Interview mit LaFee

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Frei

FINALLafee353 Dass Tapetenwechsel einem Künstler durchaus gut tun kann, sieht man an LaFee. Mit neuem Sound, neuem Team und neuem Outfit ist LaFee nach zweieinhalb Jahren selbstbewusst zurückgekehrt und das Comeback steht ihr gut.
Bereits im Juni 2011 veröffentlicht die EMI LaFee´s neue Single „Ich bin“, Ende August folgt schließlich das Album mit dem Titel “Frei“.
LaFee´s neue Musik hat sich mehr dem Pop geöffnet, ist moderner geworden und bietet der charismatischen Stimme mehr Raum, sich zu entfalten.
Als LaFee 2006 mit ihrem ersten Album startet, ahnt noch niemand den enormen Erfolg, der die damals 15-jährige Sängerin erwartet. Viele Chart-Erfolge, viele Preise und Auszeichnungen begleiten LaFee´s Karriere. Im Januar 2009 erscheint LaFee´s Album „Ring Frei“. Es soll das letzte Album mit ihrem langjährigen Produzententeam sein, denn LaFee beendet danach die Zusammenarbeit.
Größenwahn? Nein, lediglich der bescheidene Wunsch der engagierten Künstlerin, bei ihrem eigenen Projekt ernst genommen und gehört zu werden.

 

Produzenten haben nichts dagegen, wenn ihre Künstler nach der Entdeckung vom Newcomer zum Star aufblühen. Dagegen sehen es manche Produzenten nicht so gerne, wenn ihre Künstler im Laufe ihrer Entwicklung eine stärkere Persönlichkeit entwickeln und Wert auf ihre Identität und Authentizität legen und sogar - welche Frechheit – ihre Ideen in das eigene Projekt mit einbringen möchten.
Leider gibt es heute noch häufig Konstellationen aus klein gehaltenen Künstlern und dem großen, allwissenden Produzenten mit seiner Hitnase - vielleicht ein Überbleibsel aus den „goldenen“ Zeiten. Zeitgemäß ich das nicht mehr. Und so hat sich auch LaFee aus dem Herzen heraus entschieden, einen neuen, eigenen Weg zu gehen.

Wir hatten Gelegenheit zu einem netten Gespräch.


Xound: Wie kam es zum LaFee-Wandel und zur langen Pause?

FINALLafee177a02LaFee: Es gab ein paar Gründe. Der ausschlaggebende Grund war dabei, dass mein Vertrag ausgelaufen ist. Nachdem ich fast vier Jahre richtig gearbeitet habe und fast nur unterwegs war, wollte ich mir selbst die Chance geben, zu überlegen, wie es weiter geht. Ich habe einfach einen Cut gemacht und mir somit den Druck genommen. Mir war schon bewusst, dass das Singen und Musikmachen mein Traumjob ist. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht, wann ich weiter machen werde, ob ich überhaupt weiter machen sollte, und wenn doch, wie ich weiter machen sollte. So wollte ich mir einfach Zeit für mich nehmen, um Einiges nachzuholen, was ich in den letzten Jahren ein wenig vernachlässigt habe. Ich habe viel Zeit mit meiner Familie verbracht und viel mit meinen Freunden unternommen.
Ich bin im Nachhinein sehr dankbar für die Zeit, in der ich abschalten konnte. Ich konnte es richtig genießen, mal nichts vor und keine Termine zu haben.

Die Pause hat mir sehr gut getan. Ich habe mein komplettes Team gewechselt um frischen Wind in das Projekt reinzubringen. Ich habe heute viel mehr Möglichkeiten, mich mit einzubringen, als es in der alten Konstellation möglich war.

Xound: Wollte denn dein altes Produzenten- und Management-Team gerne wie bisher weitermachen ?

LaFee: Ich glaube, wenn du einen Goldesel an der Leine hast - und das meine ich gar nicht böse -, dann willst du immer so weitermachen. Klar, wenn es gut läuft und du gut Geld verdienst, dann ist es natürlich doof, wenn jemand wie ich, der Jahre lang super funktioniert hat, sagt: Ich möchte mich auch mal woanders umschauen und mit einem neuen Team für frischen Wind sorgen. Mein altes Management war mit Sicherheit nicht begeistert davon. 
Andererseits sollten wir auch alle realistisch sein. Es ist nichts außergewöhnliches, dass Dinge zu Ende gehen. Wir haben wirklich drei Jahre sehr erfolgreich zusammen gearbeitet, was ja auch super war. Es ist nicht so, dass wir im Krach auseinander gegangen sind - ich glaube, dazu sind alle Beteiligten abgeklärt genug. D.h. alles ist eigentlich recht easy verlaufen.

