Test: Fractal Audio Axe-Fx II Mk 2

Sound und Praxis

Wir haben das Axe-Fx II sowohl im Studio, als auch im Proberaum und auf der Bühne getestet. In allen Anwendungsgebieten überzeugt das Fractal durch die sehr simple und schnelle Anwendung.
Um einen ersten Eindruck der Sounds zu erhalten haben wir das Axe-Fx II in ein möglichst einfaches Setup integriert, das nur aus einem kleinen Mischpult und zwei aktiven Monitor-Boxen besteht. Sowohl die Werkspresets als auch die, in diesem Setup gebastelten, Sound-Patches klingen ohne große Anpassungen sehr ansehnlich. Sofort fällt auf, dass das Axe-Fx II sehr präzise das wiedergibt, was von der Gitarre und dem Gitarristen kommt. Es fühlt sich fast so an, als ob man einen mikrofonierten Verstärker, der im Nebenraum steht, über die Monitorboxen abhören würde. Nachdem wir das Gerät in ein Recording Setup über ein Interface integriert hatten, verstärkte sich dieser Eindruck noch. Bei Studioanwendungen vergisst man schnell, dass es sich nur um ein Modeling-Gerät handelt, denn von Latenz ist nichts zu spüren und die Sounds sind sehr realistisch. Unsere Messungen haben eine Latenz von 99 Samples bei einer Samplerate von 44,1 kHz ergeben. Das entspricht in etwa 2ms. Eine beachtliche Leistung! Ebenfalls lobenswert sind die vielen Möglichkeiten, in denen das Gerät in ein Recording Setup eingebunden werden kann.
Beispielsweise für Homerecordings oder unterwegs im Hotelzimmer kann das Axe-Fx II per USB auch direkt als Interface mit einem PC oder Mac verbunden werden. In Kombination mit zwei Monitorboxen, die direkt an das Axe-Fx II angeschlossen werden können, hat man so eine wirklich kompakte Recording-Lösung.
Es sei erwähnt, dass das Axe-Fx II über AES/EBU und S/PDIF I/Os verfügt. So lässt sich das Geräte live oder im Studio auch auf der digitalen Ebene in jedes Setup integrieren. Im Studio macht es sicherlich Sinn, direkt mit dem digitalen Out des Axe-Fx II in das DAW-System zu gehen.
Unabhängig von der Anbindung kann man aber auf jeden Fall sagen, dass die Aufnahmen mit dem Axe-Fx II für fast alle Zwecke von Demo-Aufnahme bis Albumproduktion wirklich brauchbar sind.
Auf der Bühne ergibt sich der Vorteil, dass man viel Arbeit, Zeit und Schweiß mit der Benutzung des Systems einsparen kann. Einfach das Axe-Fx II auf die Bühne stellen, XLR Kabel vom Main-Out in die Stage Box legen und der Aufbau der Gitarrenanlage ist fertig. In unserem Test haben wir das Gerät live mit einer Band mit zwei Gitarristen getestet, wobei der eine Gitarrist über das Axe-Fx II spielte, der andere wie gehabt über einen abgenommenen Half-Stack. Auf der Bühne bedarf es einiges mehr an Umgewöhnung, da man sich selbst natürlich nur noch über die Monitor-Boxen hört und kein akustisches Signal direkt von seinem Verstärker hat. Je nach Situation und Musiker kann das sicherlich etwas irritierend wirken. Man ist außerdem auf einen guten Monitorsound angewiesen. Bei unserem Test hatten wir allerdings wenig bis keine Probleme mit der Hörbarkeit auf der Bühne. Trotzdem bietet sich In-Ear-Monitoring in Kombination mit dem Axe-Fx II an, um mehr Kontrolle über den eigenen Monitor-Sound zu haben. Aus dem Publikum kann man nicht wirklich ausmachen, welche der beiden Gitarren über einen Röhrenverstärker gespielt ist und welche nicht. Wahrscheinlich würde man es noch nicht einmal bemerken, dass nicht beide Gitarren-Sounds aus Röhrenverstärkern kommen. Auch in Sachen Durchsetzungsfähigkeit hat das Axe-Fx II den Live-Test auf jeden Fall bestanden. Je nach technischen Gegebenheiten sollte man allerdings darauf achten, dass man die Sounds, die man mit auf die Bühne nimmt im Bass etwas schlanker anlegt, weil es sonst auf basslastigeren P.A.