Kemper Profiling Amplifier PowerHead

KemperProfilerPowerHeadModeling ist ein heikles Thema unter Gitarristen. Auch als die sehr junge Firma Kemper Amplification 2011 das vollkommen neue Konzept des Kemper Profiling Amplifiers vorstellte, der den Sound von jedem real existierenden Röhrenverstärker reproduzieren sollte, war sich die Gitarrenwelt uneins, was davon zu halten sei. Viele Gitarristen wollen einfach nicht auf eine 4x12er Box hinter sich verzichten. Deshalb hat Kemper nachgelegt. Der Kemper Profiling Amplifier PowerHead beinhaltet die gleichen Features, ist dabei aber gleichzeitig mit einer 600 Watt Class-D Endstufe ausgestattet, und kann so direkt an eine Gitarrenbox angeschlossen werden.

In Xound Ausgabe drei/12 haben wir den Kemper Profiling Amp (KPA) bereits gründlich untersucht. Deswegen werden wir im Folgenden hauptsächlich auf die, durch die integrierte Endstufe möglichen Setups eingehen. Das Thema Profiling behandeln wir diesmal nicht. Wer den ersten Bericht nicht gelesen hat und sich mit dem Thema vertraut mache möchte, kann den ersten Artikel hier lesen.

Was gibt’s Neues?

Auf den ersten Blick sieht das Gerät genauso aus, wie die Version ohne Endstufe. Auf den Bedienelementen auf der Frontseite hat sich nichts verändert. Auch beim Gehäuse handelt es sich um das gleiche stabile Metallgehäuse. Auf der Rückseite findet man die einzige Änderung: Da wo früher ein Loch war (in dem man zum Beispiel Kabel unterbringen konnte) findet man jetzt eine einzige Klinkenbuchse zum Anschluss einer Gitarrenbox (8-16 Ohm) und ein paar Lüftungsschlitze um das Gerät mit genügend Frischluft zu versorgen. – Das war´s. Das Panel mit den anderen Anschlüssen finden wir gleich darunter an unveränderter Position – Auch hier hat sich nichts verändert. Ansonsten haben wir es mit einem identischen Gerät zu tun. Auch das Gewicht hat sich durch die zusätzliche Endstufe nur wenig verändert. Der KPA PowerHead bringt mit 6 kg nur knapp ein Kilo mehr auf die Waage, als sein Bruder. Das macht das Gerät zu einem wirklich transportablen Begleiter.
Kemper_ProfilerPowerHeadHardwareseitig ist die integrierte Endstufe die einzige Neuerung. Seit dem ersten Bericht über den Kemper haben sich allerdings auch softwareseitig einige Dinge getan. Die Software Neuerungen sind zwar nicht KPA PowerHead spezifisch und können auch auf dem Gerät ohne Endstufe genutzt werden, trotzdem wollen wir an dieser Stelle einen kurzen Überblick über die wichtigsten Features geben.