Xound: Wenn man mit wie Du mit 15 Jahren ein professionelles Projekt beginnt, ist klar, dass man die Unterstützung von erfahrenen Songwritern und Musikern benötigt. Im Laufe des LaFee-Projektes hatte ich persönlich dann doch den Eindruck, dass man dir wesentlich mehr zutrauen kann als deine Produzenten letztlich erlaubt haben. Wie hast du das gesehen?

foto_91073LaFee: Diese Frage hat mir bisher noch niemand gestellt. Ich war sehr dankbar, jemanden zu haben, der mich an die Hand nimmt und mir zeigt, wie das Business funktioniert.
Ich hatte ja als Kind angefangen und keine Ahnung vom Musikbusiness, von daher war das schon o.k. mit 15, 16 oder 17 Jahren. Doch irgendwann merkst du, du wirst älter und möchtest dich einfach viel mehr einbringen, das hat dann nicht mehr gepasst. Als ich das Thema angesprochen habe, bin ich nicht gerade auf positive Resonanz gestoßen. Die Reaktion war eher: Oh, da müssen wir aber noch mal drüber reden. Das war für mich sehr schwierig.

Xound: Dabei sollte man sich als Produzent eher freuen, wenn ein Künstler sich entwickelt, aufblüht und eine starke Persönlichkeit entwickelt.

LaFee: Ich kann nur sehr wenig dazu sagen, letztlich hängt ja Vieles von den jeweiligen Menschen ab. Ich verstehe mich noch immer gut mit meinem damaligen Manager und Produzenten, aber auf solch eine Konstellation, in der mein Manager auch gleichzeitig mein Produzent und Entdecker ist, würde ich mich heute nicht mehr einlassen.
Das heißt jedoch nicht, dass ich das Geschehene bereue, ganz im Gegenteil. Alles, was ich hier erlebt habe, hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin. Es ist gut, die verschiedensten Erfahrungen zu machen, sonst lernt man halt nichts daraus. Ich stehe zu dem, was passiert ist, doch Veränderung ist genauso wichtig.

Xound: Ja, Stillstand ist der Tod für kreative Leute.

LaFee: Das stimmt.

Xound: Das neue Album heißt „Frei“, die Single trägt den Titel „Ich bin“. Spielt man ein wenig mit den Wörtern, so ergibt sich „Ich bin frei“.

foto_91074LaFee: Die Wortspielerei ist eher Zufall, wobei das schon mein neues Gefühl auf den Punkt bringt. „Frei“ - ich bin frei von allem, von jedem, vor allem von jedem Zwang und kann mich als Künstlerin fühlen und ernst nehmen. Das war lange Zeit nicht so, da man mir nicht die Möglichkeit gegeben hat. „Ich bin“ bedeutet, dass ich es bin, und ich glaube, man merkt auch, wenn man hinhört oder hinschaut, dass nicht mehr alles „ferngesteuert“ ist. Auch die alten Sachen kamen einfach aus tiefstem Herzen - sonst hätte ich das auch nicht so lange machen können - doch das Neue hat eine andere Energie. Ich bin echt stolz darauf.

Xound: Es ist schon ein Unterschied, ob die Botschaft deinem Herzen entsprungen ist, oder ob dir jemand die Botschaft - auch noch so perfekt - auf den Leib schneidert.

LaFee: Definitiv!

Xound: Nachdem für dich feststand, einen neuen Weg zu gehen, wie bist du an die neuen Produzenten gekommen?