-Anlagen schnell anfangen kann, ein wenig zu matschen. Dank den sogenannten globalen Blöcken, ist es übrigens sehr leicht mehreren Presets, die den gleichen Amp benutzen, eine gemeinsame Klangregelung zu verpassen, und so in einer Live-Situation schnell auf die technischen Gegebenheiten zu reagieren.
Es ist auch kein Problem, ein analoges Pedalboard vor das Axe-Fx II zu Schalten bzw. in den Effektloop des Axe-FX II einzuschleifen. Die Amp Models des Axe-Fx reagieren sehr realistisch auf analoge Overdrive Pedale, Booster, oder andere Effekte. Wer also nicht auf seine analogen Tretminen verzichten will, wird kein Problem haben diese weiterhin einzusetzen.
Für diejenigen, die sich einfach nicht damit anfreunden können, keinen direkten Amp-Sound auf der Bühne zu haben, gibt es natürlich auch noch die Möglichkeit, das Axe-Fx II nur als Vorstufe zu nutzen und an eine Gitarrenendstufe/Röhrenendstufe bzw. über den Effekt-Return an ein Topteil  anzuschließen. Dann kann man diese wie gehabt mit einer Box verbinden. In dem Fall stellt man am besten die Cab-Simulation und ggf. auch die Power-Amp-Simulation im Utility Menü ab. Auch auf diese Weise lassen sich hervorragende Ergebnisse erzielen. Wenn man allerdings die Sound-Patches für eine direkte P.A.-Verbindung konzipiert hat, kann es sein, dass man im Fall einer Röhrenendstufe, die den Ton bauartbedingt verfärbt, ein paar Anpassungen an der Klangregelung des Axe-Fx II vornehmen muss. Ebenfalls ist es möglich, die beiden Methoden zu kombinieren, und das Signal vom Axe-Fx II gleichzeitig  direkt zum FOH zu schicken, als auch auf eine Endstufe mit Gitarrenbox, um sich selbst einen besseren Bühnensound zu verschaffen. Dafür kann man spezielle Dual-Chain-Presets erstellen, bei denen die Signalkette („Chain“), die auf der P.A. liegt mit Amp- und Boxen-Simulation ausstattet, die andere nicht. So hat man sein Monitoring recht gut unter Kontrolle, und kann den Bühnensound unabhängig vom FOH Sound verändern. Wieder ein wirklich durchdachtes Feature.

Auch ist es theoretisch möglich, zwei Gitarren über eine einzige Axe-Fx II Einheit zu spielen, indem man ein Stereo-Preset als zwei einzelne Mono Signalwege „missbraucht“.
Eine weitere Möglichkeit ist der Einsatz als reiner Effektprozessor. Im einfachsten Fall wird das Axe-Fx II einfach in den Effektweg des Verstärkers eingeschleift. Da das Axe-Fx II aber auch über Effekte verfügt, die vor der Vorstufe des Verstärkers mehr Sinn machen, ist es möglich das Gerät mit vier Kabeln so mit einem Amp zu verbinden, dass es sowohl vor dem Verstärker, als auch im Effektloop sitzt. Dann kann man jeden Effekt vor den Amp, oder in den Effektloop legen, so wie es am besten passt.
Der Fantasie sind beim Axe-Fx II kaum Grenzen gesetzt. Fast jedes erdenkliche Setup lässt sich realisieren.

-> weiterlesen auf Seite 10: Fractal Audio MFC-101 Footswitch