Interview mit For A Minor Reflection

Grüße aus Island

Die Musik der isländischen Band „For A Minor Reflection“ ist etwas ganz Besonderes. Die 20–jährigen Musiker aus Reykjavík - Kjartan Holm (Gitarre), Guõfinnur Sveinsson (Gitarre und Piano), Elvar Jón Guõmundsson (Bass) und Andri Freyr Porgeirsson (Drums und Percussion) - bezeichnen ihre Musik selbst als „melodiösen Post-Rock, doch was die Band von vielen anderen Bands unterscheidet: Es gibt keinen Sänger.Trotzdem funktioniert die Musik extrem gut und erinnert eher an eine klassische Sinfonie im zeitgemäßen Gewand als an herkömmliche Rockmusik, wobei der Zuhörer immer wieder durch packende Melodien und Atmosphären in den Bann gezogen wird.

Zur Zeit ist die Band auf Welttournee, um ihr neues Album „Höldum“ vorzustellen, das im September veröffentlicht wurde. Bei ihrem Konzert in Köln hatten wir Gelegenheit, die Band zu treffen und live anzuschauen.Unterstützt von Visuals mit isländischen Fotos und Videos, die auf eine Leinwand hinter der Band projiziert wurden, füllte die Band die Location mit intensiven Atmosphären und einem großen Klangspektrum.

Selbst wenn die Musiker auf der Bühne alles gaben, blieben leider viele Details auf der Strecke, denn die Lautstärke war kaum zu ertragen – scheinbar ist der Mixer der Band halb taub. Doch es war trotz des Sounds eine überzeugende, kurzweilige Performance –ganz ohne Leadsänger. Man kann sich daher vorzustellen, wie solch ein Konzert mit gutem Sound abgehen würde.

 

Xound: Wie ist „For A Minor Reflection“ entstanden?

Kjartan: Der frühere Drummer und ich, starteten ursprünglich als ein Hardrock-Duo. Bald darauf trafen wir Elvar, unseren heutigen Bassisten und das Ganze verwandelte sich in eine Art Indierock-Trio. Doch dann lernte ich Guffi, unseren Gitarristen, auf einer Party kennen, die schließlich in einer Strip-Poker Party endete – eine lange Geschichte.

Zunächst spielten wir nur Blues, Oldschool-Blues und Verschiedenes und daraus hat sich irgendwie unser eigener Stil entwickelt.

Xound: Wie kommt es, dass ihr ohne Gesang arbeitet?

Kjartan: Das hat einen ganz einfachen Grund: Wir hatten keine Mikrofone und kannten auch keine Leute, die uns helfen konnten, und so ist diese Musik entstanden.

Xound: Ich finde das Konzept echt interessant, komischerweise vermisse ich auch nichts, aber das kann doch nicht im Ernst der Grund dafür gewesen sein, dass ihr ohne Sänger arbeitet?

Kjartan: Ja, sagen wir mal, es war der Hauptgrund (lacht). Wir hatten wirklich sehr lange Zeit kein einziges Mikro und so sind die Instrumental-Songs entstanden. Wir haben uns immer vorgenommen, zum späteren Zeitpunkt einmal Vocals darüber zu legen, doch irgendwie hat sich nie eine Gelegenheit ergeben, und so haben wir die Songs weiter als Instrumental-Songs gespielt.

Xound: Wie ersetzt ihr die Stimme?

Kjartan: Unsere Musik ist voller Melodien anstatt Gesang.

Ich finde auch, dass die Musik immer ein „Lead“-Instrument braucht, aber dass müssen nicht unbedingt die Vocals sein. Ich liebe Melodien und die Gitarrenmelodien ersetzen für mich den Gesang.

 

Xound: Ich glaube, mittlerweile könnt ihr euch Mikros leisten. Wird sich eure Musik dadurch verändern?

Kjartan: Ja, wir haben nun Mikros und das richtige Equipment, wir werden sehen, ob sich die Musik verändern wird (lacht). Die Zeit wird´s zeigen.

Xound: Ihr habt in der Anfangszeit eine Menge verrückter Dinge gemacht, um Geld zu verdienen oder eure Musik an den Mann zu bringen. Ihr habt z.B. Auftritte bei Leuten im Wohnzimmer übers Internet versteigert und ähnliches. Wie seid ihr auf die Idee gekommen ?

Kjartan: Es war eigentlich die Idee unseres Managers – ganz clever. Ich muss sagen, es hat uns sehr viel geholfen.

Xound: Das Musikbusiness ist ja heute gerade für neuen Bands viel schwieriger geworden. Wie ist es in Island für junge Bands, Fuß zu fassen?

Kjartan: Es ist ziemlich einfach, sich einen Namen zu machen. Man muss bedenken, dass wir nur wenige Einwohner haben. Es leben knapp über 300.000 Leute im gesamten Land, wovon etwa 150.000 alleine in der Hauptstadt Reykjavik wohnen. Es gibt dort viele Musiker und die Meisten spielen in drei oder vier verschiedenen Bands. Fast alle kennen sich untereinander oder sind sogar gute Freunde, so ist es nicht schwer, an Gigs zu kommen und sich einen Namen in der Szene zu machen. Meist reich ein einziger Anruf, und du hast eine Show.

