Interview mit BxDxF

BxDxF_bandpic2011iCROSSOVER 2.1 AUS KÖLN

BxDxF heißt die Band um Leon Fuller aka 1EON, Julia Binder, Benni Koch und Mike Rollmann. Geprobt wird in einem Keller in einem Gewerbezentrum der Kölner Neustadt-Süd, und in den letzten Jahren konnten zahlreiche Preise und Awards abgeräumt werden: Deutscher Rock Award, Deutscher HipHop Award und Bester Europäischer Newcomer Live. Beim Emergenza Bandcontest kamen BxDxF ins Europafinale.
Die Band spielte als Headliner bei angesagten Events, als Support unter anderen für die Bloodhound Gang oder die Sportfreunde Stiller und kann auf 250 Auftritte zurückblicken – teilweise sogar vor mehr als 140.000 Leuten. Eine Tour verschlug die Band nach Afghanistan. Sie wurde von der Bundeswehr zu mehreren Konzerten eingeladen. Keine Bühne und kein Land sind vor der Band aus Köln sicher. Bei ihrer dritten UngarnTour ließen sie verschwitzte Körper, selige Gesichter und neue Freunde zurück. Wenn man sich BxDxF anhört, egal ob auf CD oder live, dann hört man pure Energie. Leon und Julia als FrontDuo sind ein einziger Entertainment-Faktor Und mit Sicherheit einzigartig. Hier treffen harte Gitarrenriffs auf HipHop Grooves, messerscharfe Raps auf hymnischen Gesang – und alles gepowert von einer tighten, agilen und sehr kraftvollen Band.
Xound traf die Band im Proberaum und sprach mit den Musikern über den Bund Deutscher Fischer und andere Hintergründe.

 

XOUND: Für was steht euer Bandname BxDxF?

LEON FULLER: BxDxF ist so ein Name, bei dem sich die Geister scheiden. Die einen finden ihn sehr originell, die anderen sagen: »Das kann man sich gar nicht merken.« BxDxF ist eine Abkürzung für »Beat Down Flavah«. Dieser Name hat eigentlich keine große Bedeutung. Wir haben uns damals anno 1782 für einen Band Contest angemeldet, und wie das dann bei vielen Bands so ist, gab es uns gerade erst ein paar Monate und wir brauchten schnell einen Bandnamen. Ich habe dann einfach diese Wortkreation aus meinem hinterletzten Hirnwinkel gepresst, und die Xe dazwischen sind einfach ein weiterer optischer Stolperstein.
Wir hießen erst Beat Down Flavah für 1,2,3,4 Jahre, und haben uns dann gedacht: »Mensch, das ist viel zu kompliziert, das kann sich doch keiner merken – machen wir doch BxDxF draus«, was natürlich noch viel catchier ist (lacht). Die Xe sind eigentlich nur der Ersatz von Punkten, als Abkürzungs zeichen gedacht, aber auch innerhalb der Band ist noch offen, ob der Bandname gut oder schlecht ist. Ich habe ein sehr gutes Zitat vom ExDrummer der Band Korn, David Silveria, gehört: »The music makes the name« – und so halten wir das auch. Ich denke, letztendlich ist es nur ein Label, und was zählt ist nur die Musik. Die ist uns wichtig, und von der sind wir überzeugt.

JULIA BINDER: Die Xe sind schon sehr wichtig, damit man nicht auf der Website vom Bund Deutscher Fischer landet.

LEON FULLER: BDF.de ist der Bund deutscher Fischer.

JULIA BINDER: Das ist echt der Hammer.

LEON FULLER: Es gibt natürlich viele Bandnamen, die sich ähneln, ob man nun in MetalGefilden unterwegs ist oder im HipHop Bereich, und bei uns ist da schon ein gewisser Wiedererkennungswert. Die Leute sagen: »Ach, ihr seid doch die Band mit den Xen.« Also, es funktioniert schon.

