Test: Fractal Audio Axe-Fx II Mk 2

Erstellung von Sound-Patches

Unter den 382 Sound-Patches ist schon für fast jeden Geschmack etwas dabei, und sie verschaffen einen guten Überblick über die Klangmöglichkeiten des Axe-Fx II. Aber natürlich wurde das Gerät hauptsächlich geschaffen, um seine eigenen Soundvorstellungen schnell und einfach zu verwirklichen. Deshalb ist es der nächste Schritt, eigene Sound-Patches zu erstellen. Dafür bietet es sich an, das Werks-Preset mit der Nummer 383 zu laden (im Recall-Bildschirm auswählen). Hierbei handelt es sich um einen komplett leeren Sound-Patch. In der Layout-Ansicht findet man eine Raster-Darstellung des Sound-Patches. Das Raster ist in einzelne Blöcke eingeteilt. Jeder dieser Blöcke kann jetzt durch Auswahl mit dem Steuerkreuz und Drehen am Value-Rad eine Funktion bekommen. Macht man einen der Blöcke zu einem Amp-Block, und den dahinter zu einem Lautsprecher-Block, hat man schon einen einfachen Sound-Patch erstellt. Durch Auswahl von Amp- und Boxen-Typ hat man sich damit für einen Grundsound entschieden, der mit beliebig vielen layoutverschiedenen Effekt-Blöcken verfeinert werden kann. Die Blöcke werden einzeln editiert und die Parameter entsprechen weitestgehend denen, die man von echten Verstärkern bzw. Effektgeräten gewohnt ist. Das macht es sehr einfach und intuitiv an Sounds zu schrauben.
Allerdings gehen die Eingriffsmöglichkeiten weit über das hinaus, was man von einem Analogen Amp (bzw. Effektgerät) erwartet. Für jeden Block ampgibt es endlos viele Parameter, die auf verschiedenen Pages organisiert sind. Der Amp Block besitzt Beispielweise eine Seite für Vorstufen-Einstellungen. Hier findet man den Gain-Regler, 3-Band-EQ, einen Kompressions-Regler, und einen Boost-Schalter. Auf der nächsten Seite befinden sich dann die Endstufen-Parameter.  Neben den üblichen Reglern für Presence und Depth gibt es hier noch zusätzlich die Regler amp phr„Dynamic Presence“ und „Dynamic Depth“. Diese Parameter steuern, wie sich Presence und Depth verhalten sollen, wenn die digital simulierte Endstufe an ihre Grenzen getrieben wird. Zusätzlich zum 3-Band-EQ verfügt der Amp Block auch über einen 8-Band graphischen-EQ.  Es sind auch Eingriffe ins Klangverhalten des Amp Blocks möglich, die mit einem echten Amp überhauptamp eq nicht möglich wären. Der Pick-Attack und die Dynamik, in der der simulierte Verstärker reagieren soll lassen sich beispielsweise ebenfalls über Parameter steuern. Das Gleiche gilt auch für normalerweise statische Parameter eines Verstärkers, wie zum Beispiel Impedanzkurven, oder Arbeitsweise der Trafos. Im Cab Block geht es genauso weiter. Auch hier gibt es sehr interessante Parameter, amp spkrzumal man in der Realität an seiner Gitarrenbox nur bedingt Änderungen vornehmen kann. Beim Axe-Fx II ist es sogar möglich, die Größe der Speaker in Prozent anzuheben oder abzusenken und zu schauen, wie sich das auf das Klangverhalten der Box auswirkt. Im Cabinet-Block findet man auch alle, für die Mikrofonierung relevanten Parameter. Es stehen 7 verschiedene Mikrofon-Typen zur Verfügung, unter anderem Klassiker wie das SM57, das AKG D112 oder das Neumann U87. Auch ein Raumanteil kann hinzugefügt werden, bei dem man die Raumgröße verändern kann.
Auch jeder Effektblock lässt sich in jeder Hinsicht an die persönlichen Präferenzen anpassen. Die Effektblöcke verfügen jeweils über verschiedene Grundcharakteristiken. Der Delay Block verfügt zum Beispiel über Simulationen verschiedenster Delaytypen von Tape-Echo, über analog, bis digital (natürlich alles wahlweise in Stereo oder Mono). Auf diese Weise kann jeder gewünschte Delay Sound, ob vintage oder modern, schnell erzeugt werden. Bei allen anderen Effektblöcken sieht es genauso üppig aus. Es gibt so gut wie nichts, was nicht über einen Parameter steuerbar ist.

Besonders lobenswert ist auch die Art, wie die verschiedenen Blocks auf einander reagieren. Ein Drive-Block, der zum Beispiel einen Tubescreamer oder einen Booster simuliert zerrt nicht einfach nur, sondern interagiert realistisch mit dem ausgewählten Verstärkermodell.
Neben üblichen Effekten wie Compressor, Chorus, Phaser, Flanger, Delay, Drive und Reverb gibt es auch speziellere Effekte wie Vocoder, Synthesizer oder Ring Modulation.

Die immensen Eingriffsmöglichkeiten werden noch unterstützt von den vier Quick-Control Endlosdrehreglern, die es ermöglichen in Echtzeit auf (mit dem Value-Regler) insgesamt fünf Parameter gleichzeitig zuzugreifen. Diese Drehregler arbeiten bei der Editierung von Parametern auf die gleiche Weise, wie der Value-Regler. Die Sound-Patches sind also im Prinzip genauso aufgeteilt und genauso leicht verständlich wie ein reales Gitarren-Setup. Alles, was man mit echtem Equipment realisieren könnte, kann man auch in einem Sound-Patch realisieren, da auch komplexere Routings möglich sind. Es gibt vier Stereo-Wege zwischen Eingang und Ausgang des Axe-Fx II, die frei digital „verkabelt“/geroutet werden können, was es z.B. auch möglich macht, Signale zu splitten und mehrere Effektblöcke parallel zu schalten.

-> weiterlesen auf Seite 6: X/Y Switching und Scenes