Kurzer historischer Ausflug

Veröffentlicht in Glossar - Audio-Interfaces

Nachdem im Synthe-Bereich bereits die ersten Sequenzer die Möglichkeit boten, über spezielle Steuerspannungen Synthesizer anzusteuern, zunächst nur monophone, ohne Dynamik abzuspielen, hielten das digitale Produzieren durch die Einführung von MIDI seinen Einzug in die Studiowelt. 


Wenn es auch bereits schon digitale Bandmaschinen gab - diese neue Form des Produzierens etablierte sich Mitte der 80er Jahre mit den ersten MIDI-Sequenzern, zunächst als Standalone-Geräte, später als Sequenzer-Software für den Computer unter Verwendung eines MIDI-Interfaces. Die ersten Versionen liefen noch auf dem COMMODORE  C 64 Rechner. Kurze Zeit später lößte ATARI´s 1040 mit seinem Onboard-MIDI-Interface und einem, für damalige Zeiten, gigantischen Ram-Speicher von 1 Mbyte (kein Druckfehler !) eine regelrechte Revolution im Bereich der MIDI-Sequenzer aus.
An Audio-Harddiskrecording war zu dieser kaum zu denken. Zwar gab es bereits zu dieser Zeit über die Luxus-Workstation „SYNCLAVIER“ die Möglichkeit, eine einzige Spur direkt auf Harddisk aufzunehmen, diese Lösung kostet damals (für eine Spur) soviel wie ein einfaches Reihenhaus. 
Nachdem auch ALESIS mit seinen ATAT 8-Spur Digitalrecodern auf der Basis eines VHS-Band-Laufwerks sich mehr und mehr im Studiomarkt etablierte,  folgten später – relativ- bezahlbare Harddsik-Recording-Lösungen.
Ich kann mich noch genau daran erinnern, als dann vor etwa 20 Jahren die ersten Harddisk-Recording-Systeme auf den Markt kamen. Ich selbst war einer der glücklichen Besitzer eines 2-Spur eines Harddisk-Recording-System von Hybrid Arts. Das ATARI-System nannte sich ADAP und lag mit einer Aufnahme-Kapazität von ca. 9 Minuten in Stereo beim Preis eines Mittelklassewagens. Etwa zeitgleich kamen die ersten ProTools Systeme, ebenfalls als reine Stereo-Harddiskrecording-Systeme auf den Markt; zunächst für den ATARI, dann für den MAC.
Doch es sollte nicht bei reinen Audio- oder MIDI-Recordingsystemen bleiben. Die große Herausforderung für alle Hersteller war, beides gleichzeitig in einem System aufnehmen zu können. Zu den großen Vorreitern bei der Entwicklung der Audio/MIDI-Recording-Technologie  zählten auch damals schon Hersteller wie DIGIDESIGN (AVID),  EMAGIC (heute die Audio-Abteilung von Apple mit Garageband, Logic Pro), STEINBERG (gehört heute zu YAMAHA, u.a. mit Cubase, Nuendo u.a.) und MOTU (Digital Performer oder AudioDesk).
Audio-MIDI Recording-Softwares, auch DAW-Softwares (Digital Audio Workstation)  gibt es heute von vielen Herstellern. Neben den bereits genanten Softwareschmieden bieten auch Hersteller wie CAKEWALK (heute zu ROLAND gehörend), MAGIX, PRESONUS, MACKIE, ABLETON und PROPELLERHEAD -um nur einige zu nennen- solche Softwares an.
Das DAW-Standardsetup bestand ursprünglich aus dem Rechner, einer Roulette Chips haben verschiedene Werte. Sound-Karte meist mit einer externen Anschluss-Box und einem zusätzlichen MIDI-Interface. Dazu kamen dann, je nach Aufwand, spezielle Synchronizer für Audio und MIDI.      
Wollte man früher ein funktionierendes Setup zusammenstellen, so musste man schon einiges an Erfahrung aufweisen, um beurteilen zu können, welche Komponenten -Hardware wie Software- sich untereinander vertragen, der Begriff „Plug & Play“ war zu dieser Zeit noch nicht geboren. Dies ist heute definitiv einfacher geworden.
Auch wenn es z.Zt. immer noch Hardware-Lösungen gibt, die aus einer speziellen Soundkarte (meist PCI-Karte) und einem angeschlossenen Interface bestehen, geht der Trend doch heute eindeutig in Richtung USB- oder FireWire-Schnittstelle. Die heutigen Rechner sind im Vergleich zu früher extrem schnell und können mit Leichtigkeit Processing-Aufgaben übernehmen, für die man in der Vergangenheit zusätzliche Hardwares benötigte.
Auch Hersteller wie SOUNDSCAPE (SSL) und DIGIDESIGN setzte viele Jahre mit ihren Systemen konsequent auf eigene DSP-Hardware und waren somit in Bezug auf die Performance nahezu unabhängig von der Prozessor-Leistung des Host-Rechners.
Im Laufe der Zeit sind nun die handelsüblichen Rechner so leistungsstark geworden, dass eine professionelle Performance auch ohne spezielle DSP-Hardware wie bei großen ProTools-Systemen (früher ProTools24, ProTools Mix und später ProTools HD), sichergestellt ist. Nach jahrelangem Zögern unterwirft sich nun auch Digidesign dem Wandel der Zeit und präsentiert ProTools HD Native, welches sich auf die Prozessor-Power der Host-Rechners stützt.