XOUND: Wie sortiert ihr euch musikalisch ein? Seid ihr eine Crossover-Band?

JULIA BINDER: Im weitesten Sinne auf jeden Fall, weil es dem Begriff »Crossover« am nächsten kommt, also dem Crossover, den man noch aus den 90er Jahren kennt. Aber wir haben auch sehr viele Einflüsse dadurch, dass wir eben die Songs auch zusammen im Team schreiben. Da bringt natürlich jeder auch seinen persönlichen Touch mit ein. Und dann gibt’s auch mal einen Song, der eine Funkgitarre drin hat, oder einen, der mal was rockiger ist, oder ich bringe schon mal eine SoulLine mit rein – aber wir würden uns schon als CrossoverBand bezeichnen.

XOUND: Ihr habt also nicht einen speziellen musikalischen Background oder eine spezielle musikalische Vergangenheit wie Metal oder Hip-Hop?

JULIA BINDER: Das ist bei uns total gemischt.

LEON FULLER: Ich denke, das ist einerseits die Schwäche aber andererseits auch die Stärke der Band. Es ist ja oft so, dass sehr erfolgreiche Bands entweder alles Metaller oder alles HipHopper sind. Aber bei uns ist es eine positive Fügung des Schicksals, dass wir alle verschiedene musikalische Hintergründe haben und wir uns da auch gegenseitig musikalisch befruchten. Musik ist ja auch eine Art von Dialog, und unsere HauptSongwriter, Benni und Mike, sind beide auch musikalisch sehr weit aufgestellt. Ich denke, es ist immer interessanter, ein Gesamtkunstwerk zu schaffen, das sich aus vielen verschiedenen Richtungen speist. Nur dann hat man die Möglichkeit, etwas zu erschaffen, was man vielleicht nicht alleine im stillen Kämmerlein hätte machen können. Und dass wir letztendlich auch bei dieser Melange von Musik gelandet sind, bedingt sich auch ein bisschen durch die vielen Jahre, in denen wir zusammen gewachsen sind. Wir haben sogar als InstrumentalBand angefangen. Da wurden einfach Instrumentals von irgendwelchen Jazzund Funkstandards gespielt, und dann kam noch der HipHop dazu. Mit den Bandmitgliedern wandelt sich dann alles. Man lernt, die Songs noch ein bisschen besser zu schreiben und vieles mehr. Die Summe der Mitglieder macht letztendlich unseren Sound aus. Ich denke, seit zwei, drei Jahren haben wir uns jetzt in einer Ecke positioniert, wo wir uns sehr gut fühlen, und »Crossover« ist ja in der Kunst ein sehr weitläufiger Begriff. In der Musik wird Crossover auf harte Gitarren plus Raps reduziert, was wir bei uns aber nicht so sehen. Wie Julia schon gesagt hat, bei uns ist es die Melange aus vielen verschiedenen Musikrichtungen. In den 90ern war der CrossoverBegriff zwar sehr stark, aber ich denke, wir machen einen Crossover, der durchaus unserem Slogan »Crossover 2.1« gerecht wird und eben der heutigen Zeit entspricht. Wir verstehen uns keinesfalls als 90er Jahre Coverband, sondern durchaus als CrossoverBand, die zeitgemäß 2012 Sounds miteinander vermischt und »Crossover« einfach nur als Deckmantel für ein Sammelsurium verschiedener Musikstile verwendet.

XOUND: Eure Musik ist ja unheimlich energiegeladen. Wenn ihr zusammen im Proberaum einen neuen Song schreibt, wie geht ihr vor?

LEON FULLER: Vielleicht sagt ihr da was zu (wendet sich Benni Koch und Mike Rollmann zu).

