasklare Aufnahmen erfolgen.

Nachdem ich den POD mit dem Netzteil verbunden habe, schaltet er sich automatisch ein und nach einer Bootzeit von ca. 12 Sekunden ist er einsatzbereit. Einen zusätzlichen Einschaltknopf sucht man vergebens, was ebenfalls etwas ungewöhnlich sein dürfte. Hier hätte Line6 wieder mit einem integrierten Netzteil inkl. Power-Schalter punkten können.
Das 2-zeilige grafikfähige Display leuchtet in einem hellen Weiß mit blauer Schrift und dürfte auch auf der dunkelsten Bühne ausreichend Informationen liefern. Während des Bootens zeigt der POD HD300 die aktuelle Software-Version an, welche mittels des kostenlosen Softwaretools LINE6 MONKEY unbedingt auf den aktuellen Stand gebracht werden sollte. Mein Auslieferungs-Zustand war die Software-Version 1.03, welche dank MONKEY auf 1.10 gepatcht wurde. Ebenso rate ich dringend zum Download der Software POD HD300 Edit über die Hersteller-Seite, welche ein komfortables Editieren und Speichern der Presets ermöglicht.
Neben dem Grafik-Display leuchtet ein 3-stelliges DOT-Display in Orange-Gelb und zeigt klar und deutlich das gerade aktive Preset an. Jeder Fuß-Taster hat eine kleine LED-Leuchte integriert, die je nach MODE in Grün, Orange oder Rot leuchtet. Die TAP- und TUNER-Taste blinkt im jeweiligen Preset-Tempo fröhlich in auffälligem Rot vor sich hin.
Der BANK-MODE (grüne Beleuchtung aller Taster) ermöglicht das Abrufen der 4 Presets in der aktuellen Bank oder das Hoch- und Runterschalten in den Bänken. Es gibt beim POD HD300 insgesamt 32 Speicher-Bänke mit jeweils 4 Presets, welche direkt über die Taster A, B, C und D, abrufbar sind. Ein Umschalten der Bänke wird etwas umständlich über das gleichzeitige Betätigen der Taster A B für hoch und B C für runter durchgeführt. Beim Wechseln der Bänke blinkt die Preset-Anzeige und im Display wird der Name des kommenden Presets angezeigt.
Der AMP-Mode (alle Lampen leuchten in Orange-Gelb) ermöglicht im jeweiligen Preset das Aktivieren/Deaktivieren des AMPs und der zuschaltbaren FX-Prozessoren 1, 2 und 3. Auf FX1 liegen Gain-, Various- und Pitch-Effekte, auf FX2 hat Line6 Modulation, Filter und Tremolo-Effekte untergebracht, und auf FX3 befinden sich Delay, Tape-Echo sowie Sweep-Echo. Das jeweilige Modell kann über die Regler im Editier-Bereich ausgewählt werden.

Der LOOPER-Mode macht den POD zu einer Loop-Station, wobei durch Betätigen der Taste A entweder das PRE- (ohne Effekte und Amps) oder POST-Signal der Gitarre aufgenommen werden kann. Mittels der Taste B (REC/OVERDUB) kann aufgenommen oder im Overdub-Verfahren die nächste Spur zum vorhandenen Recording ergänzt werden. Auf dem Taster C befindet sich die PLAY/STOP-Funktion zum Abspielen und Stoppen der aufgenommenen Loop. Ein kurzer Step auf Taster D spielt das Aufgenommene einmalig ab (PLAY ONCE). Insgesamt hat Line6 dem POD HD300 sowie dem HD400 24 Sekunden Aufnahmekapazität spendiert. Lediglich der HD500 verfügt über die doppelte Aufnahmezeit von insgesamt 48 Sekunden.


Amps, Cabinets und alles, was dazu gehört!

