APC40 und Traktor Kontrol S4 auf der Bühne

Veröffentlicht in Tests - Praxistest

_MG_9541Live-Test auf der "Nature One"

Jam & Spoon war in den 90ern ein Duo im Dance und Elektronic-Bereich und hat mit seinen Hits nicht nur die nationale Musikszene stark geprägt. Seit dem Tod seines Partners Mark Spoon im Jahre 2006 wird das musikalische Jam & Spoon-Erbe von Jam El Mar weitergeführt. Für seinen Auftritt auf dem "Nature One 2011“-Festival hat sich Jam El Mar ein ganz spezielles Live-Setup zusammengestellt. Hier sein exklusiver Bericht.

 

Ich erhielt im Frühjahr eine Einladung, auf dem "Nature One“-Festival ein Live-Set zu spielen, mit Songs von Jam & Spoon, Storm, Dance 2 Trance - eben mit allem Material, mit dem ich mit meinen damaligen Partnern Mark Spoon und DJ Dag die Dancefloors rockte. Der Unterschied war vor allem, dass ich nun diesmal selbst der "Plattendreher" war, Live-Remixer und DJ in Personalunion, oder wie auch immer man das bezeichnen möchte. 

Als ich im Kopf ein Setup konstruierte, stellte sich auch die Frage nach den Geräten, die ich benutzen würde. Relativ schnell stand fest, dass ich zwei Produkte auf die Bühne nehmen würde, einmal den APC40 Controller in Kombination mit Ableton Live, zum anderen die Kontrol S4 plus Traktor, mit einem Macbook-Pro als "Zentrale". Da diese Geräte immer noch recht aktuell sind, wollte ich diese Produkte genau auf dem Territorium testen, für das sie bestimmt sind, nämlich in der Live-Situation auf der Bühne.

S4_4Die Kontrol S4 ist von Native Instruments, einer deutschen Firma mit Sitz in Berlin, die in den Neunzigern ein nettes Ding namens "Reaktor" schuf, eine Art modularer Synthesizer in Plugin-Form. Heute ist die Firma so groß, dass es wohl kaum auf der Welt einen Computer gibt, auf dem elektronische Musik gemacht wird und auf dem nicht wenigstens ein Produkt von NI installiert ist. NI stellt seit einiger Zeit auch verstärkt Produkte für DJs her, angefangen bei Traktor, einem Software-DJ-Controller für das Abspielen und Mixen von Musik in digitalen Formaten.
Traktor hat einige größere Updates erfahren, sodass der Entwicklungsstand mittlerweile einen Hardwarecontroller erforderlich machte, um ein DJ-System zur Verfügung zu stellen, das in allen Kriterien eine einfache und intuitive Bedienbarkeit möglich macht.

APC-40Zum anderen habe ich von der Firma AKAI einen APC40 Controller zur Verfügung gestellt bekommen, der eigens für die Steuerung des bekannten Programms „Live“ der Firma Ableton (auch Berlin ; ) konstruiert wurde. Wie der Name schon sagt, soll "Live" eben auch "live" sein und deswegen auch auf der Bühne Einsatz finden. Sequenzielle, elektronische Musik, die einem bestimmten Tempo und Metrum folgt, ist ja nicht unbedingt prädestiniert für spontanes Musikantentum, sondern eher etwas störrisch und unspontan durch das meist feste Tempo und die eingeschränkten Eingriffsmöglichkeiten in das musikalische Material. Man arbeitet mit Loops und festen musikalischen Teilen und ist so relativ weit von einer typischen Situation entfernt, wie sie beispielsweise eine Band auf der Bühne vorfindet. Der APC40 Controller soll Ableton Live noch mehr Performance und Spontaneität ermöglichen, durch eine direkte Kontrolle über die einzelnen musikalischen Elemente.

Bevor ich nun weiter über die Geräte schreibe, noch eine kurze Beschreibung der Konzeption meine Auftrittes. Ich sollte ja aus meinem Repertoire einen Querschnitt meiner Tracks zum Besten bringen und danach noch ein bisschen "auflegen". So ergab es sich, dass ich zunächst einmal mit Ableton Live arbeiten würde, um die Tracks live zu remixen, und dann in der zweiten Hälfte ein paar Klassiker aus den Neunzigern auf der Kontrol S4 mit Traktor spielen würde. Ich sollte vielleicht noch erwähnen, dass ich auf dem Classic-Floor spielte - also eben dort, wo das Publikum auch erwartet, einige Klassiker zuhören.

Voran schicken möchte ich noch eine kurze Beschreibung beider Geräte damit die Konzeption meines Setups klarer wird.