MIKE ROLLMANN: Ja, der SongwritingProzess ist vielleicht nicht ganz so romantisch, wie man sich das vorstellt, dass sich alle im Probenraum treffen und fröhlich drauflos kacheln. Es ist schon so, dass Ideen gesammelt werden. Die werden dann am Notebook aufbereitet. Wir machen das direkt so, dass wir die Songs im Computer entwickeln. Das unterscheidet uns vielleicht von einigen anderen Bands, die im Prinzip im Probenraum jammen und ihre Sachen entwickeln. Wir gehen wirklich so vor, dass wir die Songs Stück für Stück im Rechner produzieren und sehr viel ausprobieren.
Wir treffen uns auch bei mir zu Hause oder woanders und gehen gezielt an die Sachen ran. Im Endeffekt entstehen die Songs im Rechner und werden dann erst gespielt. So läuft das bei uns, seitdem ich dabei bin – das ist ja noch nicht sehr lange (lacht).

BENNI KOCH: Früher war das auch so, Mike hat da vollkommen recht. Natürlich gibt’s auch immer kleine Jamfragmente zwischendurch. Wenn wir eine neue Strophe zusammen entwickeln, bei der vielleicht schon klar ist, dass Leon seine Raps darüberlegen wird, schauen wir schon vorher, dass das Gerüst für Leon okay ist. Dann gehen wir auch mal wieder weg vom Computer, probieren verschiedene Sachen beim Spielen aus und kommen dabei noch auf weitere Ideen.

JULIA BINDER: Wichtig ist auch, dass man guckt: Passt jetzt der Übergang zwischen Strophe und Refrain? Fühlt sich das gut an? Groovt das irgendwie? Aber bei uns gibt es selten Probleme, das zu kombinieren.

LEON FULLER: Weil es auch relativ klar ist, wie wir vorgehen.

JULIA BINDER: Wir machen das natürlich auch schon seit neun Jahren zusammen.

LEON FULLER: So, wie der Begriff »Crossover« für unsere Musik passt, passt er auch für unser Songwriting. Mike und Benni meinten, wir verknüpfen auch hier das Beste aus beiden Welten. Die Jungs bereiten was auf dem Rechner vor – was technisches oder musikalisches Verständnis betrifft, sind sie weit vorne –, und dann wird das hier organisch zusammengesetzt.
Ich denke, »Crossover 2.1« passt auch dabei, und wie Julia sagt, ist es letztendlich meistens klar: Ich rappe die Strophen und sie singt die Refrains. Wobei wir uns dabei auch gegenseitig ergänzen. Sie unterstützt mich bei den Strophen, oder ich mache meinen Einwurf beim Refrain. Manchen Bands wie zum Beispiel Linkin Park wird ja vorgeworfen, dass man Song auf Song legen kann, und alle Strukturen sind immer gleich. Davon halten wir selber gar nichts. Wir benutzen das einfach nur als weiteres SongwritingTool, aber letztendlich geht’s ja um Musik. Musik sind ja Emotionen, und um diese Emotionen zu transportieren, ist es für uns der Weg.

XOUND: D.h. ihr seid nicht festgelegt, wie eure Vocal-Passagen aufgeteilt werden?

JULIA BINDER: Wir schauen, welcher Part für wen von uns zuträglich ist. Manchmal haben wir mit einer Strophe angefangen, die eigentlich für Leon geplant war, und dann wird aber nachher klar, dass es vielleicht doch besser ist, wenn ich über den Part was singe. Dann setzt man das im Probenraum so zusammen, wie es sich für alle gut anfühlt.
Weil wir alle aus völlig unterschiedlichen musikalischen Richtungen kommen, ist das natürlich nicht immer leicht. Da gibt’s natürlich Diskussionen über bestimmte Parts, die dann die Hälfte der Band total geil findet, und die andere Hälfte sagt: »Nee, das geht gar nicht.«

XOUND: Aber dann kommt man doch letztendlich auf einen Nenner, sonst wärt ihr nicht so erfolgreich. Ihr habt ja auch einige Awards abgeräumt, welche waren das genau?

