Latenzen

Veröffentlicht in Glossar - Audio-Interfaces

Möchte man im Studio ein Instrument einspielen oder einen Track einsingen, so sollte man sich bei seiner Performance möglichst wohl fühlen. Eine Bedingung dafür ist, dass man sich gut hört, am besten ohne Verzögerung. Was bei einem alten Analog-Studio mit Bandmaschine und Mischpult ganz normal war, ist bei einem computergestützten Digital-Recordingsystem noch lange nicht so selbstverständlich. Betrachten wir einmal die gesamte Signalkette des Recordingsystems, vom A/D-Wandlungsprozess, der ein paar Millisekunden dauert, über die Verarbeitung durch die DAW-Software -u.U. sogar noch unter Verwendung diverser DSP-Plugins- bis hin zur Umwandlung von der digitalen Ebene in die analoge Ebene, die wiederum ein paar Millisekunden beansprucht, dann wird schnell klar, was sich hier u.U. summieren kann.
Wenn man beim einspielen mit größeren  Latenzen zu kämpfen hat, so macht das wirklich keinen Spaß, wenn man sich stets um 20 oder 30 ms zu spät hört.
Ganz schlimm ist dieser Effekt für Sänger, neben Timing- und Intonationsproblemen schleicht sich dabei ein ganz anderes Phänomen ein. Da der Sänger seine Stimme bereits durch Resonanzen und Körperschall im Kopf hört, mischt sich der eigene Sound im Kopf mit dem verzögerten Signal aus dem Kopfhörer und es entstehen Auslöschungen, die den Stimmsound für den Sänger anders klingen lassen. Intuitiv stellt sich der Sänger auf diese Misch-Stimmfarbe ein und korrigiert seinen Sound, um sich dem gewohnten Sound anzunähern. In einem Praxistest wurden die Sänger bei zu großen Latenzen plötzlich heiser. Als wir im nächsten Testdurchgang die Latenz wieder auf Null zurückgesetzt haben, klangen die Stimmen – wie ein Wunder- wieder frisch.
Als Faustregel sollte man, wenn möglich nicht mehr als 5 ms Sekunden als Latenz beim Einspielen/ Einsingen in Kauf nehmen.
Wie schnell das gesamte System letztlich reagiert, d.h. welche Latenz bzw. Verzögerung auftritt, hängt nicht nur von der Hardware sondern auch von den verwendeten Treibern und von der Konfiguration des Rechners ab. Hier erlebt man wirklich extremste Unterschiede.