Die Traktor Kontrol S4

S4_1... ist in der Lage, insgesamt vier Decks zu kontrollieren. Das, was früher nur wenige DJs mit gottgeschenkter Feinmotorik zu bieten vermochten, erledigt die S4 im Handumdrehen. Sind die Tracks einmal mit einem gut eingestellten "Grid" versehen, laufen sie perfekt synchron - stundenlang. "Grid" ist eine softwaregesteuerte Analyse der Beats und des Tempos des jeweiligen Tracks.
Möchte man einen neuen Track abspielen, muss er zunächst in einen Preparation-Ordner gelegt und dort mit dem Gridlock versehen werden. Traktor führt selbstständig eine genaue Analyse der Beats und der BPMs (Beats Per Minute) durch und schlägt ein Grid-Muster vor, das im besten Falle genau dem Takt und dem Tempo der Musik entspricht. In den meisten Fällen ist das auch zuverlässig. Sollte Traktor die Beats einmal nicht ganz korrekt ermittelt haben, muss man eventuell manuell ein wenig nachbessern. Man kommt aber in jedem Falle immer zu einem perfekten Ergebnis, sofern die Tracks selber keine internen Timingschwankungen haben (doch auch für diese Fälle gibt es Lösungen).
Sind erst einmal alle Tracks mit einem "Gridlock" versehen, kann nun Traktor die einzelnen Songs perfekt synchronisieren. Alle Tracks folgen nun dem Tempo der eingestellten Clock. Die Clock synchronisiert entweder beide Tracks zentral, oder das eine Deck mit seiner Tempoeinstellung ist die Masterclock des nächsten. In jedem Falle laufen hier alle Beats synchron. Wer den Nervenkitzel oder die Kunst des Mixens will oder braucht, kann auch die Sync-Schalter in der Transporteinheit abstellen und - wie früher - mit den Jog-Wheels die Tracks ineinander mischen. Durch die Gridlock-Technologie ist es allerdings fast jedem, der halbwegs musikalisch ist und ein Gespür für die "Crowd" hat, vergönnt, DJ zu sein. Das dürfte auch erklären, warum fast jeder Siebtklässler heute auch "irgendwie" DJ ist: Kontrol S4 plus Laptop inklusive Traktor - und die Herzen der Mädels gehören Dir! Naja, fast...


EQ und Effekte

S4_2Die Klangregelung der Kontrol S4 ist sehr zweckmäßig, die EQs greifen genau dort, wo der DJ sie braucht, und man kann die EQ-Einheit zuverlässig einsetzen, um elegant von dem einen in den anderen Track zu mischen. Im besten Falle gelingt das so, dass man keinen Übergang mehr hören kann. Es lassen sich zudem noch unterschiedliche EQ-Typen voreinstellen, sodass man sicherlich etwas findet, was zu einem "passt". Besonders den Hi- und Lowpass möchte ich erwähnen. Vom Werk aus ist diese Einheit als "Ladder"-Filter eingestellt. Die Filter greifen recht aktiv ins Klangeschehen ein und man sollte sich ein wenig darin üben, nicht zu schnell zu viele Frequenzen abzuschneiden - etwas Feinmotorik ist hier vonnöten. Allerdings sorgt die Filtergüte, der Q-Faktor, dafür, dass man sie hervorragend als Klangeffekt einsetzen kann. Wem die "Ladder"-Charakteristik zu extrem ist, der kann auch die weichere "Xone"-Einstellung in den Voreinstellungen anwählen und erhält so eine Nachbildung des Filters des bekannten DJ-Mixers.

Apropos "Effekte": Die Kontrol S4 bietet die Möglichkeit, "per Fingertip" insgesamt drei Effekte pro Deck zu kontrollieren. Das ist ein sehr kreatives Werkzeug für modernes Mixing. Da man sich nicht mehr um die Synchronizität der Tracks zu kümmern braucht, hat man nun mehr Möglichkeiten, um selbst aktiver ins Klanggeschehen einzugreifen. Vier Regler kontrollieren die Parameter der jeweiligen Effekte bzw. deren Effektanteil. Beim Hall beispielsweise lässt sich durch den Drehregler die Halllänge einstellen, sodass man dynamisch die Musik aus einem kleinen Raum in eine riesige Halle morphen kann - sehr gut brauchbar für intensive Übergänge! Ich hatte für den Auftritt einen Hall, ein rhythmisches Delay, Beatmasher und einen Flux-Flanger, den man manuell kontrollieren kann, eingerichtet. Am meisten benutzt habe ich jedoch Hall und Delay.