LEON FULLER: Das ist natürlich immer relativ, aber wir sind natürlich sehr stolz darauf.
Wir haben beim Emergenza Bandcontest mitgemacht, der wird vielleicht einigen Lesern ein Begriff sein. Das ist ein europaweiter Bandcontest, wo letztendlich live auf der Bühne entschieden wird, wer was kann und wer nicht. Davon halten wir auch sehr viel. Produktion ist schön und gut, aber die Bühne entscheidet letzlich. Das ist nun mal so. Es war ein europaweiter Contest, und wir sind ins Finale gekommen. Dort haben wir tatsächlich auch den Award als bester europäischer Liveact im Newcomerbereich bekommen, was uns ein bisschen die Türen für weitere Bookings geöffnet hat, und da sind wir natürlich drangeblieben.
Wir haben uns auch beim Deutschen Rock & Pop Musikerverband beworben. Die vergeben jährlich den Deutschen Rock und Pop Preis. Da gibt’s verschiedene Kategorien, und wir haben erst den deutschen HipHop Award für uns entscheiden können und ein Jahr später den deutschen Rock Award, wobei man mal wieder sieht, das der Begriff »Crossover« ganz gut passt.
Wir haben einige dieser Contests mitgemacht, weil man am Anfang einfach Referenzen braucht, wenn man sich irgendwo meldet, ob das jetzt bei einem Medienpartner ist oder bei einem Club. Jetzt haben wir genug Awards am Revers und wollen als Band einfach noch besser werden.

XOUND: Ihr habt viele große Konzerte gespielt. War der Gig in Afghanistan der Größte?

LEON FULLER: Das ist ja jetzt schon fast zwei Jahre her. Wir werden aber immer noch darauf angesprochen, und ich verstehe auch wieso. Wir sind ein bisschen zufällig nach Afghanistan gekommen. Ich versuche die lange Geschichte einfach mal abzukürzen.
Vorweggeschickt, der ganze AfghanistanGig oder der ganze Trubel ist bei uns nicht politisch motiviert, auch innerhalb der Band waren da die Motivationen verschieden. Wir haben uns da auch nicht instrumentalisieren lassen. Das war uns sehr wichtig. Es war letztendlich so, dass wir an einem Förderprogramm teilgenommen haben und auf einer Bühne gespielt haben, die von der Bundeswehr gestellt wurde. Wir sind alles ExZivis, und das war uns gar nicht geheuer. Wir haben diesen Gig mit komischen Gefühlen im Bauch gespielt. Ein paar Wochen danach habe ich einen Bericht bei BBC über britische Soldaten in Afghanistan gesehen und mich selbst dabei ertappt, wie vorurteilsbehaftet ich an diese Sache herangegangen bin und nicht die Menschen hinter der Mission gesehen habe.
Die ganze Sache hat so angefangen: Ich war auf einer Party eingeladen, und der Freund der Gastgeberin ist Kampfflieger in Afghanistan. Ich wusste das gar nicht und habe mich mit ihm unterhalten. Dabei kam die Idee mit dem Gig in Afghanistan auf. Ich habe das am Anfang gar nicht so ernst genommen, und dann wurde es ziemlich ernst. Wir mussten ungefähr 5000 Seiten Papier unterschrieben und waren dann plötzlich in Afghanistan.
Das war eine unglaublich intensive Erfahrung, und das werden wir nicht vergessen. Ich denke, es war richtig, dass wir das gemacht haben. Ich würde das auch wieder tun, einfach deswegen, weil wir da sehr viele herzliche und enge menschliche Kontakte geknüpft haben. Es ging überhaupt nicht um Politik, und auch den Soldaten ging es nicht um Politik.

JULIA BINDER: Wir haben noch nie so ein dankbares Publikum gehabt.
Die Soldaten waren einfach froh, mal ein bisschen Ablenkung zu haben und den Kopf mal freizumachen. Einfach den Abend zu genießen, ohne an die äußeren Umstände zu denken, in denen sie sich befinden. Es war wirklich toll.