Firmware Update

Vor allem in Sachen Routing und Effekte hat sich einiges getan. Komplett neu (seit Firmware Version 1.8) sind zum Beispiel die Pitch-Effekte. Darunter fallen verschiedene Effekte, wie Whammy, Chromatic-Pitch und Harmonic-Pitch. Mit diesen neuen Features ist es beispielsweise möglich, ein angeschlossenes Expression-Pedal wie ein Whammy-Pedal zu verwenden, oder den Gitarrensound in Halbtonschritten nach unten zu pitchen und so tiefere Tunings zu simulieren. Die Gitarre kann so bis zu einer Oktave tiefer - also auf E-Bass-Tuning - gepitcht werden. – Eine praktische Sache, um zum Beispiel schnell einen Bass für ein kleines Demo einzuspielen.
Bei Harmonic-Pitch handelt es sich um einen vollwertigen Harmonizer, der entweder auf ein festes Intervall oder auf eine Tonart eingestellt werden kann. Bei letzterem wird das Intervall dann von alleine an die aktuelle Skala angepasst.
Auch bereits existente Effekte haben Upgrades bekommen. Zu nennen wäre der Oneway-Phaser bzw. Oneway-Flanger, bei dem die Modulationskurve, im Gegensatz zu herkömmlichen Phasern und Flangern in nur eine Richtung ausschlägt. Hier ist die Intensität und die Richtung der Modulation (Up oder Down) einstellbar. Neu sind auch das sogenannte „Ducking“. In vielen Effektprozessoren findet man ein Ducked Delay, das seine Intensität je nach Dynamik des Spiels verändert. Beim KPA ist dieses Feature nicht nur mit Delays sondern auch mit vielen anderen Effekten möglich. Auf diese Weise kann die Effektintensität bei härterem Anschlag reduziert werden. Dieses Feature findet man eher selten bei Effektgeräten. Auch andere Effekte, wie zum Beispiel Noise-Gates oder Booster wurden seit der ersten Firmware Version verbessert und ergänzt, eine Erläuterung von allen Ergänzungen würde allerdings den Rahmen dieses Berichtes sprengen. Neben den eigentlichen Effekten wurden die klanglichen Möglichkeiten auch durch einen Art Raum-Effekt in Form eines globalen Parameters ergänzt. Der Parameter mit der Bezeichnung „Space“ ist eine Raum-Simulation, die die Schallreflektionen einer Box in einem Raum simuliert. Mit Hilfe dieses Parameters kann man das Spielen über Kopfhörer deutlich angenehmer gestalten. Dieses Feature kann auch von Nutzen sein um einer Aufnahme des Direktsignals mehr Natürlichkeit zu verleihen.
Ebenfalls sehr interessant für Studio-Aufnahmen sollten die neuen Reamping-Features sein. Damit ist es möglich ein aufgenommenes D.I.-Signal ohne weiteres Equipment, wie zum Beispiel D.I.-Boxen, zu reampen. Dazu kann entweder die SPDIF Schnittstelle oder ein Klinken-Input verwendet werden. Um ein DI-Signal für späteres Reamping zu erzeugen, ist es möglich das Output-Signal des Kemper und ein DI-Signal gleichzeitig aufzunehmen – Für Studioanwendung ein wirklich durchdachtes Feature.
Durch die neuen Features, wie das gerade erwähnte Reamping ist es notwendig eine gewisse Kontrolle über das Routing des Gerätes zu haben. Deshalb sind viele Routing Möglichkeiten dazu gekommen. In der Output-Sektion lassen sich daher verschiedene Signale auf verschiedene Outputs des Gerätes routen, und alle Lautstärkepegel einzeln anpassen.
Die hier erwähnten Neuerungen sind exemplarisch. Es gibt noch deutlich mehr, und die Liste der Features des KPA wird ständig erweitert.

Möglichkeiten

Auch wenn sich am eigentlichen Gerät nichts verändert hat, ergeben sich durch die Integration der Endstufe einige neuen Möglichkeiten. Die wohl naheliegendste Option ist der Einsatz als normales Gitarrentopteil. – Einfach den KPA mit einer Box verbinden, und los geht’s. Gerade im Proberaum macht das den KPA sehr viel praktischer, weil man nicht mehr auf die PA angewiesen ist. Wirklich gut gelöst ist aber, dass man den PowerHead gleichzeitig mit einer Gitarrenbox und über den Direkt-Output betreiben kann. Daraus ergeben sich vor allem neue Möglichkeiten für Monitoring und Aufnahmen.
Viele Gitarristen wollen für den Sound auf der Bühne nicht auf eine 4x12er Box verzichten. Diese Gitarristen werden naturgemäß ihre Probleme mit den meisten Digital-Modeling Geräten haben. Mit dem KPA PowerHead ist es möglich ein Direkt-Signal an den FOH zu schicken und gleichzeitig eine Gitarrenbox auf der Bühne zu betreiben. In diesem Fall fungiert die Box auf der Bühne nur als Monitor-Box. Die Pegel für FOH und Bühnensound lassen sich dann getrennt regeln – Man kann also den Bühnensound lauter oder leiser regeln, ohne dass der Tontechniker einen zu lauten oder leisen Pegel bekommt – eine sehr praktische Angelegenheit. Natürlich könnte man die Box auch noch zusätzlich mikrofonieren und die Sounds dann mischen.
Womit wir auch schon beim nächsten Thema wären: Dem Einsatz im Studio. Der Kemper Amp ist unterdessen bei vielen Musikern gerade aufgrund seiner Studiofreundlichkeit sehr beliebt. Die gerade erwähnte Mischung von Mikrofon-Sound und direktem Sound kann auch im Studio Sinn ergeben, da es so gut möglich ist, den Raumanteil auf der Gitarrenspur zu regeln. Das ist besonders praktisch, da die Räumlichkeit der Gitarre bei rein simulierten Sounds oft etwas zu kurz kommt.