Die gesamte POD-HD-Serie verfügt über insgesamt 16 Amp-Modelle, welche den bekannten Verstärkern von Marshall, Fender, VOX, Hiwatt, Gibson, Mesa Boogie  oder sogar Engl und Bogner nachempfunden sind. Hier heißt es endlich nicht mehr Quantität in Form von hunderten Verstärkertypen, sondern Qualität mit einer kleinen, aber anhörbaren feinen Auswahl. Selbst ein PARK 75 und ein Supro S6616 wurden während der Entwicklung der HD-Prozessoren analysiert und sind zum Teil erstmalig mit in die neue POD-Generation eingeflossen. Passend zu den tollen Amps kommen noch 16 Cabinet-Simulationen, angefangen von einer 1x(6x9)“ Super O-Box bis hin zu einem 4x12“ XXL V30-Lautsprechermonster. Diese können je nach Bedarf mit 7 unterschiedlichen Mikrofon-Typen wie einem Kondensator-, Ribbon- oder Dynamik-Mikrofon virtuell abgenommen werden.

Mit dem Amp-Selection-Regler im Editier-Bereich „dreht“ man sich durch die einzelnen verfügbaren Amp-Modelle im Uhrzeigersinn. Begonnen wird mit CLEAN-Amps wie dem „Blackface-Double“. Dreht man nun am Regler, färbt sich die rote LED weiter in Grün und der nächste Amp „Hiway 100 Custom“ ist ausgewählt. In diesem Auswahlverfahren dreht man sich weiter über PAWNSHOP, BLUES, BOUTIQUE, CLASS A, CRUNCH, HI GAIN bis hin zu METAL.

Durch die Regler DRIVE, BASS, MID, TREBLE und CH-VOL kann individuell am gewünschten Sound „geschraubt“ werden. Der Regler REVERB im oberen Editier-Bereich regelt die Lautstärke und den Misch-Anteil des jeweiligen im Preset enthaltenen Hall-Algorithmus.

Über 80 klassische Effekte wie Octaver, Fuzz, Classic-Distortion oder Rotary Drum bis hin zum genialen VETTA COMP oder einem toll klingenden Tape-Echo hat LINE6  dem POD HD300 spendiert, welche über die 3 Regler FX1, FX2 und FX3 auf die gleiche Weise wie die Amps selektiert werden können. Somit bietet schon der HD300 eine schier unglaubliche Hülle und Fülle an Soundkombinationen und Spielereien. Die Bodenleiste bietet außerdem einen leistungsstarken Pitch-Shifter und eine wirklich schnell reagierende Harmonie-Funktion.

Neben den tollen und üppigen Effekten und Amps besitzt jedes Modell der neuen POD-Generation einen integrierten Looper, welcher dank einfachster Bedienung nicht nur schnell und unkompliziert zu bedienen ist, sondern dank Overdubbing auch noch zu vielen inspirierenden Tüfteleien einlädt. Schade nur, dass der Looper beim Ausschalten des Gerätes die Aufnahmen vergisst, und diese im Nirwana verschwinden. Eine zusätzliche Speichermöglichkeit wie in dem LINE6 JM4-Looper hätte das Konzept nochmals abgerundet!
Sound und Bedienbarkeit

Nun aber mal Butter bei die Fische! Kommen wir nun zum wichtigsten Teil dieses Tests. Line6 hat ja schon anhand der üppigen Ausstattung gezeigt, wo gerade für andere Anbieter die neue Messlatte hängt. Die Entwickler und Musiker haben geschlagene 3 Jahre hart am Sound der neuen POD-Generation gearbeitet und laut eigener Aussage eine bis dato unbekannte Dynamik und Soundqualität erschaffen. Viele Musiker auf der Welt waren schon im Studio von den Soundqualitäten überzeugt, doch gerade auf der Bühne fehlte das gewisse Etwas im Klang der damaligen POD-Generation. Dies hat sich Line6 auf den Zettel geschrieben und den Ingenieuren als Hausaufgabe aufgegeben - mit großem Erfolg. Ich habe in meinem Studio die Möglichkeit, den POD HD300 gegen den schon etwas eingestaubten POD XT PRO sowie das aktuelle Plugin POD Farm 2 antreten zu lassen. Schon bei dem Sprung vom XT PRO auf das Plugin war ein deutlicher Qualitätssprung hör- und spürbar, doch die Software hat halt die Ressourcen des PC´s gefressen wie nix Gutes. Toller Klang, aber dennoch leistungshungrig. Der POD HD300 ist da ganz anders, da er nur für diesen tollen Sound konzipiert wurde. Der leistungsstarke Prozessor an Bord hat sich auf nichts anderes zu konzentrieren, als einen guten Ton zu erzeugen, und genau das bringt den POD in die Oberliga der Modelling-Gitarren-Sounds!

