Fat-Channel und Signalfluss der Eingangskanäle

CRW_Input_sektion_4cBeim Einstellen der Parameter eines Kanals stellt sich schnell heraus, dass die richtige Kombination der Fat-Channel-Bedienelemente und der Menü-Bedienung via Display und Softkeys sehr effektiv ist. Man profitiert gleichermaßen von direkten Zugriffsmöglichkeiten über „Knöpfe“ als auch von den komfortableren Anzeige-Optionen des Displays.
Ein weiteres Feature - ob nun Zufall oder gewollt - erscheint in der Praxis ebenfalls als nützlich:
Während die Drehregler im Fat-Channel ohne Raster auskommen, sind die Soft-Parameter-Regler am Display gerastert. Dieses Raster erleichtert die Eingabe kleiner Parameter-Veränderungen. Für den normalen Mix-Vorgang eher unerheblich, hat mir jedoch auch gefallen, dass sich selbst der Kanal-Fader über das Display kontrollieren lässt. Gerade beim Einmessen eines Setups kann man auf diese Weise sicherstellen, dass z.B. der Fader exakt auf einem definierten Wert steht.
Die HOME-Taste des Displays öffnet eine Menüseite, die einen kompletten Kanalzug inkl. Eingangstufe, Insert, Ausgangs-Sektion, Gruppen-Setups, allen Sends sowie Gate-, EQ-, Dynamic-Einstellungen, sogar mit Dynamik- und EQ-Kurven, darstellt.

channelhome

Ändert man den Insert-Punkt oder schaltet man den den Kompressor zwischen Pre- oder Post-EQ um, so ändert sich auch die Reihenfolge der Sektionen im dargestellten Blockschaltbild.
Innerhalb dieser HOME-Page lassen sich auch direkt die wichtigsten Parameter bearbeiten. Möchte man jedoch alle Parameter einer Sektion detailliert sehen und editieren, so empfiehlt es sich, die entsprechende Menüseite aufzurufen.
Um von einer zur nächsten Sektion zu wechseln, verwendet man einfach die „Page“-Umschalt-Funktion am Display oder die entsprechenden „View“-Tasten im Fat-Channel.

Die Vorverstärker-Sektion des Mischpult-Eingangskanals (CONFIG/PREAMP ) stellt die erste Signalstufe eines Kanals dar und bietet drei Schalter zur Aktivierung der Phasenumkehr, der Phantom-Power sowie des Low-Cut-Filters.
Während sich mit dem FREQUENCY-Regler die Frequenz des Low-Cut-Filters zwischen 20 und 400 Hz variieren lässt, dient der GAIN-Regler zur Einstellung der Eingangsverstärkung.
Auf eine Umschaltung zwischen Line- und Mikro-Pegel wurde bei den X32-Preamps verzichtet, dafür ist der Input-Gain regelbar von -12 dB bis +60 dB. Dies hat den Vorteil, dass die XLR-Eingänge des Mixers ohne Umschaltung sowohl für Line- als auch für Mikro-Signale verwendet werden können. Um eine optimale Aussteuerung zu gewährleisten, finden wir in der Preamp-Sektion wie auch im Display eine Aussteuerungsanzeige.
Innerhalb des CONFIG-Menus lässt sich auch einstellen, welches Signal auf dem selektierten Kanal eingeht. Welche Optionen hier zur Auswahl stehen, hängt vom Routing Setup des X32 ab, aber dazu später mehr.
Sobald ein anderer Eingang als der des eigentlichen Kanals ausgewählt wird, erscheint im jeweiligen Mini-Display ein Hinweis. Auf diese Weise sieht man sofort, welcher Kanal hier aus der Reihe tanzt. 
Im CONFIG-Menu kann darüber hinaus ein Pre/Post-schaltbarer Insert aktiviert werden. Als Inserts stehen sowohl die internen Effekt-Prozessoren als auch die Aux-Wege zur Auswahl.  
Um Laufzeiten z.B. zwischen unterschiedlichen Delay-Türmen auszugleichen, wurde ein Delay integriert, welches bis max. 500 ms verzögert. Glücklicherweise zeigt die Skala nicht nur Werte in Millisekunden, sondern auch in Metern oder Feet an.
Die GATE-Sektion bietet im Fat-Channel lediglich einen Ein-/Ausschalter sowie den Threshold-Regler. Im entsprechenden Display-Menü lassen sich zusätzlich die Timingparameter Attack, Hold und Release sowie der Gate-Regelbereich (auf/zu bzw. nur leiser bei geschlossenem Gate) einstellen. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, zwischen Gate- und Duck-Betrieb umzuschalten. Um die Gate/Duck-Funktion auch mit anderen Signalen triggern zu können, erlaubt das Menü, beliebige Key-Signale anzuwählen, ganz gleich ob es sich dabei um andere Kanäle, Busse, Sends, Aux-Wege o.a. handelt. Zusätzlich kann für das Keysignal ein variables Filter zugeschaltet werden, um das externe Keying zu optimieren.

Die DYNAMICS-Sektion ist ähnlich wie das Gate aufgebaut. Auch hier gibt es im Fat-Channel nur einen Regler für den Threshold. Im Display-Menü geht´s dann wie beim Gate mit weiteren Timing- oder Keying-Parametern zur Sache. Wahlweise kann der Dynamik-Prozessor zwischen Kompressor- und Expander-Modus umgeschaltet werden. Als Ratio sind Werte zwischen 1:1 und 1:100 einstellbar. Um das Kompressor-Verhalten optimal einstellen zu können, erlaubt der „Knee“-Parameter, die Kompressor-Kurve weicher oder steiler verlaufen zu lassen. Zum Ausgleich des Signal-Verlustes durch den Kompressor lässt sich der Pegel über den Gain-Parameter wieder aufholen. Die Wirkung des Kompressors wird sowohl durch eine Grafik im Display als auch durch einen kleinen Bargraph im Fat-Channel und durch weitere LEDs ober- und unterhalb der Kanal-Aussteuerunsanzeige dargestellt.   

Die EQUALIZER-Sektion des X32 ist für ein Live-Mischpult schon mehr als komfortabel. Neben dem o.g. Low-Cut, der auch noch mal in der EQ-Sektion auftaucht, bietet der X32-Equalizer weitere vier EQ-Bänder. Jedes Band ist regelbar in Bezug auf Frequenz (20 Hz bis 20 kHz), Güte (0,3 bis 10) und Gain (+/-15 dB). Dazu kann individuell für jedes Band eine von vier Betriebsarten (High Cut, High Shelving, Vintage EQ, Parametric EQ, Low Shelving, Low Cut) ausgewählt werden. Wie beim X32 üblich können die EQ-Einstellungen sowohl im Fat-Channel als auch über das Display eingestellt werden. Der Fat-Channel bietet dafür drei Endlos-Regler für Frequenz, Gain und Güte. Die Umschaltung des EQ-Modes sowie die Auswahl des Bandes erfolgt über die beleuchteten Taster. Im Display erstreckt sich das umfangreiche EQ-Menü dagegen über vier Layer.
Die aus den Einstellungen resultierende EQ-Wirkung wird im Display als Frequenzkurve angezeigt.