LaFee: Für den neuen Weg war es für mich eine wichtige Grundlage, bei meinem alten Team  und der Band für Klarheit zu sorgen. So sind wir auseinander gegangen – es war alles völlig okay. Ich habe viele Gespräche mit verschiedenen Produzenten geführt, und wir haben an Demos gearbeitet, um mit unterschiedlichen musikalische Elementen herumexperimentieren zu können. Es hat recht lange gedauert, aber ich glaube, solche Prozesse brauchen ihre Zeit. Es hat sich gelohnt, denn das neue Produzenten-Team um Peter Hoffmann ist das Team, für das ich mich letztlich entschieden habe, und es bedeutet mir sehr viel. Peter  Hoffmann ist ein extremer Profi und - genau wie ich - ein Perfektionist. Peter weiß genau, was er macht. Dazu kommt, dass die anderen Leute aus dem Team sehr jung sind, das passt perfekt.

Xound: Wie war die Arbeit mit der neuen „Mannschaft“?

foto_91075LaFee: Für mich war es ein völlig anderes Gefühl, in der neuen Konstellation zu arbeiten. Ich wurde als Künstlerin ernst genommen und auch richtig gefordert. Auf dem Album habe ich sogar die Texte von vier Songs komplett alleine geschrieben, das war für mich ein unbeschreibliches Gefühl. Ich hab´s geschrieben und es kommt von meinem Herzen.
In meinem neuen Tattoo steht: „Music is love in the search for a word“ (Musik ist Liebe auf der Suche nach Worten), und genau das habe ich im Studio auch empfunden. Ich saß dort manchmal bis nachts und  arbeitete an den Texten. Ich habe bestimmte Bausteine zusammengefügt und wollte dann noch das Ende perfekt machen usw. Ich habe mich zum ersten Mal als Künstlerin selbst ernst genommen. Das war ein extrem schönes Gefühl für mich.

Xound: Wie lange dauerte die Arbeit am neuen Album?

LaFee: Die Produzentensuche begann im März letzten Jahres und hat bis September gedauert. Danach haben wir begonnen, weitere Songs zu schreiben und das Album zu produzieren, das ging etwa bis Januar.

Xound: Inklusive Songschreiben ist das recht schnell.

LaFee: Ja schon, im Vergleich zu früher war es allerdings sehr viel Zeit. Vielleicht liegt es daran, dass ich halbe Griechin bin. Ich werde schnell unruhig, wenn etwas zu lange dauert, habe ständig Tatendrang, und dann kommen dir fünf oder sechs Monate echt lang vor. Früher habe ich ein Album innerhalb einer Woche aufgenommen, da gab´s dann keine Möglichkeit, noch mal was neu aufzunehmen und zu überarbeiten - Aufnehmen und tschüss! Doch wenn man mal zurückblickt, gingen die Monate im Studio schnell vorbei, und ich muss gestehen, ich war schon ein wenig traurig, als es an den letzten Song ging.


Xound: Bist du aufgeregt, wie das neue ankommen wird?

LaFee: Manche fragen mich sogar, ob ich Angst habe. Mir ist klar, dass „Ich bin“ nach zweieinhalb Jahren nicht auf Platz Eins der Charts einschlägt. Natürlich bin ich nervös. Wichtig ist für mich jedoch, dass ich als Künstlerin einen inneren Frieden gefunden habe. Klar wünsche ich mir, dass das „Frei“ erfolgreich wird, doch wenn nicht, weiß ich, dass ich viele Jahre lang wichtige Erfahrungen gesammelt habe, die mir niemand mehr wegnehmen kann, und dass ich gerade ein grandioses Album gemacht habe. Selbst wenn das Album nicht erfolgreich wird, geht mein Leben genauso gut weiter. Für mich ist es wichtig, nicht diesen Druck zu haben.

Xound: Man darf ja nicht vergessen, dass du bereits sehr erfolgreich warst.

LaFee: Ja das stimmt schon, ich war wochenlang an der Spitze der Charts, ich habe schon große Tourneen von Paris nach Österreich und von Österreich nach Spanien hinter mir, trotzdem fragen mich viele Leute: „Was machst du denn, wenn es nicht funktioniert? Das ist doch Scheisse...“
Klar ist es das, doch es ist kein Weltuntergang. Der mögliche Erfolg ist ja nicht der Grund, warum man das alles macht. Wenn man Musiker ist und was zu sagen hat, kann man gar nicht anders.
Ich habe ja auch erlebt, dass man an der Spitze der Charts schon gutes Geld verdient, habe ein wunderschönes Zuhause, ich fahre mein Traumauto (lacht) und mir fehlte es eigentlich an nichts. Und trotzdem gab es immer wieder Zeiten, in denen es mir nicht gut ging. Ich glaube, das ist ganz menschlich, doch leider reden die meisten Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, nicht offen darüber. Schade, denn das gehört ja zum Leben dazu.
Umso wichtiger ist es, dass man sich mit dem, was man macht, identifizieren kann und aus dem Herzen heraus handelt.