LEON FULLER: Man macht sich kein Bild davon, wie hart es da wirklich ist. Das Ding ist, man sieht es ja im Fernsehen und ja okay, da ist es mit Sicherheit heiß, und da ist mit Sicherheit Sand, und man hat mit Sicherheit Angst. Aber wenn man wirklich dort ist und wir waren ja über eine Woche da – kann es passieren, dass man wirklich vierundzwanzig Stunden Angst hat und nirgendwo eine stressfreie Zone ist, in die man sich zurückziehen kann. Das ist wirklich tough. 45 Grad und dann die ganze Zeit Sand, es war wirklich kein Spaß.
Aber irgendwie finde ich es ganz wichtig, dass wir das gemacht haben, für mich selbst als Person, und auch der Band hat es sehr gutgetan. Aber wir haben ja auch schon zwei Mal im Knast gespielt. Ich denke, es ist einfach wichtig, dass man als Künstler Musik auch dorthin transportiert, wo nicht gleich ein völlig ausgetrampelter Pfad ist. Überall gibt es Leute, die sich über Musik freuen, und überall gibt es Leute, die ein Anrecht auf Kunst und Kultur haben. Und wenn wir unseren Teil dazu beitragen können, dann haben wir das richtig gemacht.

XOUND: Rapmusik verbindet man immer mit dem Bad-Boy Image …

LEON FULLER: Ich bin auch unglaublich gefährlich (lacht).

XOUND: Denkt ihr, dass es nur ein Klischee ist, dass sich Rap-Gangs aus sozialen Brennpunkten der Städte formieren? Köln ist ja angeblich bekannt dafür.

LEON FULLER: Ich möchte vorwegschicken, dass ich ganz schön gefährlich bin und unglaublich böse … nee, also ich würde sagen, ich verstehe mich gar nicht als Rapper, sondern einfach als Musiker. Ich bin durch Zufall mit dem Rap in Berührung gekommen und hab das für mich als Instrument gewählt. Da gibt’s sonst auch nicht viel zu sagen. Ich denke, jede Art von Szene ist mit Klischees behaftet, die zum Teil stimmen und zum anderen Teil absoluter Quatsch sind. Dass Rap als GangstaRap wahrgenommen wird, hängt sicher mit dem Scheuklappendenken der Konsumenten zusammen. In den letzten zehn Jahren hat sich im Rap so unglaublich viel getan, und es gibt so viele kreative Rapper, die eben nicht das ToughGuy Image bedienen, sondern wirkliche Poeten sind. Deren Bedarf ist es aber einfach, dass sich die Leute mit der Materie auseinandersetzen und nicht nur die nächste BildSchlagzeile lesen – ohne das böse zu meinen. Ich denke, das gibt es bei jeder Musik. Wenn man sich Metaller anguckt, da denken viele Leute auch, die zünden jede Mitternacht eine Katze auf dem Friedhof an. Das ist ja auch völliger Schwachsinn. Ich denke, jede Kunstform hat ihre Auswüchse, die vielleicht ein bisschen spektakulärer sind oder ein wenig Effekthascherei nach sich ziehen. Dass ich jetzt rappe, ist eher Zufall. Ich komme eigentlich total aus dem Metal, habe in Los Angeles gelebt und bin dort das erste Mal mit Rap in Berührung gekommen.
Mich hat total fasziniert, wie man so viel Message auf so wenig Zeit unterbringen kann. Ich habe das einfach ausprobiert und bin dann daran hängen geblieben, so wie einer, der eine Gitarre in die Hand nimmt und dann halt Gitarre spielt. Das hat bei uns weder irgendwelche Imagegründe noch sonst was.

JULIA BINDER: Wir sind von unserer Musik her auch eher im Rock angesiedelt als im HipHop. Von daher kommen wir mit diesem HipHop/Rap Gansta Image auch überhaupt gar nicht in Verbindung.