Loopfeatures

S4_3Die Kontrol S4 verfügt auch über einen Loop-Recorder, mit dem entweder aus den Live-Tracks in Echtzeit extrahiert oder auch über die Inputs (Line und Mikrofon) etwas aufgenommen und den spielenden Tracks hinzugemischt werden kann. Wer sich über das Potential dieses Loop-Recorders ein Bild machen möchte, dem empfehle ich einen Videoclip auf der Webseite von Native-Instruments (www.native-instruments.com). Hier gibt Dub EFX live auf dem Dach eines Hauses neben dem Ku’damm in Berlin eine kurze Performance mit seiner Stimme, Mikrofon und Kontrol S4 - Hammer!
Durch die Möglichkeit, die Decks flexibel zu gestalten, kann man auch ein Deck als Live-Input konfigurieren und umgestalten oder sie als Sample-Decks nutzen. In diesen Sample-"Zellen" kann man charakteristische Sounds laden und timinggenau zu den spielenden Tracks abfeuern. Damit kann man dem Set eine individuelle Signatur geben, wenn man dort bestimmte Samples benutzt, die repräsentativ für den jeweiligen Künstler sind.
Unerwähnt darf auch nicht die Loopfunktion bleiben, die mit Hilfe des Gridlocks einen Loop in einen spielenden Track setzen kann. Das ist für modernes Mixing nicht mehr wegzudenken, kann man doch damit gute Teile eines Songs verlängern oder sie zum weichen Rein- und Rausmixen der Tracks benutzen. Dies ist bis zu einer Länge bis 32 Takte einstellbar. Interessant ist auch die Möglichkeit, Loops kleiner als einen Takt einzustellen, bis zum 32tel einer Viertel Note, d.h. man kann das Ding als echten Beat-Masher "missbrauchen" - sehr fett, besonders in Verbindung mit Effekten.
Die Klangeingenschaften der Kontrol S4 mit ihrer Klangregelung und der D/A-Einheit sind sehr gut. Der EQ ist, wie gesagt, zweckmäßig und klingt weder zu scharf noch zu passiv - alles in allem sehr musikalisch. Ein Wort noch über den Limiter, der vor dem Ausgang des Summensignals sitzt. Auch hier hat man den Anforderungen eines DJ-Mixers Folge geleistet. Der Limiter setzt sehr weich ein, und wenn er dann doch mal zu viel Signal bekommt, nimmt er nicht von den Bässen den Druck, sondern holt sich den Headroom, indem er eher was von den hohen Mittenfrequenzen wegnimmt. In einem solchen Falle bleibt also immer das Bassfundament erhalten - im Club eher wichtig! Man muss sich schon anstrengen, um die Kontrol S4 schlecht klingen zu lassen.


Setup

Da ich nun auf eine gemeinsame MIDI-Clock verzichten musste, wollte ich wenigstens versuchen, Audio digital in Traktor zu senden. Dazu kann man das kleine Hilfsprogramm "Jack" benutzen (http://jackaudio.org). Jack ist so etwas wie "Soundflower", eine Art Audio-Server, mit dem man digitales Audio unterschiedlicher Programme auf dem gleichen Computersystem miteinander verbinden kann. Es gibt da ein sehr gut gemachtes Tutorial auf YouTube von der Firma Dubspot genau zu diesem Thema (http://www.youtube.com/watch?v=4xzldehIsCE).

Zurück zum Thema: Wenn man ganz einfach in Ableton als Audio-Engine Traktor S4 anwählt, hat man auch die Möglichkeit, Audio an S4 zu senden, jedoch mit dem entscheidenden Nachteil, dass man nicht die Klangregelung und den Summenlimiter der S4 verwenden kann. Das Audio klingt deswegen auch viel weniger vital und kräftig als ein Track, der von der S4 direkt abgespielt wird. Für meine Zwecke war diese Möglichkeit deshalb nicht brauchbar. An dieser Stelle kann man hoffen, dass die Entwickler von NI eine Möglichkeit schaffen, das Routing über die Kanäle softwareseitig herzustellen. Somit muss man nicht über externes Routing gehen, sondern kann alles elegant intern einrichten, und das Herzstück des Setups ist die Kontrol S4!

Da dies jedoch (noch) nicht möglich ist, habe ich mich entschlossen, ein Apogee Duett anzuschaffen, um ein klangreines, perfektes Audiosignal aus Ableton zu erhalten (http://www.apogeedigital.com/products/duet2.php). Über die Firma Apogee muss man nicht viele Worte verlieren, außer dass sie einige der besten Audioschnittstellen herstellen, die man für Geld erwerben kann.