Praxis

profileratrubbertracksZum Test haben wir den KPA an eine PA-Anlage und eine 4x12er Gitarren-Box angeschlossen. Der Anschluss stellt sich sehr unkompliziert dar: Ein XLR-Kabel geht zum Mischpult, ein Klinken-Kabel geht zur Gitarrenbox – fertig. Es sind keinerlei Einstellungen nötig, das Signal liegt sofort auf beiden Ausgängen. Dabei lässt sich jede Gitarrenbox zwischen 8 und 16 Ohm einsetzen. Bei 16 Ohm liefert die Endstufe 300 Watt, bei 8 Ohm Boxen sind es sogar 600 Watt. Praktisch ist auch, dass die Cabinet-Simulation des KPA den Boxen-Ausgang der Endstufe nicht beeinflusst, während gleichzeitig beim Main-Out ein Signal mit Cabinet-Simulation anliegt, so dass man direkt ins Mischpult gehen kann. Man muss sich also kaum Gedanken über Routing und Einstellungen machen. Drückt man jetzt den „Output“-Taster gelangt man zu einer Art Mixer, in dem man alle Outputs separat in der Lautstärke regeln kann. In diesem Fall bezieht sich die Monitor-Lautstärke auf die Gitarrenbox. Nicht nur die Einstellung von Direkt-Signal und Gitarren-Box, sondern auch die Einstellung des Kopfhörerausgangs ist separat möglich. Damit kann im Live Einsatz sehr schnell auf die aktuellen Bedürfnisse reagiert werden.

Im Test haben wir mehrere Gitarrenboxen verwendet. Dabei fiel positiv auf, dass der Charakter der jeweiligen Box gut zu erkennen bleibt. Man kann den Sound also durch Wahl der richtigen Box noch gut an die eigenen Präferenzen anpassen. Das ist leider bei digitaler Amp-Simulation nicht immer selbstverständlich, da die Sounds manchmal so komprimiert sind, dass der eigene Charakter der einzelnen Boxen nicht mehr wirklich zum Tragen kommt.
Durch die Benutzung einer echten Gitarrenbox klingen die Sounds der Profiles allgemein etwas wärmer als mit dem direkten Sound des KPA(mit Cabinet-Simulation). Man bekommt schnell das Gefühl über einen „echten“ Amp zu spielen. Allerdings setzen sich die Sounds – trotz 600 Watt Endstufe – nicht ganz so gut durch, wie ein vergleichbar lauter Röhrenverstärker. Es sind die letzten, kleinen Nuancen in Sachen Transparenz und Offenheit, die den Kemper von einem Röhrenverstärker trennen.
Ansonsten reagiert der KPA über eine Gitarrenbox sehr dynamisch auf das Spiel und die Gitarre. Das Spielgefühl ist sehr direkt – direkter als über den Direkt-Out - und der Kemper reagiert gut auf Zurückdrehen des Volume Potis und Anschlagdynamik der Gitarre. Die integrierte Endstufe arbeitet sehr neutral, dadurch klingen die Profiles über die Endstufe fast genauso wie über den direkten Ausgang – Der Klang wird nur durch die verwendete Box verfärbt. Jeder, der es gewohnt ist über ein Röhrentopteil zu spielen, sollte auch ohne Umgewöhnung mit dem Kemper klar kommen.

Fazit

kemper_cabdriver Der Kemper Profiling Amplifier PowerHead ist die konsequente Weiterführung des Konzeptes des Profiling Amps. Da man ihn als vollwertigen Verstärker einsetzen kann, wie jedes andere Gitarrentopteil, sind die Einsatzmöglichkeiten deutlich gewachsen. Mit 600 Watt sollte die Leistung sowohl für den Proberaum, als auch für die Bühne vollkommen ausreichend sein. Durch das niedrige Gewicht und das relativ kompakte Gehäuse ist der KPA PowerHead auch sehr leicht zu transportieren – sogar mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Da der Kemper jede Menge qualitativ hochwertige Effekte mit an Bord hat, stellt er quasi eine Komplettlösung im Kompaktformat dar. Das macht den Kemper Profiling Amplifier PowerHead zu einem sehr brauchbaren Werkzeug für die Bühne, den Proberaum und für (Home-)Studios.

Autor: Leon Cohnen

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Facts:

  • Größe: 337 x 214 x 165 mm (B x H x T)
  • Konstruktion: Metallgehäuse, geschlossen
  • Gewicht: ca. 6 kg
  • Besonderheit: 600 Watt Class D Endstufe
  • Bedienelemente Front: 16 Endlosregler für div. Funktionen, 38 beleuchtete Drucktaster (weiß, Kunststoff), LCD-Display 12 x 3,5 cm, Hintergrundbeleuchtung Multicolor, 5-Wege Chickenhead-Regler, stark gerastert
  • Ein- und Ausgänge Front: Instrumenten-Eingang & Phones-Ausgang
  • Ein- und Ausgänge Back: Return (Mono-Klinke/XLR mit Ground/Lift), Alternative Input (Klinke), Direct Output / Send (Mono-Klinke, Ground/Lift), Monitor-Output (Mono-Klinke, Ground/Lift), MASTEROutput (2x XLR/ 2x Klinke, Ground/Lift), S/PDIF I/O, MIDI In/Out/Thru, Switch Pedal 1/2 (jeweils Mono-Klinke), LAN-Network, 2 x USB-Host, Netzstecker, Speaker-Output (Klinke, 8-16 Ohm)

Preis: 2100 EUR

www.kemper-amps.de

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