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Xound: Neben der musikalischen Entwicklung hat sich ja auch das Visuelle verändert. Wie kam es dazu?

LaFee: Ich glaube, das ist im Laufe der Zeit auch ganz normal. Es verändert sich ja nicht nur der Musikgeschmack, man verändert ja auch sein Aussehen. Früher habe ich Schlaghosen angehabt, ich erinnere mich noch an meine Zeit mit Cordhosen und Plateauschuhen.
Beim alten LaFee-Konzept war ich ein wenig eingeschränkt und konnte nicht so viel herumspielen. Doch diese Freiheit wollte ich mir nehmen. 
Christina läuft im Privatleben extrem chillig rum. Ich habe halt versucht, einen guten Mix aus „Casual“ und „Christina“ zu machen, habe alles zusammengemischt, worauf ich Lust hatte. Ich wollte nicht nach zweieinhalb Jahren mit exakt dem alten Outfit, dem gleichen Tattoo usw. zurückkommen. Für mich war es wichtig, Aufmerksamkeit zu erregen, aber auf meine Art und Weise, so wie ich bin. Dabei war die Idee mit dem Afro-Look von Anfang an mit an Bord.
Für mich ist wichtig, allen zu zeigen: „Ich bin da“. Das Comeback ist bei den Medienpartnern definitiv geglückt, viele haben Bock, mitzumachen und uns zu unterstützen.

Xound: LaFee war ja auch live immer sehr präsent. Wie sieht es mit einer Tour aus?

LaFee: Das Booking läuft gerade. Im frühen Winter wird es losgehen, wobei ich noch nicht alle Termine habe.

Xound: Ich gehe davon aus, dass du auch mit neuer Band auftrittst.

LaFee: Ja, ich habe eine neue Band. Auch das ist eine neue glückliche Situation: Ich bekomme keine Band vorgesetzt, sondern ich kann mit den Musikern arbeiten, auf die ich Lust habe. Das macht Spaß!

Xound: Für junge Bands ist es heute nicht, leicht Fuß zu fassen, und du bist ja selbst noch sehr jung. Was würdest du anderen jungen Musikern mit auf den Weg geben wollen?

LaFee: Es ist sicherlich schwierig, pauschale Tips zu geben, denn jeder Newcomer hat ein anderes Umfeld. Was ich jedoch für wichtig halte und jedem mit auf den Weg geben möchte ist, dass die Familie darüber Bescheid weiß oder man sich Leute dazu nimmt, die wiederum Bescheid wissen, bevor man irgendeinen Vertrag unterzeichnet.
Wenn es jemandem nur darum geht, viel Geld zu verdienen, ist man hier fehl am Platz. Du musst schon die Liebe zu deiner Musik mitbringen und bereit sein, extrem zu powern, selbst, wenn du vielleicht die ersten Jahre nichts verdienst. Wenn´s dir nur um das Geld geht, werden die Leute dir das anmerken und dann hat keiner mehr Bock auf dich. Aber wenn es um dein Herz und um deine Passion geht, dann ist das cool. Wenn du die Liebe zur Musik hast, dann geht das immer weiter, ob als LaFee im Fernsehen oder als Christina Klein in irgendeinem kleinen Vorstadtclub.

Xound: Danke für das Gespräch.

www.lafee.de

Autor: Hagü Schmitz

 

Tracklisting „Frei“:LaFee_Frei_Packshot

01 Herzlich Wilkommen
02 Lass Die Puppe Tanzen
03 Alles Gute
04 Sonnensystem
05 Du Allein
06 Ich Bin
07 Fliegen Mit Mir
08 7 Sünden
09 Leben Wir Jetzt
10 Phönix
11 Sieh Mich An
12 Danke
13 Ich Hab Dich Lieb

Extras (nur bei iTunes)

14 Ich lösch Dich aus (Bonus Track)
15 Ich bin
16 Frei (EPK)
17 LaFee Trailer

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