Der APC40

APC-40obenDie Clips und Scenes werden alle per Druckknopf gestartet, wobei jeder Button die zugehörige Scene im Programm repräsentiert. Fast alle Knöpfe der APC40 sind aus weichem Gummi und beleuchtet. Die Clips sind rot, wenn sie gestoppt sind, und grün, wenn sie etwas abspielen, wie an der Verkehrsampel. Man hat spontanen Zugriff auf acht Live-Spuren gleichzeitig. Hat das Arrangement mehr als acht Spuren, hilft ein Shift-Knopf weiter, mit  dem man in Kombination mit vier Richtungstasten in die Bereiche navigieren kann, die gerade nicht auf dem Panel der APC40APC-40rearpanel erreichbar sind. Das geht schnell, und auf dem Monitor zeigt analog ein roter Rahmen genau die Bedieneinheiten, die gerade durch die APC40 kontrollierbar sind. Eine etwas aufwändigere Variante ist, einfach eine APC20 (http://www.akaipro.com/apc20) zusätzlich anzuschließen, die einem noch mal weitere acht Kanäle zur Realtimekontrolle zur Verfügung stellt. Mehrere solcher APC20 können zur APC40 kaskadiert werden, um somit größere Arrangements übersichtlich und bequem kontrollieren zu können. Sollen die spielenden Clips oder Scenes gestoppt werden, erfolgt dies über die pro Kanal angeordneten Clipstop-Buttons. Am äußeren linken Ende der Stopbutton-Reihe ist ein "Stop-All-Clips"-Knopf angeordnet, der alle Clips auf einmal stoppt, z.B. am Ende des Sets. 


Die Show

Das Wetter am 6.August war leider kalt und regnerisch, also wenig rave-kompatibel, aber mich wunderte schon, dass hier immerhin 54.000 Leute zwei Tage lang abgerockt haben. Die Nature One ist ein riesiger Rave-Zirkus auf dem Gelände eines ehemaligen Raketendepots. Hier lagerten weiland wohl die Pershings mit ihren Atomsprengköpfen. Dieses Gelände hat also eine wirklich positive Entwicklung genommen. Früher Hochsicherheitsgelände mit globalen Tötungsmaschinen, jetzt monumentaler Dancefloor für Raver aus der ganzen Welt - das ist nach meinem Geschmack! Am Classicfloor angekommen, hat mein Roadie die Technik aufgebaut, und los ging’s. Wie bereits erwähnt, habe ich mit Ableton Live in der ersten Hälfte der zwei Stunden, die ich on stage war, Sachen von Jam & Spoon, Storm und Dance 2 Trance live gespielt. Ich habe sämtliche Tracks noch mal im Studio überarbeitet, denn der Sound hat sich gegenüber den Neunzigern schon deutlich geändert. Auf den ersten beiden Spuren von Live habe ich jeweils immer die wichtigsten Songteile laufen lassen, so war ich in der Lage, die Dauer einzelner Parts zu kürzen und zu verlängern und zwischen unterschiedlichen Tracks mit dem Crossfader hin und her zu wechseln. Auf den restlichen sechs Spuren hatte ich neues Material liegen: Loops, Stabs, Vocal-Snippets, Goodies - also viel Material zum rumspielen und einstarten, um die Tracks sozusagen live zu remixen. Die APC40 war dabei absolut verlässlich. In der gesamten Zeit, in der ich mit diesem Ding arbeitete, muss ich sagen, gab es auch nicht den geringsten Ausfall oder Error. Man muss auch sagen, dass der APC40 sehr gut verarbeitet ist. Das Gehäuse ist sehr robust und auch schwerer als man denkt, aber immer noch leicht genug, um problemlos auf die Reise mitgenommen zu werden. Wie gesagt, bei der Bedienung muss man etwas auf der Hut sein und genau wissen, was man tut. Ich hatte einmal die Ehre, den international bekannten DJ John Acquaviva kennenzulernen. Während des Abendessens hat er den einen oder anderen Drink niedergemacht mit den Worten, dass der Beruf des DJs der einzige sei, bei dem man besoffen zur Arbeit gehen könne - nun, lieber John, bei der Bedienung des APC40 geht das nun auch nicht mehr. Aber alles in allem ist der APC40 eine ideale Ergänzung für die Bedienung von Live und das nicht nur in der Live-Situation, sondern auch im Studio. Wenn man den Controller einmal "drauf" hat, möchte man ihn nicht mehr missen, und ein wenig Übung erfordert jedes Instrument ja nun einmal.