LEON FULLER: Wir spielen ja auch eigentlich nur bei Rock Events. Und bei uns allen ist es so, dass keiner sein Instrument – ob es jetzt Gitarre, Schlagzeug, Gesang oder Rap ist – traditionell bedient, sodass man sagen könnte: »Das ist diese eine Ecke.« Wir bewegen uns künstlerisch alle auf einem Pfad, der nicht der traditionelle oder der Standardweg ist, und das macht uns ja auch besonders Spaß. Wenn ich jetzt nur Texte darüber schreiben würde, wie ich wen abgestochen habe, würde das erstens nicht stimmen, und zweitens käme ich mir auch total lächerlich dabei vor. Es mag mit Sicherheit Leute geben, auf die das zutrifft, und abgesehen davon möchte hier auch gar nicht über GangstaRap ablästern. Ich finde, das ist ein unglaublich wichtiger Faktor des Rap, und für viele Leute mag das alles ja auch stimmen, aber ich bediene mich der Kunstform, weil es mir Spaß macht und weil es mir liegt.

XOUND: Ihr habt zwei höllisch gute Videos gemacht, zu »Stereo/Radio« und »Monkey-Bizness«.

 

 








JULIA BINDER: Dankeschön.

LEON FULLER: Es gibt ein neues.

XOUND: Wo kann man das sehen?

LEON FULLER: Das gibt es auf unserer Facebook-Seite zu sehen. Der Song zum Video heißt »Start A Riot«.

JULIA BINDER: Wir waren ganz stolz, als wir das Video von demjenigen, der es gemacht hat, gepostet bekommen haben. »Schaut mal, ich hoffe das ist okay«, sozusagen, »ich hab euren Song genommen.« Das ist total cool! Natürlich ist das Video auch auf Youtube zu sehen, unter dem OccupyTitel, es hat uns sehr gefreut und geehrt.

XOUND: Wie und mit wem habt ihr die Videos produziert?

JULIA BINDER: Wir haben wie jede Band, die irgendwie versucht, sich selbst über Wasser zu halten, natürlich keine horrenden finanziellen Möglichkeiten, um den Megaproduzenten zu engagieren. Von daher hat es jede Menge Arbeit von Leons Seite bedurft. Das war wirklich sehr gut. Wir haben einfach unfassbar viele Leute angeschrieben und gesagt: »Hey wir haben einen coolen Sound – wer hat Bock, mit uns was zu machen?« Und bei beiden Videos hatten wir das Glück, gute Leute zu finden, die gesagt haben: »Ich finde das geil, was ihr macht. Ich finde den Song cool, und ich hab Bock, mit euch ein Video zu machen.«

LEON FULLER: Es ist halt immer so: Leute kennen Leute, die wiederum Leute kennen. Und ich glaube, gerade in dem Stadium, in dem wir uns als Band befinden, wissen wir schon ganz genau, was wir wollen und wo wir hinwollen. Und da ist noch jede Menge Luft nach oben. Also haben wir uns letzten Endes mit Leuten zusammengetan, die sich auf dem gleichen Karrierelevel wie wir bewegen, die eben schon ein bisschen was geleistet haben, aber auch selbst noch total hungrig sind und hoffentlich alle noch am Anfang ihres Weges stehen, so wie wir auch. Und wie gesagt, es gibt ein neues Video, passend zur OccupyBewegung. Das haben wir nicht selbst gemacht, aber unser Sound ist dafür verwendet worden.

XOUND: Kommt bald eine neue CD von euch raus?

MIKE ROLLMANN: Wir sind momentan sehr stark im SongwritingProzess eingebunden. Wir haben zurzeit auf jeden Fall Einiges in der Mache. Es ist jetzt noch nicht an der Zeit, dass man was vorspielen könnte, aber wir denken, wenn wir in diesem Tempo so weiterarbeiten, können wir gegen Mitte des Jahres was aufnehmen.

XOUND: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg für die Zukunft.

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