Ähnliche Erfahrungen haben wir aber auch in den USA gemacht. Du fragst jemanden in einem Club ganz spontan: Können wir morgen hier spielen? Und er antwortet Dir: Das sollte gehen. Wir haben das oft erlebt. Meist haben wir dann auch mehrmals in den gleichen Locations gespielt. Das hat uns sehr viel geholfen.

Xound: Wie habt ihr den Sprung von Island in die internationale Musikszene geschafft?

Kjartan: Wir spielten auf einem bekannten isländischen Festival und bekamen dadurch sehr viel Aufmerksamkeit bei MySpace. Daraufhin sind wir von einer amerikanischen Band angesprochen worden, ob wir nicht mit ihr zusammen touren wollten.

Wir haben natürlich zugesagt, und so kam es zu unserer ersten Tour im Jahr 2008 durch die USA und Kanada.

Danach bekamen wir eine riesengroße Chance: Wir wurden eingeladen, Sigur Rós bei ihrer Tour zu supporten.

Xound: Könnt ihr sagen, dass es ein Land gibt, wo ihr eure wichtigste Fan-Base habt?

Kjartan: Ja, in jedem Fall. Länder wie Belgien, Frankreich, die Niederlande und U.K. sind die stärksten Länder. Deutschland ist in Bezug auf das Feedback und die Fans nicht das stärkste Land.

Xound: Die Deutschen brauchen manchmal etwas länger, dafür zählen sie später sicherlich zu den treuesten Fans.

Kjartan: Ja, ich weiß (lacht), ich habe die Hoffnung, dass sich das durch die Tour in naher Zukunft ändert. Es spielt sicherlich auch eine Rolle, dass der deutsche Musikmarkt wesentlich größer ist als z.B. der niederländische. Ähnlich ist es auch in den USA, da brauchst du auch viel länger, um bekannt zu werden.

Aber es macht sehr viel Spaß, in Deutschland zu spielen.

Xound: Ihr präsentiert während der Tour auch euer neues Album „Höldum“. Wie lange habt ihr daran gearbeitet?

Kjartan: Das Schreiben der Songs dauerte fast ein halbes Jahr. Die Aufnahmen dauerten etwa zwei Monate und fanden an zwei verschiedenen Orten statt, im Reykjavik im Sigur Rós Sundlaugin-Studio und in L.A..

Xound: Entstehen die Songs auch z.T. während des Recording-Prozesses?

Kjartan: Nein, alle Songs waren bereits vorbereitet, doch kommen dann immer wieder neue Ideen dazu, wenn du im Studio bist. So ändern wir noch einzelne Parts oder tauschen Instrumente aus, aber die wesentliche Struktur der Songs steht, bevor wir mit den Aufnahmen beginnen.

Xound: Aber es existieren doch vorher bereits Demos, oder?

Kjartan: Ja, es gibt von allen Songs Demos. Es ist ganz gut, immer mal wieder reinzuhören, um eventuell noch andere Ideen zu bekommen, ebenso kann man im Demo schon mal die Atmosphäre des Songs einfangen.

Es gibt einen Song auf dem Album, den wir nach dem Hören der Demos im Studio völlig verändert haben.

Xound: Habt ihr das Album selbst produziert, oder arbeitet ihr mit einem Produzenten?

Kjartan: Wir haben einen amerikanischen Produzenten, Scott Hackwith. Wir flogen Scott für ein paar Wochen nach Island ein, wo er uns aufgenommen und produziert hat. Danach gingen Guffi und ich nach L.A. in Scott´s Studio, um weiter am Album zu arbeiten. Eigentlich sind wir nach L.A. geflogen, um die ersten Titel zu mischen, doch wir spielten die meiste Zeit Basketball und ergänzten einige neue Instrumente, was sich wirklich gelohnt hat. Wir hatten z.B. bereits fünf oder sechs Pianos zu Hause aufgenommen, die alle gut waren. In L.A. begannen wir dann, einige Pianos neu aufzunehmen und letztlich haben wir sämtliche alten Pianos in die Tonne geklopft und neu gemacht. Das war eine gute Sache.

Xound: Man muss einfach den richtigen Moment einfangen.

Kjartan: Das stimmt, manchmal hilft auch eine Pause, um einen gewissen Abstand zu den Aufnahmen zu bekommen.

Xound: Gibt es schon Pläne für neue Songs?

Kjartan: Ja, es gibt auch schon einiges an neuem Material, aber das ist im Augenblick nicht so wichtig.

Xound: Wenn ihr im Studio seid, arbeitet ihr konsequent an dem, was man im Studio machen kann, oder denkt ihr bereits daran, was sich live umsetzen lässt?

Kjartan: Wir versuchen im Studio schon alles auszuschöpfen, so wie es für jeden einzelnen Song am besten ist. Man muss bedenken, dass wir viele der Songs schon oft live gespielt haben, bevor wir sie im Studio aufnehmen, daher müssen wir im Studio nicht darüber nachdenken, wie die Songs auf der Bühne funktionieren können - das ist sicherlich auch eine andere Situation.

Xound: Wie sehen eure Pläne für die nächsten Monate aus?

Kjartan: Als erstes werden wir unsere Tour fortsetzen. Ich hoffe, dass auch dieses Jahr noch ein paar Termine dazukommen - in jedem Fall nächstes Jahr. Wir wollen möglichst der ganzen Welt unser Album präsentieren, und ich hoffe, die Leute kaufen es.

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