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Nach ca. einer Stunde war dann das Live-Set vorüber, und ich habe dann zum DJ-Set übergewechselt. Jetzt kam die Stunde meiner Kontrol S4. Man kann ganz unumwunden sagen, dass in der heutigen Zeit Native Instruments das Mixen von Musikstücken fast zu einem Kinderspiel hat werden lassen. Einen guten DJ machen natürlich letztendlich andere Eigenschaften aus, aber das technische Mixen ist nun fast von jedermann zu machen. So konnte auch ich ohne jahrelange Erfahrung und Übung ein DJ-Set spielen. Die Tracks waren fast allesamt aus den Neunzigern und haben damals die heiligen Hallen der Clubs wie Dorian Gray und Omen beschallt.
_MG_9929Die Kontrol S4 hat mich also im Handumdrehen zu einem DJ werden lassen durch all ihre großartigen Features, aber auch hier sei ein wenig Kritik angebracht: Die S4 stellt leider keinen "Booth-Out" zur Verfügung. Mit Hilfe eines solchen Ausgangs ließe sich auch das Monitoring von der S4 aus regeln. Man ist also in jedem Falle auf einen weiteren Mixer angewiesen, der dann den Monitorpegel regelt. Im Prinzip kein Problem, da ja meist ein solcher Mixer in Clubs auch zur Verfügung steht, aber oftmals ist die Platzsituation etwas kritisch, und man muss die Geräte übereinander legen. Das führt dann auch mal dazu, dass so ein Monitor-Regler schwer zu erreichen ist. Eine andere Sache ist mir während meines Gigs passiert, die mir kurz die Kraft aus dem Gesicht fallen ließ. Als auf dem Deck A gerade ein Track lief, blieb das Ding wie aus heiterem Himmel stehen - wieder die angesprochene unangenehme, unerwünschte Stille. Das Display zeigte an, dass der Track sein Sync-Signal verloren hat als hätte ich auf dem zugehörigen Jogwheel meinen Finger drauf, ganz so, wie man eine CD oder eine Vinyl-Platte anhält um sie danach anzuschieben. Leider war das ja nun nicht der Fall aber trotzdem - dem Himmel sei Dank - konnte ich durch mehrmaliges Betätigen des Sync- und Play-Buttons Deck A zur Weiterarbeit überreden. Aber nachdem ich auf Deck B rübergewechselt bin und ich einen weiteren Track in Deck A laden wollte, verweigerte letzteres bis auf Weiteres seinen Dienst. Ich musste also mit Deck B und D weiterarbeiten. Wie mir Native Instruments mitgeteilt hat, ist das die Folge einer schlecht durchgeführten oder verlorenen Kalibrierung. Die beiden Jogwheels müssen nämlich vor der ersten Inbetriebnahme von Hand kalibriert werden. Das habe ich zwar gemacht, aber dieser Vorgang lag einige Zeit zurück und die S4 will wohl einfach von Zeit zu Zeit nachkalibriert werden. Dieser Vorgang geht zwar einfach und schnell, aber ist während einer Live-Situation für DJ und Publikum einfach lästig. Man tut also gut daran, die S4 regelmäßig nachzukalibrieren. Eine so revolutionäre Entwicklung wie die Kontrol S4 reift eben erst über einige Zeit, und kleine Schwächen muss man einkalkulieren. Seitdem ist mir das auch nicht mehr passiert, und einige meiner DJ-Kollegen, die auch die S4 professionell einsetzen, kennen dieses Problem überhaupt nicht. Also scheint diese Situation wohl eher ein seltener Einzelfall zu sein.
Ansonsten muss ich sagen, dass es riesigen Spaß macht, mit der S4 zu arbeiten. Durch die zuverlässige Synchronisation der Tracks dank Gridlock hat man viele Kapazitäten frei, um effektvolle, weiche Übergänge zu schaffen oder einfach ausgefallenes, kreatives DJing mit den Loopfunktionen oder den zahlreichen Realtime-Effekten zu machen. Hervorheben muss man auch den Sound, der mir extrem gut gefällt. Immerhin muss Traktor ja auch in der Lage sein, in einem sehr weiten Tempobereich ohne größere Artefakte Musik wiederzugeben, und da muss man ehrlich sagen, dass es schon unglaublich ist, in welch weit gespanntem Tempobereich man Musik abspielen kann, ohne dass sie sich manipuliert anhört. Zudem ist die Soundeinheit der S4 extrem gut gelungen.
Beide Produkte, S4 und APC40, sind auf jeden Fall eine gute Anschaffung und absolut empfehlenswert


www.akaipro.com
www.native-instruments.com

Autor: Jam El Mar

Fotos: hannes windrath - www.thframe.net  und Archiv


UVPs*:
Akai APC 40: 478 EUR
Native Instruments Traktor Kontrol S4: 899 EUR



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