Um mir einen Überblick zu verschaffen, habe ich mich geschlagene eineinhalb Tage nur mit den Presets und dem Editing beschäftigt, dann einen weiteren Tag mit dem Plugin und dem XT PRO verglichen und immer wieder neu feststellen müssen, dass der neue POD HD300 einfach absolut fantastisch und schon fast unglaublich realistisch klingt. Der Attack macht Freude und es ist keine spürbare Latenz vorhanden. Alles klingt dynamisch und sumpft nicht zu.  Auch bei vollgestopften Sounds hat der POD immer noch genügend CPU-Power, um einen umfangreichen Pitch-Shifter oder ein Harmonie-Tool drauf zu legen. Das im Internet von anderen Foren beschriebene Latenzverhalten bei vielen Effekten kann ich, zumindest mit der aktuellen Firmware 1.10, nicht bestätigen.

Alle Amp-Simulationen klingen warm, offen, druckvoll und absolut natürlich. Viele Amps hat man bis dato ja nicht gehört, und gerade diese inspirierten mich zu neuen Song-Ideen. Um aber auf alle Effekte und Amps einzugehen, könnte ich eine eigene XOUND-Ausgabe füllen. Alleine die Line6-typischen Effekte wie OCEAN-VERB, OBI-WAH oder SEEKER sind absolute Traum-Effekte, welche sich besonders für ausgefallene Flächen eignen. Solche Sounds konnte man in dieser Qualität bis dato nur über Plugins in High-end-Studios realisieren. Alles wirkt luftig und macht sich bestens im gesamten Soundgefüge. Ich habe einige Sounds direkt übers Pult oder über die Interface-Schnittstelle eingespielt und bin durchweg von der Klangqualität begeistert.

Einzig und allein das Umschalten der Banken ist aufgrund der geringeren Anzahl der Fußtaster des 300er-Modells etwas umständlich, so dass man sich die eigenen Sounds am Besten in eine Bank speichert. Beim Umschalten über das Betätigen von 2 Fuß-Tastern gleichzeitig ist neben dem Balance-Akt meiner Schuhgröße-45-Füße schon eine kurze Ladephase zu verspüren. Effekte wie Delay oder Hall werden nicht mit in den neu geladenen Sound übernommen und brechen leider ab. In höheren Preissegmenten von Gitarren-Effekten ist dies nicht der Fall, aber aufgrund des wirklich günstigen Preises ist dies absolut zu verkraften.

Das Wah-Pedal leistet einen wirklich guten Job, auch wenn es in der Regel als Volume-Pedal vorab eingespeichert ist. Ein kräftigerer Druck auf das Pedal, und schon schaltet das Pedal in den WAH-Modus, welches mit einer kleinen roten LED signalisiert wird. Hier hat Line6 alleine 6 WAH-Modelle im POD integriert. Das sollen andere Floorboard-Hersteller erst mal in dieser Qualität und Preiskategorie nachmachen!

Die Bedienung des POD HD300 benötigt so gut wie keine Einarbeitungszeit, da alle Elemente klar, deutlich und intuitiv bearbeitet und eingestellt werden können. Nur bei der ersten Verbindung in meinem Studio und der Beschreibung der Ein- und Ausgänge für diesen Bericht benötigte ich das „Pilotenhandbuch“. Ein umfangreicher „Advanced Guide“ steht leider nur in englischer Sprache auf Line6.com zum Herunterladen bereit. Dieser ist nur für Wissbegierige von Nöten, da alles andere selbsterklärend ist!


Fazit:

Was soll ich sagen? Line6 hat mit der POD HD-Serie einen neuen Meilenstein im Amp- und Effekt-Modelling geschaffen und diese Features auch noch in ein robustes und kompaktes Floorboard verfrachtet. Mit dem kleinen POD HD300 erhält jeder Gitarrist eine grenzenlose Fülle von Sounds, die nicht nur bühnen-, sondern gerade auch absolut studiotauglich sind. Auch für Producer, die gerne mal ausgefallene Gitarrensounds benutzen und nicht nur mit leistungshungrigen Plugins arbeiten möchten, ist die neue Generation eine sinnvolle Lösung. Die Simulationen klingen absolut authentisch und erfrischen jede Aufnahme mit lebendiger Dynamik und ungeahnter natürlicher Durchsetzungsfähigkeit.

Auf der Bühne macht das Floorboard einen fantastischen Eindruck und spielt seine Sounds gekonnt im Bandgefüge aus. Das von mir erlangte Resümee zum POD HD300 verpflichtet mich geradezu, den kleinen Kerl bei der nächsten Bandprobe gegen meine Musiker-Kollegen antreten zu lassen. Denn das Gehäuse macht ihn für jede noch so harte Spielwiese/Proberaum/Bühne tauglich. Solltet Ihr in nächster Zeit zu Eurem Musikhändler des Vertrauens fahren, um neue Saiten oder gar Tretminen zu kaufen, so testet unbedingt die neue POD HD-Serie an. Ihr werdet echt erstaunt sein!

Aus reinem Interesse sollte man sich unbedingt die Sound- und Videobeispiele auf Line6.com anschauen. Dort wird genauer veranschaulicht, mit wie viel Liebe zum Detail und kompromissloser Zielsetzung die Entwicklung vollzogen wurde…vielleicht kann mir ja ein Leser die Anzahl der verwendeten Mikrofone für die Fingerprints der Cabinets mitteilen!!!

Einzig und allein das nicht integrierte Netzteil und der fehlende Netzschalter fallen hier etwas unglücklich auf.

Insgesamt ist dieses Gerät für alle Gitarristen und Studiobetreiber schon fast ein Pflichtkauf und stellt Line6 mit dem POD HD meines Erachtens nach absolut verdient auf das oberste Treppchen im Modelling-Olymp! Einfach nur göttlich!!!!

*UVP: ca. 319 EUR
www.line6.com

Facts:

-    Größe: 46,5 x 25 x 8,5 cm, Floorboard
-    Gehäuse: massives Metallgehäuse, Metall-Tastern, Metall-Board, Regler aus Plastik
-    Amp-Models: 16 HD-Amp-Models (Full- und PreAmp-Mode)
-    Effekte: über 80 Effekte aus der M13/M9-Serie
-    Cab-Models: 16 HD (1x12« - 4x12«)
-    Mikrofon-Models: 7 Mic in 8 Presets
-    Looper: 24 Sekunden inkl. Overdub
-    Speicherbänke: 128 Factory-Presets in 32 Bänken, komfortabel über Edit-Software editier- und speicherbar
-    Pedal: Wahlweise VOLUME oder WAH-Expression-Pedal
-    Ein-/Ausgänge: Guitar-Eingang (Klinke), CD-/MP3-Player-Eingang (Mini-Klinke), L6 LINK-Jack (XLR-Buchse für direkte Anbindung vom DT50-Amp), Master-Volume-Regler für Gesamtlautstärke, Main-Output L/R (XLR) mit GND LIFT und schaltbarem Setup LIVE/STUDIO, Line-Output L/R (Klinke) mit schaltbarem Setup LINE / AMP, USB 2.0, Netzkabel (Externes Netzteil)
-    Taster Oberseite: Tap-Tempo-Taster inkl. Tuner bei HOLD, 5 Taster für MODE, A-B-C-D / Amp-FX1-FX2-FX3 / Pre/Post-Rec/Overdub-Play/Stop-Play once
-    Regler: Presets (endlos, gerastert, Push-to-edit, 4-Wege-Dial (gerastert), 10 Regler (ohne Raster) für FX1/FX2/FX3/Reverb/ Amp-Select (Push-to-edit), Drive/Bass/Mid/Treble/Channel, Volume
-    Audiointerface:  24 Bit/96 kHz inkl. Audio-Midi-USB-Interface (2 Audiokanäle)
-    Software: Line6 POD HD300 Edit (über Line6-Monkey herunterzuladen), weitere User-Presets über »CustomTone« kostenlos zum  Download
-    System: Mac OSX 10.5 /WIN XP/Vista



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Kommentare (1)add comment

Marc Lentwojt said:

0
...
Schönes Review. Ich bin gespannt, ob sich mir diese Eindrücke, die Du hier beschrieben hast, bestätigen werden.

Danke und Gruß

Marc
September 04, 2012

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